Bewertung: 8

Review: #6.06 Die üblichen Verdächtigen

Foto: Jesse Lee Soffer & Patrick John Flueger, Chicago P.D. - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC
Jesse Lee Soffer & Patrick John Flueger, Chicago P.D.
© 2018 NBCUniversal Media, LLC; Matt Dinerstein/NBC

Die Drehbuchautoren von "Chicago P.D." lassen sich nicht lumpen und nehmen in #6.06 True or False weiterhin die Beziehung von Adam Ruzek und Hailey Upton in den Blickpunkt und geben ihr so gehörig Sendezeit, sich zu entwickeln und die ZuschauerInnen auf ihre Seite zu ziehen. Während #6.05 Father & Sons das Ganze mit Fokus auf Adam angegangen ist, steht nun Hailey im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als wir am Anfang der Folge Adam und Hailey so glücklich erlebt haben, weil das so wunderbar an die letzte Folge anknüpfte. Daher war ich dann doch etwas säuerlich, als sich plötzlich dunkle Wolken am Himmel auftaten, weil Adam wütend auf den Nachttisch geschlagen hat. Relativ schnell zeigt sich im weiteren Verlauf, dass die Drehbuchautoren Haileys Problem mit Gewaltausbrüchen bewusst platziert haben, da es sich bei dem Fall der Woche um eine brutale Gewalttat handelt, die aufdeckt, dass Hailey selbst von ihrem Vater geschlagen wurde. Ich bin aber überzeugt, dass dieses Thema auch problemlos funktioniert hätte, wenn man Adam am Anfang der Folge nicht ins schlechte Licht gerückt hätte. Er ist definitiv ein Hitzkopf, aber nun wahrlich kein Schlägertyp, als dass Hailey bei ihm in dieser Richtung etwas befürchten müsste.

In diesem bereits erwähnten Fall, wo die Frau eines Stadtrates brutal verprügelt wird und an ihren Verletzungen stirbt, arbeiten Adam und Hailey sehr viel zusammen. Da das Thema vom Anfang der Folge zum Glück schnell gegessen war, ging es daher wieder um Konflikte für ihre Beziehung, die sich auftun, wenn sie als Kollegen zusammenarbeiten. Adam hat relativ schnell gemerkt, dass Hailey, in deren Armen die Frau gestorben ist, über das normale Maß hinaus betroffen war. Dadurch hat er sie eben auch vor einem möglichen Verdächtigen gemaßregelt, weil sie sich diesem wirklich unnötig offensiv gegenüber verhalten hat. Hinterher durfte er sich anhören, dass sie ihm als Detective übergestellt ist und er ihre Autorität daher nicht so untergraben kann. Auch an dieser Stelle hätte man nun mäkeln können, warum die Autoren den beiden bewusst Steine in den Weg legen, aber ich finde diese beruflichen Konflikte sehr spannend.

Zumal sich das Thema der Beziehung am Arbeitsplatz durch die ganze Folge zieht, da auch noch Jay Halstead involviert wird. Nachdem Hailey durch ein taktisches Manöver von einem Verdächtigen ein Geständnis erhalten hat, hängt sich dieser in seiner Arrestzelle auf. Gleich darauf stellt sich heraus, dass sein Geständnis gelogen war und Hailey macht sich schwere Vorwürfe. Daraufhin gibt es eine Szene in ihrem Haus, wo sie ihr Leid klagt und als ZuschauerIn weiß man zunächst nicht, wem sie das Ganze erzählt. Schließlich wird Jay als Gesprächspartner offenbart, was ich als richtig empfand. Sooft wie die beiden sich schon beigestanden haben, war es nur logisch, dass Jay für sie da sein würde. Lustigerweise taucht auch Adam auf, so dass Jay beinahe herausfindet, dass die beiden eine Affäre haben. Ich fand es gut, dass in diese Geschichte etwas Tempo gebracht wurde, weil jedem klar sein sollte, dass die beiden irgendwann auffliegen werden und ich bin wirklich sehr gespannt, wer dies tun wird. Hank Voight scheint jedenfalls nah dran zu sein, da er inzwischen ein untrügliches Gespür dafür entwickelt hat, was in seinem Team vor sich geht.

Zurück zu Jay und dem Thema Liebe am Arbeitsplatz: Jay hat nach der Begegnung mit Adam die Sorge, dass sein Freund denken könnte, dass er etwas mit Hailey hat, was diese direkt ablehnt unter der Begründung, dass Adam wisse, dass sie keine Beziehung mit einem Arbeitskollegen anfangen würde. Jay stimmt ihr da sofort zu und muss dabei natürlich an seine eigene leidvolle Erfahrung mit Erin Lindsay denken. Ich fand dieses Gespräch aber auch sehr interessant, weil mir das Gespür danach sagte, dass wir zumindest keine Dreiecksgeschichte mit Jay zu erwarten haben. Bei ihm war keinerlei Eifersucht gegenüber Adam zu spüren und auch seine Ablehnung einer Beziehung am Arbeitsplatz wirkte sehr echt. Puh! Hinterher hatte ich nur die Befürchtung, dass Hailey sich vielleicht noch mal auf ihre Prinzipien besinnt und Adam fallen lässt, zumal dieser intuitiv gespürt hat, dass sie durch ihren Vater misshandelt wurde. Erfreulicherweise bleibt sie sich aber weiterhin untreu und lässt ihre Gefühle angesichts dieser Erfahrung ihm gegenüber zu. Somit sind wir einer festen Beziehung wieder einen Schritt näher.

Haileys Vergangenheit, die nun in dieser Folge beleuchtet wurde, wurde sehr berührend dargestellt. Als ihre Figur Ende der vierten Staffel eingeführt wurde, hatte ich eher den Eindruck, dass sie ein Papakind war, deren Leben sich von Grund auf änderte, als ihr Vater bei einem Überfall auf seinen Laden ums Leben kam. Da das Ganze als Dreh- und Angelpunkt für ihre Karriere wirkte, hätte ich nie gedacht, dass bei der kleinen Hailey möglicherweise auch Erleichterung mitgespielt hat, weil sie unter der dunklen Seite ihres Vaters zu leiden hatte. Das Thema Gewalt ist in Bezug auf Hailey ja nicht neu, da wir in #5.18 Alte Wunden erfahren haben, dass sie bei einem Undercover-Einsatz von dem Drogenhändler Ronald Booth schwer verprügelt wurde. Der Zusatz mit ihrem Vater ist da natürlich doppelt heftig, aber es gibt ihrer Figur eine gewisse Tiefe, die Tracy Spiridakos erneut unheimlich berührend darstellt. Ich bin nur gespannt, ob die internen Ermittlungen gegen sie weiterverfolgt werden und sie dann offen zu ihrer Geschichte stehen muss, oder ob das Thema nun auch wieder fallen gelassen wird. Letzteres empfände ich als verschenktes Potenzial, da Haileys Probleme, den Ehemann der Toten anzuschießen, andeuten, dass sie an dem Thema noch sehr zu knabbern hat.

Normalerweise ist das Schema bei "Chicago P.D." immer so für mich, dass ich den Fall der Woche unheimlich spannend finde oder dass ich ihn eher als nebensächlich empfinde und deswegen hoffen muss, dass die Geschichten drum herum top sind. In dieser Folge zeigt sich nun eine neue Tendenz auf: es gibt einen spannenden Fall, dieser gerät nur leider unter der Fokussierung auf Hailey etwas zu kurz. Devin Williams als Verdächtigen habe ich sehr spannend empfunden, da man merken konnte, dass bei ihm etwas nicht stimmt. Natürlich wurde durch Haileys Gespräch mit ihm aufgedeckt, dass er von seinem Vater verprügelt wurde und sich daher schon lange mit Selbstmordgedanken plagt, aber dennoch schien er vor allem in seiner eigenen Welt zu leben, so dass sich vielleicht eine Involvierung von Dr. Daniel Charles angeboten hätte.

Der Fall entwickelt sich hinterher ja zu einem Fall von häuslicher Gewalt, da das Opfer sich von ihrem Mann trennen wollte und er hat sie dafür durch einen Mordauftrag gegen sie bestraft. Das Thema häusliche Gewalt nimmt einen als ZuschauerIn immer sehr mit und daher fand ich es auch bei diesem Teilthema schade, dass wir das Ganze nicht mehr ergründen konnten. Die dämonische Seite des Jason Collier hätte gewiss auch viel Potenzial gehabt. In dieser Folge taucht nun auch wieder Katherine Brennan auf. Erfreulicherweise wird sie jedoch nur beiläufig involviert und diesmal darf man ihre Handlungen auch positiv einschätzen. Ich hatte nämlich befürchtet, dass sie durch ihre Freundschaft zu Collier alles geben würde, um ihn zu schützen.

Fazit

Diese Folge bildet im Prinzip das perfekte Gegenstück zu der vorangegangenen Folge, da wir diesmal mit Hailey mitleiden und gerührt verfolgen können, wie bedingungslos Adam ihr beisteht. So bekommt man wirklich das Gefühl, dass die Autoren sich mit den beiden Mühe geben wollen. Die zwei Teilfälle wiederum hatten so viel Potenzial, dass man sie vielleicht besser aufgeteilt hätte. Unter dem Strich bleibt aber erneut eine höchst unterhaltsame Folge, die das hohe Niveau der Staffel toll bestätigt.

Lena Donth – myFanbase

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