Bewertung: 7

Review: #7.15 Der Augenzeuge

Foto: Taylor Kinney, Chicago Fire - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC © Universal TV; Matt Dinerstein/NBC
Taylor Kinney, Chicago Fire
© 2018 NBCUniversal Media, LLC © Universal TV; Matt Dinerstein/NBC

Nachdem es zu Beginn der Season ein großes dreiteiliges Crossover gegeben hat, das nur für "Chicago Fire" richtig gut funktioniert hat, stand nun also ein kleines Crossover zwischen der Mutterserie und "Chicago P.D." an. Zuletzt habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass die kleineren Überschneidungen zwischen den einzelnen Chicago-Serien insgesamt besser wirken, da man eine Handlung nicht unnötig in die Länge ziehen muss. Wie schlägt sich nun also die Zusammenarbeit von "Chicago Fire" und "Chicago P.D."?

Der Grund für die Zusammenarbeit von Polizei und Feuerwehr wurde gleich zu Beginn der Episode logisch aufgebaut. Wache 51 wird in seiner Brandbekämpfung in einem Wohnhaus entscheidend ausgebremst, weil die Schlüssel in einem Schlüsselkasten geklaut wurden und so wird entlarvt, dass diese Kästen offenbar mit dem Generalschlüssel der Feuerwehr ausgeräumt wurden, um diese für eine Einbruchsserie zu verwenden. Die Polizei nimmt die Feuerwehr auch konkret ins Visier, da nur sie Zugang zu dem Generalschlüssel haben. Die Tatsache, dass zwar die Wache aus logistischen Gründen schnell einzugrenzen ist, nicht aber der konkrete Täter, lässt die Intelligence Unit eine Undercover-Arbeit anregen.

Diese Grundidee hat mir ausgesprochen gut gefallen, da sie einen sehr spannenden Aspekt in das Geschehen eingebracht hat. Leider hat sich jedoch zu keinem Zeitpunkt der Folge erschlossen, warum sich in Hank Voights Augen Joe Cruz besonders für den Undercover-Einsatz geeignet hat. Jedem war klar, dass Hanks Vorschlag insofern schon brisant war, weil Cruz auf den Leiter der Intelligence Unit seit ihrer Meinungsverschiedenheit in Bezug auf den jüngeren Cruz-Bruder, Leon, nicht gut zu sprechen ist. Hinzu kommt, dass Cruz für mich auch nicht die offensichtliche Wahl für so einen Einsatz ist. Er hat ein großes Herz, ist meist auch etwas naiv und ein sehr solider Arbeiter, er ist aber definitiv nicht abgebrüht und raffiniert in seinen Aktionen. Das hat sich dann auch während seines Aufenthalts bei Löschzug 66 überdeutlich gezeigt. Seine "unauffälligen" Befragungen und dass er stets beim Herumschleichen erwischt wurde, haben ihn in meinen Augen als dilettantisch entlarvt.

Grundsätzlich fand ich es aber gut, dass Cruz mal wieder in so einer fokussiert erzählten Handlung die Hauptrolle spielen durfte, da er mit seiner Art immer die Herzen berührt. So wurde auch nebenbei unterstrichen, was für einen Wert er für Kelly Severide in seiner Rüsttruppe hat, da sein Fehlen die Arbeit direkt auf den Kopf stellt. Dennoch muss ich insgesamt sagen, dass seine Wahl als Undercover-Agent eher unglücklich war und ich fand es auch schade, dass es aus dem Gastauftritt von Jeff Lima alias Leon nicht mehr herausgeholt wurde. Gerade seine Warnungen bezüglich der Zusammenarbeit mit Hank hätten im weiteren Verlauf noch mehr zum Tragen kommen müssen. Insgesamt ist Cruz‘ Einsatz viel zu glimpflich vonstatten gegangen.

Wenn man aber mal von Cruz' eher unglücklichem Agieren absieht, fand ich das Rätsel, wer von den Feuerwehrleuten nun derjenige ist, der den Schlüssel klaut, spannend erzählt. Es gab vier Verdächtige, die wirklich alle in Frage kamen, da die Lösung geschickt lange offen gehalten wurde. Ich fand es auch nachvollziehbar, dass Cruz sich aus menschlichen Gründen sehr schwer getan hat mit seinem Herumschnüffeln, da er auf das ein oder andere private Geheimnis gestoßen ist, das er ungerne an die Polizei weitergeben wollte. Wie die Täterschaft nachher aufgedeckt wurde, hat wirklich einen kleinen Showdown in der Folge eingeleitet, den ich als gelungen sehen möchte. Nun ist es an "Chicago P.D." in #6.15 Good Men herauszufinden, warum ausgerechnet Calvin Suggs den Schlüssel für eine Einbruchsserie weitergegeben hat. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt!

Neben Lima kehrt aber auch Gary Cole in die Serie zurück, um seine Rolle des Commissioner Carl Grissoms wiederaufzunehmen. Da er in der Comedyserie "Fam" gecastet wurde, hat sich logisch erklärt, warum er in der bisherigen Staffel 7 von "Chicago Fire" noch nicht aufgetaucht ist, auch wenn ich das sehr unglücklich fand, da er als Gegenspieler und spätestens bei der Beerdigung von Benny Severide Präsenz hätte zeigen müssen. Nun ist er also wieder zurück und das in handzahm. Zwar merkt man ihm das typische Geschehen einer Führungskraft an, die sich vor allem der Politik und dem öffentlichen Ansehen verpflichtet sieht, aber dennoch hätte ich gedacht, dass seine Rückkehr neue Probleme aufbringen wird. Stattdessen findet er sogar ein wenig in die Rolle des Grissoms zurück, als den wir ihn ganz am Anfang wahrgenommen haben: ein hingebungsvoller Mentor von Kelly, der mit seinem Ehrgeiz für seinen Schützling nur übers Ziel hinausgeschossen ist. Im Endeffekt fand ich es also durchaus sinnvoll, dass sich Kellys Sorgen, dass Grissom für Ärger sorgen wird, nicht bewahrheitet haben, denn so konnten sie einen Schritt der Versöhnung gehen, der nach Bennys Tod wirklich längst überfällig war!

Grissoms Wiederkehr bringt uns aber auch zurück zu der zerbrochenen Beziehung von Kelly und Stella Kidd. Diese war in den letzten Folgen nur unterschwellig ein Thema, nun wird die Handlung auf Sparflamme wieder angewärmt. Zunächst findet mit der neuen Figur Keith ein Geretteter Gefallen an Stella und bittet sie um ein Date. Mir fällt es nach dieser einen Episode sehr schwer, mir über ihn ein Urteil zu erlauben, da er kein Profil gewinnen konnte. Mich würde es aber auch nicht wundern, wenn er ohnehin nur Mittel zum Zweck ist und dass er also gar keinen eigenen Charakter entwickeln muss. Kelly bekommt die Verabredungen der beiden mit, versucht seine Eifersucht jedoch zu verbergen, indem er sie immer hinter seinem Ärger, dass er Cruz für mehrere Schichten abgeben musste, verbirgt. Dennoch kommt es schließlich zu einer Interaktion von Stella und Kelly, da sie ahnt, dass Grissoms Anwesenheit ihren Ex-Freund belasten muss. Er lässt sie zunächst abblitzen, aber nachdem sich Grissoms Motive als ehrenhaft entpuppt haben, sucht Kelly ein entschuldigendes Gespräch mit Stella, die von Keith aber zu einem weiteren Date abgeholt wird. Hier kommt Kelly also zu spät, aber ich sehe diese Interaktion doch als deutliches Zeichen, dass man den beiden noch eine Chance geben will. Das kann in meinen Augen aber nur funktionieren, wenn Kelly endlich mal sein Herz auf der Zunge trägt, ein Moment, auf den wir gefühlt seit Anbeginn der Serie warten.

Fazit

Der Auftakt zum Crossover mit "Chicago P.D." ist von der Grundidee und der Umsetzung her durchaus spannend, jedoch wollten sich meine Zweifel nicht vertreiben lassen, dass Cruz als Undercover-Agent nicht die geschickteste Wahl war. Dennoch ist die Grundlage für eine interessante Fortsetzung bei "Chicago P.D." mehr als gegeben.

Lena Donth – myFanbase

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