Bewertung: 9

Review: #5.21 Ungesunder Menschenverstand

Heather Taffet steht vor Gericht und Booth, Brennan und Hodgins stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Wenn sie nämlich die Untersuchungen im Falle des jüngsten Opfers des Totengräbers durchführen und gegen Heather Taffet aussagen, werden ihre Fälle nicht vor Gericht verhandelt. Das heißt: Was der Totengräber Hodings, Brennan und Booth angetan hat wird strafrechtliche nicht verfolgt. Eine Entscheidung, die nicht allen Teammitgliedern gleich leicht fällt und die bei einigen sogar auf Unverständnis stößt.

"You’re so brilliant Dr. Brennan, why couldn’t you find something as simple as a number?"

Heather Taffet ist eine begnadete Anwältin, das wird schon in den ersten paar Minuten ihrer Verhandlung klar und somit steht auch fest, dass ihre Gegenspieler cleverer sein müssen als sie. Wer wäre dazu also besser geeignet als Booth, Brennan und das Team des Jeffersonian Institutes? Doch da gibt es ein Problem, nämlich, dass Heather Taffet angeklagt ist, weil sie Booth, Brennan und Hodgins entführt und an ihnen einen Tötungsversuch verübt hat. Somit ist es diesen Dreien nicht erlaubt sich in irgendeiner Weise an der Beweisaufnahme des Falles zu beteiligen.

Heather Taffet lässt bei der ersten Anhörung die Gelegenheit nicht aus, Brennan daran zu erinnern, dass sie gerade in dem Fall, der sie selber betrifft versagt hat und nicht fähig war, einige Beweise zuzuordnen beziehungsweise nicht erkennen konnte, was sie bedeuten. Mit dieser Bemerkung trifft sie nicht nur Brennans Stolz, sondern in gewissem Sinne auch deren Glaube an sich selbst. Denn Brennan, die sich sonst schon unbewusst mit Vorwürfen quält, bekommt durch Taffets Aussage noch mehr das Gefühl, dass sie ausgerechnet bei dem Fall, der sie selber und zwei ihrer engsten Freunde betrifft, versagt hat.

Doch Heather Taffet hat wohl nicht damit gerechnet, dass ihre Bemerkung Brennan nur noch mehr dazu antreibt nach der Bedeutung dieser Nummer zu suchen und wahrscheinlich hat sie noch weniger damit gerechnet, dass Brennan, Booth und Hodgins auf die Verhandlung ihres Falles verzichten, nur um an der Beweisaufnahme mitzuarbeiten und damit sicherzustellen, dass Heather Taffet für ihre Taten verurteilt wird. Diese Selbstsicherheit die Taffet an den Tag legt, die jedoch mit jeder Aussage der Mitarbeiter des Jeffersonian etwas schwindet, hat die Gerichtsverhandlung geprägt und dafür gesorgt, dass sie keine Sekunde lang träge oder langweilig erschien.

"You okay?" – "You mean because this case is a carreer killer? I’m cute, I can always find a job."

Meistens gibt es in den Episoden von "Bones" eine Storyline die witzige Teile beinhaltet und damit für eine gewisse Auflockerung sorgt. Dieses Mal wurde dieser Fun-Faktor weggelassen, was meiner Meinung nach genau das Richtige war. Der Fall des Totengräbers beschäftigt das Jeffersonian Team jetzt schon eine Weile und zusätzlich waren drei der Hauptcharaktere dem Totengräber beinahe zum Opfer gefallen. So wäre es für mich absolut fehl am Platz gewesen, hätte man in dieser Folge versucht, irgendwelche witzigen Pointen einzubauen. Vor allem da auch die anderen Episoden, in welchen der Totengräber involviert war, durch Ernsthaftigkeit geprägt waren.

Trotzdem wäre es falsch gewesen, eine totale depressive Stimmung zu verbreiten und somit dem Charakter der Serie untreu zu werden. Meiner Meinung nach, hat Caroline mit ihrer Art dafür gesorgt, dass genau dies nicht eintritt. Mit ihrer Eigenschaft, das Wohl des Teams vor ihr eigenes zu stellen ohne dabei aufopfernd zu wirken, sorgt sie für eine gewisse Abwechslung zu den sehr emotionalen Szenen der sonstigen Charaktere. Dadurch wird einem jedoch vielleicht die Bedeutung ihres Handelns nicht so bewusst und ihre Taten werden nicht so gewürdigt, wie sie es eigentlich verdient hätten. Denn sie setzt ihre ganze Karriere als Staatsanwältin aufs Spiel, indem sie einen Fall verhandelt, der jedenfalls am Anfang kaum zu gewinnen ist. Doch wie beispielsweise auch in der Folge #2.11 Ein Verräter im Feuer zögert Caroline nicht für die Gerechtigkeit und für das Team ihren Job zu riskieren.

"It is really that easy for you to forget what happen to us?" – "I will never forget what happen to us or to Booth or this boy, you’re not the only one, who are suffering Dr. Hodgins."

Nach außen hin scheint Hodgins definitiv am meisten zu Leiden und nach Rache zu sinnen. Dadurch, dass Brennan ihre Gefühle nicht so zeigen kann oder will und Booth sicherlich durch seine Vergangenheit bei der Armee und durch seinen Job beim FBI besser mit solchen Vorkommnissen umgehen kann, werden Hodgins Schwierigkeiten bei der Verarbeitung des Vorgefallenen sowie seine damit verbundenen Rachegefühle nur noch mehr hervorgehoben. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass er sich zuerst vehement dagegen sträubt, die Verhandlung in seinem Fall zurückzustellen, denn für ihn bedeutet dies im ersten Augenblick, dass sein Fall weniger wichtig ist als der Fall des Jungen.

Aber genau diese unterschiedlichen Reaktionen von Hodgins, Brennan und Booth sowie das Zusammentreffen dieser, machen diese Folge zu einer der Besten der fünften Staffel. Vor allem da zum Schluss alle am gleichen Strang ziehen auch wenn sie auf unterschiedlichen Wegen zu der Erkenntnis gekommen sind, dass an der Beweisaufnahme mitzuwirken und auf die Verhandlung des eigenen Falles zu verzichten, die einzige richtige Entscheidung war. Dass auch Hodgins sich damit abgefunden hat, wird zum Schluss der Folge klar. Nämlich als er vor der Urteilsverkündung sagt, dass das Wichtigste in seinem Leben Angela ist, und dass er mit jeder Entscheidung des Gerichtes umgehen kann, solange sie an seiner Seite ist. Ich glaube nicht, dass Hodgins damit all seinen Schmerz und seine Wut überwunden hat, aber ihm ist klargeworden, dass es im Leben wichtigeres gibt als Rache und er kann Frieden mit sich selber schließen, weil er weiß, dass er alles in seiner Macht stehende getan hat, damit für Gerechtigkeit gesorgt wird und zwar nicht nur für ihn sondern auch für die anderen Opfer.

"I should be able to pull everyone together and keep them on track."

Eigentlich hätte ich erwartet, dass Hodgins, Brennan oder sogar Booth Sweets aufsuchen, denn eigentlich bräuchten genau diese drei psychologischen Beistand. Dass schlussendlich ausgerechnet Cam auf Sweets Hilfe angewiesen ist, hat mich überrascht und anfangs sogar etwas gestört. Doch beim zweiten Schauen, habe ich meine Meinung hier komplett geändert. Cam war zwar persönlich nicht von den Machenschaften des Totengräbers betroffen, wurde aber, da zwei ihrer Mitarbeiter und einer ihrer besten Freunde Opfer von Taffet waren, natürlich emotional mit hineingezogen. Außerdem fühlt sie sich durch ihre Stellung im Team für ihre Mitarbeiter verantwortlich und dadurch in gewisser Weise auch schuldig an den Geschehnissen.

Diese Gefühle der Schuld und des Versagens werden durch den Prozess bei ihr wieder hochgewirbelt und sicherlich durch das Gefühl verstärkt, dass das Team während des Prozesses oft verunsichert wirkt und sie nichts dagegen tun kann. Cam ist eine starke Frau, die es gewohnt ist alles unter Kontrolle zu haben und jetzt entgleiten ihr plötzlich die Dinge und sie kann nichts dagegen tun. Auch wenn Cam in dieser Episode sicherlich nicht so viel Bildschirmpräsenz aufweisen kann, zeigt diese Szene zwischen ihr und Sweets wie sehr auch sie unter den Geschehnissen im Zusammenhang mit dem Totengräber leidet und vor allem zeigt es ihre Angst, ihr Team zu verlieren, und somit nicht nur beruflich sondern auch menschlich versagt zu haben.

"I don’t want you to kill people for me, just buy me a sweater like a regular dad."

Auch wenn Maxs Tat ziemlich voraussehbar war, so durfte sie meiner Meinung nach nicht fehlen. Hätte Brennans Vater keinen Versuch unternommen, die Frau zu töten, die seine Tochter umbringen wollte, hätte dies meiner Ansicht nach den ganzen Handlungsstrang um Max Keenans Charakter zerstört. Denn schließlich hat er den Großteil seiner Straftaten nur verübt, weil er seine Kinder schützen wollte, da war es nur logisch, dass er nicht zulassen wird, dass Heather Taffet jemals wieder in die Nähe seiner Tochter gelangt.

Immer wenn Max auftaucht und irgendwelche illegale Taten verübt, bewundere ich wie Booth und Brennan damit umgehen, schließlich stehen sie beide in dieser Beziehung zwischen den Stühlen. Brennan, die einerseits überhaupt nichts von dem verbrecherischen Tätigkeiten ihres Vaters hält, ihn anderseits jedoch trotzdem liebt und Booth, der Maxs Taten in gewisser Weise verstehen kann, da er selber einen Sohn hat und sehr wahrscheinlich auch in Versuchung kommen würde, so zu handeln wäre Parker in Gefahr, anderseits natürlich schon durch seine Arbeit beim FBI jedoch auch durch seinen Glauben in das Rechtssystem seines Landes, sich dazu verpflichtet fühlt, Maxs Taten zu unterbinden. Dies ist sowohl für Booth wie auch für Brennan keine leichte Situation und trotzdem meistern die Beiden sie immer wieder, ohne dass es untereinander zu Streitigkeiten oder Spannungen kommt. Dies zeigt mir jedes Mal aufs Neue, wie sehr sich Booth und Brennan gegenseitig respektieren und wie großartig sie es schaffen, ihre beruflichen Pflichten von den privaten zu unterscheiden.

"I have nightmares Booth. Hodgins is bleeding, you’re drowning. I can’t help anyone."

Brennans Rolle hat mir in dieser Folge besonders gut gefallen. Durch ihre Alpträume wird einem schnell klar, dass sie es dieses Mal nicht schafft den Fall rein aus professioneller Sicht zu betrachten, sondern dass nun auch ihre Emotionen mitspielen und sie ihre Gefühle nicht immer kontrollieren und verbergen kann. Durch ihre Alpträume wird einem jedoch noch etwas anderes klar und zwar, dass sie sich größtenteils nicht um sich selber sondern um andere, sprich hier vor allem um Booth und Hodgins, sorgt. Für mich zeigen sich hier einige Parallelen mit Cams Gefühlen, denn ich denke auch Brennan fühlt sich verantwortlich für das Team und hat sicherlich teilweise das Gefühl versagt zu haben, indem sie nicht fähig war, den Totengräber früher zu identifizieren und hinter Gitter zu bringen und somit in gewisser Weise zugelassen hat, dass Taffet auch noch Booth in seine Gewalt bringen konnte.

Bis zu dem Zeitpunkt in dem Booth in Brennans Leben getreten ist, hat sie wohl nie jemanden so nahe an sich herangelassen. Inzwischen hat sie jedoch schon mehrmals gezeigt wie sehr sie nur der Gedanke daran, Booth zu verlieren, ängstigt. Der Gedanke ängstigt sie sogar so sehr, dass sie ihn teilweise eher von sich wegstößt, als ihn an sich heranzulassen. So auch in dieser Episode. Auch wenn sie Booth erstaunlicherweise ohne großes Drängen seinerseits von ihren Alpträumen erzählt und sich sogar von ihm trösten lässt, entfernt sie sich am Schluss nicht nur körperlich, sondern auch emotional von ihm.

"I have a sense that everything is changing Booth." – "Not everything. Look we’re still partners, right?"

Diese Schlussszene und Brennans Worte machen mir ehrlich gesagt etwas Angst. Es sieht fast so aus, als stelle Brennan die letzten Jahre und ihre Beziehung zu Booth in Frage. Einerseits kann ich ihr Verhalten nachvollziehen. Sie will nicht noch einmal Gefahr laufen, Booth zu verlieren und baut deswegen einen Schutzmechanismus auf. Wahrscheinlich denkt sie, dass wenn sie wieder zu ihrem alten Ich zurückfindet, sich von Booth und ihrer Zusammenarbeit mit dem FBI löst, könnte alles wieder wie früher werden und sie wird wieder zu der emotionslosen, gefühlskalten Wissenschaftlerin, die sich nicht mit Ängsten und Alpträumen auseinandersetzen muss, sondern sich bei ihrer Arbeit und in ihrem Privatleben auf reine Fakten konzentrieren und verlassen kann.

Natürlich wird dies nicht funktionieren. Brennans und Booth Beziehung ist schon viel zu intensiv, als dass Brennan ihn, ihre Partnerschaft und ihre Freundschaft einfach so aus ihrem Leben streichen kann. Außerdem hat sich Brennan in den letzten Jahren, gerade auch durch Booth emotional so extrem weiterentwickelt und so viel über Gefühle und Beziehungen zu anderen Menschen dazugelernt, dass sie sich nicht einfach wieder zurückentwickeln kann. Ich hoffe nur, dass Brennan auch zu dieser Erkenntnis kommt und sich ihren Ängsten stellt und zwar zusammen mit Booth, der egal in welcher Situation immer zu ihr stehen wird.

Fazit

Eine großartige Folge, die trotz der Fokussierung auf die Gerichtsverhandlung von Heather Taffet dem Zuschauer viele Einblicke in die Gefühlslage der einzelnen Charaktere gegeben hat. Durch eine großartige schauspielerische Leistung aller, konnte ich mit jedem mitleiden und für jeden einzelnen von ihnen Verständnis aufbringen. Und auch wenn der Schluss nicht unbedingt auf ein schönes Staffelfinale hoffen lässt, so war er für diese Episode doch genau richtig, denn es wäre schon wieder zu kitschig gewesen, hätte sich wirklich alles zum Guten gewendet und wären alle Ängste und Zweifel in dieser Kürze verschwunden.

Maria Schoch - myFanbase

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