Bewertung: 5

Review: #4.24 Der Biber in einem Otter

Jeder hat sicherlich schon einmal etwas Verrücktes getan ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Und genau mit diesem Thema beschäftigt sich diese Folge "Bones". Durch den Fall wird einem klar, dass sich Verrücktheiten schnell in ernste Schwierigkeiten verwandeln können, Booth muss sich mit seinem Bruder auseinandersetzen und dabei wird ihm bewusst, dass es in seiner Situation nicht mehr so einfach ist, Verrücktheiten zu begehen und zum Schluss gesteht Brennan schliesslich, dass sie noch nie in ihrem Leben etwas Schlimmes getan hat. Von diesen Punkten aus betrachtet, war in der Folge gewissermassen ein roter Faden zu erkennen und die offenen Handlungsstränge um Booth und Jared konnten gut mit dem Fall verknüpft werden. Trotzdem konnte mich diese Episode nicht wirklich überzeugen.

"So this is not the missing cadaver?" – "I think, you find your missing medical school cadaver over there."

Studentenverbindungen, sowie deren manchmal etwas merkwürdigen Rituale, stehen in diesem Fall im Mittelpunkt. Denn bei genauso einem Ritual taucht unerwartet eine Leiche auf, die sich, entgegen der ersten Vermutung, dass es sich dabei um ein gestohlenes Skelett der medizinischen Fakultät handelt, schnell als Beaver, ein Mitglied einer Studentenverbindung, identifizieren lässt.

Studentenverbindungen und ihre oft gefährlichen, an Schikane grenzenden Rituale waren schon oft Stoff für Folgen von US-Serien und Filmen. Zwar sind bei uns Studentenverbindungen auch aktiv, haben jedoch im Gegenteil zu den US-Verbindungen eher einen konservativen Ruf und sind viel weniger verbreitet als im angloamerikanischen Raum. Dort sind die Verbindungen nämlich vor allem für ihre exzessiven Partys, sowie für ihre öfters umstrittenen Aufnahmeverfahren bekannt.

Auch wenn, wie erwähnt Studentenverbindungen sicherlich kein neuer Stoff für eine Serie sind, hätte ich mir in dieser Folge, in der es um den Tod eines Studentenverbindungsmitglied geht, erhofft dass Themen wie Mutproben, Rivalitäten unter den Verbindungen sowie die exzessiven Partys mehr angeschnitten werden. Stattdessen musste der Zuschauer sich durch eine Reihe von Verdächtigen kämpfen, die meines Erachtens oft durch unnötige Handlungsstränge, wie beispielsweise Beavers Affäre mit einer älteren, verheirateten Frau oder einem illegal heruntergeladenen Test, durchzogen waren. Obwohl mich bei Letzterem nicht das Stehlen des Tests als solches gestört hat, sondern eher der Einbezug der Professorin. Denn dass sich ein Neuling für ein alteingesessenes Verbindungsmitglied in den Computer der Universität einhackt, ist sicherlich Ausdruck der Hierarchie in diesen Studentenverbindungen und erklärt somit auch etwas deren Struktur.

Der Abschluss des Falles und dass es sich dabei eigentlich eher um einen Unfall als um einen Mord handelt, hat mir jedoch wieder sehr gut gefallen. Für mich wird hier aufgezeigt, wie wichtig das Ansehen in solchen Kreisen ist und wie viel Wert darauf gelegt wird, was andere von einem denken. Dies geht soweit, dass man einen Unfall vertuscht, nur weil man denkt, dass die anderen einen sonst für einen Mörder halten könnten.

"I'm impressed. You pick her out of the crowd. How do you do that?"

Brennans Hassliebe zur Psychologie bringt mich immer wieder zum Lachen. Wie seit Beginn der Serie betont sie auch in der vierten Staffel immer wieder, wie sie Psychologie hasst und dass es sich bei dieser Wissenschaft in ihren Augen eigentlich nicht um eine Wissenschaft im herkömmlichen Sinne handelt, da die Psyche des Menschen in ihren Augen ja nicht auf eine rationale und klare Weise zu erklären ist. Trotzdem hat dieser Bereich, wohl auch durch den Einfluss von Booth und Sweets, in ihr ein Interesse geweckt. Und auch wenn sie es immer nur in versteckten Andeutungen offenlegt, wünscht sie sich insgeheim, dass ihre Menschenkenntnisse nur annährend so gut sind, wie diejenigen von Sweets und Booth.

Normalerweise erntet Booth bezüglich seiner Beobachtungsgabe bei anderen Menschen Brennans Bewunderung. Doch in dieser Folge fällt diese Sweets zu und dies meiner Meinung nach absolut verdient. Die Szene in der Brennan bei dem Verhör realisiert, dass Sweets mit seiner Vermutung betreffend der Täterin recht gehabt hat, gehört zusammen mit der Schlussszene zwischen Booth und Brennan zu den besten der Folge. Die Verwunderung über Sweets Kenntnisse stehen Brennan richtiggehend ins Gesicht geschrieben und ihre ganze Konzentration richtet sich nun nicht mehr auf das Verhör der Verdächtigen, sondern auf die Frage, wie genau Sweets die Täterin aus der Gruppe herausfiltern konnte.

Nachdem in der Folge #4.21 Requiem für eine Requisite meiner Meinung nach die Beziehung zwischen Booth, Brennan und Sweets etwas gefestigt wurde, hat sich dies in dieser Folge noch bestärkt. Auch wenn Sweets nicht gerade viel Screentime hatte, gab es meiner Ansicht nach zwei entscheidende Szenen zwischen ihm und den zwei Hauptcharakteren bei "Bones". Die eine war diejenige, in der Brennan ihre Bewunderung für Sweets ausdrückt, indem sie ihm sagt, dass sie wissen will wie er die Täterin durch reine Beobachtung ausmachen konnte und die zweite Szene war, als Booth Sweets über seinen Konflikt mit Jared aufklärt und zwar bevor er Brennan davon erzählt. Für mich zwei Situationen durch die eindeutig klar werden, dass Sweets nun nicht mehr ausserhalb des Teams steht, sondern ein Teil dessen ist.

"So come as a friend." – "No, I'm not your friend, I'm your big brother."

Seit der Folge #4.14 Ein Totengräber und andere Rückkehrer warte ich auf Jareds Rückkehr, beziehungsweise auf die Antwort meiner Frage: Was genau ist mit Jared passiert, nachdem er seinen Job für Booth aufs Spiel gesetzt hat? Nun genau zehn Folgen später, wird meine Neugierde endlich befriedigt. Meiner Meinung nach, hat dieser Handlungsstrang etwas zu lange auf sich warten lassen, aber nichtsdestotrotz, er ist da und wurde glücklicherweise nicht einfach stillschweigend zur Seite gelegt. Wie nicht anders erwartet, wurde Jared wegen seiner Widersetzung gegen die Dienstvorschrift unehrenhaft entlassen und steht nun ohne Job da. Auch nichts Neues ist, dass sich Booth seinem Bruder gegenüber verantwortlich fühlt und diese Verantwortlichkeit wird verständlicherweise durch die Schuldgefühle bezogen auf Jareds Entlassung noch verstärkt.

Da der Beschützerinstinkt sowie das Verantwortlichkeitsgefühl von Booth gegenüber den Menschen, die er liebt extrem ausgeprägt ist, war es für ihn sicherlich nicht leicht mit dem Gedanken klar zu kommen, dass er – wenn auch unschuldig – mitverantwortlich ist an der Entlassung seines Bruders. Obwohl diese Schuldgefühle sicherlich in der Episode spürbar sind, hatte ich das Gefühl, dass die ganze Geschichte etwas zu schnell abgehandelt wurde. Ich hätte es bevorzugt, wenn man die Storyline zwischen Booth und Jared auf zwei Folgen ausgedehnt hätte und der Zuschauer Booth Zerrissenheit zwischen Schuldgefühlen und Verantwortungsbewusstsein seinem Bruder gegenüber, und dem Verantwortungsbewusstsein seinem Beruf und seinem sonstigen Umfeld gegenüber, mehr gespürt hätte. Bei mir ist fast der Eindruck entstanden, als gehen die Autoren, vielleicht teilweise auch gerechtfertigt, davon aus, dass die Fans von "Bones" ja Booth Charakterzüge nun zur Genüge kennen und somit auch wissen, dass diese Situation für ihn alles andere als leicht zu Verarbeiten ist.

Abgesehen von dieser Hektik, betreffend Booths Gefühlen, haben mir die Szenen zwischen ihm und Jared gut gefallen. Auch wenn Booth sicherlich in seiner Vergangenheit auch einige wilde und verantwortungslose Zeiten durchlebt hat, ist die Rollenverteilung zwischen ihm und seinem Bruder schon seit einiger Zeit klar definiert. Jared ist der Draufgänger, derjenige der sich um nichts und niemanden Gedanken macht und in den Tag hinein lebt, Booth hingegen hat gelernt Verantwortung zu übernehmen und kann, auch wenn es sicherlich für ihn nicht immer einfach ist, aus seinem Leben nicht mehr einfach so ausbrechen wie sein jüngerer Bruder. Und auch wenn Booth in dieser Episode eine Weile mit sich ringt und er darüber nachdenkt, Jareds Angebot anzunehmen und mit ihm durch Indien zu reisen, bin ich mir eigentlich sicher, dass Booth dabei nicht glücklich wäre. Vielleicht gab es einen kurzen Augenblick in dem die Eifersucht auf Jared, dass dieser unabhängig und frei von Verantwortung ist, eine Rolle spielt, doch bin ich eigentlich davon überzeugt, dass der Wille seinen Bruder zu beschützen ausschlaggebend dafür war, dass Booth überhaupt in Erwägung gezogen hat, Jared nach Indien zu begleiten.

Dass Booth Jared dann alleine gehen lässt, ist meiner Meinung nach ein wichtiger Schritt in der Beziehung zwischen den zwei Brüdern. Denn Booth muss endlich einsehen, dass er Jared nicht vor allem beschützen kann und dass er nicht immer da sein kann, wen sein Bruder irgendwelche Fehler macht, und dieser muss lernen, dass er seine eigenen Fehler zu verantworten hat und sich aus diesen auch wieder aus eigener Kraft befreien muss.

"So do you... do you really think you have to be bad, to be good?" – "Yes, I do." "I've never done anything bad."

Die Beziehung zwischen Brennan und Booth ist für mich in dieser Folge etwas zu kurz gekommen. Normalerweise habe ich kein Problem damit, wenn ihre persönliche Beziehung einmal der rein geschäftlichen weichen muss, oder sie in einer Folge fast gar nicht thematisiert wird. Doch da sich Booth meines Erachtens in dieser Folge mit persönlichen Fragen auseinandersetzen muss, hätte ich erhofft, dass er Brennan, mit der ihn inzwischen doch eine tiefe und längere Freundschaft verbindet, etwas mehr einbezieht. Die kurze und etwas oberflächliche Unterhaltung während der Autofahrt, hat mich hinsichtlich der Beziehung zwischen Brennan und Booth eher befremdet.

Den Schluss der Folge fand ich jedoch wieder sehr gelungen. Brennan, die durch die Folge hinweg dauernd mit irgendwelchen Verrücktheiten und Handlungen von Personen, die nicht über die Konsequenzen nachdenken, konfrontiert wird, gesteht Booth, dass sie noch nie etwas Schlimmes getan hat, was wenn man Brennans Charakter kennt auch nicht wirklich überraschend ist. Denn Brennan ist viel zu realistisch und reagiert immer viel zu überlegt und rational, um irgendwann mal etwas vollkommen Verrücktes zu tun, ohne sich nicht schon vorher mit den Konsequenzen dieser Handlung auseinanderzusetzen. Dass sie dann ausgerechnet zusammen mit Booth ihre erste "schlimme" Aktivität begeht und ihre Gelöstheit nach dem Verlassen der Bar, zeigen wieder einmal deutlich, wie sehr sie Booth vertraut und dass sie sich in seiner Gegenwart absolut wohl fühlt und somit auch einmal etwas tun kann, dass nicht ihren typischen Charakterzügen entspricht. Dass Booth natürlich ohne Brennans Wissen die Getränke bezahlt, zeigt mir, dass er sich wahrscheinlich auch durch die Auseinandersetzung mit Jared bewusst geworden ist, dass seine verrückten Zeiten ein Ende haben und er seine Rolle als erwachsener, verantwortungsbewusster Mann akzeptiert hat.

Fazit

Für mich eine Folge die eher zu den schlechteren von "Bones" gehört. Zwar waren ein paar gute Ansätze vorhanden, aber die Ausarbeitung beziehungsweise die Fokussierung der einzelnen Storylines war meiner Meinung nach falsch angelegt oder sie wurden zu schnell abgehandelt. Die Beziehung von Brennan und Booth kam, gerade in Anbetracht von Booths Gefühlswirrwarr im Bezug auf seinen Bruder, in dieser Folge absolut zu kurz. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich dies in den zwei finalen Episoden der vierten Staffel nicht wiederholen wird.

Maria Schoch - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Bones" über die Folge #4.24 Der Biber in einem Otter diskutieren.