Die wichtigsten Serien von 2000 bis 2009: Comedy

Foto:

Wer glaubte, dass das Comedygenre mit dem Ende der legendären US-Sitcom "Friends" im Jahre 2004 brach liegen würde, täuschte sich gewaltig. Denn tatsächlich bietet das letzte Jahrzehnt viel mehr gute Comedyformate, als man es sich vielleicht bewusst ist. Auch wenn gerade hierzulande viele dieser Comedyserien mit schlechten Quoten oder Nichtbeachtung bestraft wurden, so hat die US-amerikanische TV-Branche einige wahre Lachgaranten exportiert, die in ihrer Heimat teilweise auch die verdiente Aufmerksamkeit bekommmen haben. Große Namen, wie es in den 90ern vielleicht "Seinfeld", "Frasier" und "Friends" waren, haben sich zwischen 2000 und 2009 nicht unbedingt herauskristallisiert (mit Ausnahme von "Sex and the City" und für Kenner natürlich "Arrested Development"), aber wer weiß, ob die größtenteils noch laufenden Comedyformate nach ihrer Absetzung einmal ähnlichen Kultstatus erreichen werden. In diesem Sinne: Viel Spaß mit den zehn wichtigsten Comedyserien der letzten Dekade!

30 Rock (2006 bis heute)

Foto:

Mit sechs gewonnenen Golden Globes und über 50 Emmy-Nominierungen in den Jahren 2007, 2008 und 2009, hat "30 Rock" nicht nur was Auszeichnungen anbelangt eindeutig die Nase vorne im Comedy-Genre, sondern gehört auch zu den Kritikerlieblingen, die die Show Woche für Woche für ihre Originalität loben. Trotz anfänglich schwacher Quoten gelang es der Show im dritten Jahr, durch Gastauftritte von absoluten Businessgrößen wie um nur ein paar Namen der langen Liste zu nennen Jennifer Aniston, Salma Hayek, Steve Martin oder Jon Hamm, endlich solide Quoten einzufahren, sodass die im Moment laufende vierte Staffel schnell gesichert war. Schon jetzt, bevor überhaupt die Staffel zur Hälfte gelaufen ist, kann man wohl zu Recht behaupten, dass eine fünfte Season schon mehr als wahrscheinlich ist und die Zuschauer sich noch ein weiteres Jahr an der Serie mit dem wohl großartigsten Cast der zurzeit laufenden Comedys erfreuen können. Vor allem die Dialoge zwischen NBC-Chef Jack Donaghy (Alec Baldwin) und Liz Lemon (gespielt von Serienschöpferin Tina Fey) gehören meistens, wie auch NBC-Page Kenneth Parcell (Jack McBrayer), der stets mit einem Lächeln im Gesicht herumläuft, zu den Glanzmomenten der Serie, ganz abgesehen von den herrlichen kulturellen Anspielungen oder gar Hommagen an momentane Ereignisse wie die Wirtschaftskrise oder gar Witze über Serien anderer Networks (u.a. "Gossip Girl") oder über den Sender selbst. Die Frage, warum es "30 Rock" letztlich unter die zehn wichtigsten und besten Comedys des letzten Jahrzehnts geschafft hat, müsste sich damit wohl erübrigt haben. Wer immer noch nicht völlig überzeugt ist, sollte einfach mal sein Glück versuchen und selbst in die verrückteste Serienwelt eintauchen, die das Fernsehen im Moment zu bieten hat. | Niko Nikolussi

Arrested Development (2003 bis 2006)

Foto:

Es ist beinahe schon ein ungeschriebenes Gesetz in der Serienwelt, dass ausgerechnet die qualitativ hochwertigsten Formate mit den niedrigsten Einschaltquoten zu kämpfen haben. Ein Paradebeispiel dafür ist "Arrested Development", die wohl intelligenteste Comedyserie des vergangenen Jahrzehnts. Trotz einhelliger Begeisterung in Kritikerkreisen und zahlreicher bedeutender Auszeichnungen darunter sechs Emmys und ein Golden Globe fand der komödiantische Geniestreich von Mitchell Hurwitz nach einer bereits verkürzten zweiten Staffel im dritten Jahr der Ausstrahlung ein leider viel zu frühes Ende. Zur Enttäuschung der zwar überschaubaren, aber dafür umso begnadeteren Fangemeinde scheiterte auch der Versuch, die Serie infolge der stiefmütterlichen Behandlung durch FOX auf dem Bezahlsender HBO fortzuführen. Dem außergewöhnlich hohen Unterhaltungswert von "Arrested Development" tat jedoch auch die Nachricht vom verfrühten Aus keinen Abbruch. Immerhin 53 Folgen lang konnten sich die Zuschauer königlich über die eigenwilligen Charaktere der Familie Bluth und deren mitunter skurrilen Alltagsprobleme amüsieren. Auf billige Sitcom-Zoten und Lacher aus der Dose wurde dabei gänzlich verzichtet. Stattdessen wusste die im Mockumentary-Stil gehaltene Serie stets mit bis ins letzte Detail ausgeklügelten Dialogen, einem ungeheuren Wortwitz und prägnanten Off-Kommentaren von Erzähler Ron Howard zu überzeugen. Untermauert wurde der ohnehin schon vielschichtige Humor durch unzählige politische, wirtschaftliche und kulturelle Anspielungen, die sowohl das aktuelle Zeitgeschehen gekonnt einfingen als auch der amerikanischen Gesellschaft ungeniert den Spiegel vorhielten. Der daraus resultierenden Komplexität und Pointendichte ist es zu verdanken, dass "Arrested Development" auch noch beim x-ten Rerun bestens unterhält und weiterhin eine treue Anhängerschaft besitzt. Letzterer sei gewünscht, dass der seit Jahren geplante Film zur Serie im neuen Jahrzehnt endlich produziert wird. Zwei weitere amüsante Stunden mit Michael Bluth & Co. können zwar nicht über das bedauerliche Ende der Serie hinwegtrösten, wären jedoch ein nettes Geschenk an all jene Freunde des anspruchsvollen Humors, die seither vergeblich auf ein ähnlich überzeugendes Format im Comedy-Bereich warten. | Willi S.

Curb Your Enthusiasm (2000 bis heute)

Foto:

"Deep inside you know you're him." Das ist eine der Werbezeilen für "Curb Your Enthusiasm", die zweite Serie des "Seinfeld"-Erfinders Larry David, der darin auch als sich selbst spielender Hauptdarsteller zu sehen ist. Und eben jene Zeile ist wohl auch das Erfolgsgeheimnis dieser halbstündigen Comedy über einen sozial unbeholfenen Mann, der mit seiner verqueren Art immer wieder aneckt. Denn es ist immer wieder erschreckend, wenn man sich eingestehen muss, wie häufig man Larry doch Recht geben muss oder sich heimlich wünscht, man hätte denselben Mut, in typischer Larry-Manier gegen den Strom zu schwimmen. Das Besondere an der Show sind zwei wichtige Dinge. Nummer 1: Sie zeigt keine Furcht, vor nichts und niemandem. Skrupellos entlarvt sie die Heuchelei der Gesellschaft und die Tendenz der Menschen, sich teilweise völlig hirnrissigen Konventionen gedankenlos zu verschreiben. Am Ende beugt sich Larry zwar meist, doch geschieht dies selten ohne deutlichen Widerwillen und meist nach einigem Trubel, den er zunächst verursacht hat. Auch wenn man sich hin und wieder denkt: "Kannst du dich nicht einfach mal zurückhalten und nicht so einen Aufstand verursachen?", ist es doch gerade das, was den Charakter Larry ausmacht. Er wehrt sich gegen auferlegte Zwänge, die er für blödsinnig hält, und hat damit eigentlich nur unseren Respekt verdient. Nummer 2: Die Darsteller improvisieren ihre Szenen vollständig. Meine Hochachtung für die komödiantische Leistung dieser Serie stieg merklich an, als ich diese Kleinigkeit erfuhr. Die Drehbücher enthalten lediglich Hinweise darauf, worum es in einer Szene geht und was auf jeden Fall erwähnt werden sollte, die Dialoge selbst werden jedoch vollständig improvisiert. Es fällt nicht wirklich schwer, das zu glauben, die Gespräche wirken sehr authentisch und normal, wobei man miteinbeziehen muss, dass die Charaktere natürlich mehr als schräg sind. Das alles gibt "Curb Your Enthusiasm" nochmal einen ganz eigenen Flair und macht es in einer Liste der besten Comedys des letzten Jahrzehnts unabkömmlich. | Nadine Watz

Weiter