Bewertung: 7

Review: #4.06 Train in Vain

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Nach einer fast viermonatigen Pause kehrt "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" auf die Bildschirme zurück. Die Wartezeit war wirklich nicht einfach, weil sich die Serie nach der Verhaftung von Robert Sullivan und Dean Miller zum denkbar ungünstigsten Moment verabschiedet hat. Nun kommt auch noch die doppelte Bedeutung dadurch zustande, dass die neuste Episode als erster Teil eines Crossovers mit der Mutterserie "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" dient. Ob die Rückkehr den doppelt hohen Erwartungen gerecht wird?

Ganz grob ist eine wirklich mitreißende Episode geboten worden, dennoch ist bis zum Ende der Eindruck geblieben, dass zwei so wichtige Themen enthalten waren, dass sie jeweils eine eigene Folge verdient gehabt hätten. Sie sind im dramaturgischen Kontext zwar gut miteinander verwoben worden, aber es wäre sicherlich noch aussagekräftiger gewesen, wenn gerade das Thema Rassismus auf eigenen Beinen hätte stehen dürfen. Aber auch die Jagd von Carina DeLuca und ihrem Bruder Andrew auf einen Menschenhändlerring hätte noch ganz ausgearbeitet werden können, vor allem vor dem Hintergrund, worin letztlich alles gründet. Aber eins nach dem anderen.

Auch wenn "Seattle Firefighters" recht lange brauchte, um bei mir zu zünden, merke ich inzwischen schon an den kleinsten Szenen, wie emotional investiert ich bei der Serie bin. Gerade die Anfangsszenen haben das mal wieder unterstrichen. Wie alle Kollegen vor dem Gefängnis ausharren, während Sullivan und Dean auf ihr Schicksal warten und wie sich dann alle in den Arm nehmen, als durch Videoaufnahmen das Schlimmste abgewendet werden kann, da war ich schon mittendrin in dieser Episode. So großartige einzelnen Szenen setzen sich nach und nach über die gesamte Folge fort. Sei es, dass alle zusammenhalten, weil im Chaos völlig untergegangen ist, dass eine wichtige Inspektion ansteht. Sei es, dass ein völlig ausgelaugter Dean für Sullivan weiter durchhält (so schnell sind Bedenken einander gegenüber ausgeräumt!). Sei es, dass sich Victoria "Vic" Hughes kaum zusammenreißen kann, weil sie durch Deans Schicksal vorgelebt bekommen hat, wie es für ihre Hautfarbe laufen kann. Sei es Maya Bishop, die erkennt, wie unrecht sie Dean am Vortag getan hat und deswegen umso mehr nun das Richtige tun will. Da ist eine ganz schöne Sammlung an mitreißenden Ansprachen zusammengekommen, die jede etwas für sich hatten. Alleine deswegen schon ist die Episode zu einer der besten der aktuellen Staffel zu zählen.

Nun zum Rassismusthema: Schon die Ereignisse der vergangenen Episoden waren als Zuschauer schwer zu ertragen, weil sie so echt und deswegen so beängstigend waren. Daher war es selbstverständlich, dass diesmal die Nachwirkungen beleuchtet werden. Auch wenn ich bemängelt habe, dass die Episode nicht ausschließlich davon handelt, so kann ich andererseits nicht leugnen, dass doch vieles, wenn nicht sogar alles an möglichen Positionen auf den Tisch gelegt wurden. Vorrangig waren natürlich die Reaktionen von Dean und Vic, aber auch Ben Warren, der gegenüber Jack Gibson anspricht, wie nun zu handeln ist. Da können die Kollegen sonst so eng wie eine Familie verbandelt sein, wenn es um die Hautfarbe geht, geht eine klare Trennlinie durch die Wache, die Konfliktpotenzial und Fettnäpfchen bietet. Und so geht es natürlich auch mit einem Teil der Zuschauer, weswegen solche Episoden zum Verständnis beitragen. Anschließend kann man sich sicherlich nicht als Verfechter einer Rasse aufschwingen, aber es wird wichtige Aufklärung betrieben und diese war schon über Jahrhunderte hinweg bei zahlreichen Themen notwendig. Für die anderen Bevölkerungshälfte wiederum wird die Überzeugung geschaffen, mit seinen Erfahrungen nicht alleine zu sein. Diese doppelte Aufgabe meistert "Seattle Firefighters" definitiv. Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung, dass das Thema eine eigene Episode verdient gehabt hätte, alleine schon um die Bedeutung noch mehr zu unterstreichen.

Bei der zweiten thematischen Hälfte mit der Jagd auf den Menschenhandelsring wäre ebenfalls mehr drin gewesen, weil wir so eine Geschwister-Episode der DeLucas auch noch nicht erlebt haben. Carina mag inzwischen zum Hauptcast von "Seattle Firefighters" gehören, aber hier hat sie noch keine wesentliche bessere Behandlung erfahren als bei "Grey’s Anatomy". Deswegen ist diese Episode schon als besonders zu sehen. Aber eben auch die Bedeutung der Geschwisterbeziehung habe ich in dieser thematischen Dichte bislang noch nicht erleben dürfen und das hat mich unwahrscheinlich mitgerissen. In der ersten Hälfte war es vielleicht noch etwas anstrengend, dass Carina Andrew ständig zurückhalten muss, während er doch immer macht, was er will, aber sie haben dennoch immer wichtige Gespräche zwischendurch geführt, die die spätere Dramatik natürlich befeuert haben. Vor allem das Gespräch in der Bahn über ihre Kindheit und Carinas Geständnis, dass sie für die Trennung der Geschwister gesorgt hat, war richtig, richtig stark. Gerade da ich selbst große Schwester bin, konnte ich die Gefühlslage sehr gut nachvollziehen. Und ausgerechnet als die beiden sich so nahe sind, wie wohl schon echt lange nicht mehr, kommt dieses Ende. Im Aufbau der Episode war klar, dass noch etwas Schlimmes passieren würde, sonst hätte man sich auch die Bezeichnung Crossover sparen können. Deswegen war das Gesehene aber nicht wirklich leichter zu ertragen. Als Carina dann an Andrews Seite bangend ein altes italienisches Lied singt, schließlich sich ein Kreis. Aber leider ein Kreis, der nichts Gutes verheißen lässt…

Fazit

"Seattle Firefighters" kann die Zuschauer nach der längeren Pause sofort wieder emotional einfangen. Zwar gibt es zwei starke Themenblöcke, diese hätten aber jeweils eine Folge verdient gehabt. Aber aus der dramaturgischen Entscheidung wurde nahezu das Optimum rausgeholt. Sowohl die Thematik Rassismus, aber auch der Crossoveranteil, der zu "Grey’s Anatomy" hinführt, hatten nachhallende Momente. Zum Abschluss bleibt nur zu raten, für #17.07 Helplessly Hoping die Taschentücher bereit zu halten.

Lena Donth - myFanbase

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