Bewertung: 7

Review: #2.04 Verlorenes Vertrauen

Staffel 2 von "Seattle Firefighters" fährt einen anderen Kurs, als es in den ersten Zügen der Serie der Fall war. Die Freundschaften und Hintergrundgeschichten der Figuren werden immer wichtiger, wodurch sich die Serie nicht mehr fremd anfühlt. Man hat mittlerweile ein besseres Verständnis für die Charaktere und ist viel involvierter in die Handlung.

Lost and Found

Bereits in der letzten Woche habe ich mich darüber gefreut, dass die Serie nun andere Töne anschlägt und nicht mehr nur oberflächlich am Gefühlsleben der Charaktere kratzt. Dass man an dieser Herangehensweise festhält, macht beim Zuschauen viel Spaß, denn auch wenn man die Figuren zuvor bereits unterhaltsam fand, jetzt kann man mit ihnen mitfühlen und fühlt sich in der Serie langsam heimisch. Man sprach zuletzt die Traumabewältigung von Jack und Travis an, nun tut man den nächsten Schritt. Dabei tastet man sich langsam an die Sache heran und nutzt den Fall der Woche, damit die Feuerwehrleute sich über ihre eigenen Gefühle klar werden. Sowohl für Jack als auch für Travis ist es eine bedeutsame Episode. Während Travis im brennenden Gebäude in Schockstarre verfällt, als er die eingeschlossenen Kinder am Boden liegen sieht und sich plötzlich zurückversetzt fühlt zu dem Moment, in dem er hilflos da lag und allein dem Tod ins Auge blickte, kann er nicht anders, als sich einzugestehen, wie tief der Schrecken darüber noch immer sitzt. Es ist schön zu sehen, dass Travis offen dafür ist, seine Probleme anzupacken und so zu der Selbsthilfegruppe geht. Dass er dort auf Vic trifft und die beiden ihre Freundschaft erneuern können, war ebenfalls ein gutes Zeichen. Beide sehen ihren Ängsten direkt ins Auge und suchen sich in einem vertrauten Umfeld Hilfe. Die ohnehin schon ergreifende Szene wurde davon gekrönt, dass Ripley das Wort ergriff. Noch nie haben wir ihn außerhalb der Arbeit gesehen und mit seiner Uniform hat er auch seine Standhaftigkeit abgelegt. Als Ripley auf den Brand zu sprechen kommt, der Travis beinahe sein Leben gekostet hätte, zeigt er dem Zuschauer eine Seite, die wir bisher noch nicht kennenlernen durften. Ripley ist reumütig und gesteht seine Fehler ein, wodurch man ihm gegenüber wohlwollend gestimmt ist. Dieses Gefühl reflektiert Vic, die sofort zu einer Versöhnung mit dem Chief ansetzt. Bei dem Gespräch der beiden schweift man jedoch schnell vom ursprünglichen Thema ab und gibt dem Zuschauer noch Anlass für Spekulationen. Denn auch wenn ich nie damit gerechnet hätte, nutzt man die Gelegenheit und zeigt auf, dass Ripley und Vic eine gute Chemie haben. Es liegt ein kleines Knistern in der Luft, das hoffen lässt, dass man die beiden bald wieder zusammen sehen wird.

Ein Knistern ganz anderer Art gibt es bei Andy und Maya. Wie bereits vermutet, verläuft es nicht komplikationslos ab, dass Maya von Robert angespornt wird. Zwar weiß Andy noch nicht, dass Maya sich als Leutnant beworben hat, doch es ist klar, dass es ihr etwas ausmacht, dass Robert Maya ihre Führungsqualitäten trainieren lässt, wodurch Andy zurückstecken muss. Die angespannte Stimmung ist dabei sowohl von Andys als auch von Mayas Seite aus zu merken, denn beide wissen nicht genau, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Noch immer finde ich Andys neu gefundene selbstkritische Art sehr erfrischend. Ihrem Vater gegenüber gesteht sie ein, dass Robert sie an ihre Grenzen treibt und sie dabei feststellen muss, dass der neue Captain dabei genau das Richtige tut. Diese Erkenntnis und auch Mayas Rückhalt für Robert kommen der neuen Figur sehr entgegen. Weiterhin nimmt man dem Zuschauer die Vorurteile, die die Feuerwehrleute von Station 19 einem über einen Fremden im Team eingeredet haben. Ja, Robert hat eine weniger familiäre Art als der Rest der Truppe, doch er ist dabei nicht herzlos oder gefühlskalt, sondern lediglich professionell und auf Distanz. Es macht mir großen Spaß, die Gruppe zusammenwachsen zu sehen, während alle erkennen, dass Robert das Beste aus ihnen hervorkitzeln will. Ähnlich erstaunt wie bei der Konstellation aus Vic unc Ripley war ich auch über die aus Maya und Robert. Kurz hatte man den Eindruck, dass auch bei ihnen mehr möglich ist, als nur Freundschaft. Sehr gern würde ich sehen, wie man in der Serie die erste Liebesgeschichte vom Grundstein an aufbaut.

Der Anschein, dass die Freundschaft von Dean und Jack doch nicht so tief reicht, wie man zunächst vermutete, wurde zu meiner Freude ebenfalls angesprochen. Man bestätigt dieses Gefühl, zeigt aber auch gleich auf, dass sich das bald ändern wird. Neben der WG von Maya und Andy entsteht nun wohl eine weitere. Zudem zeigt man auch bei Jack, dass er noch immer daran denken muss, dass er in dem Hochhaus beinahe gestorben wäre. Seine Angst äußert sich auf andere Weise als die von Travis, denn während Travis die Gedanken offen ausspricht und sichtbare Narben davongetragen hat, macht Jack die Dinge mit sich selbst aus. Den Hintergrund dessen erklärt man uns gleichzeitig und so zeigt man uns auch ein Stück von Jacks Leben, das wir bisher noch nicht kannten.

Losgelöst vom Rest der Episode agiert Ryan und wir lernen überraschend seinen Vater kennen. Es war durchaus interessant zu erfahren, aus was für einem komplizierten Umfeld Ryan stammt und wie zerrüttet sein Verhältnis zu seinem Vater ist. Anders als bei den anderen Handlungen, bei denen Beziehungen gefestigt wurden, zeigte man uns hier eine große emotionale Kluft. Ich hoffe sehr, dass man die Geschichte in der nächsten Episode wieder aufgreifen wird und dass sie nicht so schlagartig ausklingt, wie es zum Beispiel bei Maya und ihrem Bruder der Fall war.

Randnotizen

  • Man zeigt uns leider nur Andys Probleme damit, dass Robert Maya die Kontrolle übergibt und dabei seine Leutnants übergeht. Jack ist schon viel länger Leutnant als Andy, doch wie er den neuen Chef empfindet, haben wir bisher nicht erfahren.
  • Pruitt hält sich weiterhin am Rande des Geschehens auf. Das mag im Moment als Running-Gag funktionieren, doch ewig kann man dieses Spielchen nicht weiterführen.
  • Ben rückt in dieser Episode etwas in den Hintergrund. Witzig war allerdings seine wachsende Freundschaft mit Travis und die Frage, ob er nun seine Arbeits-Ehefrau sei. Leider haben wir von Travis und Grant in dieser Woche nichts gesehen, es scheint jedoch Ärger im Paradies zu geben.
  • Andys Beziehungschaos aus Staffel 1 hängt noch immer in der Luft, weshalb ich nicht die Meinung von Vic und Maya teile und denke, dass Andy bereit für etwas Neues ist. Gern kann man bei Andys Datingleben erst einmal eine Pause einlegen und sich lieber auf andere Beziehungen konzentrieren.


Fazit

Mit Feingefühl entwickelt man die Figuren weiter. Es ist schön zu sehen, dass Robert Sullivan dabei nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern das Team motivieren kann, über sich hinaus zu wachsen.

Marie Florschütz myFanbase

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