Bewertung: 8

Review: #2.03 Ballast

Man bietet uns dieses Mal eine abwechslungsreiche Episode, in der man die Charaktere von einer anderen Seite beleuchtet. Das macht einem viele der Figuren umso sympathischer und ist angenehm erfrischend.

Home to Hold Onto

In Staffel 1 begann man die Folgen stets mit einem Blick auf die Figuren, die in den Fall der Woche involviert waren. Davon hat man in Staffel 2 bisher Abstand genommen, was mir positiv ins Auge sticht. Es bilden nicht länger unbekannte Gesichter und Geschichten, die in der nächsten Woche wieder vergessen sein werden, die ersten Minuten des Episodenauftaktes. Stattdessen tauchen wir tiefer in das Privatleben der Hauptcharaktere ab. In dieser Episode zeigt man uns das Zuhause von Andy und Maya, ebenso lernen wir das Hausboot von Dean kennen. Beide Wohnungen spiegeln die Persönlichkeit der Figuren wieder und machen uns auf eine Weise mit ihnen vertraut, die wir bisher noch nicht kannten. Erstaunlich ist dabei auch, dass es eine Seltenheit zu sein scheint, dass die Feuerwehrleute sich gegenseitig Zuhause besuchen. Durch ihren warmen Umgang auf der Feuerwache hatte man den Eindruck, dass sie auch außerhalb des Berufs Zeit miteinander verbringen, doch dem scheint nicht so zu sein. Diese Erkenntnis verleiht der Freundschaft von Andy und Maya neue Bedeutung, gleichzeitig werden andere Beziehungen auf eine neue Stufe gehoben, als es dann doch dazu kommt, dass sie neben dem Job den Feierabend miteinander verbringen.

Die einzige Freundschaft, die wir bisher außerhalb der Feuerwache erlebt haben, ist die von Andy und Maya. Zwar zeigte man uns auch bei den beiden nur Fetzen ihres Privatlebens, dennoch hatte man den Eindruck, dass sich die beiden nahestehen. Befreundet zu sein und zusammen zu wohnen sind jedoch zwei verschiedene Dinge und langsam beginnen die beiden, das festzustellen. Dass sie auch noch bei der Arbeit die ganze Zeit zusammen sind, könnte in Zukunft zu einem Problem zwischen Andy und Maya werden, besonders wenn Andy an den Charaktereigenschaften festhält, die wir in der Vergangenheit bei ihr gesehen haben. Überraschenderweise gibt sich Andy dieses Mal jedoch sehr einsichtig und erkennt, dass ihre Art sie beim Einsatz nicht weitergebracht hätte. Es ist eine Erleichterung, dass die weibliche Hauptfigur der Serie endlich einmal einen Fehler einsehen kann. In letzter Zeit wurde mir Andy immer unsympathischer, beziehungsweise hat sie es allgemein noch nicht geschafft, dass ich sie wirklich ins Herz geschlossen habe. Zu oft wirkt sie überheblich und handelt auf Kosten anderer eigenmächtig. Dass man hinter dieses Verhalten jetzt langsam einen Haken setzen will, zeigt, dass Andy nicht auf der Stelle tritt und dass die Autoren sich Mühe geben, die Figur weiterzuentwickeln.

Auch Maya darf einen Schritt nach vorn tun und erhält dabei Unterstützung von Robert. Jener zeigt erst einmal viele Parallelen zu Chief Ripleyund ich frage mich, inwieweit die Serienmacher die Figuren voneinander abgrenzen werden. Beide sind sehr auf Regeln bedacht und beiden scheinen zwischenmenschliche Beziehungen auf der Arbeit nicht allzu viel zu bedeuten. Bei Robert zeigen sich allerdings kleine Anwandlungen von Einfühlungsvermögen, da er Maya aktiv animiert, nach einer Beförderung zu greifen. Ich finde es erbaulich, dass man sich bereits in der dritten Folge mit dem neuen Hauptcharakter die Mühe macht, ihn weniger eindimensional wirken zu lassen. Zwar ist Robert noch immer eine Figur, mit der man warm werden muss, dennoch zeichnet sich schon jetzt ab, dass mehr hinter seiner rauen Fassade steckt.

Dass Ryan und Jack einmal zu Freunden werden könnten, war nichts, über die ich mir Gedanken gemacht habe. Viel zu häufig sie die beiden bisher aneinandergeraten und da sie beide mit Andy liiert waren, schloss ich eine Freundschaft zwischen ihnen von vornherein aus. Sie zu zwingen, den Tag miteinander zu verbringen, erschien auf den ersten Blick wenig einfallslos und konnte allemal für Konfliktpotential sorgen, doch auch an dieser Stelle gelingt es den Autoren, mit einer vielversprechenden Wendung aufzuwarten. Es ist die Arbeit, die die beiden einander näher bringt und sie begraben ihr Kriegsbeil so schnell, dass sie sich ein Feierabendbier zusammen gönnen. Ebenso überrascht, wie ich von dieser Charakter-Kombination war, war ich von dem verwunderten Blick Jacks, als er zum ersten Mal Deans Haus betrat. Die beiden haben einen guten Draht zu einander, weshalb ich dachte, dass sie sich nahe stehen, doch da hat man in das Kumpelgehabe der zwei wohl zu viel hinein interpretiert. Sowohl von der neuen Freundschaft zwischen Jack und Ryan als auch von der alten zwischen Jack und Dean würde ich zukünftig gern mehr sehen.

Die Erlebnisse des Staffelauftaktes schlagen noch immer Wellen. Bisher hatte man den Eindruck, dass man den Zeitsprung von sechs Wochen wählte, um sich nicht weiter mit dem Gefühlsleben der Charaktere auseinandersetzen zu müssen. Dass man dies nun ändert, kann ich nur begrüßen. Man zeigt uns sowohl bei Jack als auch bei Travis und Vic, dass die Nahtoderlebnisse nicht spurlos an den Feuerwehrleuten vorbeigegangen sind. Bei Jack ist es nur eine kurze Bemerkung und ein weitschweifender Blick in die Ferne, während man bei Vic und Travis das Kind beim Namen nennt. Ich muss gestehen, dass ich von Travis' Aufopferungsbereitschaft einen ganz anderen Eindruck hatte als Vic. Ich sah in seinem Handeln das Episoden-Motto "Not Your Hero", laut dem Travis eben nur seinen Job machte und nicht etwa die Lebenslust verloren hatte und Ben deshalb dazu anhielt, lieber das Leben von Molly zu retten. Vic hingegen scheint zu glauben, dass Travis sich bewusst dem Tod hingab, doch dafür hatte er doch gar keinen Grund. Mit Grant an seiner Seite umso weniger. Leider hatte Travis durch das Auftauchen von Robert keine Gelegenheit, etwas zu erwidern. Ich hoffe sehr, dass man das in der nächsten Episode nachholen wird.

Randnotizen

  • Abgesehen von Pruitt war Vic die einzige, über deren Liebesleben wir noch nichts erfahren haben. Sehr amüsant, wie euphorisch sie die Nacht mit dem Feuerwehrmann gemacht hat.
  • Pruitt schlägt sich allein Zuhause recht gut und kann nebenbei für ein paar Lacher sorgen.
  • Deans Art Ordnungsdrang hat mich sehr an Bree Van de Kamp aus "Desperate Housewives" erinnert.
  • Warum muss eigentlich immer eine Person einen medizinischen Eingriff durchführen, die davon nichts versteht? Es grenzt an ein Wunder, dass Andy den Herzbeutel erfolgreich entlasten konnte, ohne das Herz zu verletzen. Auch frage ich mich, wie sie die ältere Dame durch das Chaos bis zur Wohnungstür schleifen konnte.



Fazit

Bis auf ein paar Ungereimtheiten war #2.03 Home to Hold Onto eine sehr unterhaltsame Folge, bei der die Serie sich und die Figuren von einer anderen Seite zeigen konnte. So kann er gern weitergehen.

Marie Florschütz – myFanbase

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