Bewertung: 7

Review: #1.08 Timing

Es scheint so, als würde man sich immer abwechseln mit Episoden, die einen Feuerwehreinsatz und das Privatleben der Feuerwehrleute zeigen und dann wieder welchen, die sich mit dem Kampf um die Position des Captains befassen. Dieses Mal war daher wieder die Captain-Storyline an der Reihe und ich war überrascht, wie gut mir die Folge trotz ihrer Einseitigkeit gefallen hat. Alteingesessenen "Grey's Anatomy"-Fans fällt recht schnell die Parallele zu Folge #6.06 Ein einfacher Fehler der Mutterserie ins Auge, denn man bedient sich eines ähnlichen Erzählschemas: bei einem Fall ist etwas schiefgelaufen und rückblickend tragen nun alle Beteiligten dazu bei, die Geschichte aufzurollen. Der Einsatz dient in dieser Folge dazu, die Beurteilung der potentiellen Captains durch ihr Team festzuhalten. Der Prozess der Captainfindung ist daher scheinbar noch nicht abgeschlossen und man fragt sich, welche Etappen wir in den kommenden Episoden wohl noch geboten bekommen.

Die Beurteilung von Andy und Jack durch die restliche Crew ist teilweise sehr überraschend ausgefallen, am interessantesten war dabei jedoch, dass man jedes Bewertungsgespräch auf eine andere Art aufgebaut hat. Bei Maya und Dean war von vornherein klar, dass sie sich auf die Seite von Andy beziehungsweise Jack schlagen werden und somit auch die Qualitäten ihres Favoriten in den Vordergrund rücken werden. Ebenso vorhersehbar war, dass sie im Gespräch zugeben müssen, dass auch der jeweils andere Kandidat seine Vorzüge hat und sie mit dessen Arbeitsweise konform gehen, während ihr Favorit beim Einsatz dieser Folge vielleicht nicht unbedingt strikt nach Protokoll gearbeitet hat. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass sowohl Jack als auch Andy nicht ganz richtig gehandelt haben, obwohl sie im Großen und Ganzen gute Arbeit geleistet haben. Man gibt hier keiner Figur den Vorzug, was sehr erfrischend war.

Nachdem sich Frankel eine Standpauke von Ripley eingefangen hatte, übernimmt kein geringerer als der Chief persönlich die Fragestunde auf Feuerwache 19. Dabei haben wir nun die Gelegenheit, das Oberhaupt der Feuerwehr Seattles ein wenig besser kennenzulernen. Der zunächst so joviale Ripley kann dieses Mal auch ein paar andere Seiten von sich zeigen. So kitzelt er aus Dean und Maya Worte heraus, die die beiden nur unwillig geäußert haben. Seine Gespräche mit den anderen drei Feuerwehrleuten sind allerdings noch um einiges interessanter. Bengegenüber gibt er sich zunächst kumpelhaft, doch eben jene lockere Art lässt Bens Worte am Ende in einem ganz anderen Licht erscheinen. Vic treibt er sogar soweit, dass sie aus der Haut fährt, wodurch Ripley ihr aufzeigen kann, dass Andy und Jack bei ihrer Ausbildung versagt zu haben scheinen. Am emotionalsten war die Aussage von Travis, der sich an den Tod seines Mannes zurückerinnert. Alles scheint darauf hinauszulaufen, dass er Jack für den besseren Kandidaten hält, da Andy weniger Erfahrung hat, doch dann entscheidet Travis aus dem Bauch heraus, dass Andy die richtige Besetzung für den Job ist. Man kann ihm ansehen, dass er selbst überrascht von seinen Worten ist, doch sie sind ehrlich gemeint. Anders als bei seinen Kollegen, die aus freundschaftlichen Gründen entschieden haben, finde ich, dass Travis tatsächlich die Fakten abgewogen hat. Zwar bin ich überrascht von seiner Entscheidung, doch man kann es aufgrund des Feuerwehreinsatzes sehr gut nachempfinden. Andy hat dieses Mal gute Entscheidungen getroffen und sich des Jobs würdig erwiesen.

Parallel dazu begleiten wir Pruitt zur Chemotherapie ins Krankenhaus und hören seine mürrischen Worte darüber, dass niemand ihn nach seiner Einschätzung fragt. Es hat diese Episode schön abgerundet, dass Ripley sich zum Schluss die Meinung des bisherigen Chefs der Feuerwache angehört hat. Damit hat er Pruitt Respekt gezollt und darf zudem die Einschätzung von einer Person hören, die einen geschulten Blick auf die Lage mitbringt. Dass Pruitt sich zum Schluss gegen Andy und Jack entschieden hat, steht im starken Kontrast zur Meinung seiner Crew, denn allen anderen ist es am wichtigsten, dass kein Fremder den Posten erhält. Ich bezweifle, dass Pruitt seiner Tochter über seine Worte in der nächsten Episode reinen Wein einschenken wird. Wenn er sie nicht würdig für den Chef-Job hält, hätte er ihr das bereits früher sagen können, daher wirkt es etwas hinterhältig, dass er sich nun gegen sie und auch gegen Jack ausspricht. Ich wüsste gern, ob seine Einschätzung auf der fehlgeschlagenen Anwärterprüfung Andys beruht oder woher der Wind sonst weht. Bisher hat Pruitt seine Tochter nicht aktiv als Captain beurteilen können, weshalb es hart von ihm ist, sie nicht als seine Nachfolgerin zu sehen. Was Jack angeht, so hat Pruitt lange mit ihm zusammengearbeitet, daher kann man seiner Meinung, dass Jack für diesen Job vielleicht noch nicht bereit ist, besser nachvollziehen.

Randnotizen

  • Fast hatte ich schon angenommen, dass die Geschichte zwischen Dean und JJ aus ist, nachdem wir nun nichts mehr von den beiden gehört haben. Es scheint jedoch gut zwischen ihnen zu laufen und ich hoffe, dass wir mehr als nur ein paar Bruchstücke von ihnen zu sehen bekommen.
  • Die einzige Enttäuschung der Episode sind für mich Andy und Ryan. Für sie scheint es sich dabei, wie bei Jack, nur um eine Bettgeschichte zu handeln. Ich hatte mir erhofft, dass sie nach der geheimen Beziehung mit Jack nun auf etwas Ernstes aus ist.


Fazit

Die Verknüpfung des Falles der Woche mit den Einschätzungsgesprächen rund um den Captain-Job hat bestens funktioniert. Gekonnt hat man die Positionen der einzelnen Feuerwehrleute geschildert und den Zuschauer an der ein oder anderen Stelle überraschen können.

Marie Florschütz – myFanbase


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Diskussion zu dieser Episode

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