Bewertung: 8

Review: #1.01 Sassenach

Dass die Fernsehadaption der "Outlander"-Saga keine Enttäuschung für Fans der Romanvorlage sein wird, war schon allein dadurch gesichert, dass Autorin Diana Gabaldon als offizielle Beraterin eng mit den Serienmachern zusammen arbeitete. Und spätestens nach den ersten Produktionsfotos von Caitriona Balfe, Sam Heughan und Tobias Menzies gab es keinen Zweifel, dass die Hauptfiguren perfekt gecastet und die Originaldrehorte atemberaubend waren. Aber trotzdem blieb immer noch eine kleine Unsicherheit: Würden diese einzelnen Komponenten auch tatsächlich miteinander harmonieren und in der Pilotfolge als stimmiges Gesamtwerk überzeugen können?

"Well then, I suppose that means you're coming with me."

Um es kurz zu machen: Ja, der Auftakt von "Outlander" kann auf ganzer Linie punkten und am Ende der Folge ist man schon so in der Story drin, dass es nicht einmal eines Cliffhangers bedarf um sich zu wünschen, dass man gleich weiterschauen kann. Die Schauspieler sind wirklich außergewöhnlich gut ausgewählt: Caitriona Balfe zeigt Claire als die willensstarke, schlagfertige und sinnliche Frau, die man als Leser ins Herz geschlossen hat und dieses Gefühl überträgt sich sofort auf die Figur vor der Kamera. Genau wie in den Büchern wird die Geschichte auch in der Serie aus der Sicht von Claire erzählt, was durch ihre Voice Over schön gespiegelt wird. Die Protagonistin ist nunmal die Schlüsselfigur in "Outlander" und daher ist es absolut sinnvoll, dass man sich in dieser Pilotfolge viel Zeit für ihre Charaktereinführung lässt, bevor sie durch die Zeit reist – und auch dafür, die Beziehung von Claire und Frank als gewachsene, feste und liebevolle Bindung zu zeigen. Denn das wird die künftige Entwicklung zwischen Claire und Jamie bzw. ihren Drang, wieder in ihre Zeit zurück zu kehren, auch für Nicht-Leser nachvollziehbar machen.

Tobias Menzies stellt Frank als sensiblen, intelligenten und charmanten Historiker dar und die Chemie zwischen ihm und Caitriona Balfe ist definitiv vorhanden. Viel wichtiger ist allerdings seine Transformation in den brutalen, unsympathischen Offizier Black Jack Randall, den er nicht minder überzeugend spielt. Die erste Begegnung zwischen Claire und ihm direkt nach ihrer Zeitreise ist extrem viel versprechend, weil sich die vertrauensvolle, zärtliche Atmosphäre der Beziehung von Claire und Frank hier komplett ins Gegenteil verkehrt.

Die Szene, auf die man sehnsüchtig gewartet hatte, kam allerdings erst nach 45 Minuten – das erste Aufeinandertreffen von Claire und Jamie, das Herzstück der Romane und damit auch der Serie. Und es ist einfach herrlich, wie großartig diese beiden Charaktere und natürlich auch die beiden Schauspieler miteinander harmonieren! Sam Heughan stellt Jamie Fraser nicht nur dar, sondern er ist schlichtweg die perfekte Verkörperung des heldenhaften, charismatischen Schotten. Die Funken zwischen ihm und Caitriona Balfe sprühen schon in dieser ersten Episode in jeder Szene, egal wer von ihnen gerade die Oberhand hat. Die schlagfertigen Dialoge des Buches machen auch in dieser Visualisierung extrem viel Spaß und verdeutlichen sowohl, was für zwei sturköpfige Dickschädel hier aufeinandertreffen, als auch die unausweichliche Anziehung, die zwischen ihnen herrscht. Und spätestens, wenn Jamie Claire zum ersten Mal "Sassenach" nennt, könnte man den beiden einfach stundenlang zuschauen.

Was diese Pilotfolge komplett rund gemacht hat, waren neben den einnehmenden, gut aufgebauten Charakteren und den angerissenen Paarkonstellationen, die den Buchkenner natürlich nicht überraschen, auch die visuellen Besonderheiten; wie zum Beispiel die gedeckten Farben, die für das 20. Jahrhundert verwendet werden und die satte Kolorierung des 18. Jahrhunderts, die durch einen krassen, schwarzen Schnitt getrennt werden - nämlich Claires Zeitreise durch die Steine. Die Umsetzung dieser eigentlich unbeschreiblichen Schlüsselstelle hat mir sehr gut gefallen und mit dem Einsatz der Superzeitlupe wurde ein Element aufgegriffen, das bereits nach einer Folge als besondere Handschrift der Serie gelten kann. Wunderbar passend ist auch der Soundtrack von Bear McCreary, der die keltische Atmosphäre durch Dudelsackklänge verstärkt und gemeinsam mit dem herrlichen Naturschauspiel Schottlands eine Gänsehaut nach der anderen auslöst. Apropos Gänsehaut: die Opening Credits sind der absolute Wahnsinn und stimmen so fantastisch auf die Serie ein, dass sie ganz bestimmt zu der Sorte Credits gehören werden, die man definitiv nicht überspringen, sondern jede Woche zelebrieren wird.

Last but not least muss unbedingt erwähnt werden, dass trotz der mystisch aufgeladenen Szenen der Humor keinesfalls zu kurz kommt und vor allem die Clansmänner rund um Dougal MacKenzie in Verbindung mit Claire für mehrere Lacher sorgen. In den schottischen Dialekt muss man sich anfangs zwar ein bisschen reinhören, doch er verleiht der Serie einen unglaublich sympathischen, authentischen Anstrich. Etwas verwirrend sind anfangs die nicht untertitelten gälischen Einschübe, wenn die MacKenzie-Leute untereinander reden, aber andererseits kann man sich dadurch nur noch besser in Claires Lage versetzen, die in einer fremden Zeit unter fremden Menschen in einer weitgehend fremden Umgebung in ein unbekanntes Abenteuer geworfen wird.

Fazit

Der Auftakt der Highlander-Saga ist absolut gelungen - als Buchkenner kann man schlichtweg nichts daran auszusetzen haben und auch wenn man die Romanvorlage nicht gelesen hat, dürfte es aufgrund der detaillierten, liebevollen Erzählweise nicht schwierig sein, bereits mit dieser ersten Folge in die Welt von Claire und Jamie einzutauchen.

Lena Stadelmann - myFanbase

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