Bewertung: 7

Review: #5.10 All die Dunklen

Zack. Oder doch besser flupp? Welches Geräusch macht ein letztes Puzzleteil, wenn es in ein Bild eingefügt wird? Diese Folge zeigt uns die finalen Ereignisse aus Camelot, die uns noch gefehlt haben, um zu verstehen, wie alle ohne Gedächtnis wieder nach Storybrooke kamen und warum Emma gehandelt hat, wie sie gehandelt hat. Man kann schon fast von einem epischen Drama sprechen, mit einer Heldin Emma, die aus Liebe vorgegeben hat, der Dunkelheit verfallen zu sein, wobei diese Dunkelheit wohl maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Emma dachte, es wäre eine gute Idee, die gefallene Heldin so überzeugend zu spielen und alle auszuschließen. Emmas Neigung, als Einzelkämpferin zu agieren, Mauern um sich zu errichten und sich selbst zu einer Burg zu machen, die auf alles schießt, was ihr zu nahe kommt, war ein Teil ihrer Persönlichkeit seit wir sie kennen, auch aufgrund ihrer einsamen, von Zurückweisung geprägten Kindheit. Zuletzt hat sie angefangen, Menschen näher an sich heranzulassen, aber es leuchtet mir durchaus ein, dass sie, mit all der Dunkelheit in sich, wieder in die alten Verhaltensmuster zurückgefallen ist und der Überzeugung war, sie müsste alleine eine Lösung für den Schlamassel finden, zumal einige Elemente ihres Plans bei ihren Freunden und Verwandten auch nicht gerade gut angekommen wären. Zelena dürfte mir da zustimmen.

Nachdem wir nun ein vervollständigtes Bild vor uns haben und einem Showdown entgegensehen, der entscheidet, was aus diesem Bild wird, finde ich es ganz passend, Aussagen und Fragen aus meinen Reviews von Episode #5.01 bis jetzt zur Betrachtung dieser Folge heranzuziehen. Das ist nicht das erste Mal, dass ich mich selbst zitiere, aber in diesem Umfang habe ich das bisher noch nie getan. Einen Versuch ist es wert. Ich werde mich im Falle nicht korrekt gekennzeichneter Zitate vermutlich nicht selbst verklagen.

"Hook zeigt absolute Bereitschaft, auch dorthin zu gehen, wo es wehtut, um Emma zu retten. Man kann das so oder so bewerten. Seine Entschlossenheit bringt vieles voran und sein Wille ehrt ihn, andererseits bewegt er sich auf dem schmalen Grat, zu viel zu riskieren. Die Gefahr ist groß, dass er Grenzen überschreitet. Vielleicht hat er genau das in den verlorenen sechs Wochen getan." (Review #5.01).

Hat er, aber nicht so wie vermutet. Hook war bereit, sein Leben für Emma zu opfern, aber diese konnte ihn nicht gehen lassen und hat ihn schließlich über die Linie gestoßen, die er selbst nie wieder überschreiten wollte. Er hat sie gewarnt, dass er nicht stark genug sein würde, der Dunkelheit erneut zu wiederstehen und er hatte absolut Recht damit. Hook als Dunkler ist rachsüchtig, manipulativ und verletzend. Viele seiner Worte in dieser Folge treffen Emma und auch die Zuschauer bis ins Mark. Emma wirkt(e) als Dunkler überwiegend kalt, abweisend und fremd, was wir nun natürlich in einem anderen Licht sehen, Hook dagegen ist richtig grausam und setzt sein Charisma als Waffe ein. Er schneidet Menschen schon allein mit Worten tief ins Fleisch und wirkt dabei oft erschreckend amüsiert. Die Szenen mit Dark Hook sind schon sehr intensiv. Heimlich fragt man sich natürlich, ob Hook ähnlich wie Emma einen anderen Plan verfolgt. Vielleicht will er Emma soweit treiben, dass sie ihn mit Exkalibur tötet, um so die Dunkelheit auszulöschen? Sollte dies sein Plan sein, macht er seine Sache verdammt gut.

"Der Kniff mit dem Gedächtnisverlust hat bereits den schalen Beigeschmack einer ausgereizten Idee, genau wie das plötzliche Auftauchen eines Objektes, das irgendwie die Reise in eine andere Welt ermöglicht." (Review #5.01).

Das bleibt ein Fakt. Bald hat jeder Hauptcharakter wenigstens einmal direkt oder indirekt für einen Gedächtnisverlust gesorgt.

"Es ist wirklich nicht leicht, mitanzusehen, wie Regina von allen als Retterin gefeiert wird und die Liebe und Unterstützung ihrer Familie und Freunde erfährt, während Emma ausgeschlossen voller Dunkelheit in eben selbiger draußen steht, völlig allein mit einem imaginären Rumpelstilzchen, der weiterhin das Böse in ihr personifiziert." (Review #5.02).

Wie wir jetzt wissen, hat Emma diese Einsamkeit bewusst gewählt, in dem Glauben, dies tun zu müssen, um alle zu beschützen und die Dunkelheit zu besiegen. Sie war nie wütend auf ihre Liebsten, das war nur vorgetäuscht, um diese auf Abstand zu halten. Eine gute Idee war das nicht, aber es passt meiner Ansicht nach zu einer dunklen Retterin. Sie will immer noch Gefahren bezwingen, aber ihre Methoden sind nicht mehr die fairsten und sie übertreibt es mit der einsamen Wölfigkeit bis hin zur Selbstaufgabe. Nach allem, was wir inzwischen wissen, erscheint die Bezeichnung Dark Savior fast passender als Dark Swan.

"Über Mary Margaret und David könnte ich mich mal wieder aufregen. Nicht zum ersten Mal. Die aktuelle Situation ist eigentlich wie geschaffen dafür, dass die beiden wirklich das Richtige für ihre Tochter tun, wirklich um sie kämpfen, aber davon sehen wir im Moment noch sehr wenig." (Review #5.02).

Auch das hat sich leider nicht wirklich geändert. Wenngleich Emma die Einsamkeit gewählt hat, so haben es ihr ihre Eltern für meine Begriffe auch zu einfach gemacht. Das von den beiden lange Zeit praktizierte "Wir warten, bis sie zu uns kommt" macht bei einem Menschen, der schon ohne Dunkelheit in sich nur schwer Vertrauen fasst, relativ wenig Sinn. In dieser Folge schaffen es Mary Margaret und David ebenfalls nicht, ein richtiger Halt für ihre Tochter zu sein. Sie bringen es nicht über sich, ihr zu vertrauen. Die Chance, Vertrauen zurückzugewinnen, erhält sie nur von Henry, dabei ist er derjenige, den sie am meisten verletzt hat. Wir müssen wohl noch länger darauf warten, dass Mary Margaret und David in der Elternrolle eine richtig gute Figur machen und passende Entscheidungen treffen.

"Der Kuss der wahren Liebe kann nur dann einen Fluch brechen, wenn beide es wollen." (Review #5.02).

Und vermutlich sollten nicht beide der dunklen Seite der Macht angehören.

"Emma versucht Hook zu manipulieren, damit er für sie Exkalibur aus dem Stein zieht." (Review #5.03).

Fehlinterpretation, kann passieren. Stattdessen war es sogar Hook selbst, der das Schwert wieder in den Stein verbannt hat, damit weder Emma noch jemand anderes es gegen ihn verwenden kann. Gar nicht mal so dumm. Dass Emma dann ausgerechnet Hooks Erzfeind dazu benutzt hat, das Schwert wieder herauszuziehen, zeigt, wie hier wirklich alles emotional auf dem Kopf steht.

"Außerdem zeigt sich, dass Merlin seine große Liebe verloren hat, bei der es sich durchaus um den Dunklen in der goldenen Maske gehandelt haben könnte." (Review #5.05).

Katsching.

"Oder ist dies alles womöglich ein großer Masterplan von Emma und Merlin, mit dem Ziel, die Dunkelheit auszulöschen? Das wäre ein Twist, der mir persönlich sehr gefallen würde."

Katsching. Katsching. Na ja gut, Merlin hat gar nichts mehr geplant, aber wir können jetzt mit Sicherheit sagen, dass Emma nicht wie die anderen Dunklen vor ihr (und gleichzeitig mit ihr) ist. Sie will die Dunkelheit auslöschen, nicht das Licht.

"Weniger überzeugt hat mich wiederum die Szene, in der Vortigan Nimue scheinbar tötet und Merlin nur verzweifelt dabei steht. Es leuchtet mir ja ein, dass er seine magischen Kräfte nicht gegen einen Menschen verwenden und so seine Seele zerstören wollte, aber es hätte für einen Zauberer wie ihn, dazu noch mit 500 Jahren Lebenserfahrung, doch wohl Möglichkeiten gegeben, Vortigan mit Magie zu stoppen, ohne ihn dabei ernsthaft zu verletzen." (Review #5.07).

Die vierte Staffel hat rund um Merlin einen Mythos errichtet, den der Zauberer, wie wir ihn in dieser fünften Staffel kennen gelernt haben, nur sehr bedingt standhalten konnte. Merlin war ein alter, mächtiger Zauberer mit der Ausstrahlung eines jungen, idealistischen Zauberers, der in entscheidenden Momenten mehr wollte als konnte. Man kann davon enttäuscht sein, wobei ich in diesem Fall sagen muss, dass Merlin ein schönes Beispiel für eine Legende ist: ein Kern Wahrheit ist in den Erzählungen und Vorstellungen vorhanden, aber vieles wurde und wird auch dazugedichtet, fehlinterpretiert, übertrieben und unvollständig wiedergegeben. Dazu hat auch der Zauberlehrling beigetragen, dessen Aussagen teilweise im Nachhinein fragwürdig erscheinen.

Wozu brauchte eigentlich ein Zauberer, der in einem Baum festsaß, ein Haus in Storybrooke und wie hat er es dorthin gebracht? Wir werden es wohl nie erfahren.

"Was ist aus Merlin geworden? Er ist ja auch durchaus noch ein Kandidat für die Rolle des Opferlamms, denn er war Nimues große Liebe – und Nimue ist ein Teil von Emma." (Review #5.08).

Und ein Teil von Hook. Tatsächlich wurde Merlins Herz für den Fluch zerstört, nur eben von Hook mit seiner inneren Nimue und nicht von Emma, die ihre innere Nimue nicht ausstehen kann. Nun muss sie sich mit der fleischgewordenen Nimue auseinandersetzen, denn Hook hat diese und die anderen ehemaligen Dunklen aus der Hölle nach Storybrooke geholt. Die schlimmste Reisegruppe aller Zeiten! Modehändler, die auf unheimliche Roben mit tiefen Kapuzen spezialisiert sind, könnten freilich das Geschäft ihres Lebens machen.

"Für mich ist momentan außerdem nicht ganz ersichtlich, warum Emma überhaupt halb Camelot mit nach Storybrooke gebracht hat. Für ihren Plan, wie er sich uns jetzt darstellt, braucht sie Arthur und seine Bagage nicht." (Review #5.08).

Es war nicht Emma und es war auch nicht beabsichtigt, der Fluch hat sie einfach alle mitgeschluckt, einschließlich Merida, für die Emma dann aber zumindest noch Verwendung hatte.

"Auch Lancelot ward schon länger nicht mehr gesehen." (Review #5.08).

In dieser Folge sehen wir ihn wieder und erfahren, dass er der Reise nach Storybrooke entgangen ist, weil er bei seiner Mutter war. Das ist doch mal eine Erklärung! Seltsamerweise ist hier die Rede davon, dass Lancelots Mutter die "Lady of the Lake" ("Hüterin des Sees") sei. Hatten wir die nicht schon und wurde diese nicht von Prinz Charming getötet, woraufhin der See Nostos ausgetrocknet ist, dessen letzte Wasserreserven Lancelot dann Snow gegeben hat, damit diese Kinder bekommen kann? Offenbar haben wohl mehrere Seen eine Hüterin. Die Frage ist, warum diese Tatsache hier erwähnt wurde. Sollen wir uns nur darüber wundern, war das einfach eine Erinnerung an die alten Folgen oder spielt Lancelots Mum noch eine Rolle in den kommenden Episoden?

"Wieso hat Hook nicht bemerkt, dass er ein Dunkler ist? Auch wenn Emma sein Gedächtnis gelöscht hat, hätte er doch etwas spüren müssen. Wieso wurde er nicht von Halluzinationen heimgesucht" (Review #5.08).

Nach wie vor fällt es mir leider etwas schwer, nachzuvollziehen, dass Hook ohne die Erinnerung daran, ein Dunkler zu sein, keine Veränderungen an sich bemerkt bzw. keine erkennbaren Veränderungen gezeigt hat, aber sofort nach Zurückerlangungen seines Gedächtnisses richtig fies wurde. Hätte Hook z.B. nicht auch in Storybrook die Nähe zu Exkalibur spüren müssen, so wie in Camelot? Krankheitssymptome tauchen auch nicht erst auf, nachdem die Krankheit diagnostiziert wurde. Natürlich sollten die Zuschauer die Storywendung nicht zu früh erahnen, aber man kann so einen Twist dennoch besser vorbereiten, durch geschickte Andeutungen und Nuancen, die dann im Nachhinein Sinn ergeben. Für mich ist das ein großes Problem, das "Once Upon a Time" zunehmend zeigt: statt das Dinge erst im Nachhinein Sinn ergeben, ergeben zu viele Dinge im Nachhinein plötzlich keinen Sinn mehr.

Was für mich übrigens sehr wohl Sinn ergibt, ist Belles (erneute/vorläufig endgültige) Trennung von Mr. Gold. Nach allem, was er ihr angetan hat, nach all den Lügen, Täuschungen und Enttäuschungen, steht es ihr absolut zu, oder besser gesagt wurde es an der Zeit, dass sie die Reißlinie zieht und auf Abstand geht, statt wieder einmal zu ihm zurückzukehren. Da er ja nun angeblich ein Held ist, wird er jetzt zeigen müssen, ob er auch mit einem gebrochenen Herzen aufrecht bleibt. Ich glaube ehrlich gesagt nicht daran. Zu oft hat er schon den falschen Weg gewählt. Er wollte die Dunkelheit in sich nie auslöschen, er war vernarrt in die Macht, hat sie über alles gestellt – auch immer wieder über Belle. Ist er wirklich über die Macht hinweg? Er mag seine Feigheit erfolgreich überwunden haben, aber um wirklich einer der Guten zu sein, bedarf es noch mehr.

"Letztlich empfand ich diese Folge über weite Strecken als langweilig, was mir bei "Once Upon a Time" höchst selten passiert." (Review #5.09).

Diese Folge hat mich definitiv nicht gelangweilt. Ich finde sogar, dass sie die bisher beste der fünften Staffel ist. In gewisser Weise zeigt diese Episode, dass die erste Hälfte der 5. Staffel, diese ganze Dark-Swan-Storyline, die ich, woraus ich ja nie einen Hehl gemacht habe, nicht sonderlich mochte, Potential hatte, das nicht ausgeschöpft wurde. Feinere Nuancen bezüglich Hook, mehr Szenen zwischen Dark Emmas und ihrer Familie, die auch Hinweise auf ihre wahren Absichten hätten liefern können, bzw. ihren inneren Konflikt spannender gemacht hätten, und weniger Logiklöcher, dann wäre der Weg hin zu dieser Folge überzeugender gewesen.

Maret Hosemann - myFanbase

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