Bewertung: 7

Review: #4.21 Das gute Böse (1)

Foto: Colin O'Donoghue, Once Upon a Time - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Jack Rowand
Colin O'Donoghue, Once Upon a Time
© 2017 ABC Studios; ABC/Jack Rowand

Rumpelstilzchen als selbstloser Ritter, der Dorfbewohner ohne Gegenleistung vor Oger beschützt, Snow als Böse Königin, die Leute gerne einen Kopf kürzer macht (oder diverse andere Körperteile gewaltsam entfernt), Charming als herzloser Vollstrecker ihrer Majestät und Regina als von der Bösen Königin verfolgte Banditin - willkommen in der Twilight Zone, wo die Guten die Bösen, die Bösen die Guten und die Oger immer noch groß und hässlich sind! Dem Autor Isaac, der wie wir nun wissen Heller mit Nachnamen heißt, aus unserer Welt stammt und früher Fernseher verkauft, bzw. zum Missfallen seines Chefs nicht verkauft hat, ist es gelungen, sein Meisterwerk "Helden & Schurken" zu vollenden und damit eine Parallelwelt zu kreieren, in der alles sprichwörtlich auf dem Kopf steht.

Zu Beginn dieser Folge haben Emma und Co. noch etwas Zeit und verbringen diese damit, die leeren Märchenbücher zu studieren, in der Hoffnung, dass dort erscheint, was Isaac gerade schreibt. Etwas noch sinnloseres hätten sie nun wirklich nicht tun können. Warum haben sie keinen koordinierten Angriff auf Isaac gestartet? Mit zwei mächtigen Zauberinnen (Emma & Regina), einem Piraten (Captain Hook), einem Bogenschützen (Robin Hood), einem Sheriff und Schwertkämpfer (David) sowie einer geübten Banditin (Mary Margaret) wäre es doch wohl möglich gewesen, Isaac von allen Seiten zu attackieren, so dass ihm nicht genug Zeit geblieben wäre, sich aus der Situation heraus zu schreiben. Der sterbende Mr. Gold, das wusste Regina doch, wäre kein Hindernis gewesen. Oder sollen wir glauben, dass der Gruppe nicht klar war, dass Isaac und Mr. Gold in Golds Laden sind, wo Regina Gold zuletzt gesehen hat, und dass sie dies erst durch den Zauberlehrling realisiert haben? Auch das erscheint wenig plausibel.

Apropos Zauberlehrling. August, der noch rechtzeitig sein mehrwöchiges Nickerchen beendet hat, um auch mal wieder etwas beizutragen, klärt Emma & Co. darüber auf, dass sie den Zauberlehrling finden müssen. Anhand einer Zeichnung von August erkennt Hook den Mann, den er vor einiger Zeit in den Zauberhut sperren musste, als den gesuchten Zauberlehrling, der nun endlich befreit wird. Hook betont entschuldigend, dass er nicht wusste, wer der Gefangene ist, was auch stimmt, aber Hook wusste, DASS noch jemand im Hut gefangen ist und hat sich zuletzt kein bisschen darum geschert. Hier von einem logischen, nachvollziehbaren Verhalten zu sprechen fällt mir ebenfalls äußerst schwer.

Dieser Anfang steht geradezu exemplarisch für die Probleme, die diese 4. Staffel, insbesondere in der zweiten Hälfte, immer wieder in Punkto Sinn und Logik aufwies. Nicht, dass die Serie nicht schon früher damit zu kämpfen hatte, aber die Löcher scheinen inzwischen größer zu werden.

Andererseits zeigt der weitere Verlauf dieser Episode einmal mehr, warum "Once Upon a Time" nach wie vor eine sehr unterhaltsame, liebenswerte Serie voller guter Ideen ist, auf die ich wirklich nicht verzichten möchte. Diese Bizarro-Märchenwelt namens "Helden & Schurken" fühlt sich wie eine Art völlig verdrehtes Déjà-Vu an, voller Anspielungen auf die Anfänge der Serie und gespickt mit ironischen Momenten.

Henry, der Held aus einer fernen Welt

Dass Henry diesmal der Held ist, der auf sich alleine gestellt Lösungen entwickeln muss, finde ich wirklich gut. Zum einen hat er ja eine besondere Bindung zum (echten) Märchenbuch und zum anderen wurde es einfach mal Zeit, dass er aus dem zugegebenermaßen sehr großen Schatten seiner Mütter und Großeltern tritt und sich beweisen kann - also wirklich beweisen, nicht so wie in Neverland, als er dachte ein Held werden zu können und am Ende erst ohne Herz und dann im falschen Körper dastand. Diesmal wird er wirklich gebraucht, denn nur er ist noch übrig und kann Isaacs verhängnisvolles Werk zerstören. Als Junge, der seine Familie retten will, macht er tatsächlich keine schlechte Figur. In manchen Situationen hat er freilich etwas Glück, aber er zieht die richtigen Schlüsse, lässt sich nicht bremsen und ist definitiv smarter und mutiger als Isaac. Respekt, Henry!

Rumpelstilzchen, der Ritter ohne Furcht und Bezahlung

Viel sehen wir in dieser ersten Finalfolge noch nicht von Rumpelstilzchen, aber sein kurzer Auftritt spricht bereits Bände. Er ist ein gefeierter Held, der durch die Lande zieht, um Dorfbewohner vor den Ogern zu retten - und er tut dies, ohne irgendeinen Preis zu verlangen, wie er strahlend betont. Was für eine bittere Ironie, den König der Deals, der traditionell gerne erstgeborene Babys als Gegenleistung einheimste, nun als selbstlosen Ritter in glänzender Rüstung zu sehen.

Snow White, die Königin mit der Lust zu töten

Snow White als Böse Königin zu erleben ist wahrhaftig ein schrecklich nettes Vergnügen. Ginnifer Goodwin scheint wirklich Spaß an dieser diabolischen Rolle zu haben, was auch den Zuschauer sofort mitreißt. Allein ihr fieses Grinsen, als sie betont, wie gerne sie zusätzlich zu ihrer Erzfeindin Regina auch den ihr unbekannten Jungen namens Henry zu töten bereit ist, verdient einen Vergifteten Apfel in Gold.

Interessanterweise war Snow White in dieser Parallelwelt in Charmings Zwillingsbruder James verliebt, der aber durch Reginas Schuld sein Leben verlor. Die näheren Details erfahren wir leider nicht. Vielleicht tun uns die Autoren von "Once Upon a Time" ja den Gefallen, sich in der langen Sommerpause mal hinzusetzen und den Roman "Helden & Schurken" tatsächlich zu Papier zu bringen. Ich würde ihn lesen.

Charming, der Scharfrichter ohne Herz

Charming nimmt die Rolle ein, die in der echten Geschichte der Jägersmann inne hatte (wow, wie lange ist das her, dass ich diesen Charakter in einer Review erwähnt habe?!), nur noch ein Stück düsterer. Sein Spitzname Charming ist hier wohl eher sarkastisch gemeint und fast eine demütigende Bezeichnung für diese dunkle und tragische Gestalt.

Regina, die Räuberin ohne Hoffnung

Reginas Rolle in "Helden & Schurken" entspricht der von Snow White in der Originalgeschichte sowie ein bisschen der von Zelena, denn in dieser neuen Geschichte ist es Regina, die von ihrer Mutter ausgesetzt wurde. Wie Snow im echten Märchen überfällt auch Regina eine königliche Kutsche und trifft dadurch auf ihren Traumprinzen (Robin Hood), der ebenfalls, wie dereinst der wahre Prinz Charming, kurz vor seiner Hochzeit mit einer anderen Frau steht, allerdings vor einer aus seiner Sicht freiwilligen Hochzeit. Seine Braut ist Zelena, die – man könnte dieser Folge wirklich einen Ironiepreis verleihen – damit schon wieder die Rolle von Marian einnimmt, diesmal ohne ihr Äußeres verändern zu müssen.

Regina glaubt Henry natürlich kein Wort, als er bei ihr auftaucht und behauptet, ihr Adoptivsohn aus einer anderen Realität zu sein. Der Moment, in dem er sich Regina vorstellt, ist sehr bemerkenswert, denn er tut es mit haargenau den Worten, mit denen er sich damals Emma vorgestellt hat. Wie viel Zeit seitdem vergangen ist, kann man an niemandem so deutlich sehen wie an Henry. Musste Emma damals noch nach unten schauen, um zu entdecken, wer da an ihrer Tür ist, wächst Henry seinen Müttern nun mehr und mehr über den Kopf.

Isaac, der Autor, der keine Farbfernseher verkaufen konnte

Ach ja, Isaac. Im Jahr 1966 wurde Isaac aus unserer Welt als neuer Autor rekrutiert, nachdem der vorherige gestorben ist. Und wer ist tatsächlich im Jahr 1966 gestorben? Walt Disney. Bestimmt nur Zufall. Wie dem auch sei, hat sich Isaac seines Amtes bekanntlich nicht als würdig erwiesen. Die oberste Direktive der Autoren hat er in dem Moment verletzt, als er sich ein eigenes Happy End geschrieben hat, das da wäre ein Leben als reicher und gefeierter Bestseller-Autor zu führen. Die Veranstaltung, auf der wir Isaac sehen und auf der er unter anderem von einer Leserin angesprochen wird, die ein glühender Fan der Figur Regina ist, kann man als augenzwinkernde Anspielung auf Conventions wie die ComicCon sehen, an denen auch die "Once Upon a Time"-Macher und –Darsteller immer mal wieder teilnehmen.

Wer gehofft hat, dass uns Isaac durch seine fragwürdigen Schreibkünste zumindest ein Wiedersehen mit verstorbenen Charakteren beschert, der wird früh eines Besseren belehrt, denn diese Macht besitzt ein Autor nicht. Das Prinzip, dass Magie keine Toten zurückbringen kann, zieht sich als roter Faden durch die Serie. Nur Mr. Gold/Rumpelstilzchen wurde zurückgeholt, allerdings kann man die Wiedererweckung des Dunklen, der sich selbst erdolcht und somit keinen Nachfolger gefunden hat, mittels des Todes eines anderen Menschen, in diesem Fall seines eigenen Sohnes, durchaus als extreme Ausnahme, die die Regel bestätigt, betrachten.

Maret Hosemann - myFanbase

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