Bewertung: 7

Review: #4.09 Schattenboxen

Foto: Adrian Pasdar, Heroes - Copyright: 2011 Universal Pictures Germany
Adrian Pasdar, Heroes
© 2011 Universal Pictures Germany

Nach einem gelungenen kleinen Ausflug in die erste Staffel kehren wir mit #4.09 Schattenboxen nun wieder zurück in die Gegenwart. Entgegen aller Erwartungen, dass nach dem überraschenden Ausreißer nach oben nun wieder eine mittelmäßige Durchschnittsfolge kommt, ist diese Episode erstaunlich gut. Sie ist zwar ganz klar als eine Übergangsfolge zu sehen, die vor allem dazu da ist, um Weichen für kommende Entwicklungen zu stellen, aber das ändert nichts daran, dass sie stellenweise durchaus spannend und unterhaltsam ist.

"My daughter calls, I drop everything."

Dabei beginnt die Folge eigentlich wenig viel versprechend: Claire wird von einer Eisenstange durchbohrt, kann ihre zwei komplett unterbelichteten Psi-Alpha-Chi-Kolleginnen aber davon überzeugen, dass das alles nur eine Halluzination (!) war. Das ist so doof, dass es schon wieder witzig ist. Überhaupt funktionieren diesmal so einige Sachen schlicht und ergreifend deshalb besser, weil man sich einfach mal nicht so ernst nimmt. Die Autoren wissen ganz genau, dass sie Olivia und Ashley mit dermaßen vielen Klischees beladen haben, dass es weh tut. Aber sie machen es mit einem Augenzwinkern.

Es ist jedenfalls nur konsequent, dass Gretchen nach Beckys Mordversuch ihre Sachen packt und verschwindet (alle gemeinsam: Wooohooo!!). Zum einen war diese Figur unglaublich überflüssig und nervenaufreibend, zum anderen wäre jegliche andere Entscheidung unlogisch gewesen. Und kaum ist Gretchen weg, schon nimmt die Storyline auch an Fahrt auf: Samuel erscheint wie aus dem Nichts an Claires Tür und will ihren Moment der Schwäche nutzen, um sie auf seine Seite zu ziehen. Mal wieder brilliert Robert Knepper in seiner Rolle und textet Claire so überzeugend zu, dass er von mir aus auch eckige Tennisbälle verkaufen könnte, ich würde diesem Mann alles abnehmen.

Parallel zu Claire und Samuel treffen auch Hornbrille und Becky aufeinander. Durch das Flashback aus Beckys Vergangenheit wissen wir nun endlich, was Beckys Motiv ist – nämlich Rache. Man scheint bei "Heroes" also aus alten Fehlern gelernt zu haben, und kümmert sich nun wieder darum, die Beweggründe der Figuren zumindest ein bisschen zu erklären. Gleichzeitig erinnert man uns mit diesem Flashback daran, dass Hornbrille nicht immer so handzahm war und so einige Fehler aus der Vergangenheit zu büßen hat.

Letztlich können Samuel und Becky entkommen und kaum sind sie wieder beim Karneval, wechselt Samuel vom liebenswerten, treuherzigen Onkel zum eiskalten Bösewicht. Wunderbar. Damit ist für die kommenden Episoden alles vorbereitet: Samuel hat es erfolgreich geschafft, wieder einen Keil zwischen Claire-Bear und Daddy Bennet zu treiben und es bleibt zu hoffen, dass dies nicht in einem Desaster wie in der dritten Staffel ausartet, wo Claire im Sekundentakt die Meinung über ihren Vater änderte, sondern dass man Claires inneren Zwist, sich für eine Seite entscheiden zu müssen, authentisch darstellt. Wir werden sehen.

"The world is my hostage, Matt. Anybody, any time."

Auch der zweiten Hauptstoryline kommt es zugute, dass man sich nicht allzu ernst nimmt. Fast schon comedyreif sind einige der Szenen mit Zachary Quinto und Greg Grunberg, die hervorragend zusammen agieren. Matt bewegt sich endlich aus seiner Passivität heraus und will mit allen Mitteln Sylar davon abbringen, nach New York zu fahren. Tatsächlich scheint er es einige Male zu schaffen, Sylar zu überlisten, doch er überstrapaziert dessen Geduld so lange, bis der arme Hank dran glauben muss.

Das Konzept, sowohl Matts Körper als auch Sylars Psyche zu visualisieren, bzw. Sylars Körper und Matts Psyche zu zeigen, geht hundertprozentig auf. Die Szenen sind hervorragend geschnitten und die Idee wird wirklich makellos und detailgetreu umgesetzt. Man steigert sich kontinuierlich, von der Flughafenszene über den Platten am Straßenrand bis hin zum Burnt Toast Diner. Die Spannung wird geschickt aufgebaut, gleichzeitig sind einige Kommentare von Sylar aber einfach zu herrlich, um nicht zu lachen ("If memory serves, the Tahitian Pancakes were good, and a Coke... Diet Coke."). Man verpasst es nicht, ab und an einen guten Witz einzubauen und siehe da: Es funktioniert! Kaum nimmt man sich mal nicht so ernst, geht es schon viel besser bei "Heroes".

Der vermeintliche Storyhöhepunkt ist dann allerdings wieder zu vorhersehbar, als dass man ihn als spannend bezeichnen könnte: Matt kritzelt eine Terrordrohung auf die Serviette, lässt sich von der Polizei stellen und schließlich erschießen. Nette Idee, wäre es nicht GLASKLAR, dass die Show zu diesem Zeitpunkt unmöglich Sylar killen wird. Pure Effekthascherei ohne Wirkung. Was schade ist, denn für Matt wäre dies ein heldenhafter, erinnerungswürdiger Abgang gewesen.

"Too many people need help."

Bleibt noch der Nebenplot um Peter und Emma, der allerdings nicht weiter erwähnenswert ist. Das Zugunglück ist Mittel zum Zweck: Es zeigt einerseits, dass auch Peters Fähigkeiten an ihre Grenzen stoßen, und bewirkt andererseits, dass Emma sich dazu entscheidet, ihre Arztkarriere fortzusetzen. Mit weiterhin erstaunlich viel Feingefühl wird außerdem die angehende Liebesgeschichte zwischen Peter und Emma vorangebracht und die beiden haben immernoch die Chance, Platz 2 der besten "Heroes"-Pärchen aller Zeiten (nach Hiro und Charlie) zu gewinnen – wenn man es nicht wieder verbockt.

Wir können uns also nicht beschweren: Gretchen ist weg (weil's so schön ist noch einmal: Wooohooo!!), Robert Knepper ist weiterhin großartig, Sylar konnte ein paar kultige Sprüche reißen, der Haitianer hat endlich einen Namen, nämlich René (!), und Matt wurde zwar von einem Dutzend Kugeln durchsiebt, wird aber garantiert überleben. Und: Nathan ist zurück! Als Übergangsfolge kann #4.09 Schattenboxen daher durchaus überzeugen und schafft es zu 7 von 9 Punkten.

Maria Gruber - myFanbase

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