Bewertung: 7

Review: #8.22 Carpe Diem

Jede Prüfung ist ein Höllenritt für sich. Schriftliche Prüfungen haben aber zumindest den Vorteil, dass man dabei seine Nase in die Papiere vergraben kann und in Ruhe gelassen wird. Bei mündlichen Prüfungen dagegen muss man die Karten auf den Tisch legen und sich von Angesicht zu Angesicht stellen. Da gibt es kein Abtauchen mehr. Ich habe mich bei mündlichen Prüfungen immer wie der Star eines Theaterstücks gefühlt, dessen Text ich nicht kenne. Man kann sich nur vorher jede Menge Stichpunkte ins Gehirn einpauken und hoffen, dass dies reicht, um das Stück, dass die Prüfer dirigieren, mitspielen zu können. Für die Assistenzärzte im fünften Jahr werden ihre Theaterstücke in dieser Episode zu wahren Dramen, aber überwiegend mit Happy End.

Merediths Prüfung

Meredith hat wirklich keinen Spass bei ihrer Prüfung. Ihre Grippe macht ihr das Leben zur Hölle, aber sie beißt sich durch und besteht. Ich finde es ja etwas erstaunlich, wie oft sie sich übergeben muss, vor allem, wenn man bedenkt, dass sie die ganze Zeit nichts isst. Ich bin ja keine Ärztin, aber wenn nichts mehr drin ist, kann man irgendwann auch nichts mehr ausspucken ... Okay, wir wollen das nicht vertiefen.

Es gibt sicherlich nicht wenige Zuschauer, die offen für die Theorie sind, dass Meredith gar keine Grippe hat, sondern schwanger ist. Wenn man bedenkt, dass wir vor längerer Zeit mit #3.04 Man ist, was man ist eine Episode erleben durften, in der alle den Verdacht hatten, Meredith sei schwanger, sie dann aber in Wahrheit an einer Blinddarmentzündung litt, wäre es nun eine nette Verkehrung, wenn sich ihre vermeintliche Grippe unerwartet als Schwangerschaft entpuppt. In dieser Staffel ließen sich ja bereits einige Anspielungen auf frühere Folgen erkennen. Gegen die Theorie, Meredith könnte schwanger sein, spricht aber ganz klar die Tatsache, dass Zola die Grippe hatte. Es ist also insgesamt viel wahrscheinlicher, dass sich Meredith bei ihrer Tochter angesteckt hat.

Cristinas Prüfung

Cristina erwischt genau den falschen Prüfer. Der Mann, der sie mündlich testet, ist ein Arzt der alten Schule, dessen konservative Methoden ihr viel zu rückständig sind, während sie von ihm als zu forsch und aggressiv eingestuft wird. Dennoch besteht sie letztlich, denn auch wenn ihr Prüfer sie wahrscheinlich nie zu einem Tee einladen würde, muss auch er erkennen, dass Cristina die Zukunft der Medizin verkörpert. Da wir schon bei Anspielungen auf frühere Folgen waren: in #5.16 Götter in Weiß musste sich Cristina auch mit einem medizinischen "Dinosaurier" herumschlagen.

Alex' Prüfung

Letzte Woche sah es noch so aus, als würde Alex es nicht mehr rechtzeitig zu seiner Prüfung schaffen, doch er verpasst letztlich "nur" den ersten Teil und rettet sich noch über die Ziellinie. Verdientermaßen. Inzwischen hat er schon mehrfach bewiesen, dass er ein großartiger Kinderchirurg ist und auf einem der schwierigsten chirurgischen Gebiete, an das sich nur wenige wagen, zu bestehen weiß.

Jacksons Prüfung

Die Allgegenwart seiner Mutter frustriert und hemmt Jackson, was ihn aber letzten Endes nicht daran hindert, zu bestehen. Für die Zukunft kann sich Jackson ja Tipps bei Meredith holen, wie man mit einer dominanten Mutter, die eine Affäre mit Richard Webber hat, fertig wird. Natürlich ist Catherine trotz aller Parallelen ein völlig anderer Typ Mutter als Ellis Grey. Catherine neigt in Bezug auf ihren Sohn zur Überfürsorglichkeit, was definitiv nie auf Ellis zutraf.

Aprils Prüfung

April wird ihren beiden Prüfern ganz sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Mit ihren hysterischen Ausbrüchen und ihren Geständnissen über ihre Religiosität (und über den Sex auf der Herrentoilette) hat sie sich wahrscheinlich einen Platz auf der Liste der anstrengendsten und skurrilsten Ärzte, die je vom American Board of Surgery geprüft wurden, erarbeitet. Am Ende sieht es ganz so aus, als sei sie diejenige, die durchgefallen ist, aber leise Zweifel habe ich noch. Ihr entsetzter Blick muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie durchgefallen ist, sondern könnte auch eine Reaktion darauf sein, dass sie trotz des Bruchs mit ihren religiösen Vorsätzen bestanden hat. Es ist zwar die Rede davon, dass einer der Assistenzärzte des Seattle Grace/Mercy West durchgefallen ist, aber vermutlich sind Meredith, Cristina, Alex, Jackson und April nicht die einzigen Assistenzärzte des Krankenhauses, die sich im fünften Jahr befinden, auch wenn es immer so aussieht. Man hat in der vorherigen Folge gesehen, dass noch mehr Leute, also noch mehr Prüflinge, in den Shuttlebus gestiegen sind, der vom Seattle Grace/Mercy West zum Flughafen gefahren ist. Noch scheint es mir zu früh, Aprils Scheitern als Fakt anzusehen, obwohl sie es, wenn man ehrlich ist, verdient hätte, durchzufallen. Sie hat sich, soweit wir das beobachten konnten, bei ihrer Prüfung nun wirklich nicht wie eine reife Ärztin, die mit Stresssituationen umgehen kann, verhalten.

Andere Prüfungen

Auch einige der anderen Charaktere haben Prüfungen zu bewältigen, wenn auch emotionaler Natur. Lexie muss, um Mark nicht endgültig an Julia zu verlieren, endlich ihr Schweigen brechen und ihm ihre Gefühle gestehen. Der perfekten Dramaturgie entsprechend, taucht direkt nach Lexies Liebesgeständnis die gute Julia auf, um Mark abzuholen. Da steht er nun vor den beiden Frauen, die ihn lieben, und weiß erst einmal nicht weiter. Moment, das kommt uns doch auch bekannt vor ... richtig, in einer ähnlichen Lage befand sich Meredith im Finale der zweiten Staffel mit Derek und Finn. Habe ich schon erwähnt, dass es in dieser Staffel wirklich viele Anspielungen auf frühere Folgen gibt?

Bei der Frage, für wen sich Mark entscheiden wird, für Lexie oder für Julia, gibt es für die meisten Zuschauer wohl keine zwei Meinungen: es muss Lexie sein. Angesichts des Umstandes, dass Lexie ein Hauptcharakter ist, während Julia wesentlich öfter erwähnt wird, als das sie in Fleisch und Blut auftaucht, scheint Lexie wirklich weit im Vorteil zu sein, aber wer weiß, ob Julia nicht vielleicht als ein neuer Hauptcharakter für die neunte Staffel vorgesehen ist? Es wird in dieser Folge auf jeden Fall wieder deutlich gemacht, dass Julia diejenige ist, die sich gut in Marks Familienleben integriert hat und dieses sogar erweitern will, während Lexie eher daran arbeitet, mit Mark trotz seines Familienanhangs zusammen zu sein. Lexie hat definitiv noch einen weiten Weg vor sich, in die Rolle einer Stiefmutter (und irgendwann selbst Mutter) hineinzuwachsen, während Julia schon so weit ist. Schwere Entscheidung für Mark.

Arizona muss unterdessen damit fertig werden, dass ihr enger Freund Nick, der auch der beste Freund ihres verstorbenen Bruders war, an Krebs leidet und kaum noch Überlebenschancen hat. Zum ersten Mal seit längerer Zeit bekommt Arizona also mal wieder eine emotionale Storyline.

Maret Hosemann - myFanbase

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