Bewertung

Review: #22.09 Fortunate Son

Foto: James Pickens Jr., Grey's Anatomy - Copyright: 2024 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.; ABC/Anne Marie Fox
James Pickens Jr., Grey's Anatomy
© 2024 American Broadcasting Companies, Inc. All rights reserved.; ABC/Anne Marie Fox

Mit #22.09 Fortunate Son zeigt "Grey's Anatomy" eine sehr introspektive Folge mit eher wenigen Hauptfiguren. Während man die Krebserkrankung von Richard Webber überraschend schnell abschließt, lässt mich die Geschichte rund um Meredith Grey und Nick Marsh doch eher verwirrt zurück.

Das Herzstück der Episode war ganz klar Richards Behandlung. Dankenswerterweise hat man hier auf lebensbedrohliche Momente und Schocker verzichtet (davon hatten wir in letzter Zeit ja wahrlich genug). Stattdessen erschien mir die Inszenierung sehr ruhig, nachdenklich und fast schon wie eine Charakterstudie an Richard. Der war noch nie eine wirklich aufregende Figur, sondern eben immer mehr die ruhige Konstante im hektischen Klinikalltag. Während er nun völlig unspektakulär operiert wird, bekommen wir eine Traumsequenz zu sehen, die James Pickens Jr. sehr ergreifend gespielt hat. Ich bin sowieso immer ein Fan dieser Szenen. Zugegeben, ein bisschen verwundert war ich schon, dass wir hier keine bekannten Gesichter gesehen haben, sondern eben seinen Vater. Trotzdem hat einem das Gespräch zwischen Vater und Sohn so einiges über Richards Vergangenheit verraten. Der frühe Verlust der Mutter, ein Vater, der seine Emotionen versteckt und das gleiche auch von seinem Kind verlangt. Dinge für sich behalten und keine Hilfe zulassen. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass Richard in seinem jetzigen Leben einige Menschen hat, die dahinter her sind, dass es ihm gut geht - wie in diesem Fall eben Catherine Fox. Sein Eingeständnis, dass er Schulgefühle hat, die Krankheit überlebt zu haben, an der sein Vater gestorben ist, war dennoch hart zu hören. Und so muss Richard seinen Vater erneut sterben lassen, während er nichts dagegen tun kann. Ich hoffe wirklich, dass er in diesem "Gespräch" mit seinem Vater in gewisser Weise Frieden damit gefunden hat und sich nicht weiter damit herumplagt. Ganz schön fand ich auch, wie man von jeder Seite aus gemerkt hat, wie viel Richard den Mitarbeitenden im Krankenhaus bedeutet. Nachdem er am Ende der Folge offiziell als krebsfrei eingestuft wurde und ja anscheinend alles gut gegangen ist, bin ich gespannt, ob Richard nun wieder seinen Posten übernimmt.

Absolut rätselhaft ist für mich, was es mit der Boston-Storyline von Meredith und Nick Marsh auf sich hatte. An und für sich war sie gar nicht schlecht. Nichts Weltbewegendes, die Geschichte mit der zurückgekehrten, abhängigen Schwester kennen wir bereits, aber das hat eigentlich nicht weiter gestört. Ehrlicherweise wir sehen Nick so sporadisch und über so viele Staffeln verteilt, dass ich mich erst einmal wieder daran erinnern musste, dass er damals ja das Sorgerecht für seine Nichte Charlotte übernommen hatte. Von dem her war sein harsches und unnachgiebiges Verhalten seiner Schwester gegenüber nachvollziehbar. Vor allem, als im Laufe der Folge klar wird, dass es Nick nicht nur darum geht, plötzlich wieder mit einem Kind dazustehen. Er fürchtet, dass sich die Vergangenheit wiederholen wird und er das Leben verliert, dass er sich mit Meredith zusammen aufgebaut hat. Zum Glück kann Meredith hier gleich einhaken und klarstellen, dass sie nicht vorhat, irgendwohin zu gehen. Überhaupt schafft sie es in dieser Folge wieder, den vermittelnden Ruhepol zwischen den beiden Geschwistern zu spielen. Die ruhige Präsenz, die die Situation doch um einiges neutraler betrachten kann, ohne jahrelangen Ballast an Schuld und Vorwürfen. Denn immerhin versucht Erica, das Richtige zu tun. Sie hat sich professionelle Hilfe gesucht, hat ihre Treffen und einen festen Job. Als sie merkt, dass sie kurz vor einem Rückfall steht, gibt sie nicht nach, sondern traut sich, zu ihrem Bruder zu fahren, den sie seit Jahren nicht gesehen hat. Diese Bemühungen sollten anerkannt werden und zum Glück tut Nick das am Ende der Episode auch und möchte ihr helfen.

Und so kommen wir wieder zu meiner eigentlichen Aussage zurück – und jetzt? Die ganze Geschichte wäre im normalen Serienverlauf wunderbar einzubauen. Wir verfolgen, wie es mit Erica und Miles weitergeht und was das mit Meredith und Nick macht. Nur können wir das ja kaum, nachdem Boston lediglich eine Gast-Storyline ist. Gleichzeitig muss ich mich dann fragen, wieso man dieser Geschichte derart viel Raum in der Episode gegeben hat, wenn man sie nicht weiterführen kann. Noch dazu, wo sie doch keinerlei richtigen Bezug zu den zentralen Charakteren in Seattle hat. Das Einzige, was ich mir noch vorstellen könnte, ist, dass man hier die emotionale Basis für einen Heiratsantrag gelegt hat. Denn das waren irgendwie genau die Vibes, die ich bekommen hatte, als Meredith Nick klar zu verstehen gegeben hat, dass sie für ihn da ist.

Jenseits dieser beiden großen Geschichten, blieb nur noch ein wenig Zeit und die haben die Assistenzärzt*innen mit einer kleinen Trickserei für sich beansprucht. Das hat mich total an die früheren Staffeln erinnert, als alle zusammen irgendwelche fragwürdigen Dinger für ihre Patient*innen durchgezogen haben und mal mehr, mal weniger deutlich von ihren Vorgesetzten ertappt wurden. In diesem Fall ist ja alles gut gegangen, wobei sie Glück hatten, dass sie bei Mitch im OP nicht noch weitergesucht haben, nachdem der doch angeblich zu starke Symptome hatte. Und natürlich ist es ausgerechnet Winston Ndugu, der operiert und sofort checkt, was eigentlich los ist. Das gibt wohl wieder Minuspunkte bei Jules Millin. Als wäre die Stimmung zwischen den beiden nicht eh schon angespannt genug.

Fazit

In dieser Episode hat man deutliche Schwerpunkte gesetzt und diesen viel Raum gegeben. Während man diese Geschichten auch echt gut ausgeführt hat, fand ich es doch recht merkwürdig, die Boston-Storyline hier einzubauen. Einerseits, weil sie nochmal Tempo aus einer eh schon gemächlichen Folge genommen hat, und andererseits, weil das Ganze einfach nicht so recht in den aktuellen Rahmen der Serie passt.

Denise D. - myFanbase

Die Serie "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" ansehen:

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