Bewertung: 8

Review: #1.13 Böse

Foto: Christine Baranski, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Christine Baranski, Good Wife
© Paramount Pictures

So sieht es also aus, wenn "Good Wife" aus allen Zylindern schießt und uns die Handlungsstränge nur so um die Ohren knallt, das man gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Und das alles im besten Sinne, denn #1.13 Böse ist eine äußerst gelungene Episode. Die Kombination aus einem faszinierenden Fall der Woche und der drastischen Weiterführung von Peters Handlungsstrang sorgt wirklich für sehr gute Unterhaltung. Nebenbei bekommen wir mal wieder die fortschreitende Rivalität zwischen Diane und Will zu spüren, die sich besonders nach Jonas Sterns Weggang zuspitzt.

Im Zentrum steht aber der Mann, der der Folge ihren Namen, "Böse", verleiht. Dylan Baker reiht sich ein in die Reihe der exquisiten Gastdarsteller von "Good Wife" und porträtiert den des Mordes an seiner reichen Ehefrau verdächtigten Colin Sweeney. Dabei liefert er vor der Welt, seinen Anwälten, allen voran Alicia und auch dem Zuschauer ein beeindruckendes Schauspiel ab, was in keiner Sekunde wirklich zu durchschauen ist. Er schwankt zwischen völliger Arroganz und Überheblichkeit, spielt mit den grausamen Details rund um das Verschwinden seiner Frau, schafft es gleichzeitig aber auch als vollkommen unschuldiger und lediglich gekonnter Selbstdarsteller dazustehen. Alicia glaubt ihm seine ehrlichen (?) Worte, wenn er ihr gegenüber gesteht, dieses Spiel mit der Schuld nur der Aufmerksamkeit halber zu betreiben. Gleichzeitig ist sie angewidert von diesem Gedanken, aber dennoch überzeugt. Am Ende der Episode wird dann doch die Tochter der Ermordeten als Mordverdächtige festgenommen, aber der Gedanke setzt sich bei Alicia und beim Zuschauer fest, dass Sweeney die ganze Zeit nur mit uns gespielt hat, und sich im Stillen über alles prächtig amüsiert.

Wie man hier den Spagat zwischen einem recht klischeehaften Fall, dem anzüglichen Mordverdächtigem, und trotz all dem soviel Ambivalenz wahrt, beeindruckt mich doch sehr. Ich weiß wirklich nicht, was ich nun von Sweeney halten soll und was für ein Spiel er eigentlich treibt. Diesen Mut, eine Geschichte einmal für sich stehen lassen zu können und dem mündigen Zuschauer das Urteil darüber zu überlassen, mag ich sehr und bedeutet für mich oftmals den Unterschied zwischen einem 08/15-Drama und einem, mit moralischem Tiefgang. Der Fall um Colin Sweeney konnte bei mir jedenfalls auf ganzer Linie punkten und ist eines der Highlights der noch jungen Serie.

Ein weiterer Pluspunkt dieser Folge ist das nebenbei geführte Geplänkel der jungen, ach so naiven Anwältin Nancy Croizer, die mit ihrer schulmädchenhaften Art die Männer um den Finger wickelt. Alicia, die deren Masche sofort durchschaut, hat so die Gelegenheit immer wieder einmal ordentlich die Augen zu verdrehen, eine der schauspielerischen Fähigkeiten von Julianna Margulies die mich immer wieder zum Schmunzeln bringen. Überhaupt ist Alicia in dieser Episode die Meisterin der dezenten Hintergrundreaktion, ob nun auf Nancy Croizer oder Colin Sweeny, und auch in Bezug auf Peters Verfahren scheint sie erst einmal eher den Beobachtungsposten eingenommen zu haben.

Apropos Peters Verfahren, der versucht nun mit Unterstützung seines Anwalts Daniel Golden das ursprüngliche Urteil, welches ihn der Korruption für schuldig befunden hat, wieder aufzuheben und noch einmal neu verhandeln zu lassen. Dabei ist man nun also auch auf einem guten Weg, denn mit ihren kleinen Wespenstichen in Glenn Childs Staatsanwaltschaftsbehörde haben sie offensichtlich einen wunden Punkt getroffen, anders kann man Childs Angebot Peter gegenüber wohl nicht auffassen. Das der sich darauf mit Sicherheit nicht einlassen wird, zwar auf freien Fuß gesetzt zu werden, aber weiterhin juristisch als schuldig zu gelten und damit politisch ohne Zukunft zu sein, steht für mich eigentlich fest. Zumal Childs dieses Angebot nicht machen würde, stände er nicht mit dem Rücken zur Wand. Nein, Peter wird diese Phase des Aufwinds nutzen wollen und sich so weit wie möglich rehabilitieren, um Childs dann wieder vollwertig gegenübertreten zu können.

Sollte dieser Plan aufgehen, steht also bald schon eine Rückkehr Peters nach Hause an. Und auch wenn Alicia sich ihm in letzter Zeit wieder mehr angenähert hat, macht sie ihrem Mann unmissverständlich die Rahmenbedingungen seiner Rückkehr klar: Getrennte Schlafzimmer und wenig Veränderung im bisherigen Tagesablauf von ihr und den Kindern. Peter wirkt nach diesen Eröffnungen zunächst wie ein begossener Pudel, aber er muss dann wohl doch einsehen, dass er nach allem was vorgefallen ist, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Letztendlich kann er froh sein, dass Alicia überhaupt bereit ist ihm zu verzeihen, nicht wenigen unter den Zuschauern würde es da wahrscheinlich ganz anders gehen.

Mit dieser Episode nimmt die fortlaufende Entwicklung von Peters Versuchen, aus dem Gefängnis zu kommen jedenfalls ordentlich an Fahrt auf, daneben wickelt Lockhart/Gardner noch einen spektakulären Fall ab und Diane durchlebt eine eigene, private Krise. Diese angeschnittene Handlung, rund um Dianes ambivalentes Verhältnis zu Waffen, geht neben all den anderen Geschehnissen etwas unter und besteht am Ende nur aus drei oder vier Szenen, aber sie verleiht dem Charakter noch etwas mehr Profil, was natürlich nie schaden kann.

Insgesamt gelingt es der Serie mit dieser Folge eine beträchtliche Anzahl an Bällen in der Luft zu jonglieren und zur maximalen Unterhaltung der Zuschauer zu nutzen. Angefangen vom großartigen Dylan Baker, über die Intrigen rund um Peters Prozess, bis hin zum Geplänkel um die naiv-clevere Nancy Coizer, es ist eine tolle Episode dabei herausgekommen, die gleich Lust auf mehr davon macht.

Cindy Scholz - myFanbase

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