Bewertung: 9

Review: #8.04 Herbst

Foto: Milo Ventimiglia & Scott Patterson, Gilmore Girls: Ein neues Jahr - Copyright: Saeed Adyani/Netflix
Milo Ventimiglia & Scott Patterson, Gilmore Girls: Ein neues Jahr
© Saeed Adyani/Netflix

Da ist sie nun, die letzte Folge des lang ersehnten "Gilmore Girls"-Revivals. In Episode #8.03 Sommer warf man viele Fragen auf, wodurch sich der Herbst mit deren Beantwortung befassen muss und gleichzeitig dafür Sorge zu tragen hat, dass die Fans einen Abschluss bekommen, mit dem sie zufrieden sein können. Ist dies geglückt? Einerseits finde ich die Episode sehr gelungen, andererseits merkt man ihr deutlich an, dass man vieles unter einen Hut bringen musste und dass seit dem Ende der Serie beinahe zehn Jahre vergangen sind. Daher passt das Ende in meinen Augen, doch es wäre treffender gewesen, wenn es sich nach einem kürzeren Zeitsprung zugetragen hätte, da einige Charakterentwicklungen nicht recht zur Zeitebene passen.

In Omnia Paratus

Während ich mich gefreut habe, dass im Sommer viel Fokus darauf gelegt wurde, Rory und Lorelai Seite an Seite zu zeigen, fehlen diese Mutter-Tochter-Momente in einem Großteil dieser Folge. Denn nach dem Streit über Rorys potentielles Buch gehen sie getrennte Wege. Schön war allerdings, dass man die Gelegenheit nutzt, ein paar weitere altbekannte Gesichter im Revival auftauchen zu lassen. Die Life and Death Brigade war zwar kein riesiger Teil von Rorys Leben, spiegelt aber einen Meilenstein in ihrer Geschichte mit Logan wider, da sie wohl gar nicht auf ihn aufmerksam geworden wäre, wäre da nicht diese mysteriöse Vereinigung gewesen. Das Widersehen mit Finn, Colin und Robert war daher eine schöne Geste an die Beziehung von Rory und Logan, die im Revival einen bedeutenden Anteil von Rorys Storyline ausgemacht hat.

Auch wenn es an sich durchaus unterhaltsam war, die fünf gemeinsam durch die Straßen streifen zu sehen, fühle ich mich hier ein wenig an das Musical aus dem Sommer erinnert. Man raubt hier viel Zeit, die man vielleicht sinnvoller hätte nutzen können, obwohl die Szenen zweifelsohne den Charme der Serie unterstreichen. Das Musical hatte nur einen bedeutsamen Moment, nämlich den, in dem sich Lorelai in Violets letztem Song wiedererkennt. Mit der LADB verhält es sich nicht viel anders, denn große Entwicklungen legt man in diesem Teil der Folge nicht hin, bis zu dem Moment, in dem Logan und Rory endgültig Abschied voneinander nehmen. Ich hatte schon befürchtet, dass wir Logan bereits im Sommer zum letzten Mal gesehen haben, da Rory zu diesem Zeitpunkt die Beziehungen der beiden beendete, da sie keine Zukunft hat. Zwar bestätigt man nun nur noch einmal die Trennung, allerdings finde ich, dass dies gut gelungen ist. Denn Logan war nicht nur früher ein wichtiger Teil von Rorys Leben, besonders im Revival war er eine große Bezugsperson für sie. Man lässt die beiden daher auf gute wenn auch traurige Weise Abschied von einander nehmen.

Ebenfalls ein wichtiger Weg für Rory ist das Schreiben des Buches über das Leben mit Lorelai. Wie bereits in meiner letzten Review erwähnt, halte ich die Idee, eine liebevolle Hommage an die innige Beziehung der beiden in Form eines Buches festzuhalten, für großartig. Genau so passend wie die Ehrung der Mutter-Tochter-Geschichte ist die Tatsache, dass Rory sich einzig in Richards Büro wohl genug fühlt, um das Buch zu schreiben. Denn das Buch handelt von Familie, Zusammenhalt, sich anziehenden und abstoßenden Gegensätzen, genau so, wie wir es aus der Familie Gilmore gewohnt sind, in der sich alle ähneln und doch wieder unterschiedlicher nicht sein könnte. Man besinnt sich noch einmal auf den Inbegriff von Familie und auch Edward Herrmann würdigt man noch einmal. Zuvor hat man von Rorys Seite her nicht viel von ihrer Trauer um ihren Großvater gesehen. Teilweise ist klar, dass sie der Verlust tief getroffen hat, doch ihre Beziehung zu Richard war zu keinem Zeitpunkt so vertrackt, wie die von ihm und Lorelai. Daher passt es einerseits, dass Rory nicht viele Erklärungen um ihre Trauer abgibt, andererseits finde ich es schön, dass man dennoch noch einmal darauf aufmerksam macht, dass Rory ihren Großvater immer in Ehren halten wird.

Für Rory war im Winter und Frühling Paris eine wichtige Bezugsperson, die nun im Sommer und Herbst durch Lane abgelöst wurde. Zwar ist es richtig, dass Rory sich Lane immer viel offener anvertrauen konnte, als es bei Paris der Fall war, dennoch finde ich es schade, dass Paris nicht noch einmal aufgetaucht ist.

Wir haben bereits Logan gesehen, konnten in der letzten Episode einen winzigen Blick auf Jess werfen und wer darf in dieser Sammlung nicht fehlen? Natürlich Dean! Die Szene mit den beiden war zwar sehr kurz, konnte aber dennoch alles Wichtige vereinen. Die beiden begegnen sich im Supermarkt, dem Ort, in dem es zum ersten Kuss kam, wodurch er für Rory und Dean etwas ganz besonders darstellt. Ich oute mich an dieser Stelle mal eben als Dean-und-Rory-Shipper, wodurch ich natürlich etwas enttäuscht bin, dass aus den beiden im Revival nicht mehr geworden ist. Die Liebesgeschichte zwischen ihnen zu Beginn der Serie, war wundervoll inszeniert, aber es hat natürlich auch gepasst, dass es irgendwann zur Trennung kam, da sich Rory weiterentwickeln musste. Man erfährt über Dean kurz, dass er glücklich und Familienvater ist, was sehr gut zu ihm passt, erinnert man sich daran zurück, dass er bereits einmal verheiratet und immer ein sehr familiärer Typ war. Ich fand es sehr authentisch, dass die beiden sich nun mit so klaren Augen sehen und erkennen, wie wichtig sie für einander waren, auch wenn es mit ihnen nicht funktioniert hat. Auch dass sie nur liebevolle Worte füreinander finden, war in der kurzen Szene eine schöne Wertschätzung. Dass Rory als Gedenken an ihre Liebe zum Schluss auch noch den Soßenbinder hoch hält, hat den kurzen Auftritt Deans in meinen Augen perfekt gemacht.

Wild

Nicht nur für Rory stehen im Herbst bedeutende Entwicklungen an, für Lorelai ist dies eine Episode, auf die seit Beginn des Revivals hingearbeitet wurde, denn schon im Winter wurde klar, dass Lorelai viel belastet. Ist sie glücklich als Mutter? Ist sie glücklich als Tochter? Ist sie glücklich in ihrem Privatleben? Ist sie glücklich in ihrer Karriere? Man kann es sich eigentlich leicht machen und alle Fragen mit einem klaren Jein beantworten. Als Mutter könnte Lorelai keine bessere Tochter haben, als die eigentlich so umsichtige und zielstrebige Rory, doch da jene ihren eignen Weg noch lange nicht gefunden hat und in den Augen von Lorelai nun auch noch ein Buch zu schreiben gedenkt, in dem man Lorelai ihre Fehler als Mutter vor Augen hält, sieht das Ganze eher grau aus. Ähnlich ist es für Lorelai als Tochter. Mit Emily ist die Beziehung kompliziert wie immer, doch der Verlust ihres Vaters ist nicht spurlos an Lorelai vorbei gegangen und sie hat bisher kein Ventil dafür gefunden. In Sachen Liebe hat Lorelai in Luke ihren Traummann gefunden, doch die Beziehung der beiden tritt seit Jahren auf der Stelle, was ebenfalls an Lorelai nagt. Auch im Beruf sieht es nicht besser aus. Zwar konnte sich Lorelai auch hier ihren Traum erfüllen, doch ohne Sookie und künftig auch ohne Michel ist der Traum vom eigenen Hotel nicht mehr das, was er einmal war.

Mir hat die Idee, Lorelai auf einen Selbstfindungstrip à la Der große Trip - Wild zu schicken sehr gut gefallen, da ich den Film grandios finde und er eine auf den Punkt passende Botschaft vermittelt. In Lorelais Kopf spielen sich viele Fragen ab, auf die es im Tumult des Alltags keine Antworten zu geben scheint, weshalb sie sich eine wohlverdiente Auszeit nimmt. Dabei fand ich es genau richtig, dass Lorelai die Wanderung gar nicht antreten muss, um in sich hinein zu horchen. Denn wie im Film mit Reese Witherspoon zeigt man uns, dass der Weg das Ziel ist und dieses hat Lorelai erreicht, ohne ans Ende der Wanderung kommen zu müssen. Die Probleme der anderen haben ihr ihre eigenen vor Augen gehalten und innerhalb kürzester Zeit hat Lorelai erkannt, wie sie sich einen Weg aus ihrem Tief bahnen kann. Sie braucht kein neues Leben, sie hat nur ihren Weg aus den Augen verloren und muss zielstrebig dorthin zurück finden, um den ewigen Stillstand zu beenden. An vielen Stellen habe ich negative Kommentare über Lauren Grahams Aussehen gelesen, über Spekulationen zu Beauty-OPs möchte ich mich hier nicht auslassen, da ich finde, dass sie die Rolle der Lorelai Gilmore so fantastisch spielt, wie zu Beginn der Serie. Während ich bei Alexis Bledel nicht immer das Gefühl hatte, Rory vor mir zu haben (was auch an der etwas schwachen Storyline rund um Paul und der Affäre mit Logan liegen kann), war Lauren Graham ab der ersten Sekunde wieder die alte Lorelai. Sie hat die Witze auf den Punkt gebracht, gelacht, geweint, genau wie man es kennt und liebt. Daher ist ein Highlight des Revivals für mich die Selbstfindung von Lorelai, die Lauren Graham wahnsinnig gut gespielt hat.

Das Telefonat mit Emily, in dem Lorelai nun endlich eine glückliche Erinnerung an Richard teilt, war so herzergreifend, dass mir schon beim Gedanken daran die Tränen kommen. Zum Zeitpunkt von Richards Beerdigung stand Lorelai unter Schock, sie war nicht bereit, von ihrem Vater, zu dem ihr Verhältnis nie ganz einfach war, Abschied zu nehmen, da die beiden nie ganz im Reinen waren. Es entsprach vollkommen Lorelais Charakter, dass sie nur unpassende Bemerkungen zu Stande brachte, doch nun, wo mehr Zeit vergangen ist und sie endlich ihre Gefühle zulassen kann, kommt es zu einer Szene, die man sich herbeigesehnt hat. Die Geschichte passt zu Lorelai und ihrer Beziehung zu Richard, sie hat Herz, zeigt aber auch, dass die beiden sich nie offen über ihre Gefühle unterhalten konnten. Auch dass Lorelai leise weint, als sie mit ihrer Mutter diese Erinnerung teilt, ist wundervoll. Emily muss dazu nicht viel mehr sagen und auch das passt vollkommen zu ihr und Lorelai. Die beiden können weder mit noch ohne einander und nun, zum Ende des Revivals baut man erneut eine Brücke zwischen den beiden ungleichen Frauen.

Lorelais Ausflug in die Wildnis bringt aber nicht nur den Moment herbei, in dem sie ihrem Vater liebevoll gedenkt, er stellt auch für sie und Luke einen wichtigen Punkt dar. Die beiden lieben sich, dass stellt wohl niemand in Frage und doch sind sie seit einem Jahrzehnt ein Paar, das nicht geheiratet hat? Ich finde es richtig, dass Lorelai diesen Schritt nun endlich wagen will und es ist schön, dass Luke ihr den alten Verlobungsring aus Staffel 6 ansteckt. Doch hier merkt man, dass dieses Happyend von Amy Sherman-Palladino bereits vor mehr als einem Jahrzehnt geplant wurde. Die Handlung an sich stimmt, doch der Zeitpunkt ist etwas schwieriger. Hätte man das Revival bereits drei, fünf oder auch sieben Jahre früher auf die Beine gestellt, wäre es genau so richtig, dass Luke und Lorelai nun endlich den Bund fürs Leben schließen. Auch dass sich Lorelai die Frage stellt, ob Luke und sie Kinder bekommen sollten, wäre zu einem früheren Zeitpunkt wesentlich sinnvoller gewesen, als bei einer 48-jährigen Lorelai. Natürlich stimmt der Grundton der Geschichte noch immer, aber zeitlich gesehen haben die Figuren von ihrer Entwicklung her gesehen dann einfach viel zu lange auf der Stelle getreten.

Dass sich Lorelais missliche Lage nun doch vollkommen auf den Kopf stellt und schlussendlich alles wieder rosarot ist, bildet einen gelungenen Abschluss. Sie hat einen Weg gefunden, um ihren Vater zu trauern, um ihre Liebe mit Luke zu festigen und sie findet auch einen Weg, sich mit Rory zu versöhnen und sich wieder an ihrer Arbeit zu erfreuen. Denn durch Emilys helfende Hand, kann Lorelai (wenn auch mit einem eher offenen Ende) das Dragonfly Inn erweitern und somit vielleicht Michel zum Bleiben überreden, während sie auch einen längst überfälligen Besuch von Sookie bekommt. Bedenkt man, wie wichtig Sookie früher für Lorelai war und dass Rory mit Lane und Paris zwei enge Freundinnen zur Seite standen, steht Lorelai in diesem Revival verlassen auf weiter Flur da. Wegen Terminproblemen können wir uns glücklich schätzen, dass es Melissa McCarthy überraupt zum Revival geschafft hat, dennoch fand ich Lorelais Freundschaften in den Episoden sehr unterrepräsentiert.

Die Versöhnung mit Rory und Lorelais Einverständnis mit dem Buch, ohne die Kapitel gelesen zu haben, untermauert die tiefe Verbundenheit von Mutter und Tochter. Während ihres Tiefs hat Lorelai nur schwarz gesehen, doch nachdem sie sich nun in allen Lebenslagen wieder aufrappeln konnte, erkennt sie, dass das Buch nicht dazu da ist, um sie als Mutter zu verunglimpfen. Eine wunderbare Liebeserklärung an ihre Tochter.

Zur vorgezogenen Hochzeit kann ich nur sagen, dass sie nicht perfekter hätte sein können. Das Set wurde mit so viel Liebe zum Detail dekoriert, dass man mit jeder Faser seines Körpers spürt, wie sehr sich alle Fans, Schauspieler und Macher der Serie dieses Ende für Lorelai und Luke gewünscht haben. Dass die beiden quasi durchbrennen und verfrüht vor den Altar treten, passt wie die Faust aufs Auge. Auch dass man Kirk hier noch einmal ins Spiel gebracht hat und dass der wohl verrücktestes Mensch in ganz Stars Hollow so ein Wunderwerk auf die Beine gestellt hat, wurde vollkommen passend in die Geschichte eingeflochten. Es brauchte während der Szenen beim Gang zum Altar nicht viele Worte, wodurch die Vorfreunde auf die sagenumwobenen vier letzten Worte immer mehr anstieg.

Die schönste Szene von Luke in diesem Revival ist für mich sein Gespräch mit Jess in dieser Folge. Wie zuvor schon bei Rory ist Jess der Fels in der Brandung. Er, der frühere Draufgänger und Unruhestifter, scheint seine innere Ruhe gefunden zu haben und weiß ganz genau, was seine Liebsten bedrückt und wie man dabei Abhilfe schaffen kann. Die Unterhaltung zwischen Jess und Luke hätte man sich in Staffel 2 oder 3 nie erträumen lassen, da sie stets wie Hund und Katze waren. Doch Jess hat in der Serie eine grandiose Entwicklung hingelegt und ich finde es genial, wie gut er Luke versteht und wie einfühlsam er geworden ist.

The Sandcastle

Die wohl größte Veränderung hat Emily hingelegt, denn sie wurde von der stilvollen Ehefrau zur Witwe, die nicht weiß, wohin mit sich. Emily hat alle Brücken hinter sich abgebrochen, befreit sich damit aber auch von vielen Zwängen und wirkt viel entspannter, als wir sie eigentlich kennen. Sie trägt Jeans, lebt an der Küste, hat eine Männerbekanntschaft, die allerdings nicht ihr Lebensmittelpunkt ist, ein Hausmädchen, das sie nicht feuert und wohl am wichtigsten: Sie hat einen Job. Emily brauchte etwas Neues in ihrem Leben und damit hätte wohl niemand gerechnet. Es passt gut zu ihr, sich nun wieder nützlich zu machen und dabei sogar ihre etwas makabre Seite ausleben zu können. Sehr gut gefallen hat mir auch die kleine Erinnerung an die früheren Freitag-Abende, indem Emily Lorelai finanziell nur unterstützen will, wenn Lorelai und Luke sie regelmäßig besuchen kommen: "To the circle of life."

Die letzten vier Worte – Der Kreis des Lebens

Wir haben gerätselt, was wohl die letzten vier Worte sein könnten, die Amy Sherman-Palladino bereits als Ende der Serie geplant hatte. Nun wissen wir es endlich: Mum, ich bin schwanger. Beim Sehen der Folge habe ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken darüber gemacht, was die letzten Worte nun sein werden, doch als Rory und Lorelai zum Schluss beieinander saßen und Lorelai trinkt, während Rory keinen Tropfen anrührt, war es mir schlagartig klar. Es wird eine neue Gilmore-Generation geben und dieser Einfall passt genau so sehr, wie das Buch von Rory. Man ehrt noch einmal die Geschichte, zeigt auf, dass das Leben immer weiter geht und unterstreicht, wie viel Lorelai und Rory gemeinhaben.

Vor 32 Jahren war Lorelai schwanger und nicht bereit für ein Kind. Ein wichtiger Aspekt dabei war ihr Alter und auch die Tatsache, dass sie sich noch kein stabiles Leben aufgebaut hatte. Nun geht es Rory genau so. Das Alter spielt in diesem Fall auch eine Rolle, obwohl Rory eher anders herum Probleme hat, da sie anmerkte, eher allein alt zu werden. Doch auch sie hat zu diesem Zeitpunkt ihren Lebensmittelpunkt noch nicht gefunden und steht keinesfalls auf festen Füßen.

Es gefällt mir gut, dass man die Geschichte quasi von vorn aufrollt und den Beginn einer neuen Ära einleitet. Doch es gibt nicht nur Parallelen zwischen Rory und Lorelai, auch die Männer in ihren Leben nehmen ähnliche Positionen ein. Lorelai wurde damals von Christopher schwanger, der aus einer wohlhabenden Familie stammte, Lorelai immer liebte aber im Endeffekt nicht der Richtige für sie war. Nun ist Rory schwanger und der wahrscheinlichste Fall ist, dass Logan der Vater ist. Auch er stammt aus einer angesehenen Familie, die ihm die Hölle heiß machen wird, sollte er zu der Vaterschaft stehen. Auch Logan liebt Rory, doch er scheint nicht der Richtige für sie zu sein, weshalb Rory in den letzten Jahren eine Affäre mit ihm führte, statt einer echten Beziehung. Mittlerweile hat Lorelai in Luke ihre wahre Liebe gefunden, einem Mann, der nicht nach Ansehen oder Wohlstand strebt. Er geht seinem Beruf nach, ist einfach gestrickt und liebe Lorelai seit Jahren, wobei er damit lange hinterm Berg gehalten hat. Für Rory scheint es mit Jess ebenfalls so eine Person zu geben. Denn er ist seit langer Zeit ein wichtiger Bestandteil von Rorys Leben und mit dem sehnsüchtigen Blick, den Jess in dieser Episode auf Rory geworfen hat, bestätigt man uns, dass er noch immer Gefühle für sie hat.

Einige Male hat Lorelai gegenüber ihrer Mutter betont, dass sie einen ewigen Kreis durchleben und mit Rorys Schwangerschaft greift man diese Worte wieder auf. Es mag viele stören, dass man das Revival mit so einem Cliffhanger zu Ende bringt, doch an sich ist es doch schön zu wissen, dass es eine neue Generation von Gilmores geben wird und dass deren Ausgangslage an die Prämisse der Serie angelehnt ist. Mir gefällt dieser Bezug zu den Wurzeln, stören tut mich hier allerdings wieder der Zeitpunkt. Ähnlich wie bei der Beziehung von Luke und Lorelai steht Rory quasi seit Jahren still. Jahre zuvor hätte man eine Affäre mit Logan vielleicht noch als glaubwürdig empfunden, doch als Frau von 32 Jahren passt es in meinen Augen nicht zu Rory, mit einem vergebenen Mann zu schlafen, beruflich auf dünnem Eis zu stehen und dann auch noch schwanger zu werden.

Randnotizen

  • Man nutzt erneut die Gelegenheit, die Gastdarsteller mit einigen Gesichtern aus "Bunheads" und "Parenthood" zu besetzen, wodurch wir Stacey Oristano, Jason Ritter und Peter Krause zu sehen bekommen.
  • Die kleinen Botschaften der LADB an Rory in Form des Schweines etc. haben mir gut gefallen und gleich aufgezeigt, dass etwas Geheimnisvolles kommen wird.
  • Das Jess den unerwünschten Fragen nach Lukes WLAN-Passwort ein Ende setzt und seinem Onkel damit eine große Freude bereitet, war lustig. Es erinnerte an den Jess aus vergangenen Tagen, der Luke einen Gefallen tut, dafür aber keine Lorbeeren ernten möchte.
  • Ich finde es schade, dass man Liz und T.J. trotz mehrmaliger Erwähnungen nicht gesehen hat.
  • "Book or movie? Very different experiences." Dass man dies immer wieder aufgegriffen hat und somit an die ewigen Diskussionen von Romanen und deren Verfilmungen erinnert, hat Spaß gemacht.
  • Dass Luke nach all den Jahren noch immer das Cap trägt, das Lorelai ihm einst geschenkt hat, ist für mich ein Zeichen seiner tiefen Liebe.
  • Mit "You need the space and I need you." macht Luke Lorelai ein sehr schönes Liebesgeständnis. Lorelai erwidert es ihrerseits mit dem bereits feststehenden Hochzeitsdatum.
  • Dass Rory sich im Haus ihrer Großeltern noch einmal an die Vergangenheit zurück erinnert und wir so auch noch einmal Richard sehen können, war sehr schön und man hat uns noch einmal aufgezeigt, wie viel die Gilmores bereits zusammen erlebt haben. Fragt ihr euch auch, wo das Set im letzten Jahrzehnt aufbewahrt wurde? Es sieht noch alles genau wie damals aus, als hätte man geahnt, dass man die Kulissen noch einmal brauchen wird.
  • Michel findet keinen würdigen Nachfolger und bei jedem ein Haar in der Suppe, was für mich ein Zeichen ist, dass er das Dragonfly Inn eigentlich gar nicht verlassen möchte.
  • Lorelai und Rory müssen sich nicht großartig beieinander entschuldigen. Sie schauen sich in die Augen und umarmen sich, was ihre großartige Beziehung ausmacht.
  • Mit ihrem Leben und der DAR schließt Emily auf sehr ehrliche Weise ab, die ihr sehr gut steht und gut zu ihrem neuen Lebensstil passt.
  • Auch Miss Selene hatte noch einmal einen Gastauftritt und dieser hätte treffender nicht sein können: Nach Emily bekommt nun auch Lorelai ein Hochzeitskleid von Miss Selene. Ich hätte gern gesehen, was sie sich ausgesucht hat.
  • Ob Rory bereits wusste, dass sie schwanger ist, als sie sich mit Christopher getroffen hat? Ihr Blick deutet an, dass sie es gerade erfahren hat und überlegt, ob sie den Vater mit in die Erziehung des Babys einbeziehen sollte.
  • Lorelai gedenkt nicht nur mit der Erinnerung Richards, die sie mit Emily teilt, ihrem Vater, sie verabschiedet sich auch noch einmal, indem sie liebevoll sein Gemälde betrachtet.
  • Den hohen Alkoholkonsum der Gilmore Girls finde ich etwas bedenklich.
  • Die alt bekannte "Gilmore Girls"-Musik in den letzten Minuten während der Hochzeit hat einem sofort Gänsehaut gemacht, da man wusste, dass nun die letzten Momente bevorstehen.

Fazit

Hat sich das Revival gelohnt? Das ist Ansichtssache und hängt davon ab, mit welchen Hoffnungen, Wünschen und Erwartungen man an die Sache herangegangen ist. Ich persönlich habe mich einfach nur sehr auf ein Wiedersehen mit den "Gilmore Girls" gefreut, ohne mir krampfhaft auszumalen, wie ihr Leben nun wohl aussehen könnte. Natürlich hatte auch ich Wünsche und ich muss sagen, dass ich mit dem Revival und ganz besonders mit dieser letzten Episode sehr zufrieden bin. Ich würde einen halben Punkt Abzug geben, weil ich finde, dass die Geschichten trotz ihrer liebevollen Gestaltung, nicht ganz mit den zehn Jahren vereinbar sind, die seit dem Ende der Serie vergangen sind, aber das bezieht sich nicht nur auf diese Episode, sondern eher auf das gesamte Revival. Ansonsten hat man zum Schluss ein wunderbares Ende ins Leben gerufen, das zwar viele Fragen offen lässt, sich aber auf den ewigen Kreis des Lebens beruft und zu den "Gilmore Girls", bei denen es nie langweilig wird, passt.

Marie Florschütz - myFanbase

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