Bewertung

Review: #7.11 Attentäter

Foto: Desperate Housewives - Copyright: ABC/Matthew Rolston
Desperate Housewives
© ABC/Matthew Rolston

Man stelle sich vor, die Autoren einer erfolgreichen Serie setzen sich einige Tage vor Neujahr hin und machen sich Gedanken über die Serie, für die sie schreiben. Man stelle sich auch vor, diese Autoren wissen, dass sich ihre Serie qualitativ momentan nicht gerade auf einem Hochkurs befindet. Was machen diese Autoren? Richtig, sie nehmen sich vor, im neuen Jahr die Zuschauer wieder zum Einschalten zu bewegen, in dem sie ordentliche Storylines präsentieren – zumindest sollten sie das. Wie es in Wirklichkeit aussieht, kann man natürlich schwer sagen. Jedoch macht die erste Episode im Jahr 2011 #7.11 Assassins den Eindruck, als hätten die "Desperate Housewives"-Autoren wirklich ein paar gute Vorsätze fürs neue Jahr:

1. Vorsatz: Neue Geheimnisse und mehr Spannung in die Wisteria Lane bringen.

Nach dem Cliffhanger der letzten Episode, haben sich die "Desperate Housewives"-Fans über die Feiertage natürlich nur eine Frage gestellt: Wer schoss auf Paul Young? Dass uns die Serie in dieser Folge nicht gleich die Antwort liefern würde, war abzusehen. Aber es war herrlich, wie man die Zuschauer zunächst aufs Glatteis geführt hat, als man uns Mike als vermeidlichen Attentäter präsentierte. Und diese Lösung schien für mich eigentlich auch plausibel, schließlich hat Paul Susan erpresst und Mikes angeblicher Aufenthalt in Alaska wäre die perfekte Tarnung gewesen, um nicht als Täter in Betracht gezogen zu werden. Daher wäre ich mit Mike als Täter auch durchaus zufrieden gewesen, doch am Ende wird klar, dass Mike es nicht war, was dann wiederum ziemlich überraschend war. Denn nun befinden wir uns wieder am Anfang, können jedoch bereits immerhin zwei Verdächtige ausschließen: Mike und Beth, da letztere einfach einen zu geschockten Eindruck machte und auch gegenüber ihrer Mutter zugab, nichts mit dem Anschlag zu tun zu haben. Und dass Felicia in irgendeiner Art und Weise dahintersteckt kann auch ausgeschlossen werden. Wer war es dann? Nachdem die Hauptverdächtigen aus dem Spiel sind befürchte ich leider, dass die Auflösung mir nicht wirklich gefallen wird und nur eine offensichtliche Randfigur wie bspw. Lee hinter dem Attentat steckte.

Nichtsdestotrotz hat man das "Wer erschoss Paul"-Szenario in dieser Folge sehr gut aufgearbeitet. Angefangen bei der herrlichen Nachbarschaftsvernehmung der Detectives bis hin zu der Verbindung zwischen Mike und Felicia, was mir generell als gute Idee erscheint, da Beth ihrer Tochter offenbar nicht mehr wirklich vertrauen kann. Apropos Beth: Deren großes Geheimnis ist geplatzt, denn Paul hat herausgefunden, dass sie Felicias Tochter ist. Beth hingegen weiß noch nichts von ihrem Glück und Pauls bösartigem Blick zu Folge, möchte sie das auch gar nicht. Ich hatte es bereits schon einmal gesagt: Beth ist für mich schon seit wir wissen, dass sie Felicias Tochter ist, im Prinzip todgeweiht und nach den jetzigen Entwicklungen scheinen ihre Tage in der Wisteria Lane gezählt. Schade um diesen sehr interessanten und herrlich skurrilen Charakter – auch wenn ich ehrlich gesagt schon sehr gespannt bin, wie und wann Beth das Zeitliche segnen wird.

2. Vorsatz: Susan mal eine ordentliche Storyline verpassen.

Dieses Vorhaben war auch dringend nötig, denn mit Susans Softporno-Storyline zu Beginn der Staffel, ihrem Babysitter-Part und der "Mischen wir uns mal in die Vergangenheit von Tom und Renée ein"-Story, hat Susan in Staffel 7 bisher nicht gerade für die spannendsten Geschichten gesorgt. Doch nun kommen die Autoren mit einer neuen Storyline für Susan, die ungewohnt bedrückend erscheint. Denn nachdem Susan in der vergangenen Folge von der in Panik geratenen Menge halb niedergetrampelt wurde, musste eine ihrer Nieren entfernt werden. Da Niere Nummer Zwei jedoch nicht so arbeitet, wie sie arbeiten sollte, wird Susan mitgeteilt, dass sie wohl in den nächsten Jahren alle 48 Stunden ins Krankenhaus muss, um an ein Dialysegerät angeschlossen zu werden. Abgesehen davon, dass diese Storyline die vermutliche ernsthafteste und betrübendste ist, die Susan jemals hatte, konnten vor allem zwei Szenen für ordentlich Gänsehaut sorgen: Susans ungewohnt extrem inszenierter Zusammenbuch vor Sohn MJ war ein waschechter Schockmoment, während die Szene zwischen Susan und ihren Freundinnen, als sie sie anflehte, für ihre Familie dazusein, falls sie sterben sollte, richtig rührend war. Die spannende Frage ist, wie die Autoren diese Geschichte in den nächsten Folgen inszenieren werden. Eine ans Krankenbett gefesselte Susan, die sich Gedanken über ihr Leben macht, kann auf Dauer auch schnell langweilig werden. Ob man aus diesem sehr interessanten Grundstein auch noch in den nächsten Folgen eine wirklich mitreißende Storyline machen kann, wird sich dann zeigen. Ich persönlich warte ja schon auf das "große Wunder", denn Susan wird mit einer 99%-igen Wahrscheinlichkeit keine vier bis fünf Jahre auf eine neue Niere warten müssen. Doch bis dahin genießen wir einmal die Tatsache, dass Susan eine wirklich interessante Geschichte verpasst bekommen hat, die durchaus noch für einige sehr emotionale Momente sorgen und sich in viele Richtungen entwickeln kann.

3. Vorsatz: Die Geschichte rund um Toms und Renées Vergangenheit endlich mal interessant gestalten.

Die Story um Toms und Renées Affäre vor mehr als zwanzig Jahren ist zwar immer noch nicht sonderlich originell, aber endlich kam mal ein bisschen Schwung in die ganze Sache. Denn Renée zeigte sich erneut von ihrer reumütigen Seite und erzählte Lynette, dass sie und Tom vor gut 25 Jahren miteinander geschlafen hatten, während Lynette ihre Eltern besuchte. Renée konnte mich in dieser Folge wirklich begeistern, nicht nur durch ihre Ehrlichkeit, sondern auch durch ihre Einsicht, dass gute Freunde nun mal das wichtigste im Leben sind und sie durch ihren nicht gerade überaus liebenswerten Charakter nur noch wenige echte Freunde hat. Dass Renée dazu auch noch von einer tollen Schauspielerin verkörpert wird, hat sich in dieser Folge das erste Mal wirklich gezeigt, denn das Geständnis an Lynette wurde von Vanessa Williams wirklich hinreißend gespielt. Und Lynette? Die weiß nun von der lang zurückliegenden Untreue ihres noch damaligen Verlobten und wer Lynette kennt, der weiß, dass sich Tom warm anziehen muss. Wer wiederum erwartet hat, dass Lynette im Restaurant eine riesige Szene machen wird und das Ganze in einer ordentlichen Konfrontation endet, wie es bereits bei Gaby und Renée in #7.05 Let me entertain you der Fall war, der kennt Lynette allerdings schlecht. Denn wie die meisten wissen, ist Lynette wie ein nicht erloschener Vulkan, unter deren Oberfläche es zwar des Öfteren brodelt, aber nur in den seltensten Fällen ausbricht. Auch bei dieser Szene blieb die große Eruption aus, was mir aber gefallen hat, da es eben für Lynettes Charakter typisch war. Die Tatsache, dass Renée Tom nicht erzählen soll, dass Lynette nun von der Affäre weiß und deren überaus fiese Aktion mit der Heißen Schokolade lassen vermuten, dass Lynette bereits eine genaue Vorstellung davon hat, wie sie sich an ihrem Mann rächen kann. Und wenn ihre Racheaktionen in der nächsten Folge ähnlich amüsant ausfallen werden, dann kann man sich bereits auf einige sehr unterhaltsame Momente gefasst machen. Den dritten Vorsatz haben die Autoren somit ebenfalls eingehalten.

4. Vorsatz: Die Auswirkungen von Graces Verschwinden nicht unter den Teppich kehren.

Es wäre schlichtweg schwachsinnig und falsch gewesen, würde man nicht darauf eingehen, was Gabys Trennung von Grace für jene bedeutet. Manche werden es ein wenig unglaubwürdig und gezwungen finden, dass Graces Verschwinden bei Gaby solch eine Obsession hervorruft. Jedoch muss man bedenken, dass Gaby theoretisch schon zweimal zuvor – einmal ihr ungeborenes Baby und einmal Lilly – "ihre" Kinder verlor, sodass es durchaus realistisch erscheint, dass dieser weitere Verlust einer Person, für die Gaby so starke Gefühle entwickelt hat, sie in ein tiefes Loch reißt. Auch wenn Gaby es immer wieder leugnet: Die Tatsache, dass sie Graces Existenz nicht einfach vergessen kann und sie Grace offenbar in Gestalt einer Puppe zu sich zurückholt, zeigt, dass Gabys Zustand ernst zu nehmen ist. Daher missfällt mir momentan auch Carlos’ Rolle, der zwar versucht ein guter Vater zu sein, aber dabei seine Pflichten als Ehemann ein wenig außer Acht lässt und gar nicht erst versucht zu verstehen, was Gaby durchmacht. Mir fehlt eine Szene, in der sich beide über das Geschehene austauschen – generell gab es während der ganzen Grace-Geschichte wenige Szenen zwischen den beiden. Das ist auch schon der einzige Kritikpunkt, denn auch wenn die Story in dieser Folge keine wirklichen Highlights hatte, verdeutlichte sie Gabys Gefühlslage, war somit wichtig und hat eine interessante Grundlage für die kommenden Folgen geschaffen. Denn da wird sich zeigen, wie weit Gabys Problem geht und ob sie ernsthafte Hilfe benötigt oder ob doch einmal ein ordentliches Gespräch zwischen ihr und Carlos oder sogar zwischen ihr und ihren Freundinnen (mein persönliches Wunschdenken) ausreicht, um von Grace loszulassen. Eine sehr interessante Story somit, bei der man, ähnlich wie bei Susans momentaner Story, nicht wirklich weiß, wie sie sich weiterentwickeln wird.

5. Vorsatz: Bree im Schlamm wälzen lassen!

Gut, das wird sicherlich keinem Autor durch den Kopf gegangen sein, aber ich finde es immer wieder schrecklich amüsant, wenn Bree aus ihrem eigentlichen Muster ausbricht. Natürlich ist Bree nicht mehr die penible Perfektionistin aus Staffel 1 und hat eine enorme Wandlung vollzogen, jedoch assoziiert man Bree gerne immer noch damit. Und dann zu sehen, wie sich diese eigentlich kultivierte Frau im wahrsten Sinne des Wortes auf einen Mann stürzt und mit ihm auf einen schlammigen Boden fällt, nur um ihm zu zeigen, was er ihr bedeutet, ist nicht nur ein unglaublicher Liebesbeweis, sondern auch noch unheimlich witzig. Es gefällt mir, wie Keith Bree offenbar verändert und vor allem, dass sie es sich auch selbst eingesteht und ihr diese Veränderung auch gefallen zu scheint. Dies zumindest machte sie Ex-Mann Orson klar, der das erste Mal seit #7.01 Wer erinnert sich an Paul? wieder zu sehen ist, um Bree um Verzeihung zu beten. In meinen Augen war Orsons Rückkehr nicht unbedingt erforderlich, allerdings gab es doch einige sehr schöne Momente zwischen ihm und Bree. Im Übrigen war es großartig, dass es zwischen Bree und Orson keinen großen Streit gab, sondern Bree offenherzig mit Orson über ihre Gefühle gesprochen hat und Orson diese am Ende auch akzeptierte. Hauptfunktion war wohl, uns Zuschauern klarzumachen, dass Bree tatsächlich voll und ganz hinter ihrer Beziehung zu Keith steht und über Orson endgültig hinweg ist, auch wenn sie ihn für immer im Herzen behalten wird. Neben diesen großartig emotionalen Szenen war die Beziehung zwischen Keith und Orson natürlich sehr unterhaltsam anzuschauen und die Auseinandersetzung bei Tisch (das mittlerweile fünfte Bree-Dinner in dieser Staffel, das ausartet) eine sehr willkommene und witzige Szene.

Mein Vorsatz: Weiterschauen!

Tatsächlich war ich schon des Öfteren dabei, "Desperate Housewives" nicht mehr aktuell zu verfolgen und eher in den Sommerpausen nachzuholen. Auch die siebte Staffel hat mich bisher eher bereuen lassen, dass ich drangeblieben bin. Doch #7.11 Assassins bewies, dass die Serie auch ohne festtags- oder katastrophenzentrierte Folgen, sondern allein durch interessante Storys und hervorragende Momente, unterhalten kann. Wirklich alle Geschichten konnten in dieser Folge überzeugen und in manchen sehe ich noch so viel Potential, dass ich das erste Mal seit Langem auf die Fortsetzung warte. Ich hoffe, einen guten Vorsatz fürs neue Jahr haben die Autoren noch in petto: Die Qualität von #7.11 Assassins beibehalten!

Manuel H. - myFanbase

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