Bewertung: 3

Review: #7.10 Mercy

"Chicago P.D." hat das beste Herbstfinale aus dem Chicagoverse abgeliefert, da man mit dem Schuss auf Jay Halstead einen Cliffhanger aufgeboten hat, der diesen Namen auch vollends verdient. Warum also ist dieses Potenzial in der ersten Episode des neues Jahres 2020 so fatal ungenutzt geblieben?

Als die ersten Minuten der Episoden losgingen, war ich voller Spannung. Der Zustand von Jay, das Entsetzen seiner Kollegen und vor allem das Bedürfnis von Hailey Upton, ihrem Partner keinen Moment von der Seite zu weichen, versprachen eine emotionale Angelegenheit zu werden. Aber plötzlich gab es einen Bruch und die ganze Emotionalität verpuffte im Nichts. Ich war schon froh, dass Dr. Will Halstead überhaupt auftauchen durfte, was für die Storylines der Brüder leider nicht immer selbstverständlich ist. Warum aber hat es kein Gespräch zwischen ihnen gegeben? Warum überhaupt hat Jay so problemlos überlebt? Warum hat man da nicht einfach mehr draus gemacht? Spätestens wenn Jay am Ende der Folge schon wieder entlassen wird, mag man vor Scham im Boden versinken, wie dilettantisch diese Handlung versemmelt wurde. Es ist schon erschreckend, dass offenbar nur "Chicago Fire" wirklich das Hoffen und Bangen um eine Hauptfigur richtig darstellen kann. "Chicago P.D." und "Chicago Med" haben diesen Schritt bisher selten konsequent durchgezogen.

Die Einzige, die wirklich richtig um Jay bangt, ist wie angesprochen Hailey. Bei ihr ist nun schon länger klar, dass sie von einer verhassten Liebesgeschichte zu einem Partner in die nächste gerutscht ist, denn das, was sie für Jay empfindet, geht über Kollegialität und Freundschaft weit hinaus. Das ist nun klar wie Kloßbrühe und nicht nur für den Zuschauer, für Vanessa Rojas, sondern auch für sie selbst, denn am Ende setzt sie zu einem großen Geständnis an. Aber das vollendet sie nicht. Warum? Unklar. Jay kann immer noch nicht von der Geschichte rund um Angela Nelson und ihren Sohn Bobby ablassen, denn die Schuldgefühle sind groß. Als der Junge ihn versucht zu erreichen, erinnert Hailey ihn, dass er loslassen muss. Er beherzigt ihren Rat, woraufhin sie eben von ihrem Geständnis ablässt. In dieser Situation ist es für mich völlig unverständlich, denn gerade diese Besorgnis um Bobby und seine Mutter sind doch eine dieser Eigenschaften, die man an Jay lieben muss, oder? Warum also macht sie einen Rückzieher, als das Positive noch einmal auf dem Silbertablett präsentiert wird? Leider fand ich Haileys Gedankengänge hier nicht transparent.

Während Hank Voight die eine dunkle Wolke über der Intelligence Unit vertreibt, indem er Angela geschickt erpresst, so dass sie über die wahren Umstände des Todes ihres Ex-Mannes nun wohl schweigen wird, braut sich die nächste Wolke mit der Rückkehr von Jordan Atwater zusammen. Ich habe mich sehr gefreut, ihn wiederzusehen, zumal es eben eine Fokussierung auf seinen großen Bruder Kevin Atwater bedeutet, der wie immer etwas zu kurz kommt. Dennoch war die Freude aber auch getrübt, denn in dieser Episode, in der es um das Leben von Jay hätte gehen müssen, war diese Handlung schlichtweg falsch gewählt. Deswegen ist es auch schwer, diese wirklich objektiv zu bewerten. Dennoch kann ich auch abseits meiner Enttäuschung über ungenutztes Potenzial konstatieren, dass die Vertuschungsaktion rund um Jordans Verwicklung in einen Mord schon zu oft in dieser Cop-Serie genutzt wurde. Insgesamt konnte mit dem gesamten Fall keine wirkliche Spannung aufgebaut werden, denn eigentlich lag alles schon zu Beginn auf der Hand.

Ebenfalls nervig wird langsam die Einbindung von VIP-Informant Darius Walker. Er hat natürlich großen Einfluss und ist dadurch logischerweise nicht so einfach zu lenken wie es andere Kleinkriminelle sind. Aber es ist schon seltsam, wie sehr sich Hank von ihm auf der Nase herumtanzen lässt. Es war eine menschliche Reaktion, dass Darius einen Schützling von ihm nicht mal so eben den Löwen zum Fraß vorwerfen wollte, aber dennoch kann man sich die Ermittlungen auf Dauer nicht so torpedieren lassen. Ich hoffe, dass schon bald hier mal ein neuer Zug reinkommt.

In dieser Episode, in der ohnehin wenig zusammenpasste, ist es dann auch klar, dass ein gemeinsamer Moment von Kim Burgess und Adam Ruzek einfach ins Geschehen geworfen wurde, ohne dass hinterher noch eine Verarbeitung stattfinden konnte. Kim hat sich nun für das Baby entschieden und Adam ist verständlicherweise überrascht. Wobei ich ohnehin denke, dass er immer noch so überrascht von dem Baby generell ist, dass er bei beiden Entscheidungen nicht so recht gewusst hätte, was kommt jetzt. Aber es ist eine zentrale Entscheidung, die im besten Falle die zweite Staffelhälfte entscheidend prägt. Da ist es doch schade, dass sie einfach unreflektiert in eine Episode gequetscht wurde.

Fazit

Wollen wir mal hoffen, dass diese schwache Episode zum Auftakt des neuen Jahres kein schlechtes Omen für den Rest ist, denn das Dargebotene war wirklich hanebüchen. "Chicago P.D." hat in dieser Woche viel Potenzial liegen lassen und dafür zusammengewürfelte Handlungen präsentiert, die jede für sich besser funktioniert hätten. Ganz, ganz schwach!

Lena Donth – myFanbase

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