Bewertung: 8

Review: #7.11 43rd and Normal

Da war nun also die Folge, auf die wir "Chicago P.D."-Fans vermutlich alle seit der Babynews gewartet haben. Nach vielen Zweifeln und letzte Woche nach der Nachricht, dass die Schwangerschaft durchgezogen wird, folgte nun die Episode, in der alles ungefiltert auf den Tisch kommt, in der man eindrücklich erfährt, was beide Parteien empfinden. Und oh Wunder, prompt haben wir das Rezept für eine der besten Episoden der Staffel zusammen.

In der aktuellen Episode stand Zusammenhalt thematisch über allem, da war es schon lustig, dass vor allem Kim Burgess und Adam Ruzek lange Zeit genau das Gegenteil vermittelt haben. Es begann zunächst gut, denn Kim zeigt dem Babyvater die ersten Ultraschallbilder und man merkt richtig, wie in diesem Moment eine gewisse Magie entsteht. Für uns, aber vor allem für die beiden war das Baby bisher nur etwas durch einen Bluttest Festgestelltes, nun gibt es aber erste Bilder und einen ersten Herzschlag. Damit ist das Baby real und ich hatte eine richtige Gänsehaut in diesem Moment, da diese Freude über einen neuen Menschen deutlich zu spüren war.

Von da an geht es Berg ab, denn sie können sich wegen eines neuen Falls nicht richtig aussprechen. Während Kim wie bisher viele Entscheidungen alleine trifft, fühlt sich Adam außen vor. Da das Baby nun auch für ihn richtig real ist, setzt bei ihm verständlicherweise ein noch größerer Beschützerinstinkt gegenüber Kim ein, als er ihn ohnehin schon immer hatte. Er kann ihr schlecht vorschreiben, dass sie sich aus Außeneinsätzen raushält, dafür hat er aber die Möglichkeit, sie unter allen Umständen zu schützen. Dadurch greift er in einer Situation ein, die Kim unter Kontrolle hatte und prompt muss er den Verdächtigen ausschalten. Ihre Wut darüber, sicherlich auch gemischt mit dem Gedanken, dass er ihr möglicherweise nicht vertraut hat, ist mehr als verständlich, aber es führt zu mit einem der wichtigsten Gespräche zwischen den beiden. In einem heftigen Disput sprechen beide ihre Standpunkte endlich klar aus, so dass sie nun wissen, wo sie miteinander stehen. Es war auch faszinierend, dass ich beide Positionen wahnsinnig gut nachvollziehen konnte. Normalerweise tendiere ich immer dazu, Partei zu ergreifen, weil gewisse Gedankengänge meinen eigenen nahekommen, aber hier war ich hin- und hergerissen, weil beide wichtige Aspekte ansprechen. Kim hat lange für ihre Karriere in der Intelligence Unit kämpfen müssen, natürlich gibt sie die nicht einfach her. Adam wiederum hat immer etwas Jungenhaftes an sich, stellt sich nun aber seiner Verantwortung und hat als Vater natürlich auch Rechte.

Letztlich kommt es zu der bitternötigen Aussprache, die aber gänzlich anders verlaufen ist als erwartet. Adam wagt sich an einem neuerlichen Heiratsantrag. Eine absolute Schnapsidee, da die beiden seit Ewigkeiten keine Beziehung miteinander geführt haben und das Risiko einfach zu groß ist. Ein Kind hat mehr von getrennt lebenden Eltern, die an einem Strang ziehen, als von Eltern, die sich in ihrer Ehe gefangen fühlen. Seine Idee ist aber dem Wunsch entsprungen, alles richtig zu machen, weil er bei ihr immer gegen Wände gelaufen ist. Dass Kim den Heiratsantrag also nicht annimmt, ist verständlich, aber kategorisch eine Beziehung für die Zukunft auszuschließen, ist ebenso voreilig. Die beiden kennen sich so gut wie nur noch als Kollegen oder als Friends with Benefits. Ja, sie sind sehr verschieden, aber wenn sie wirklich auf einen Nenner kommen, werden sie sich auch ganz neu kennenlernen und die Tür hierzu darf man nicht zu früh zuwerfen. Wunderschön waren aber Kims Worte, dass sie eine Familie sind und es nun zusammen durchziehen werden. Das ist die Botschaft, die gebraucht wurde und es ist ein herzerwärmendes Bild, wenn die beiden am Ende vertrauensvoll zusammensitzen. Auch hier ist nun Zusammenhalt eingekehrt.

Sehr unterhaltsam war auch, wie diverse andere Kollegen von den Neuigkeiten erfahren. Kevin Atwater erfährt es, weil er mehr oder weniger zum richtigen Zeitpunkt da ist, als Kim die Nachricht loswerden muss. Dass man das darauf folgende Gespräch nicht gesehen hat, war nicht so schlimm, weil wir dafür Adam und Kevin bekommen haben. Das war einfach der bessere Deal, weil Frauen gerne über ihre Gefühle reden, bei Männern ist es immer ein Thema für sich und die beiden so offen sprechen zu sehen, vor allem Adam mit seinen Selbstzweifeln, auch in Bezug auf die Frage, ob er ein guter Vater sein wird, das war schön. Kim wiederum erhält einen Moment mit Trudy Platt. Klar, dass die gute Trudy es selbst rausfindet, die Frau hat einfach überall Augen und Ohren und Instinkte ohne Ende. Sie gibt den letzten Ruck, dass sich Kim letztlich wohl auch Hank Voight anvertraut. Wohl schreibe ich an dieser Stelle, da die Szene tonlos ist, aber aufgrund seiner freudigen Reaktion kann ich mir nichts anderes denken. Ich kann mir richtig vorstellen, wie er sich freut, dass die Familie wächst. Auch wenn er einen großen Teil seiner Familie verloren hat und weiß, was diese emotionale Verantwortung bedeutet, stand sie doch immer über allem für ihn. Und ein Baby der Unit ist auch irgendwie sein Baby oder zumindest sein Enkel.

Kevin wiederum muss sich mit seinem jüngeren Bruder Jordan rumschlagen, der immer noch voller Wut ist, dass ihm die große Liebe genommen wurde. Es sind schon heftige Worte zwischen den Brüdern ausgetauscht worden, aber gerade Kevin hat sich auch nicht sonderlich geschickt verhalten. Er muss immer bedenken, dass Jordan aufgrund seiner Kronzeugenaussage und seinem daraus resultierenden Umzug aus seinem sozialen Umfeld gezwungen wurde und neu anfangen musste, ob er nun wollte oder nicht. Und er ist jung, er ist damit sehr beeinflussbar. Ob Kristy Jordan nun wirklich mochte oder ihn nur ausgenutzt hat, ist unklar, aber er sehnte sich nach Stabilität, nach Anerkennung und die hat er dort bekommen. Kevin darf Jordan nicht länger wie einen kleinen Jungen behandeln, denn dadurch wird er ihn eher forttreiben. Dass Jordan seinem älteren Bruder am Ende die Tür offenstehen lässt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber sie werden dringend einen gemeinsamen Ausweg suchen müssen.

Der Fall der Woche war insgesamt eher unspektakulär, aber er ist natürlich genau auf die aktuelle Situation geschrieben worden und als solcher war er genau richtig. Er hat Adam mit seinen Wurzeln konfrontiert, wo er herkommt, wo er hin will. Er hat Zusammenhalt betont, auch über Familienbande hinaus und er war dramaturgisch geschickt genutzt. Da ist der Inhalt dann eher zweitrangig, auch wenn logische Fehler mal wieder nicht zu leugnen waren.

Fazit

"Chicago P.D." liefert eine famose Episode ab, wo mehr und mehr der Eindruck entsteht, dass die Storyline mit dem Baby Kim und Adam auf den Leib geschneidert wurde, denn es fühlt sich so richtig an und auch den Schauspielern merkt man einfach die Lust an den Szenen an. Es gibt unheimlich viele emotionale Momente, mit vielen neuen Entscheidungen und neuen Möglichkeiten für die Zukunft. In diese Zukunft begleitet man die Cop-Serie nur zu gerne.

Lena Donth – myFanbase

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