Bewertung

Review: #11.11 Our So-Called Lives

Foto: Luke Mitchell, Chicago Med - Copyright: 2025 Universal Television LLC. All Rights Reserved.; George Burns Jr/NBC
Luke Mitchell, Chicago Med
© 2025 Universal Television LLC. All Rights Reserved.; George Burns Jr/NBC

"Chicago Med" gelingt es seit einer ganzen Weile, Episoden zu erschaffen, bei denen man nachdenklich und emotional zurückbleibt. Zum Teil, weil die Inhalte entsprechend sind, aber auch, weil es weitere Facetten der Charaktere zeigt, die manche Dinge in einem anderen Licht dastehen lassen, aber durchaus interessant sind.

Ich dachte erst, ich habe mich verlesen, als ich Brenda Strong in den Credits gelesen habe, allerdings habe ich mich nicht verguckt. Ich mag sie unglaublich gerne und sehe sie seit "Desperate Housewives" immer wieder gerne, hat sie doch eine besondere und irgendwie feinfühlige Ausstrahlung in ihrem Schauspiel. Diese Beobachtung konnte ich wie gesagt schon bei "Desperate Housewives" und jetzt für mich aktuell auch bei "Everwood" machen. Jedoch haben alle drei Rollen etwas gemeinsam: Sie haben keine große Lebensdauer. Genauso war es auch hier und dank des neuen bzw. mittlerweile aktuellem Showrunner Allan MacDonald erfahren wir mehr über Daniel Charles' Vergangenheit. Nicht in beruflicher oder familiärer Hinsicht sondern in Sachen Liebe. Strongs Figur Dr. Suzie Mankiewicz ist nicht nur eine Bekannte von Daniel, sie war die feste Freundin von ihm, als er mit seinem besten Freund Howie Mankiewicz an der Uni studiert hat und nun mit ihr verheiratet ist. Demnach war und ist es eine Art Dreiecksbeziehung, die aber hier nicht von Eifersüchteleien oder Streit bestimmt werden, sondern es ist eine erwachsene Ebene, bei der man im Handumdrehen bemerkt, dass drei Menschen eine langjährige Freundschaft haben – eine lebenslange sogar. Und egal wie man es dreht und wendet. Wann immer ich mir wünsche, dass die Krankheitsfälle bei so etwas gut ausgehen, werde ich mit einem gebrochenen Herzen zurückgelassen. Dass Suzies OP wegen grauem Star nur ein paar Komplikationen hat, die man beheben kann, daran habe ich nicht mehr geglaubt, als Caitlin Lenox mehrere Tests machen wollte und Sam Abrams aufgetaucht ist. Für mich war Suzies Todesurteil gefällt, als sie sich für die OP entschied und dafür eine Sterberate von 70 Prozent in Kauf nahm. Auch wenn Richard Webber erst kürzlich in "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" betonte, dass es in ihrem Beruf immer wieder zu Wundern kommt, war ich mir sicher, dass Suzie und Howie kein solches erleben werden. Die beiden haben durch ihre Diagnose eigentlich erkannt, wie sehr sie sich lieben und dass sie alles dafür tun würden, um noch mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Dabei war vielmehr die Frage, in welchem Zustand Suzie diese Zeit verbringen wird. Ich konnte beide Seiten verstehen: Sie, die nicht dahin siechen wollte, und er, der seine Frau nicht nur liebt, sondern auch Schuldgefühle hat, weil er nicht von seinem Job loskam und nun glaubt, dass seine Buße möglicherweise darin besteht, seine Frau zu pflegen.

Interessant war dabei auch das Gespräch von Daniel und Howie. Zugegeben, war es von Letzterem durchaus unfair, was er Daniel an den Kopf geknallt hat. Solange "Chicago Med" schon ausgestrahlt wird, solange wissen wir auch, dass Daniel erhebliche Probleme damit hat, Emotionen zuzulassen und zu zeigen. Dass er den Tod von CeCe Charles dabei noch einmal erwähnt, hat für mich noch einmal unterstrichen, wie sehr er sie geliebt hat. Und auch wenn es damals nicht besonders deutlich wurde, wie sehr er sie liebt, hat er Howie doch einen entscheidenden Rat gegeben, welcher sich mit Suzies Aussage gegenüber Caitlin deckt. Es ist in diesem emotionalen Fall 'besser', wenn ihm einmal kurz das Herz gebrochen wird. Dass es dann auch so kam, war abzusehen. Die ganzen Erzählungen aus Daniels Studienzeit und das Gespräch zwischen den beiden Freunden waren in meinen Augen ein Zeichen dafür, dass sie sich auf ihre eigene Art von Suzie verabschiedet haben. Auch wenn man Suzie nur für eine Episode kannte, so machte mich ihr Ableben doch auch ziemlich traurig. Ich bin gespannt, ob wir Howie noch einmal wiedersehen werden. Der Tod seiner Frau wird schwer auf ihm lasten und auch wenn es in der letzten Szene zwischen ihm und Howie so aussah, als wäre er nicht sauer auf Daniel. Ich könnte mir dennoch vorstellen, dass Howies Emotionen noch überkochen werden und die Freundschaft zu Daniel beeinflussen wird.

Ich schrieb eben schon einmal das Wort Dreiecksbeziehung, die aber im Falle der drei studierten Psychiater keinen negativen Einfluss auf die Freundschaft aufgrund von Eifersucht hatte, so sehe ich das bei Hannah Asher, Jennifer Kingston und Dean Archer anders. Wir wissen schon lange, dass Dean Gefühle für Hannah hat, auch wenn diese erst durch ihren Vater darauf hingewiesen werden musste und es auch nie den Anschein auf mich hatte, Hannah hätte mehr als platonische Gefühle für ihn, wird die Konstellation durch Jennifer ziemlich durcheinander gewirbelt. Interessant fand ich allerdings, wie man die beiden Ärztinnen zusammengeführt hat. Durch ihren gemeinsamen Fall der schwangeren Lyra konnte man in meinen Augen schon ziemlich gut erkennen, dass Jennifer auch eine gewisse Eifersucht hat, die aber nicht so ersichtlich wie die von Hannah zum Ende dieser Episode gewesen ist. Jennifer war hauptsächlich für ihre ehemalige Patientin da, was Hannah auch so gesehen hat, weshalb sie auch Verständnis für Jennifers Verhalten und Einmischung bei Lyras Eingriff hatte und dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass die beiden einen ungewollten und kaum ersichtlichen Eiertanz umeinander gemacht haben. Dean wurde dabei fast schon außen vorgelassen. Sehr amüsant war dabei aber seine Aussage, Jennifer hätte nur ein Problem mit seiner Situation, wenn er verliebt in Hannah wäre. Das war schon ein echter Brüller. Interessant wird es nun bei Hannah werden. Jetzt, wo sie mit eigenen Augen gesehen hat, dass Jennifer offenbar doch nicht nur ein Zeitvertreib für Dean ist, sondern offensichtlich etwas Ernstes. Ich denke auch, dass sich die neuen 'Erkenntnisse' auf Hannahs Schwangerschaft auswirken werden. Bezogen auf Lyras Schwangerschaft bin ich mir ehrlich gesagt auch noch immer nicht sicher, wie Hannahs Schwangerschaft ausgehen wird. Ich glaube nämlich schon, dass uns Lizzy Asher in dieser Staffel auch noch beehren wird und die Karten neu gemischt werden und die Freundschaft zwischen Dean und Hannah dadurch sicherlich auch einige neue Facetten bekommt.

Wenn man sich diese Episode mal so durch den Kopf gehen lässt, dann finde ich es durchaus genial, wie man es vollbracht hat, das Thema Freundschaft einzubauen und dabei drei verschiedene Modelle zu präsentieren, die emotional sind, die Handlungen vorantreibt und eben neue Facetten der Charaktere zeigt. Nach den beiden Freundschaften, auf die ich gerade eingegangen bin, haben wir noch die von Mitch Ripley, Lynne Murphy und dem verstorbenen Robert 'Sully' Sullivan. Bisher war ich ja nie sonderlich erfreut, wenn Lynne in der Serie aufgetaucht ist. Nach dem Kuss zwischen ihr und Mitch hatte ich ohnehin den Eindruck, man wolle die beiden als Paar enden lassen, was mir auf vielen Ebenen missfallen hätte. Ein Faktor war für mich, dass ich Lynne einfach nicht sympathisch fand. Diesmal muss ich aber sagen, dass sie und Mitch echt tolle Momente hatten und ich zum ersten Mal erkennen konnte, dass die beiden auch eine langjährige Freundschaft haben, in der sie sich wahnsinnig gut kennen. Unglaublich, dass Sully schon ein Jahr tot ist. Daran erkennt man mal wieder, wie die Zeit nur so dahinfliegt. Mir hat wahnsinnig gut gefallen, wie die beiden Sully geehrt haben, auch wenn ich glaube, dass ein Baseballstadium in amerikanischen Serien immer ein beliebter Platz ist, um Verstorbene zu ehren und dass dann auch andere Menschen nachdenklich und nachgiebig werden. In diesem Fall ist es der Sicherheitsdienst gewesen, der Erbarmen mit den Einbrechern hatte. Besonders gut hat mir eben auch das Gespräch zwischen Mitch und Lynne im Stadion gefallen. Zum ersten Mal hatte ich nämlich das Gefühl, Lynne hat Sully wirklich tiefgründig gefühlt. Sehr emotional, wie sie Mitch gegenüber zugegeben hat, was sie sich für Söhnchen Nate gewünscht hat. Ebenso waren Mitchs Erzählungen und Erkenntnisse, die er hatte, als er im Brunnen festsaß. Kann sich noch jemand an meine 3-Punkte-Review erinnern? Ja, da war ich sehr frustriert und stehe auch noch heute dazu. Ich finde es aber beeindruckend, wie man Sullys Erscheinung von damals in diese Episode einbaut hat und vor allem Lynne dadurch unglaublich viel Tiefe gegeben hat. Nicht nur, dass ich anerkennen muss, wie sehr sie Sully geliebt hat und die beiden wohl doch eine gute Beziehung geführt haben. Ich muss auch gestehen, wie angetan ich davon bin, dass sie eine Verbindung von Mitch und Caitlin befürwortet und es sogar auch noch damit kommentiert, dass sie keine Minute mit Sully missen würde. Unterstützend kommt noch hinzu, dass Caitlin eben auch das Gespräch mit Suzie hatte und da auf beiden Seiten durchgeschimmert ist, dass die Sache mit Mitch ernster ist und es offenbar nur im Ansatz etwas damit zu tun hat, was sie durch die Carters zusammen durchgestanden haben.

Fazit

Es war eine ausgesprochene tolle Episode, die die Thematik Freundschaft auf so vielen Ebenen beleuchtet hat, was echt Spaß gemacht hat, da es toll war, wie das Team auch immer wieder den Humor hat einfließen lassen und man den Hauptcharakteren der Serie neue Facetten gegeben hat. "Chicago Med" hat einen unfassbar guten Lauf, von dem ich kaum genug bekommen kann.

Daniela S. - myFanbase

Die Serie "Chicago Med" ansehen:

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