Bewertung: 6

Review: #4.11 Im Verborgenen

Nachdem #4.10 All The Lonely People bisher den Tiefpunkt der vierten Staffel dargestellt hat, war mein Verlangen da, dass sich diese Folge wieder als Steigerung entpuppen würde. Zuletzt hatte man sich doch zu sehr auf die privaten Dramen fokussiert und dabei immer wieder neue negative Entwicklungen dargeboten, so dass ich mich wieder mehr nach einer Fokussierung auf die Patientenfälle gesehnt habe, denn immerhin ist es eine Krankenhausserie.

Gleich vorweg kann ich sagen, dass der Tiefpunkt überwunden wurde und erfreulicherweise wurde auch genau an den Stellschrauben angesetzt, die ich mir gewünscht hatte. Zwar bietet die Folge immer noch genug privates Drama, aber es wird den Patientenfällen ebenso viel Raum eingeräumt. Beginnen möchte ich mit Dr. Connor Rhodes und Dr. Ava Bekker, die in der letzten Folge kurz vor der Aufdeckung ihres Geheimnisses standen, bis Ava einfach gelogen hat und ihre Ausgangsposition eigentlich weiter verschlechtert hat. Dieses fragile Kartenhäuschen scheint am Ende der Folge einzustürzen, da Connor das Gespräch mit seinem Vater Cornelius Rhodes sucht und ihn um Antworten bittet, da sein Misstrauen geweckt wurde. Was genau Cornelius ihm dabei erzählt, bleibt offen und genauso, ob er überhaupt die Wahrheit spricht oder nur seine eigene Version der Geschehnisse erzählt.

Connors Misstrauen wird jedenfalls durch einen gemeinsamen Patientenfall mit Ava geweckt, da sie eine Patientin haben, die nach einem Autounfall dringend eine Lebertransplantation braucht. Die Schwester erklärt sich als Spenderin bereit, ist jedoch nicht erwünscht, da sie im Drogenrausch ihre Nichte in einem brennenden Haus zurückgelassen hat. Während Connor die Motive von Leslie nachvollziehen kann, hält Ava sich zurück, um aber hinter seinem Rücken mit der Schwester den Plan zu schmieden, dass sie ein Teil ihrer Leber anonym spendet, so dass Leslie nie erfährt, dass sie etwas bekommen hat, was sie gar nicht wollte. Ich fand es noch sehr logisch, dass Connor da skeptisch wird, da Ava sich wirklich auffällig ruhig verhalten hat, denn sie macht ja nichts lieber, als auf beruflicher Ebene die stetige Konfrontation mit Connor zu suchen. Dass er daraus aber schließt, dass Ava ihn auch in Bezug auf seinen Vater belogen hat, das fand ich weit hergeholt. Ava ist mir bisher nicht als notorische Lügnerin aufgefallen, daher hat Connor an dieser Stelle logische Schlüsse gezogen, die überhaupt nicht logisch sind. Aber ich will gar nicht komplett meckern, denn nun sind wir endlich kurz vor der Auflösung. Das wird bestimmt wieder zu einem großen Streit führen, aber damit ist dann endlich auch die letzte Hürde beseitigt, die noch zwischen Connor und Ava steht und dann kann man sich endlich neuen Themen für die beiden widmen.

In dieser Episode arbeiten auch mal wieder Dr. Natalie Manning und Dr. Daniel Charles zusammen und ihr Fall hat mir insofern gut gefallen, als dass er wirklich geschickt aufgebaut wurde und auf die falsche Fährte gelockt hat. Ich finde es immer wieder spannend, wenn sich herausstellt, dass es nicht so ist, wie es anfangs schien. Schnell stellt sich heraus, dass die Alzheimer-Patientin Fran mit ihren Medikamenten überdosiert wurde und die große Frage ist, wer ist dafür verantwortlich? Geschickt wird die falsche Fährte auf den Schwiegersohn Patrick gelenkt, der als vielbeschäftigter Geschäftsmann inszeniert wird, dem die belastende Anwesenheit seiner Schwiegermutter zu viel ist. Man entwickelt wirklich schon das Gefühl, dass er sich Fran skrupellos vom Hals schaffen wollte, doch am Ende stellt sich überraschend heraus, dass die Tochter Alana bereits erste Anzeichen von Alzheimer zeigt und dadurch vergessen hat, dass sie ihrer Mutter schon die Medikamente gegeben hatte. So schnell wandelt sich das Bild. Mir hat in diesem Zusammenhang aber auch sehr gefallen, dass die GastdarstellerInnen so gut gecastet waren. Nach der Enthüllung des wahren Schuldigen, waren die Emotionen großartig dargestellt.

Natalies und Daniels Zusammenarbeit war in diesem Falle auch so wichtig, weil sie noch einmal bemerkt, was für ein guter Psychiater er ist und was für ein Spürsinn er hat, um bei seinen Patienten auf den Kern des Problems zu stoßen. Dadurch vertraut sie ihm ihre Sorgen um Dr. Will Halstead an, der immer aggressiver reagiert und sich vor allem kein Problem eingestehen will. Bereits in meiner letzten Review hatte ich die Hoffnung geäußert, dass Will zum Patienten von Daniel wird und dem sind wir nun einen Schritt näher, da Sharon Goodwin ihm am Ende das Ultimatum stellt, dass er entweder eine Therapie macht oder ansonsten seinen Job los ist. Da das Ganze durch Natalie initiiert wurde, hängt der Haussegen zwischen den beiden natürlich weiterhin schief, aber diesmal bin ich sehr stolz auf sie, da sie den unbequemen Weg geht, um ihm zu helfen.

Warum aber hält Sharon dieses Ultimatum überhaupt für nötig? Das liegt an Wills Patientenfall, der mir vom Prinzip her am besten gefallen hat, bei dem aber auch ein wenig getrickst wurde, um den Fortgang der Handlung so steuern zu können, dass er in die Gesamtschau passt. Will hat es mit einer Leihmutter von Zwillingen zu tun, bei dem für den männlichen Fötus kaum noch Hoffnung besteht und zudem behindert er auch die Entwicklung seiner Schwester. Dadurch entsteht ein spannender Disput zwischen der Leihmutter Celine und den leiblichen Eltern der Zwillinge. Diese haben sich schon lange ein Kind gewünscht und die beiden eingesetzten Embryos sind die letzte Hoffnung, so dass sie zu der Entscheidung kommen, besser ein Kind als gar kein Kind. Celine wiederum kann den männlichen Fötus noch spüren und kann es nicht mit sich vereinbaren, diesen bewusst zu töten. Damit einher geht ein interessantes Spannungsfeld, über das ich so noch gar nicht nachgedacht habe, weil die beschriebene medizinische Notsituation natürlich hypothetisch ist. Celine hat einen Vertrag mit den Addisons abgeschlossen und ihnen dabei die Entscheidungen für die medizinischen Angelegenheiten übertragen. Doch damit hat sie ihnen auch die Kontrolle über ihren Körper gegeben. Als sie nun gegen ihren Willen operiert werden soll, begreift sie selbst erst, welche Befugnisse sie abgegeben hat. Das sind wirklich spannende ethische Fragen, die ich sehr interessiert mitverfolgt habe.

Will ist bedingungslos auf Celines Seite, da sie als seine Patientin eingeliefert wurde und eben nicht die Addisons. Insgesamt empfand ich sein leidenschaftliches Eintreten für die Patientin als sehr typisch für Will. Zudem war er eben auch schon immer der, wie auch Connor, der auf Vorschriften nicht viel gibt, wenn er dafür Leben retten kann. Während ich abseits des Krankenhauses definitiv unterstütze, dass Will nicht mehr Will ist, ist mir das in seiner Rolle als Arzt nicht so dramatisch aufgefallen. Trotzdem hat Sharon ihn auf dem Kieker. Hier haben wir also die erste Konstruktion, die sich nicht ganz logisch einfügt. Der zweite Aspekt ist, dass Will zunächst von einer OP abgeraten hatte, die beide Föten hätte retten können, gegen Ende der Episode zieht er diese Option doch wieder hinzu. Hier war man leider also auch nicht so stringent in der Handlung, sondern wollte nur einen Zwist zwischen Sharon und Will säen, damit sie zu dem Ultimatum greift. Der Patientenfall war trotzdem unterhaltsam genug, so dass ich diese konstruierten Entwicklungen verzeihen kann.

Abschließend folgen nun noch ein paar Worte zu April Sexton und Dr. Ethan Choi, die in der letzten Folge einen Schritt aufeinander zugehen konnten, nachdem sie beide erkannt haben, wie viel sie einander noch bedeuten, egal ob nun als Freunde oder mehr. Diesmal wird ihr Umgang auf die Spitze getrieben, so dass überdeutlich wird, dass April ihn als Partner an ihrer Seite will und dass es nun Ethan ist, der sich endgültig entscheiden muss, was er will. Der Patientenfall der beiden hatte insgesamt keine große Bedeutung, da er in erster Linie nur dafür da war, dass Vicky Glass Interesse an dem Fall zeigt, da es sich bei Reginald um einen Veteranen handelt. Dadurch werden sie und April in eine Konfrontation getrieben, die Letztere sehr hart angeht. Ihre Argumente, dass Vicky über Reginalds Zustand eigentlich nichts erfahren darf, sind natürlich richtig, aber ihr Umgang war wirklich sehr eifersüchtig.

Ethan kniet sich derweil voller Leidenschaft in Reginalds Gesundheitszustand hinein, da er sich mit ihm identifizieren kann und ihm unbedingt helfen will. Reginald schafft es letztlich nicht, da durch einen Engpass eines anderen Chicagoer Krankenhauses nicht genug Blutplättchen zur Verfügung stehen. Ethan ist außer sich, dass er Reginald nicht retten konnte und wirft April wirklich schreckliche Dinge vor. Hierfür gibt es eigentlich gar keine Entschuldigung, nur gut, dass er diese Worte quasi schon bereut hat, als er sie ausgesprochen hat. Als er sich bei ihr entschuldigen will, werden wir – in meinen Augen – mit der schönsten Szene der Episode belohnt, da dieses Gespräch sowohl dramaturgisch als auch schauspielerisch unheimlich intensiv war. Es wird überdeutlich, wie unsinnig die ganzen Steine waren, die sich Ethan und April selbst in den Weg gelegt haben, denn dieser Austausch, der schließlich in einem Kuss endet, hat alles auf den Punkt gebracht. April äußert endlich, wie sie fühlt und nun ist eben Ethan an der Reihe. Ich hoffe, er entscheidet sich richtig...

Fazit

"Chicago Med" hat das Tal erstmal überwunden, da man sich wieder auf spannende Patientenfälle fokussiert, von denen ich sogar gleich zwei als sehr gut inszeniert empfand. Bei den privaten Dramen sieht es überwiegend immer noch sehr düster aus, aber wir sehen doch hoffnungsvolle Schritte in die richtige Richtung, so dass ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass bald Privates und Berufliches wieder ein Niveau einnehmen.

Lena Donth – myFanbase

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