Bewertung: 4

Review: #4.10 Abgewiesen

Nach der Hochzeitsfolge, die am Ende ja gar keine Hochzeitsfolge war, stellte sich für mich in Bezug auf die nächste Folge die Frage, wie man das Thema Hochzeit nun für die Zukunft angehen wird. Holt man die Hochzeit von Dr. Natalie Manning und Dr. Will Halstead zügig nach und dann vielleicht nur im kleinen Kreis oder wird die Hochzeit erstmal komplett verschoben?

Wir erleben einen Zeitsprung von mehreren Wochen, den Will im Zeugenschutzprogramm verbracht hat. Die Folge selbst spart recht lange aus, wie es zwischen Will und Natalie steht. Zunächst tritt FBI-Agentin Ingrid Lee noch einmal auf, um Wills Rückkehr anzukündigen. Bei dieser Begegnung zwischen ihr und Natalie, bemerkt man bei Letzterer ganz deutlich, dass sie in erste Linie Wut empfindet, da ihr viele Antworten verweigert wurden. Als Will dann aber tatsächlich vor ihr steht, spiegelt sich in ihrer Mimik wunderbar dieser Widerstreit der Gefühle wider. Auf der einen Seite die Enttäuschung, in was für eine Situation er sich überhaupt begeben hat und andererseits die Erleichterung, dass sie ihn wirklich wieder anfassen kann. Kein Wunder, dass am Ende die Erleichterung überwiegte, aber Will hat ja nun wirklich in die Mündung einer Waffe sehen müssen.

Bei Will wird mit seiner Rückkehr aber noch ein anderes Thema initiiert, da seine 'Nahtoderfahrung' offenbar mit ihm etwas gemacht hat. Das deutet bereits Lee an, spätestens sehen kann man es dann auch, als Dr. Ethan Choi in den Aufenthaltsraum platzt und Will damit aufschreckt. Diesen Weg finde ich eigentlich ganz spannend, denn warum sollte Dr. Daniel Charles nicht auch mal einen Kollegen als Patienten haben? Ich hätte aber nicht gedacht, dass man mit Wills Problemen dann doch noch eine vorläufige Trennung von Natalie bewirkt. Als sie ihm nach seiner Rückkehr verzieh, hatte ich wirklich die Hoffnung, dass man das Thema kriselnde Beziehung damit ad acta legt, und dass sie ihm nun tatkräftig beiseite steht, damit er sich seinen Ängsten stellen kann. Stattdessen löst sich die komplette Stimmung auf, als Will eine Waffe in das Haus von Natalie bringt. Dass sie eine erbitterte Gegnerin von Waffen ist, wurde bereits mehrfach thematisiert, ganz aktuell sogar ganz am Anfang der Folge, als April Sexton einen Streifschuss abbekommt, aber dennoch fand ich es übertrieben, dass sie so strikt gegenüber Will reagiert hat, bei dem man doch so deutlich merken konnte, dass er durch und durch von Angst getrieben ist. Auch wenn Natalie hier ihren Prinzipien treu bleibt, hätte ihr ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl besser gestanden.

Mit diesem neuerlichen Beziehungsstreit steht nun auch Natalies Patientenfall in einem ganz anderen Licht. Bereits im Vorfeld war der mehrwöchige Gastauftritt von Ian Harding als "Pretty Little Liars"-Reunion angekündigt worden, so dass klar ist, dass Phillip Davis so schnell nicht wieder verschwinden wird. Seine Geschichte fand ich in dieser Episode sehr schwach erzählt, weil die Story unbarmherzig vorangetrieben wurde. Ehe man sich versah, war seine Frau Ivy verstorben, seine Tochter Sophie geboren und operiert. Dadurch war aber leider nicht viel Platz für Emotionen, so dass ich einige kleinere Szenen mit Harding so empfunden habe, als würde er eher Grimassen ziehen, als echte Gefühle zeigen. Erst zum Ende hin, als er dann in Natalies Armen zusammenbricht, springt einmal ein Funke über. Leider befürchte ich für diesen Funken Schlimmstes, denn Natalie und er finden eine Verbindung zueinander, da sie beide als Witwe bzw. Witwer ein Kind großziehen müssen. Da Harding als Phillip uns noch erhalten bleibt, gehe ich schwer davon aus, dass man die beiden noch enger zusammenschweißen will, aber das gefällt mir als Handlung schon jetzt nicht.

Zufrieden bin ich auch nicht mit den Entwicklungen, die sich aus der bereits angesprochenen Schießerei ergeben haben. Auf der einen Seite haben wir den Patientenfall, da sich der Schütze mit seinem Auto überschlägt und selbst zum Patienten wird. Doch eigentlich ging es weniger um ihn und seine Psyche, da er nur für die erste Zusammenarbeit von Elsa Curry und Daniel sorgen sollte. Durch die Situation von Mitchell erkennt Daniel, dass er und Elsa beides einsame Menschen sind, die auch einen Hang zur Depression haben. Diese Idee dahinter fand ich überhaupt nicht ansprechend, da ich ständig im Hinterkopf den Gedanken habe, dass wir hier eine Version 2.0 von der Daniel-Dr. Sarah Reese-Beziehung gezeigt bekommen. Auch die beiden hatten immer wieder Patientenfälle, bei denen sie sich gegenseitig analysiert haben. Natürlich war es interessant von Elsa mal etwas mehr zu erfahren. Aber dass sie einsam ist, reicht mir da einfach nicht aus. Warum ist sie einsam? Warum ist sie so ehrgeizig? Das sind eigentlich Fragen, die hervorragend in dieser Folge hätten geklärt werden können, stattdessen reibt man sich oberflächlich an der Geschichte auf und bietet eben nur einen warmen Aufguss von einer Beziehung, die mit dem Beginn der vierten Staffel in die Brüche ging. Und dafür vernachlässigt man einen Charakter wie Dr. Noah Sexton?

Auf der anderen Seite beleuchten wir über die Schießerei mal wieder die Beziehung von Ethan und April. Hier haben mir gleich mehrere Sachen nicht gefallen. Ethan reagiert auf Mitchell sehr eisig und abgeneigt, da dieser auf April geschossen hat. Diese Reaktion war für alle überdeutlich sichtbar und dennoch steht Ethan wenige Minuten später seiner Freundin Vicky Glass gegenüber und versichert ihr, dass er nichts mehr für April empfindet. Besser kann man sich selbst und eine Person, die man eigentlich respektieren sollte, nicht anlügen. Später wird es dann regelrecht absurd, als April Ethan vorwirft, dass er Mitchell behandelt und ihn nicht einfach der Polizei überlässt. Schon mehrmals ist mir aufgefallen, dass April und Ethan in ihren Konfrontationen schon mal häufiger Charakterzüge auf den Leib geschrieben bekommen, die überhaupt gar nicht zu ihnen passen. Diesmal trifft es wieder April, die selbst schon oft genug die Lektion erteilt hat, dass Patienten alle gleich behandelt werden müssen. Nun ist sie diejenige, die mit zweierlei Maß misst und das auch nur, um sich mit Ethan zu streiten. Immerhin kommt bei diesem Streit dann auf den Tisch, dass sie ihm sehr wohl noch etwas bedeutet. Es ist aber dennoch schade, dass eine kleinere Annäherung zwischen den beiden so konstruiert werden muss. Wenigstens hat mir gut gefallen, dass Monique eine kleine Storyline hatte und dass sie am Ende in April und Maggie Lockwood gute Freundinnen findet.

Abschließend sind nun auch noch Dr. Connor Rhodes und Dr. Ava Bekker zu nennen. Einerseits gefällt es mir gut, dass die beiden nun so viele entspannte Szenen miteinander haben und dass man ihre Dynamik auch bei der Arbeit stets beibehält: immer noch so unterschiedlich, aber sie können sich wenigstens stets mit einem Augenzwinkern begegnen. Dieser positive Eindruck wird in der insgesamt schwachen Folge dann auch wieder niedergewalzt, weil Ava ein gewagtes Manöver startet und ihre Beziehung zu Connor damit erst recht gefährdet. Bis heute wissen wir Zuschauer nicht, was damals zwischen ihr und Cornelius Rhodes vorgefallen ist, als sie ihn um eine Spende für Connors OP gebeten hat. Es war stets zu vermuten, dass die beiden miteinander im Bett gelandet sind und die Hinweise verdichten sich in dieser Episode, da Cornelius sich anzügliche Kommentare nicht sparen kann, obwohl ihm klar sein musste, dass sie in Begleitung seines Sohnes auf der Abendveranstaltung war. Dass seine Art also absolut widerlich ist, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber Ava ist so besorgt um ihre gerade erst begonnene Beziehung zu Connor, dass sie das Lügengebäude weiter aufbaut und ihrem Freund verklickert, dass sein Vater unwahre Affärengerüchte über sie verbreitet. Da wusste sie natürlich genau, welche Knöpfe sie bei Connor drücken musste, damit er seinem Vater umgehend eine reinhaut. Ich finde Avas Weg sehr gewagt und in einer Folge, die ohnehin schon so einen bitteren Beigeschmack hat, ist die Aussicht auf erneutes Drama zwischen den beiden, nicht gerade aufbauend.

Fazit

"Chicago Med" macht in meinen Augen mit dieser Folge viel mehr falsch, als es richtig macht. Diese Episode ist sehr stark auf die privaten und beruflichen Beziehungen fokussiert und dabei verbreitet man so viel Pessimismus, dass sich das ganze Geschehen wie eine kalte Dusche anfühlte. Gewitterwolken bei Natalie und Will, Gewitterwolken bei Connor und Ava, bei Ethan und April nur einen winzigen Schritt vorwärts und dann noch ein unnötiges Aufwärmen der Mentorenbeziehung, die Daniel und Sarah so intensiv hatten. Vielleicht sollte man sich lieber erstmal wieder auf starke Patientenfälle fokussieren, da die hinter dem ganz anderen Drama total zu kurz kommen.

Lena Donth – myFanbase

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