Bewertung

Review: #4.01 Kein Tag ohne Unglück

Foto: Andrew Lincoln, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Andrew Lincoln, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

Nach dem ereignisreichen Finale der dritten Staffel scheint Ruhe im Gefängnis eingekehrt zu sein. Die Überlebenden des Angriffs des Gouverneurs haben sich mittlerweile in die Gruppe integriert und leisten ihren Beitrag am alltäglichen Leben hinter Gittern. Rick ist zu einem Farmer geworden und versucht jeden Tag aufs Neue, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und in eine Zukunft zu schauen, die noch immer kein bisschen Anlass für Hoffnung gibt. Jenseits der Zäune lauert noch immer der sichere Tod.

"You came back. Your boy came back."

Rick kämpft noch immer sehr mit seinem Gewissen, was nicht zuletzt das Gespräch mit Hershel am Ende der Episode beweist. Er hadert damit, dass er seit dem Ausbruch der Seuche viel zu viele Menschen hat töten müssen und befürchtet, dass er sich mental davon nicht mehr erholen kann. Da helfen auch die therapeutischen Worte von Hershel nicht, der ihm klar zu machen versucht, dass er stark genug ist und sich nicht aufgeben soll. Doch gerade in den Szenen mit Rick ist dieses Mal eine unglaubliche Hoffnungslosigkeit spürbar, die wie ein bleierner Vorhang über der Geschichte hängt.

Rick versucht sich von dem Elend vor dem Zaun dadurch abzulenken, dass er Musik hört und sich darum kümmert, dass die Menschen unter seiner Führung genug zu Essen und ein einigermaßen sicheres Dach über dem Kopf haben. Und wenn er das Refugium verlässt, so hat er sich selbst geschworen, keine Schusswaffe mehr in die Hand zu nehmen. Das Aufeinandertreffen mit der verrückt gewordenen Einsiedlerin im Wald beweist jedoch, dass es in Zeiten wie diesen keinen Raum für Pazifismus gibt. Vielmehr geht es nur noch darum, welche Taten man vor seinem eigenen Gewissen noch verantworten kann und wie man es schafft, seine Menschlichkeit in all dem Kampf ums Überleben nicht zu verlieren. Rick hat diese fast verloren, als er sich gegen den Gouverneur stellte und gesehen hat, zu was dieser Mensch im Stande war. Doch wie Hershel bin ich mir auch sicher, dass Rick sich wieder fangen wird.

"Give the stranger sanctuary. Keeping people fed, you're gonna have to learn to live with the love."

Der Rest der Gruppe ist mittlerweile wesentlich gelöster. Daryl hat sich zu einer Art Lokalheld für die Neuankömmlinge entwickelt, was ihm zwar nicht wirklich Recht ist, doch er hat damit gelernt, zurecht zu kommen. Carol zieht ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit damit auf und es ist wunderschön zu sehen, wie die Freundschaft zwischen den beiden weiter aufblüht und noch immer unglaublich weit davon entfernt ist, eine sexuelle Komponente zu bekommen. Und das ist auch gut so, denn Beziehungen generieren nichts als Drama in dieser Serie, was einmal mehr jegliche Szene zwischen Glenn und Maggie beweist. Die beiden befürchten, Maggie könnte schwanger sein (was sich am Ende glücklicherweise als Fehlalarm herausstellt), doch man merkt vor allem Glenn die andauernde Sorge um seine Frau an, die ihn einfach unglaublich herunterzieht. Glenn definiert sich nur noch über Maggie, was ein wenig schade ist, denn aus dem unbedarftem Jungspund, der auch einmal ein Risiko eingegangen ist für die Gruppe, ist mittlerweile ein recht grüblerischer Mann geworden, der immer nur knapp an der Verzweiflung vorbei schrammt.

Ganz anders präsentiert sich in dieser Episode plötzlich Michonne, die noch immer auf der Suche nach dem Gouverneur ist. Sie gehört zwar fest zur Gemeinschaft, doch einen Teil ihrer Unabhängigkeit hat sie sich bewahrt und reitet zu Pferd durch die Gegend, um den Gouverneur ausfindig zu machen. Die Gründe hierfür bleiben dem Zuschauer im Moment noch verborgen. Schön ist jedoch, dass sie nun längst nicht mehr so einsilbig daher kommt, wie in der vergangen Staffel. Vielmehr gestattet man ihr wesentlich mehr Interaktion mit den anderen und hin und wieder rutscht ihr sogar ein herzhaftes Lachen heraus. Ich hoffe doch sehr, dass wir mehr von Michonne sehen werden, denn gerade ihre Verbindung zu Carl finde ich unheimlich interessant.

Während die ursprüngliche Gruppe weiterhin ein eingespieltes Team ist, tun sich die "Neuen" aus der letzten Staffel noch etwas schwer, sich zurecht zu finden. Allen voran Tyreese kommt mit der Situation im Gefängnis noch immer nicht klar. Ihm gefällt es nicht, eingesperrt zu sein und die Beißer vor dem Zaun mit einem Stock niederstechen zu müssen, doch als sich eine kleine Gruppe auf Beutezug begibt, muss er erkennen, dass er es auch nicht besser findet, draußen Mann gegen Mann kämpfen zu müssen, immer mit der Gefahr im Nacken, jederzeit jemanden verlieren zu können. Ihm fehlt noch ein fester Platz in der Gruppe, um sich endlich nützlich fühlen zu können und ich muss zugeben, auch als Zuschauer interessiert es mich nullkommanicht, was mit den Charakteren außerhalb der Stammbesetzung passiert.

Randnotizen

Natürlich darf im Staffelauftakt auch eine gehörige Portion Spannung und Action nicht fehlen. Sie Szenen im Supermarkt sind wirklich toll umgesetzt und bieten einen sehr guten Kontrast zu den ruhigen Szenen im Gefängnis. Wesentlich interessanter jedoch ist am Ende der Zusammenbruch eines Teenagers, der aus heiterem Himmel in der Dusche blutend zusammenbricht und nur kurze Zeit später als Beißer reanimiert. Dabei ist vor allem die Einstellung interessant, als die Kamera auf dem Duschkopf fokussiert und das Wasser beobachtet, wie es langsam versiegt. Vielleicht bin ich ja paranoid, aber irgendwie hat es den Anschein, als ob mit dem Wasser irgendetwas nicht stimmt.

Was mich auch ein wenig stutzig macht, waren die vielen Nahaufnahmen toter oder verendender Tiere dieses Mal. Es wirkt fast so, als versuchen die Autoren hier eine neue Gefahr zu etablieren. Das plötzlich leidende und kurz darauf verendete Schwein im Lager, das Carl und Rick schon mit Sorge beobachtet haben, verheißt ebenso wenig etwas gutes, wie der Zusammenbruch des Teenagers am Ende. Irgendwas liegt in der Luft.

Fazit

#4.01 bietet uns einen soliden Einstand in die vierte Runde der Serie. Auch wenn nicht alles wirklich rund läuft und es noch einige Baustellen, vor allem in der Charakterarbeit unter den Neuankömmlingen gibt, so bietet uns Scott Gimple doch eine kurzweilige Stunde, in der wir lachen können, uns vor Ekel die Hände vors Gesicht schlagen, Neuankömmlinge argwöhnisch beäugen, vor Hoffnungslosigkeit seufzen und auch vor Spannung an unseren Sitz gefesselt werden. Es verspricht eine durchaus interessante Staffel zu werden, auch wenn ein klarer roter Faden momentan noch nicht in Sicht ist.

Melanie Wolff - myFanbase

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