Bewertung: 7

Review: #12.08 Luzifers Blut

Foto: Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Wie auch schon in der letzten Folge können die tollen Effekte nicht ganz von der leicht merkwürdigen Handlung ablenken, die sich auch im Herbstfinale bemerkbar macht. In #12.08 LOTUS scheint Luzifer zwar endlich wieder eine eigene Storyline zu bekommen, doch die ist alles andere als unkompliziert. Gemeinsam mit der ziemlich ausweglosen Lage, in die sich die Winchesters gebracht haben, hatte "Supernatural" in diesem Herbstfinale zwar vielleicht keinen schockierenden Cliffhanger, trotzdem bleibt die Frage im Raum, wie es nun weitergehen soll.

"Because I'm Satan.. they think I'm Satan."

Letzte Folge habe ich noch darüber gelästert, dass Luzifer mit seiner dramatischen Ansprache klargemacht hat, dass sein Handeln wirklich von überhaupt gar nichts mehr geleitet wird und er praktisch ziel- und sinnlos Chaos stiftet. Und tada, schon wird uns ein neuer Handlungsstrang präsentiert. Und was für einer.

Zunächst sehen wir Luzifer mal wieder Hüllen wechseln. Allmählich tut man sich echt schwer, sich mit den immer neuen Gesichtern anzufreunden. Trotzdem hat Luzifer in Gestalt des Erzbischofs eine wirklich eindrucksvolle Einstiegsszene geboten. Als der den Gang entlang gelaufen ist und sich alle Kreuze umgedreht haben - sehr genial gemacht. Gemeinsam mit dem schaurigen Leichenfund, den Sam und Dean später gemacht haben, hatte das den richtigen Gruselfaktor. Leider ist diese düstere Aura durch Luzifers Wechsel zum Präsidenten etwas verloren gegangen. Da war eher der Humor im Fokus - als er beispielsweise ein Gebet leiten musste und nicht so wirklich wusste, was er da sagen sollte, während ihm noch dazu die Bibel die Hand verbrennt. Gut gemacht war auch die Szene im Kopf des Präsidenten, als er mit Jeff spricht. Nur zu schade, dass wir das erst jetzt zu sehen bekommen, mit einer Hülle, die uns nichts bedeutet. Denn schon damals in Staffel 5 war dieser direkte Kontakt zwischen Luzifer und Sam sehr spannend anzusehen. Doch zur Politik kommt Luzifer eh nicht, denn da taucht auch schon Kelly auf und bietet ihm plötzlich eine ganz andere Möglichkeit, für Chaos zu sorgen.

Ich muss gestehen: So wirklich weiß ich noch nicht, was ich von der ganzen Nephilim-Geschichte halten soll. Grundsätzlich hat das Ganze sicherlich viel Potential. In der Mythologie von "Supernatural" ist uns bis jetzt erst ein Nephilim begegnet. Eine junge Frau, die in #8.22 Das Lebenswerk von Castiel umgebracht werden musste, um letztlich die Engel aus dem Himmel zu verbannen. Aber abgesehen davon, dass Nephilim als Kreuzung aus Mensch und Engel strikt verboten sind, ist noch nicht viel über sie bekannt. Hier gäbe es also die Chance, wieder mehr in die Mythologie der Engel einzutauchen.

Auch für Luzifer könnte die Geschichte positive Folgen haben, denn irgendwie ist sein Charakter in Staffel 12 (und eigentlich auch schon in den Staffeln davor) zwar sehr unterhaltsam, aber nicht wirklich bedeutungsvoll gewesen. Nach der Bestätigung in #12.07 Rock Never Dies, dass er wirklich ohne Plan und Methode einfach die Welt ins Chaos stürzen möchte, könnte das jetzt die Chance sein, Luzifer doch noch eine Storyline zu geben, die tatsächlich so etwas wie Substanz hat. Denn alles andere wäre eine Verschwendung für einen Charakter, dessen Tiefgründigkeit einer der Gründe war, warum er bei den Zuschauern immer so beliebt war. Vielleicht ist das jetzt also die Gelegenheit für Luzifer, nach all der Zeit mal mit seinen Daddy-Issues abzuschließen und neu anzufangen.

Trotzdem ist fraglich, ob die Nephilim-Geschichte so wirklich funktionieren kann. Luzifer soll plötzlich ein Kind haben? Natürlich können solche Storylines klappen, schließlich hat "The Originals" mit dem gleichen Konzept begonnen und hat mich bis heute überzeugt. Nur ist es eben ein Unterschied, ob man so eine Storyline als Hauptthema der Serie verwendet, ober ob es nur eine von vielen ist, die alle bis jetzt noch nicht allzu genau thematisiert wurden. So wird man mit dem Thema also vermutlich nicht umgehen. Nur was bleibt dann noch übrig, was sich als Nebenhandlung eignet?

Entweder wird der Nephilim wohl verwendet, um ihn gegen Luzifer einzusetzen und ihn damit wieder in den Käfig zu stecken, oder Luzifer soll dadurch eine neue Seite bekommen und weiter dabeibleiben. Aber wie schon gesagt, hat Luzifer dafür einfach viel zu wenig Screentime. Ich bin mal so frei und erfinde hier schnell einen möglichen Storyarc: Sam und Dean bleiben erst mal eine Weile im Gefängnis. Zeit vergeht. In dieser Zeit wird der Nephilim geboren und wächst auf (so ein schnelles Wachstum hatten wir ja auch schon bei Amara). Wie sich herausstellt, kann der Nephilim die Menschheit ziemlich gut leiden und hält gar nichts von Luzifers Idee, alles zu zerstören. Es wiederholt sich die gleiche Geschichte, wie damals bei Gott und Luzifer. Der Nephilim ist auf der Seite der Menschheit, Luzifer steht mal wieder von der Familie verlassen da und wird letztlich von dem Nephilim (mit Hilfe der Winchesters und Co.?) wieder in den Käfig verbannt. Mal sehen, welchen Weg "Supernatural" einschlagen wird. Zum Glück kann man immer noch auf Sam und Dean zählen, die sich ihrerseits in ein viel simpleres, wenn auch genauso auswegloses Schlamassel bugsiert haben.

The Scooby-Gang

Sam und Dean sind mal wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Nach dem Fälschen von Ausweisen, Raub und Mord kommt nun auch noch der Mordanschlag auf einen Präsidenten auf ihre Liste. Nicht schlecht. Nur warum um Gottes willen sind die beiden überhaupt noch bei dem Präsidenten geblieben, nachdem Luzifer exorziert war und Cas bestätigt hat, dass es Jeff gutgeht und er keine Erinnerungen an den Vorfall haben wird? Das ist nur eine von mehreren komplett unrealistischen und unlogischen Momenten der Folge, die schon fast wehgetan haben. Hätte man das nicht eleganter lösen können, ohne die beiden wie die kompletten Anfänger dastehen zu lassen? Wie auch immer, Sam und Dean wurden geschnappt und sind jetzt auf dem Weg ins Gefängnis.

Klar, lange werden sie dort nicht bleiben. Entweder Cas, Crowley oder die Men of Letters werden sie schon wieder rausboxen. Trotzdem frage ich mich, wie man es anstellen will, dass die beiden wieder ein halbwegs normales Leben führen können. Es ist eine Sache, wegen Mordes gesucht zu werden, noch dazu, wo sie doch eh schon mehrmals für tot erklärt wurden, oder ob man den Präsidenten umbringen wollte. Bin ja mal gespannt, welche Erklärung uns da präsentiert wird.

Auch der Rest des Teams ist getrennt. Crowley hat die erste Chance genutzt, um sich mit Rowena aus dem Staub zu machen und Castiel - naja Castiel hat sich scheinbar ein Beispiel an den Brüdern genommen und stellt sich mit Kelly schrecklich blöd an. Wie soll es bitteschön auch nur ansatzweise logisch sein, dass die unbeholfene Kelly unbehelligt das Diner verlassen kann, ohne dass Cas das mitbekommt? Vor allem, nachdem der Nephilim an sich ja scheinbar einen Haufen an Energie ausstrahlen muss. Sowohl die Gefangennahme der Winchesters als auch Kellys Flucht wurden wirklich sehr schwach zusammengebastelt.

Ganz nebenbei haben wir auch noch endlich Mr. Ketch zu Gesicht bekommen. Der sah aber enttäuschend normal aus. Für die geheime Superwaffe der britischen Men of Letters, der auf einem schwarzen Motorrad Monster jagt, hätte ich mir schon ein etwas abenteuerlicheres Aussehen gewünscht. So scheint er optisch eher in die Kategories "Engel-Hülle" zu fallen. Auch sonst wirkt er überraschend gemäßigt und kompromissbereit, was mal wieder den Eindruck verstärkt, dass Tonis Emotionalität wohl wirklich eine Ausnahme war. Wo ist die überhaupt abgeblieben? Interessant ist auch, dass es Sam ist, der mit den MoL Kontakt aufnimmt, und das obwohl er von denen doch entführt und gefoltert wurde. Dieses Bündnis dürfte wohl passé sein, sobald die Winchesters Wind davon bekommen, dass Mr. Ketch mit Freude die harmlosen Monster abschlachtet, die die beiden verschont haben. Jetzt wo auch Mr. Ketch in Kontakt mit den Winchesters getreten ist, kann man wohl davon ausgehen, dass der Handlungsstrang rund um die Men of Letters wieder etwas an Fahrt aufnimmt.

Randnotizen:

  • Wem der Kommentar von Dean in der Episode nicht aufgefallen ist: Der Episodentitel ist ein Wortwitz vom in Amerika häufig verwendeten Begriff "POTUS" - Lucifer Of The United States.
  • Wieso Kelly kein Problem damit zu haben scheint, Luzifers Kind in sich zu tragen, ist mir echt ein Rätsel.
  • Ganz nebenbei werden die Andeutungen auf die aktuelle politische Situation in den USA immer offensichtlicher.
  • Rowena, sieht es endlich ein - das normale Leben ist einfach nichts für dich!
  • Eine weitere Lieblingsszene war Castiel, der ganz unbeeindruckt stehen geblieben ist, als Mr. Ketch den Granatwerfer auf das Auto geschossen hat und alle anderen in Deckung gesprungen sind.



Fazit

Mit der Nephilim-Geschichte und Sam und Deans Gefangennahme hat einen #12.08 LOTUS mit vielen Fragen in die Winterpause entlassen. Der erste Teil von Staffel 12 ist vorbei und bis jetzt sind zwar einige vielversprechende Handlungsstränge aufgetaucht, doch wirklich genau erzählt hat man noch keinen von ihnen. Mary, Luzifer und die britischen Men of Letters - von der Rückbesinnung zum Anfang der Serie, die uns angekündigt wurde, ist man da fast schon wieder zu weit abgekommen. Jetzt bleibt abzuwarten, ob "Supernatural" es schafft, das ganze Potential der Storylines auszunutzen und sie vielleicht noch mehr zu verknüpfen, oder ob die einzelnen Geschichten weiter vor sich hindümpeln werden.

Denise D. - myFanbase

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