Bewertung: 8

Review: #15.09 The Trap

Foto: Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jared Padalecki & Jensen Ackles, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Hoffnung. Sie ist der Motor, der die Winchesters durch Tode, Horror und Apokalypsen hindurch immer angetrieben hat. Genau sie ist es auch, die in dieser finalen Staffel langsam ihre Risse bekommt. Denn nachdem sich Chuck als großer Bösewicht ihrer Existenz herausgestellt hat, der praktisch ihr ganzes Leben und ihr Handeln gesteuert hat, ist es plötzlich nicht mehr so leicht, Hoffnung zu finden. Denn wie soll man gegen Gott gewinnen? An dieser Stelle setzt #15.09 The Trap nach der Winterpause wieder ein.

Purgatory

Seien wir ehrlich: Den Ausflug ins Fegefeuer hätte man sich auch sparen können. Letztlich ging es bei Deans und Castiels Mission viel weniger um die Leviathanblume und viel mehr darum, ihre Beziehung zu kitten. Daher hat man sich amüsanterweise noch nicht einmal viel Mühe gegeben, zumindest den Anschein einer schwierigen Mission zu wahren. Nun gut, die beiden müssen ein paar Kämpfe ausfechten und werden dabei voneinander getrennt, die eigentliche Aufgabe, das Erlangen der Blume, gerät dann schlussendlich aber doch komplett in den Hintergrund.

Stattdessen bekommen wir endlich eine Auflösung dieser schrecklichen Trennungsszene aus #15.03 The Rupture, auf die ich schon lange gewartet habe. Man konnte sich schon denken, dass das Thema irgendwie aufgearbeitet wird, wenn Dean und Cas gemeinsam unterwegs sind. Trotzdem hat mich die Dramatik des Ganzen dann doch überrascht. Mit Cas, der Dean vorwirft, ihn damals nicht aufgehalten zu haben, über Deans emotionales Gebet bis hin zu ihrem Wiedersehen war das ein deutlicher Fanservice für alle, die Dean und Cas gerne zusammen sehen (egal, ob als Freunde oder Ship). Deans Monolog war dabei eindeutig der Höhepunkt, bei dem Jensen Ackles mal wieder sein ganzes Talent für Deans nur selten herausbrechende Emotionen zeigen konnte. Und meine Güte, da kam so einiges zu Tage. Zunächst einmal gibt Dean zu, Fehler gemacht zu haben. Er hätte Cas damals aufhalten sollen. Er hätte ihm keine Vorwürfe wegen seiner Entscheidung, Belphagor zu töten, machen sollen. Er hätte ihn nicht wegen Jack verurteilen sollen. Nur war der Schmerz über den Verlust von Mary, Jacks Tod und der Beinahe-Apokalypse noch zu frisch. Da war es eben einfacher, Cas die Schuld zu geben, schließlich hat der ja auch seinen Teil dazu beigetragen. Noch interessanter war aber Deans Versuch, sein Verhalten zu erklären. Die unaufhaltbare Wut, die in dunklen Momenten aus ihm herausbricht, egal wie verzweifelt Dean es auch verhindern möchte. Da musste ich gleich an John denken, der seine Enttäuschung und Überforderung nur zu gerne an Dean ausgelassen hat. Nun ist es der Zeitdruck, der Dean zur Aufrichtigkeit drängt. Der ihn dazu bringt, Castiel ehrlich zu verzeihen. Und dann muss er es ihm nicht einmal von Angesicht zu Angesicht sagen, da Cas ja schon alles gehört hat.

Castiel konnte überhaupt in dieser Folge mal wieder seine Kompetenz zeigen. Erst überredet er Dean als Stimme der Vernunft dazu, nicht ihre ganze Mission hinzuschmeißen, als er erfährt, dass Chuck Sam entführt hat. Dann kümmert er sich darum, die Blume zu finden, während Dean seine Gefühle ordnet.

Da Dean und Cas ihre Differenzen hinter sich gelassen und einander vergeben haben, bedeutet das für Dean wieder eine Veränderung. Jedes Mal, wenn er mit Sam oder Cas Probleme hatte, sei das nun Streit oder ein (zwischenzeitlicher) Tod, hat Dean die Hoffnung verloren, seine Überzeugung in ihre Sache. Nachdem Castiel nun wieder Teil von Team Free Will ist, hat sich auch Deans Einstellung zu ihrer Lage verbessert. Und das keinen Moment zu früh, wenn man bedenkt, was parallel mit Sam passiert.

"Come on, Sam. don't you want to see the future?"

Während der eine Bruder seine Hoffnung wiederfindet, verliert der andere sie. Sam muss sich Chucks Spielchen hingeben, die mal wieder die wahre Stärke von Chuck zeigen: Manipulation im großen Stil. Dabei wird im Laufe der Folge überhaupt erst aufgedeckt, wie sehr Chuck tatsächlich noch seine Hände im Spiel hat. Beispielsweise, dass er Eileen in Richtung Sam geschickt hat. "Supernatural" war nie eine Serie, bei der romantische Beziehungen eine große Rolle gespielt haben und man hätte es auch durchaus dabei belassen können. So wirkt Eileens Präsenz teilweise mehr wie ein Lückenfüller als eine richtig durchdachte und begründete Storyline. Von dem her kann ich gut damit leben, dass man diese Geschichte vielleicht nicht weiter verfolgen wird, auch wenn ich Eileen als Charakter sehr gerne mag. Um sie aber als bedeutenden Charakter in die Geschichte einzubauen, ist es für mich jetzt einfach zu spät. Das bedeutet nur noch weniger Zeit mit den Hauptcharakteren, deren Beziehungen eh zurückstecken mussten. Ausgerechnet bei Sam und Dean haben wir bis jetzt eher wenige wirklich wichtige gemeinsame Szenen gesehen. Und das in der letzten Staffel. Nichtsdestotrotz ist Eileens Weggang ein großer Verlust für Sam.

Der eigentliche Schlag gegen Sam waren aber Chucks kleine Ausschnitte in die Zukunft. Ich schließe mich jetzt einfach mal Dean an und vertraue Sams Gespür dafür, dass das tatsächlich die Wahrheit war, die er da von Chuck gezeigt bekommen hat, auch wenn man bei Chuck natürlich nie weiß, woran man ist. Falls das aber wirklich die Zukunft war, so ist sie reichlich deprimierend. Weiter jagen, gegen immer mehr und mehr Monster. Die letzten Bekannten und Freunde der Winchesters sterben auch noch. Am Ende gehen die Brüder zwar Butch-und-Sundance-mäßig gemeinsam drauf, allerdings sind sie da bereits zu den Monstern geworden, die sie sonst gejagt haben und werden von ihrer eigenen Familie zur Strecke gebracht. Nein, da gebe ich Chuck recht, so kann es doch nicht enden.

"They didn't think they'd do it either. But they did."

Durch Sams Weigerung, Chuck anzugreifen, hat er die Zukunft bereits verändert. Immerhin hat Chuck ja andere Pläne mit den Winchesters. Nur was er jetzt vorhat, liegt wieder völlig im Dunkeln. Wieder muss man sich auf Chucks Wort verlassen, dass die Visionen, die Sam mitbekommen hat, keine möglichen Enden waren, sondern einfach Parallelweltversionen ihrer selbst. Einerseits schade, da ich die Idee mit den kurzen Einblicken in Chucks kreativen Schreibprozess ganz faszinierend fand, andererseits kommen wir so wieder auf die Schicksalsschiene zurück, die die Winchesters schon ewig begleitet. Sam und Dean gegen Gott, Schicksal und Prophezeiungen. Wie so oft ist es wieder Dean, der sich vehement gegen diesen Gedanken auflehnt. Während die erste Szene, in der Dean Chuck eine reinhaut, noch eher einen amüsanten Unterton hatte, ist Deans Auflehnung gegen Chuck hier um einiges beeindruckender und bedrohlicher. Ob ihm das irgendwas bringt? Nun, wir werden sehen.

Fazit

"Supernatural" kommt mit einer starken Episode aus der Winterpause zurück. Während der erste Teil der finalen Staffel doch bedeutende Charaktermomente vermissen ließ, ändert sich dies nun hoffentlich. Gleichzeitig müssen allmählich aktive Schritte gegen Chuck eingeleitet werden. Denn der hat inzwischen seine komplette Macht wiedererlangt und ist damit praktisch unantastbar. Aber da ist ja noch Jack, der von Billie als letztes Ass im Ärmel aus der Leere gezogen wird. Und ich erinnere mich an ein Zitat vom "alten" Tod: "Irgendwann werde ich auch Gott holen."

Denise D. - myFanbase

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