Bewertung: 5

Review: #1.02 Der Abstieg in die Hölle ist ein Leichtes

Foto: Stephen Hart & Katherine McNamara, Shadowhunters - Copyright: ABC Family/John Medland
Stephen Hart & Katherine McNamara, Shadowhunters
© ABC Family/John Medland

Die zweite Folge von "Shadowhunters" führt sowohl Clary und Simon wie auch den Zuschauer weiter in die Welt von Dämonen und mystischen Wesen ein. Clary versucht sich so gut es geht darin zurechtzufinden und scheut kein Risiko um ihre Mutter wiederzufinden. Dabei macht sie eine schockierende Entdeckung und muss zusehen wie sowohl Dot als auch ihr bester Freund entführt werden.

"My mother lie to me. She lied all this years about my father." – "About your father, what about your father?" – "My father... my father is Valentine"

Als erstes möchte ich mich gleich als Nicht-Bucher und Nicht-Film Kenner outen, so dass ich die Serie also ohne Vorwissen verfolge. Dementsprechend leicht verwirrend und sehr vollgestopft war für mich die erste Episode #1.01 The Mortal Cup. Und obwohl auch die aktuelle Episode immer noch mit großem Tempo vorwärts prescht, hat sie mir doch schon ein bisschen mehr Einblick und Erklärung in die Schattenwelt gegeben, wobei die Autoren hier meiner Ansicht nach immer noch den Fehler begehen und davon ausgehen, dass die Zuschauer wohl alle die Bücher gelesen oder den Film gesehen haben und somit ein bestimmtes Hintergrundwissen besitzen.

Eines was mir aber schon nach der Pilotfolge klar war, ist dass Valentine Clarys Vater ist. Die Zeichen dafür waren schon fast zu offensichtlich und somit muss man es den Machern zugute halten, dass sie dieses "Geheimnis" bereits jetzt aufgeklärt haben und etwas, das eigentlich klar ist, nicht noch lange hinausgeschoben haben, um es dann mit einem vermeintlichen Knall zu verkünden. Ob mir die Entwicklung mit Valentine als Clarys Vater gefällt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirklich sagen, kommt es hier doch nun sehr darauf an, wie die Macher mit dieser Tatsache umgehen. Momentan fühlt sich das ganze etwas Klischeehaft und schon zu oft dagewesen an, doch kann man daraus natürlich auch großartige Storylines schreiben, die viel Charakterarbeit beinhalten. Ich lasse mich hier also gerne überraschen und versuche hier nicht meine negativen Gedanken überhand werden zu lassen.

Auch Jocelyn und ihre "Lügen" gegenüber Clary sind mir momentan noch ein bisschen zu klischeehaft und ich komme nicht darum herum, an mehren Stellen Parallelen zu der Serie "The Secret Circle" zu ziehen, in welcher der Hauptfigur auch von er Mutter verschwiegen wurde, dass sie eine Hexe ist und sie es dann nach dem Tode derer herausgefunden hat und sich damit in Windeseile arrangieren musste, was mich auch gleich zum nächsten Part meiner Review führt.

"How you were not ultra freaking out about all of this?" – "I guess, I just always felt, like there was something missing..."

Simon stellt eigentlich genau die richtige Frage, die Frage welche ich mir bereits in der Pilotfolge gestellt habe und mir auch in der zweiten Episode auf den Lippen liegt. Wie kann sich Clary so schnell mit all dem, was um sie herum passiert, abfinden und sich darin so gut einfinden, dass sie sich bereits gegen Schattenjäger wie Alec, Izzy und Jace zu behaupten weiß und natürlich keine Probleme damit hat, die "Tortur" der stillen Brüder zu überstehen. Auch hier tun sich mir wieder Parallelen zu "The Secret Circle" auf, wo ich genau dasselbe bemängelt habe. Klar kann man den Hauptcharakter nicht ewig verwundert und geschockt rumstehen lassen, sondern muss ihn schnell in das Geschehen integrieren. Doch darf er doch mindestens mal zwei Folgen Zeit haben, sich damit abzufinden, was hier gerade rund um ihn passiert, dass es scheinbar Dämonen gibt, Warlocke, Vampire und sonstige mystische Wesen und dass sie selber jemand ist, der die bösen Wesen in dieser Schattenwelt bekämpft. Doch statt sich hier etwas auf die Charakterarbeit zu konzentrieren, steckt man Clary lieber sofort in ein schwarzes Lederkostüm und lässt sie völlig natürlich in der Welt der Schattenjäger hantieren und dies nur aus dem Grund, weil sie immer gedacht hat, dass irgendwie etwas fehlt.

Leider macht dies für mich Clary momentan noch sehr unsympathisch, von sich eigenommen und alles zu sehr auf sie fokussiert, jedoch ohne sich wirklich um die Zeichnung ihres Charakters zu kümmern. Eigentlich sehr schade, da hier doch gerade das meiste Potential vorhanden ist. So kann ich auch noch nicht wirklich beurteilen, ob Katherine McNamara die richtige Besetzung für diese Rolle ist, da sie eigentlich noch gar nicht viel schauspielerisches Können bieten musste und sich bei ihr eigentlich alles darauf beschränkt vorwärts zu preschen und sich ohne eine wirklichen Plan in der ihr unbekannten Welt zu bewegen.

"He's not a killer, he's protecting us." – "Especially you. That's sort of our thing" – "Thing? You guys have a thing?" – "He means the shadowhunter thing. That's what they do protecting humans from demons."

Dies könnte sich nun durch Simons Entführung ändern und hier besteht sicherlich die Chance dem ganzen wieder eine neuen Dynamik zu geben, nämlich indem Clary einsieht, dass sie durch ihr planloses, nicht an die Regeln haltendes Vorgehen andere gefährdet und sie sich vielleicht zuerst einmal mit der neuen Situation rund um sie auseinandersetzen sollte. Im Gegensatz zu Clary kann Simon dafür hundertprozentig überzeugen. Natürlich reagiert auch er viel zu gelassen auf die ganzen Neuigkeiten, aber im Gegensatz zu Clary hinterfragt er sie wenigstens und versucht das ganze mit Ironie zu begreifen. Damit kann ich doch sehr gut leben, zeigt es doch die Verunsicherung, die Ungläubigkeit über das Ganze sowie Überforderung.

Leider hat aber auch Simons Charakter einen fahlen Nachgeschmack und zwar ist es, das sich anbahnende Liebesdreieck zwischen ihm, Clary und Jace. Ich bin mir bewusst, dass Serien wie "Shadowhunters" zusätzlich zu anderen Elementen von solchen Liebesdreiecken leben, von daher stehe ich dem auch nicht durchwegs negativ gegenüber, doch muss es gerade so offensichtlich dargestellt werden, wie beispielsweise in der letzten Szene der Pilotfolge, in der Simon und Jace ja regelrecht an Clary reißen? Da war es in dieser Episode dann schon fast erfrischend, wie fasziniert Simon von Izzy war und somit für ein paar kleine Momente Clary schon fast vergessen hat. Solche Szenen dürfen die Autoren durchaus noch mehr einbinden, damit versperren sie sich den Weg für das Liebesdreieck ja nicht.

Momentan sieht es ja eher aus, als würde das Dreieck eher zu Jace Gunsten ausschlagen und Clary wird sich in romantischer Hinsicht ihm zuwenden und Simon einfach weiterhin als ihren besten Freund ansehen. Da ich Simon eigentlich von der ersten Sekunde an unglaublich mochte, finde ich das nicht mal so schlimm, da er mir beispielsweise mit Izzy viel besser gefällt als mit Clary. Zu Jace und Clary selber kann ich leider noch nicht wirklich viel sagen, was aber wohl vor allem an Clary liegt, mit der ich einfach noch nicht wirklich warm geworden bin. Abgesehen davon, dass auch Jace noch nicht wirklich viel Profil erhalten hat, was aber leider auf fast alle Charaktere zutrifft, finde ich ihn bis jetzt ziemlich interessant. Seine Vergangenheit und die Tatsache, dass Alex und Izzy ihn als vollständiges Familienmitglied ansehen, er sich aber wohl eher als Bürde betrachtet, bietet viel Stoff für gute Storylines und schöne Charakterarbeit. Leider hat er sich bis jetzt fast ein bisschen zu fest auf Clary konzentriert und ich hoffe er behält seine rebellische Art und wird nicht zu Clarys Schoßhündchen.

"The point is nothing is changed. We're in this fight together, there is just one more of us."

Neben Simon sind für mich momentan Alec und Izzy die mit Abstand interessantesten Charaktere und die Storyline um die drei Schattenjäger (Alex, Izzy und Jace) und ihre Zusammengehörigkeit scheint mir auch die spannendste zu sein, da sie im Gegensatz zu all dem anderen überhaupt nicht klischeehaft oder zu offensichtlich wirkt. Die Dynamik der drei gefällt mir sehr gut, denn obwohl sie sich gegenseitig kritisieren und sich kritisch gegen die Einstellungen und Handlungen des anderen äußern, merkt man in ihrem Umgang miteinander, wie nahe sie sich stehen. Jetzt da sich Clary in dieses Dreiergespannt "hineindrängt" bin ich gespannt wie sich die Dynamik ändern wird und wie die Drei mit dieser neuen Situation und mit den daraus entstehenden Spannungen fertig werden.

Obwohl man von Alec eigentlich noch am wenigstens gesehen hat und über seinen Charakter kaum etwas bekannt ist, außer, dass er wohl sehr gerne nach den Regeln spielt, scheint er mir momentan der interessanteste der drei zu sein. Vielleicht gerade, weil man von ihn noch so wenig weiß, das was bekannt ist, aber konsequent verfolgt wird. Auch Izzy gefällt mir sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass sich hinter ihrem Äußeren ein liebevoller und fürsorglicher Charakter versteckt, den sie aber wohl durch ihre sexy Kleidung und ihr anzügliches Verhalten zu verstecken versucht. Trotzdem kommt dieser liebenswerter Zug vor allem im Zusammenhang mit ihren "Brüder" zum Vorschein, aber auch in manchen Szenen mit Simon oder in der einen Sequenz mit Clary, als diese ihr gesteht, dass vor einigen Tagen ihre einziges Problem die Aufnahme in die Kunstschule war.

Randnotizen und persönliche Eindrücke

  • Welche Rolle spielt Luke in der ganzen Schattenwelt? Bei ihm bin ich weder ganz sicher auf welcher Seite er steht, noch was er genau ist. Eigentlich könnte das ja ganz spannend sein, wirkt auf mich leider momentan aber eher verwirrend.
  • Interessant sind auf alle Fälle auch die Warlocks. Welche Rolle spielen sie, außer dass einer von ihnen Jocelyns Verbündete ist und einer ihr geholfen hat, Clarys Erinnerung zu blockieren? Die Beziehung der Warlocks zu den Schattenjäger ist mir auch noch nicht so klar und ich bin mir nicht ganz sicher, ob man dies absichtlich noch im Unklaren lässt oder ob man hier davon ausgeht, dass der Zuschauer, durch die Bücher, darüber informiert ist.
  • Ich gehe jetzt mal anhand des Gebisses von Simons Entführer davon aus, dass es sich hier um Vampire handelt. Damit bringt man also bereits eine weitere Gruppe Bösewichte ins Spiel und es scheint als wären auch diese hinter dem Mortal Cup her. Dieser Cup muss dementsprechend wichtig sein und auch hier bin ich mir leider nicht ganz sicher, ob die Autoren ihn momentan nicht mehr thematisieren wollen oder das Wissen aus den Büchern beim Zuschauer voraussetzen.



Fazit

Für den Zuschauer, der weder die Bücher noch den Film kennt, wird das Tempo fast ein wenig zu fest angezogen und auf einige Sachen wird zu wenig eingegangen. Auch auf die einzelnen Charaktere wird zu wenig wert gelegt, so dass sie hauptsächlich noch zu blass und zu uninteressant wirken, was leider vor allem auf Clary zutrifft. Überzeugen können vor allem Simon, Alec und Izzy, wobei die zu offensichtlichen Andeutungen auf ein Liebesdreieck zwischen Simon, Clary und Jace, dem ersterem einen fahlen Nachgeschmack verleihen. Manchmal ist weniger mehr und ich würde mir wünschen, dass die Autoren für den Anfang ein bisschen Tempo aus der Serie nehmen und sich etwas vermehrt auf die Gefühle und Eigenschaften der Charaktere konzentrieren, denn neben dem Spiel zwischen Gut und Böse, welches sich in der Schattenwelt abspielt, gibt es in diesem Bereich unzählig potentielle Storylines auszuschöpfen.

Maria Schoch - myFanbase

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