Bewertung: 8

Review: #4.05 Eskalation

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Bekanntlich hat die Corona-Pandemie in diesem Jahr so einiges durcheinandergebracht, u. a. die Planungssicherheit, weswegen ich die Ankündigung Midseason-Finale diesmal auch nicht ernst nehmen konnte, denn nur ein positiver COVID-19-Test kann jegliche sorgfältige Planung ad acta führen. Doch bei "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" hat offenbar alles wie am Schnürchen funktioniert, denn diese letzte Episode vor der langen Pause bis in den März hinein hat die Titulierung Midseason-Finale definitiv verdient. Da bin ich ganz schön naiv in das Geschehen gegangen, nur um richtig erschüttert den Abspann anzugucken.

Die Episode war wahrlich nicht perfekt, denn erst ab der Mitte entfaltet sie ihre ganze Sogkraft, daher will ich erst die ganzen kleinen Dinge drum herum abarbeiten. Von den ganzen Handlungen, die uns in den letzten Wochen begleitet haben, ist diesmal nur ein Bruchstück drin gewesen, aber dennoch hatte ich fast durchweg das Gefühl, dass es nicht in die optimale Richtung geht. Bei Travis Montgomery müssen wir erstmal hinnehmen, dass offenbar nichts passiert ist, seitdem er seinen Vater Paul auf dessen Homosexualität angesprochen hat. Bei Andy Herrera und Robert Sullivan hat sich dagegen sehr viel getan. Nach wie vor werden sie von Sehnsucht gequält und dann braucht es nur ein Gespräch mit Sponsor Dr. Richard Webber, damit die Trennung zugunsten von Sullivans Erholung über den Haufen geworfen wird. Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass die beiden es tatsächlich die vollen 90 Tage aushalten, aber ich hätte mir dennoch eine sinnvolle Auseinandersetzung damit gewünscht. Zwar stimmt es, dass Andy nie etwas mit seinem Suchtverhalten zu tun hatte, dass sie also kein klassischer Trigger ist, aber dennoch gibt es gewisse Empfehlungen nicht umsonst. So wirkt der harte Weg zur Gesundheit ein wenig ins Lächerliche gezogen.

Bei Jack Gibson hatte ich gleich zu Beginn wieder einen typischen Augenroll-Moment, als er weiterhin hartnäckig behauptet, dass er und Inara nur Freunde seien. Nur gut, dass er sich wenige Stunden später selbst widerlegt hat, um mit ihr zu schlafen. Zwar ging es hier einen wichtigen Schritt vorwärts, aber die Reaktion der beiden danach, das verheißt nichts Gutes. Die Zeichen stehen definitiv nicht auf pures Glück. Jedenfalls hat Inara bei mir einen großen Schritt nach vorne gemacht, denn ihren Wunsch, den Moment noch ein wenig auszukosten, kann ich trotz einer gewissen Naivität sehr gut nachvollziehen kann.

Nun war nur noch Ben Warren vom restlichen Geschehen abgekoppelt, was wenigstens mit einer starken Story belohnt worden ist. Hier spielt nun rein, dass die Mutter von Dr. Miranda Bailey in "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" verstorben ist und er die leidvolle Aufgabe hat, Tuck deswegen informieren zu müssen. Natürlich hat dieser geschockt reagiert, denn in diesem aufwühlenden Jahr will niemand einen geliebten Menschen an die Krankheit verlieren und dann noch nicht mal würdig beerdigen können. Wie viele Menschen dann eben so sind, schlägt Tuck in seinem Schmerz um sich und stößt Ben mit den Worten weg, dass er gar nicht sein Vater sei. Das war völlig verständlich ein herber Schlag, denn ihre biologischen Verhältnisse waren ewig kein Thema mehr. Aber ich fand es schön, dass hier Bens Schwester Roz mal mehr ins Geschehen eingebunden wurde. Und sie erweist sich als wertvolle Ratgeberin, die vieles rund um verschiedene Formen von Trauer auf den Punkt bringt. Gleichzeitig schwingt in diesem Handlungsbogen auch eine scharfe Kritik an noch amtierenden amerikanischen Regierung mit. Man kann immer darüber streiten, ob das wirklich zu einer Unterhaltungssendung passt. Ich bin grundsätzlich immer dafür, aber da auch schon der andere große Handlungsbogen eine Kritik par excellence ist, war es mir etwas zu viel Generalabrechnung.

Kommen wir also nun zu dem großen zweiten Handlungsbogen, nach dem mich nicht mehr wundert, dass in der vergangenen Woche so intensiv dargestellt worden ist, wie es schwarzen Menschen auf gewissen Karrierewegen so ergeht. Diesmal war die Darstellung etwas allgemeiner gehalten, um dann aber an einem Punkt sehr speziell zu werden, denn es geht um das Verschwinden zahlreicher weiblicher Teenager mit schwarzer Hautfarbe, für die sich die Polizei aber nicht interessiert, während bei den weißen Gegenparts Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt wird. Ausgangspunkt für diese kritische Betrachtungsweise ist eine kleine Party bei Maya Bishop, um die guten Ergebnisse von Station 19 zu feiern. Da will ich noch kurz erwähnen, dass ich diese Idee völlig unverantwortlich fand. Sonst wird die Pandemie wirklich sehr vorbildlich abgebildet, aber wenn man denkt, dass gerade Bens Schwiegermutter gestorben ist, dass Marsha noch nicht völlig über den Berg ist, dass Ben und Miranda zur Sicherheit aller getrennt voneinander sind, dann ist das leider völlig höhnisch. Aber gut, sie brauchten offenbar einen Ausgangspunkt, dennoch: Den hätte man sicherlich auch anders hinbekommen.

Nun also zur eigentlichen Handlung, in die gerade gestartete Partygesellschaft darauf aufmerksam wird, dass eine Frau befürchtet, dass ihre Tochter und deren Freundin von einem weißen Mann in seinem Haus festgehalten werden und dass es offenbar im vergangenen Jahr ein regelrechtes Muster gegeben hat, für das sich aber niemand interessiert. In diese Situation kniet sich besonders Dean Miller hinein, der den Kampf gegen seine Hautfarbe schon lange genug führt, der aber auch durch seine Tochter Prue eine ganz neue Bürde vor Augen hat. Daher konnte ich es absolut nachvollziehen, dass er sich sofort mit Mutter Joyce identifizieren konnte und ihre Sorge zu seiner wurde. Manchmal finde ich es schade, dass dann auch Kollegen wie Maya oder Jack als vorurteilbehaftet dargestellt werden, obwohl wir sie schon in zig Einsätzen erlebt haben, wo Hautfarbe nie eine Rolle gespielt hat. Gut, das soll wohl unterstreichen, wie wenig Weiße diese Situation nachvollziehen können, aber wirklich zu den betroffenen Figuren passt es eben auch nicht.

Aber abseits von diesen Momenten, wo man zu deutlich merkt, wie eine solche Episode konstruiert wird, um Botschaften zu senden, bin ich wirklich beeindruckt, wie eindrücklich dieser Fall dargelegt wurde. Zwar hat man es im amerikanischen Fernsehen in diesem Jahr und im Jahr davor sehr häufig dargeboten bekommen, wie weiße Polizisten Racial Profiling betreiben, aber hier war die spezifische Situation der beiden Mädchen noch ein besonderer Zusatz. Oft erleben wir es so, dass ein großer, schwarzer Mann von weißen Polizisten angehalten wird, doch hier geht es um zwei Jugendliche, die noch völlig kindlich daherkommen, die aber trotzdem ohne viel Aufheben als Täter inszeniert werden. Zumal ich diese Entwicklung auch nicht erwartet habe. Ich habe damit gerechnet, dass es zu einem Wettrennen mit der Zeit wird, Jada und Shanice aus dem Keller des Mannes zu retten. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass drei weiße Männer die Geschichte völlig umdrehen und die beiden verängstigten Mädchen zu den Übeltätern machen, die eingebrochen sind und ein Feuer gelegt haben. Alleine das war schon hart mitanzusehen, denn im Hinterkopf war mir stets bewusst, dass es ständig draußen in der Welt um Inszenierung geht und wer seine Geschichte am glaubhaftesten verkaufen kann.

Doch als wäre das nicht schon heftig genug, wurde es nur noch schlimmer und schlimmer. Während es noch ein bezeichnender Moment war, dass Dean und Sullivan gemeinsam ins Haus laufen, um die Mädchen zu retten, weil sie trotz ihrer Konflikte in diesem Punkt auf einer Seite stehen, war es dann kaum noch möglich, mit trockenen Augen mitzuverfolgen, wie der Konflikt zwischen Polizei und Feuerwehr eskalierte. Erst wird Mutter Joyce verhaftet, weil sie den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ihr Kind Jada, gerade erst aus der Hölle befreit, beschuldigt wird. Dann trifft es nach und nach Dean und Sullivan. Während dieser letzten zehn Minuten sitzt man mehr oder weniger mit offenem Mund vor dem Bildschirm und würde gerne eingreifen, doch es geht nicht, man wird gezwungen, bis zum bitteren Ende untätig zuzusehen. Das ist für mich ein Paradebeispiel, wie gutes Fernsehen gehen muss. Man mag zwar nicht, was man sieht, aber es ist so eindrücklich inszeniert, dass es einen nicht mehr loslässt, Hut ab!

Dennoch ist diese hoffnungslose Aussicht kurz vor dem eigentlich besinnlich gedachten Weihnachtsfest ein echter Stimmungskiller. Vor allem angesichts der Aussicht, dass nun drei Monate keine neue Episode zu erwarten ist. Aber insgesamt fand ich es wichtig, eine solche Thematik zu bringen. Deswegen hoffe ich sehr, dass die Nachwirkungen dieser Episode ebenso qualitativ sitzen, denn hiernach wäre es völlig vertan, wenn man die legalen Probleme für Dean und Sullivan einfach unter den Tisch fallen lassen würde.

Fazit

"Seattle Firefighters" verabschiedet sich doch tatsächlich mit einem Paukenschlag aus dem Jahr 2020, um nun für drei Monate in Pause zu gehen. Die Wartezeit wird nach dieser eindrücklichen Episode verdammt lang sein, aber für sich gesehen war die Folge all das wert. Es gab sicherlich ein paar Kritikpunkte, gerade in den kleineren Nebenhandlungen, aber diese bleiben hiernach niemandem nachhaltig in Erinnerung. Die bekümmernde Darstellung von Racial Profiling ist ohne Frage das Herzstück und das hat gesessen.

Lena Donth – myFanbase

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