Bewertung: 8

Review: #4.04 Kein Blick zurück

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Nachdem "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" wirklich gut aus den Startlöchern gekommen ist, hat sich die qualitative Entwicklung seitdem Woche um Woche vermindert, was vor allem an fragwürdigen Entscheidungen, schwacher Charakterarbeit und der Corona-Pandemie liegt, die zwar realistisch dargestellt wird, aber sich auch zunehmend behindernd erweist, weil man ahnt, dass sich ohne Pandemie schon längst viel mehr getan hätte. Nur gut, dass in dieser Woche die Mischung wieder deutlich besser passt, denn das ist nach diesen Durchhängern nötig gewesen.

Diesmal hat mir vor allem gefallen, dass die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sinnvoll genutzt wurden. Bei der Mutterserie "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" hat es direkt Infektionen bei den Hauptfiguren gegeben, bei "Seattle Firefighters" hat man dagegen eher gezaudert. Nun hat es mit Marsha eine Nebenfigur getroffen, aber dennoch empfinde ich es als wichtiges Zeichen. Zumal sie eben zur klassischen Risikogruppe gehört, was ihrer Ansteckung eine schärfere Dramatik verleiht. So ganz nebenbei sind dabei auch kleinere Themen wie die Testung, die Maskenprobleme bei Gehörlosen, die nicht mehr Lippen lesen können und Emmett Dixon, der eine neue Aufgabe gefunden hat, die ihn erfüllt, angestoßen worden. Viel entscheidender war für mich aber, dass Jack Gibsons Verhältnis zu der Kleinfamilie damit wieder einen Schritt nach vorne gehen durfte. Das war in den letzten Wochen auf einer Stelle verharrt, so aber hat man diesmal deutlich gemerkt, dass es auch schon längst seine Familie ist und er fast musterhaft in die Rolle des Vaters schlüpft. Auch wenn es noch etwas brauchen wird, den Zuschauer wirklich eng an Figuren wie Inara und Marcus zu binden, so spürt man eben auch, dass für Jack sich etwas zusammenfügt, was er sich immer ersehnt und was er auch verdient hat. So war die abschließende Szene, wie sich Marcus zum Schlafen neben Jack aufs Sofa legt, sehr berührend. Dennoch drücke ich natürlich die Daumen, dass Marsha überlebt, auch wenn das Zusammenleben danach wieder neu justiert werden muss.

In der letzten Episode wurde bereits minimal angedeutet, dass Dean Miller nicht glücklich mit Robert Sullivan als Kollege ist. Diesmal bleibt es nicht bei Andeutungen, sondern der Disput wird offensiv angegangen. Lange habe ich mich gefragt, was Dean wohl konkret stört und habe mich als blauäugig empfunden, als es natürlich darum ging, dass Sullivan in seinen Augen das schwere Erbe für schwarze Menschen mit Füßen getreten hat. Bislang war Rassendiskriminierung bei "Seattle Firefighters" kein großes Thema, weil Station 19 von Anfang an eine eingeschworene Gemeinschaft war, wo es Mobbing wegen Sexualität, Hautfarbe etc. gar nicht gegeben hat. Vielleicht kam es daher für mich überraschend, aber in sich ist es logisch. Hier hat mir besonders gefallen, dass mit den beiden Männern, aber auch mit Ben Warren und Victoria "Vic" Hughes alle schwarzen Figuren ihre Sichtweise darlegen durften. Es war also ein Konflikt innerhalb einer Rasse, was man tatsächlich nur selten erlebt, ist es doch meist schwarz gegen weiß. So fand ich es aber spannend mitzuverfolgen, wie auch innerhalb einer Gemeinschaft die Meinungen auseinandergehen können. Am Ende gibt es auch keine finale Lösung, was ich in der Konsequenz richtig finde, denn jeder hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Erfahrungen gemacht, so können sie eins sein und doch anders sein. Etwas schade fand ich nur, dass dieser Konflikt dafür sorgte, dass Sullivans erster Einsatz als rangniedrigster ausgesetzt wurde. Ich hatte erwartet, dass seine Anpassungsschwierigkeiten an die neuen Umstände zum Problem werden würden.

Während Dean dadurch motiviert wird, seine Karriere voranzutreiben (warum auch nicht?), ist es für Sullivan natürlich trotzdem ein Rückschlag, denn nachdem er Station 19 als Auffangstation erlebt hat, hatte er sich den Einstieg wohl leichter vorgestellt. Zudem gibt es da eben auch noch Andy Herrera und die körperliche Nähe zu ihr. Ich fand, dass die sexuelle Spannung zwischen ihnen wirklich sehr gut transportiert wurde, weswegen ich umso stolzer bin, dass sie sich voneinander fernhalten konnten. Denn ich denke wirklich, dass diese emotionale Distanz Sullivan auf Dauer helfen kann. In dem Zusammenhang möchte ich auch Andy loben, die für mich bislang die beste Andy aus vier Staffeln ist. Ich habe mich oft sehr schwer mit ihr getan, aber seit dem Tod ihres Vaters Pruitt Herrera und die Offenbarung rund um ihre Mutter Elena scheint sie sich besonnen zu haben. Ihr gelingt es gut, Abstand von Sullivan zu halten und dennoch für ihn da zu sein. Aber auch als Freundin hat sie einen riesigen Sprung nach vorne gemacht. Wie sie diesmal genau die Antennen rausgefahren hatte, dass Maya Bishop ein offenes Ohr braucht und sie ihr das genau gegeben hat, das war wirklich gut. Teilweise erinnere ich mich nämlich noch, als wäre es gestern gewesen, wie eigentlich jedes Gespräch zwischen den beiden irgendwann auf Andys Probleme zurückführte. Ihre Situation erschien so immer viel dramatischer als die von Maya. Aber von diesem Egoismus ist aktuell nichts zu spüren. Weiter so!

Nur bei Maya und Carina DeLuca ist immer noch Stillstand für mich. Offenbar war der Einzug von Andy kein Problem für Carina, während Maya ein riesiges Drama daraus macht, dass ihre Freundin die gemeinsame Wohnung auch nach eigenen Vorstellungen einrichtet. Zwar passt es auf Mayas Charakter und ich kann auch verstehen, dass man damit ihr Trauma mit ihrem Vater aufräumen will, aber dennoch kann sie dabei nur schlecht wegkommen. Spätestens, als sie von Carina erklärt bekommen hatte, warum sie so viele italienische Akzente setzt, stand Maya doch wie eine unsensible Idiotin da. Ich finde es schade, dass man inzwischen dauernd die Sorge haben muss, dass Maya beim kleinsten Zeichen schon wieder ihre Beziehung in Frage stellt. Zudem ist es mir zu einseitig, immer nur sie als Buh-Frau darzustellen. Entweder Carina bekommt endlich mal das, was eine Hauptfigur verdient hat oder ihre Beziehung muss ein paar Episoden lang mal Konstanz gegönnt bekommen.

Apropos Beziehung: ob es ein neues Liebesglück für Vic gibt? Natürlich ist man als eingeschweißter Fan eigentlich dafür, dass sie und Dean zusammenfinden, aber mir war eigentlich klar, dass das nicht auf direktem Wege geschehen würde. Dementsprechend finde ich Theo Ruiz erstmal spannend. Ihre gemeinsamen Szenen beim Laufen und vor allem ihr Gespräch mit heftigem Flirten hat mir richtig Freude bereitet, denn das sind genau die passenden Szenen für Vic. Die kann zwar auch sehr emotional werden, aber eine gewisse Komik in übertriebener Dramatik kann sie genauso gut.

Abschließend kommen wir noch zu Travis Montgomery, bei dem es auch lange nach Stillstand aussah. So hat er seit dem Moment, als er erfahren hat, dass sein Vater offenbar auch schwul ist, nichts unternommen, außer seinen Ärger an den Patienten der jeweiligen Einsätze auszulassen. Auch diesmal nimmt ihn das angeblich gläubige Pärchen, das aber unter hartem Drogenkonsum völlig neben sich steht, sehr mit. Nicht nur, dass er eine Verletzung an der Nase davonträgt, sondern er wird in eine Glaubenskrise gestürzt. Travis ist gläubig erzogen worden und man merkt eigentlich auch, dass er seinen Glauben trotz allem noch für sich bewahrt hat, dass er aber von der Institution Kirche bitter enttäuscht ist. Sein Monolog im Gespräch mit Vic war herzzerreißend, weil es den Gedanken von so vielen Menschen auf den Punkt bringt, die sich aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen fühlen, wo sie sich eigentlich geborgen fühlen wollen. Solche Szenen kann aber auch nur Jay Hayden so spielen. Deswegen bin ich froh, dass er seinem Vater gegenüber nun wenigstens anspricht, dass er um seine Homosexualität weiß. Das wird in die Sache Bewegung bringen.

Fazit

"Seattle Firefighters" hat diesmal eine deutliche Verbesserung gezeigt. Mit der Erkrankung von Marsha an COVID-19 ist das Virus auch hier nun ein deutlich sichtbarer Begleiter und die Umsetzung ist zeitlich passend, auch für die Weiterentwicklung von Jack. Ansonsten war ich nur bei Maya enttäuscht, der Rest wiederum hat mich aus sehr unterschiedlichen Gründen überzeugen können. Mal gab es was zum Schmunzeln, mal gab es was zum Tränchen verkneifen, mal gab es etwas zum Nachdenken. Die Mischung ist diesmal Trumpf.

Lena Donth – myFanbase

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