Bewertung: 6

Review: #1.10 Keine Helden

Für das Staffelfinale von "Seattle Firefighters" hat man sich einen großen Feuerwehreinsatz aufgehoben, an dessen Ende so gut wie alle in Gefahr schweben. Es macht zwar Sinn, die Staffel spannungsgeladen abzuschließen, doch etwas weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen.

Not Your Hero

Das Intro in diese Episode bietet ein paar Ausblicke auf den gefährlichen Einsatz, in den die Feuerwehrleute sich dieses Mal stürzen werden, doch der Start in den Fall der Woche lässt ein wenig auf sich warten und man nutzt das angedachte Captain-Gespräch geschickt als Vorwand, um dem Zuschauer zu erklären, wie groß der Brand ist. Fast jeder Feuerwehrmann wird zu dem Einsatz gerufen und den Feuerwehrleuten auf Station 19 juckt es förmlich in den Fingern, bis sie ebenfalls einbestellt werden. Es erschien mir etwas merkwürdig, dass Station 19 gefühlt Stunden nach Brandausbruch am Ort des Geschehens ankam, dort aber scheinbar noch keine Fortschritte gemacht wurden. Wo waren die ganzen Einsatzkräfte und was hatten sie bis zu diesem Zeitpunkt erreicht? Scheinbar nicht viel, denn es waren noch unzählige Zivilisten im Gebäude, das Feuer wütete und auch die betroffenen Etagen wurde bisher nur halbherzig inspiziert. Meine Verwunderung wuchs an, als sich das Team dann auch noch auf vier verschiedene Schauplätze aufteilte, Chief Ripley aber Andys Qualitäten als Captain lobte. Wobei hatte er sie gesehen? Wie sie die hinkende Dearborn zu ihm brachte? Alles in allem wirkte der Einsatz auf mich recht undurchdacht, was am fragwürdigen Evakuierungsplan lag. Abgesehen davon lief die Handlung bei jedem Zweier-Trupp auf einen Cliffhanger hinaus, teilweise mit ein paar Offenbarungen, die an anderer Stelle vielleicht passender gewesen wären. So verstehe ich nicht, warum Dean Jack gerade in diesem Moment seinen Fehltritt von zuvor gestehen musste oder weshalb es wichtig war, dass Maya ausgerechnet mit Dearborn einen One-Night-Stand hatte. Beides für sich genommen hätte einen interessanten Handlungsbogen ergeben können, wenn man sich fragt, wie die Reaktion von Jack im ersten und die von Andy in zweiten Fall ausgesehen hätten. Es bleibt den Beteiligten jedoch nicht die Zeit, darauf wirklich einzugehen.

Welcher Cliffhanger, der uns präsentiert wurde, ist der spektakulärste? Schwer zu sagen, denn auch allein hätten man jeden auf spannende Weise im Staffelfinale platzieren können. Dass wir es nun aber gleichzeitig mit einer Explosion, einem in der Brust steckenden Glasstück, einem Herzstillstand, einem feststeckenden Fahrstuhl und einem lodernden Feuer zu tun bekommen, ist einfach zu viel des Guten. Alle Einsatzkräfte von Station 19 schweben in Lebensgefahr und auch wenn man sich durch die zehn Episoden umfassende erste Staffel recht gut mit ihnen angefreundet hat, ist es nicht so, dass ich eine Figur schon so sehr ins Herz geschlossen habe, dass ich ihren Verlust als tragisch empfinden würde. Es ist einfach zu unglaubwürdig, dass sowohl Travis als auch Jack und Pruitt in unmittelbarer Lebensgefahr schweben, man kann sich nicht vorstellen, dass alle drei auf einen Schlag das Zeitliche segnen werden. Gleichzeitig stelle ich mir die Variante, dass alle auf wundersame Weise überleben, aber auch sehr ernüchternd vor. Somit wird man wohl den Mittelweg gehen und einen der drei Feuerwehrmänner aus dem Rennen nehmen. Ich bin durchaus gespannt, wer das sein wird, leidtun würde es mir allerdings nur um Jack, da wir von Pruitt und Travis einfach noch nicht so viel gesehen haben. Was Jack angeht, so gönnte man ihm sogar noch eine schöne Szene mit Andy, wodurch es umso wahrscheinlicher wirkt, dass er die Explosion nicht überlebt hat.

Der nächstwahrscheinliche Todeskandidat ist Travis. Seine Verletzung könnte bestimmt behoben werden, doch man steckt Ben hier in eine unmögliche Situation, in der er sich entscheiden muss, welches Menschenleben er retten wird. Zur Wahl steht neben Travis, zu dem Ben in dieser Episode eine engere Beziehung geknüpft hat, Molly. Es macht die Sache um einiges interessanter, dass man uns Molly erst ein wenig sympathisch gemacht hat, wodurch man als Zuschauer natürlich nicht möchte, dass das nette Mädchen stirbt. Der Gedanke, dass man gerade erst eine Liebesgeschichte für Travis aufgebaut hat und diese nun zerstört, indem man Travis sterben lässt, wirkt etwas abwegig, weshalb ich noch nicht recht glauben kann, dass Ben es nicht schaffen wird, Travis das Leben zu retten.

Dann haben wir da auch noch Pruitt, der reglos von Miranda und Ryan vorgefunden würde. Auf ihn könnte ich am ehesten verzichten, da er aufgrund seiner Krebserkrankung sowieso schon mit einem Bein im Grab stand und für die Handlung keine große Bereicherung war. Alles in allem war es mir jedoch entschieden zu viel Drama und todbringende Szenarien.

Randnotizen

  • Seltsam, dass wir schon wieder Andy als Captain gesehen haben. Ich habe das Gefühl, dass uns Jacks Zeiten als Leiter der Feuerwache ziemlich vorenthalten wurden.
  • Kurz sprach man an, dass Ben einen wichtigen Meilenstein erreicht und 50 Feuer gelöscht hat. Es war schön zu sehen, dass er langsam nicht mehr als Neuling gilt. Unterstrichen hat man dieses Gefühl, indem Travis Ben an seinen Ängsten bezüglich Grant teilhaben lies.
  • Vic scheint ihre Angst vor Feuer tatsächlich überwunden zu haben. Als sie den Flammen nun ins Gesicht blickte, war jeder Funke von Furcht aus ihren Augen verschwunden. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass man die Geschichte so schnell abschließt.
  • Es gab noch eine kurze Aussprache zwischen Andy und Pruitt, in der Andy ihrem Vater genau das gesagt hat, was der Zuschauer sich nach seiner Äußerung bezüglich eines neuen Captains bereits gedacht hatte. Überraschenderweise fand ich Pruitts Erwiderung recht nachvollziehbar.
  • Vanessa Marano hat mir in ihrer Gastrolle nicht sonderlich gut gefallen, da ihr die zurückhaltenden Charakterzüge nicht sehr gut gestanden haben



Fazit

Staffel 1 von "Seattle Firefighters" geht mit eine viel zu großen Knall zu Ende. Zwar bringt man uns auch das Gefühlsleben der Charaktere näher, doch um ernsthaft mit ihnen allen zu bangen, kennt man sie einfach noch nicht gut genug.

Marie Florschütz - myFanbase

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