Bewertung: 6

Review: #4.08 Was nun?

Auch die Folge nach dem Überfall auf Charlotte und deren Vergewaltigung ist natürlich durch diesen Vorfall geprägt und ist erneut dank einer sehr guten schauspielerischen Leistung von KaDee Strickland absolut sehenswert. Die anderen Handlungsstränge, welche in dieser Episode aufgegriffen wurden, konnten leider nicht genauso überzeugen und machten eher den Eindruck, als hätte man nicht gewusst, wie man die Lücken zwischen den einzelnen Szenen des Handlungsstranges rund um Charlotte füllen sollte.

"I don't want chemo"

Pete und Cooper geraten wieder einmal über alternative Behandlungsmethoden aneinander, als ein Vater seine Tochter lieber zu einer Schamanin schickt, anstatt sie durch die Schulmedizin, sprich Chemotherapie, behandeln zu lassen. Natürlich steht Pete dieser alternativen Behandlungsmethode viel offener gegenüber als Cooper, welcher auf die Schulmedizin vertraut und schlussendlich dem Vater droht, mittels Gerichtsbeschluss die Chemotherapie durchzusetzen.

Die Storyline hätte mich nicht einmal so gestört, wäre es nicht eine Wiederholung von etwas gewesen, das bei "Private Practice" schon mehrmals thematisiert worden ist. Nämlich, dass Pete und Cooper sich betreffend alternativer Behandlungsmethoden immer wieder in die Haare geraten. Deswegen fand ich es schade, dass das Augenmerk mehr auf die Uneinigkeit zwischen Cooper und Pete gelegt wurde, als auf die schwierige Situation, in der die Patientin steckt. Zum Schluss wird nämlich klar, dass das junge Mädchen überhaupt nicht an die Schamanin glaubt, sondern sich nur nicht mehr der Chemotherapie unterziehen will, weil es weiß, dass diese Behandlung ihre Familie finanziell ruiniert. Mich hätte eher interessiert wie Pete und Cooper mit dieser Information umgehen und wie sie versuchen zusammen eine Lösung zu finden, wie sie dem Mädchen und dessen Familie helfen können, anstatt sich erneut über ihre verschiedenen Behandlungsmethoden zu streiten.

"I do nothing for you anytime you know that right?" – "I do"

Sheldon entwickelt sich immer mehr zu meinem Lieblingscharakter bei "Private Practice". Es gibt selten etwas, was ich an seiner Art auszusetzen habe und meistens finde ich, dass er der Einzige der Praxispartner ist, der nicht seine Gefühle, sondern seine Fachkenntnisse in den Vordergrund stellt und auch seine Entscheidungen danach trifft. Auch in dieser Episode wurde ich von ihm nicht enttäuscht und zwar im Bezug auf beide Handlungsstränge, in welche er involviert war; denjenigen mit dem Ehemann, der alles für seine kranke Ehefrau macht und denjenigen mit Charlotte.

Mir hätte die Storyline rund um Rachel und Nick sehr gut gefallen, wenn man wirklich auf die Gefühle der beiden Ehepartner eingegangen wäre und sich mit der Situation, in der die beiden stecken, auseinandergesetzt hätte. Leider hatte ich das Gefühl, dass man mit diesem Handlungsstrang nur eine Unterbrechung der Szenen rund um Charlotte erreichen wollte und deswegen darauf geachtet hat, dass die Story oberflächlich bleibt und damit nicht droht, den Handlungsstrang um den Angriff auf Charlotte zu überschatten. Grundsätzlich finde ich diese Überlegung gut, denn ich fand es wichtig, dass das Hauptaugenmerk auch dieses Mal auf Charlotte lag. Doch meiner Ansicht nach hätte man in dieser Episode lieber die anderen Handlungsstränge weggelassen und sich nur auf Charlottes Gefühle nach dem Angriff und auf die Reaktionen ihrer Praxispartner beschränkt.

Trotz der oberflächlich gebliebenen Storyline hat mir Sheldons Rolle darin sehr gut gefallen. Er schafft es, auch dieses Mal mit seiner geduldigen und unaufdringlichen Art das zu erreichen, was für seine Patienten das Beste ist. Den geduldigen, abwartenden und unaufdringlichen Charakterzug wendet er auch im Bezug auf Charlotte an und es scheint zu funktionieren. Denn Sheldon ist der Einzige, der von Charlotte ein Dankeschön zu hören kriegt und es würde mich nicht überraschen, wenn er die Person wäre, gegenüber der sich Charlotte öffnen wird. Ich fände eine solche Wendung sehr interessant, vor allem da Sheldon weiß, wer der Vergewaltiger von Charlotte ist und damit unweigerlich in einen Konflikt gerät. Doch ich bin überzeugt, dass Sheldon auch diesen Konflikt professionell lösen kann, den ersten Schritt dazu hat er schon getan, indem er zur Polizei gegangen ist, um dort zu erreichen, dass Charlottes Vergewaltiger angeklagt wird.

"Charlotte what happend?" - "Would yo go to a meeting with me?"

Wie schon in der letzten Folge #4.07 – Was mit Charlotte King geschah, hat es KaDee Strickland mit ihrer schauspielerischen Leistung auch dieses Mal geschafft, dass sich in mir während dem Schauen der Folge ein Wechselbad von Gefühlen abspielte. Einerseits verspüre ich natürlich Mitleid mit Charlotte, weil ihr so etwas schlimmes wiederfahren ist, anderseits regt sich jedoch auch etwas Wut gepaart mit Unverständnis in mir, weil sie alle, die ihr helfen wollen, mit ihrer rüden Art abweist und schließlich leide ich mit ihr mit, wenn sie die Starke spielt, die sie eigentlich zur Zeit überhaupt nicht ist und zum Schluss schafft sie es noch, dass mir das Herz bricht, als sie völlig verzweifelt und zerbrochen Amelia aufsucht und sie bittet mit ihr zu einem Treffen der Anonymen Alkoholiker zu gehen.

Das Schlimmste an Charlottes Situation war für mich zu sehen, dass sie unbedingt Hilfe braucht, sich aber von niemandem helfen lassen will. Natürlich würde sie am liebsten alles vergessen und zu der Zeit vor dem Angriff zurückkehren, doch leider ist dies nicht möglich und egal wie sehr Charlotte versucht wieder in den Alltag zurückzukehren, es funktioniert einfach nicht. Es wird ihr über kurz oder lang nichts anderes übrig bleiben, als sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen und ich glaube am Schluss dieser Folge hat sie dies teilweise realisiert, was bei ihr zu einem Wutausbruch und schlussendlich zu purer Verzweiflung führt. Und auch wenn es nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist, zum Schluss bittet sie zum ersten Mal seit dem Überfall um Hilfe, als sie Amelia aufsucht und sie bittet, mit ihr zu dem Treffen zu gehen.

"I need you close by me, but don't touch me."

Cooper ist neben Charlotte sicher derjenige, der unter der Situation am meisten leidet. Abgesehen davon, dass er sich mit Vorwürfen plagt, weil er seine Verlobte nicht beschützen konnte, kämpft er nun auch noch damit, dass Charlotte sich partout nicht von ihm helfen lassen will und sich ihm gegenüber gefühlsmäßig total verschließt. Aus Charlottes Sicht ist diese Reaktion natürlich vollkommen verständlich, vor allem wenn man bedenkt, dass der Überfall noch eine Vergewaltigung beinhaltet. Diese Tatsache, von der Cooper jedoch nach wie vor nichts weiß, trägt sicherlich dazu bei, dass sich Charlotte zur Zeit in der Gegenwart eines Mannes, auch wenn es sich bei diesem Mann um ihren Verlobten handelt, absolut unwohl fühlt.

Die Beziehung von Charlotte und Cooper wird durch diesen Vorfall extrem auf die Probe gestellt und sobald er von der Vergewaltigung erfahren wird, was zweifellos früher oder später der Fall sein wird, wird sich die Belastung auf die Beziehung noch erhöhen. Cooper wird sich sehr wahrscheinlich noch mehr Vorwürfe machen und Charlotte muss daran arbeiten wieder eine körperliche Beziehung zu einem Mann aufzubauen. Und dies alles während Charlotte einen Vorfall verarbeiten muss, über den sie wahrscheinlich nicht mit Cooper reden kann. Ein wirklich sehr interessanter Handlungsstrang, der den Zuschauern von "Private Practice" sicherlich die eine oder andere schmerzhafte, jedoch hoffentlich auch gute Szene bescheren wird.

"... but I didn't reported." – "That's illegal. Why would you... because Charlotte made you promise."

Addison befindet sich in einer Zwickmühle zwischen den beruflichen Vorschriften und der Nähe zu dem Opfer. Auch dies ist eine sehr interessante Storyline, die von mir aus ruhig noch um eine weitere Folge hätte ausgedehnt werden können, so dass Addisons innere Zerrissenheit noch etwas besser zum Ausdruck hätte kommen können. Bis jetzt hatte ich eher das Gefühl, dass Addison vor allem mit jemandem über das Geschehen sprechen musste, was auch absolut verständlich ist. Charlotte lässt sie nicht an sich ran und Addison kann nicht damit umgehen, dass sie die Einzige ist, die über den wahren Vorfall Bescheid weiß, Charlotte aber nicht helfen kann. Somit ist Addison die Erleichterung anzumerken, als sie es endlich schafft Sam die Wahrheit zu gestehen.

Sams Reaktion ist diejenige, die ich eigentlich von Addison erwartet hätte. Er bringt nämlich, ohne sein Wissen über das wirklich Vorgefallene preiszugeben, Violet dazu, sich mit Charlotte zu unterhalten, beziehungsweise erst einmal einen Versuch zu einer Unterhaltung zu starten. Dadurch ist mir wieder einmal klar geworden, dass Addison immer mehr in die Rolle der Person fällt, die jemanden braucht, der ihr die Entscheidungen abnimmt und für sie teilweise sogar unangenehme Dinge erledigt. Diese Entwicklung ihres Charakters kann ich weder nachvollziehen, noch begrüßen. Auch aus diesem Grund fand ich es schade, dass sie sich mit Sams Hilfe schon zu Ende dieser Episode dazu entscheidet, Charlottes Probe an die Polizei zu übergeben. Viel interessanter wäre hier doch gewesen, wenn Addison sich noch etwas länger mit der Frage auseinandersetzten hätte müssen, was für sie nun wichtiger ist, beziehungsweise wie sie Charlotte besser helfen kann, indem sie eine berufliche Regel verletzt, die Probe verschwinden lässt und damit Charlottes Wunsch nachkommt oder indem sie sich für den legalen Weg entscheidet und somit ein Versprechen, welches sie Charlotte gegeben hat, nicht einhält.

"Talk to Charlotte, she needs help and you are a shrink, so do what shrinks do."

Violets Reaktion auf den Überfall auf Charlotte und die damit verbundene Vergewaltigung wäre grundsätzlich die interessanteste von allen gewesen und hätte meiner Ansicht nach, das größte Potential zu einem guten Handlungsstrang gehabt. Schließlich wurde Violet selber schon einmal Opfer eines Überfalls, sowie einer Vergewaltigung. So müssten die neusten Ereignisse bei Violet doch Erinnerungen und Gefühle hervorrufen. Erinnerungen werden wach, so erwähnt Violet schon in der Folge #5.07 – Was mit Charlotte King geschah, dass sie nicht mit Charlotte sprechen kann, da sie dies alles zu sehr an ihr eigenes Erlebnis erinnert und auch als sie realisiert, dass Charlotte vergewaltigt wurde, hat dies bei Violet zur Folge, dass sie Pete endlich gestehen kann, dass auch sie einmal vergewaltigt worden ist.

Was meiner Meinung bei Violet fehlt, ist die emotionale Komponente. Für mich reagiert Violet viel zu professionell, fast so, als wisse sie aufgrund ihres Berufes, wie eine Vergewaltigung sich auf eine Frau auswirkt und nicht aus eigener Erfahrung. Auch wenn man bedenkt, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass Violet kaum ihren Beruf ausüben konnte, da sie noch so sehr unter den Folgen des Überfalls gelitten hat, reagiert sie meiner Ansicht nach zu gelassen auf die Situation, in der Charlotte zur Zeit steckt. Ich weiß nicht genau was ich für eine Reaktion von Violet erwartet habe, aber auf jeden Fall habe ich mir gewünscht, dass sie emotionaler reagiert, und dass sich aus dieser Reaktion ein Handlungsstrang zwischen Violet und Charlotte entwickeln kann, der nicht auf ein Verhältnis zwischen Arzt und Patient zusteuert, sondern auf eins zwischen zwei Frauen, die beide etwas unglaublich Schlimmes durchgemacht haben.

Fazit

Der Handlungsstrang rund um Charlottes Überfall hätte längstens für diese Folge ausgereicht und man hätte ruhig die anderen beiden Storylines zur Seite legen können und sie zu einem späteren Zeitpunkt mit mehr Tiefe in die Serie einbauen können. Charlotte war für mich die tragende Figur in dieser Episode und ihrem Charakter ist es zu verdanken, dass diese Folge, mit dem sicherlich nicht einfachen Thema Vergewaltigung alles andere als voraussehbar, langweilig oder unemotional wirkte.

Maria Schoch – myFanbase.de

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