Bewertung: 7

Review: #6.10 Der Retter ist weit und das Böse bereit

Was wäre, wenn es den dunklen Fluch niemals gegeben hätte? Wenn Storybrooke niemals existiert hätte und Emma im Märchenland aufgewachsen wäre? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Märchenserie in ihrem mittlerweile sechsten Winterfinale, obwohl diese Ausganssituation auch eine tolle Idee für das Serienfinale gewesen wäre.

"Genie of Agrabah. I wish that Emma Swans wish to have never been the savior be granted!"

Kurz nachdem Aladdin sich freiwillig in einen Dschinni verwandelt hat, war abzusehen, dass gleich in dieser Folge die ersten Konsequenzen dieser Verwandlung spürbar werden. Wie ich bereits vermutet habe, macht sich die Böse Königin dies zu Nutze und bringt die Wunderlampe und somit den Dschinni in ihre Gewalt. Im Verlauf der Folge wurde es schon fast ein wenig lächerlich, dass gefühlt alle zehn Minuten ein Anderer im Besitz der Wunderlampe und somit der neue Meister von Aladdin war, aber darauf will ich jetzt nicht genauer eingehen. Gleich der erste Wunsch der Königin, dass sie Emmas Wunsch, niemals die Retterin gewesen zu sein, erfüllt, hat ernste Konsequenzen und befördert Emma in eine Art Traumwelt, die ich im weiteren Verlauf der Review als "Wunschwelt" bezeichne, da diese alternative Realität auf einem Wunsch basiert. Wenn man überlegt, dass Emma diesen Wunsch in #6.06 Dark Waters bei einer Unterhaltung mit Aladdin geäußert hat und bis zu dieser Folge kein Wort mehr darüber verloren wurde, wirkt es ein wenig befremdlich, dass der Wunsch ausgerechnet jetzt nun wieder aufgegriffen wurde. Die Königin scheint ihre Ohren wohl auf jedem Quadratmeter in Storybrooke zu haben. Außerdem hätte ich es besser gefunden, wenn Emma den Wunsch am Anfang der Episode geäußert hätte, anstatt dass man auf eine Unterhaltung zurückgreift, die einige Folgen zurückliegt.

Die Erfüllung von Emmas Wunsch erschuf somit eine alternative Realität, in der es den ersten dunklen Fluch niemals gegeben hat. Natürlich steckt in dieser Idee eine Menge Potenzial und wie ich vorhin schon gesagt hab, wäre dies von der Idee betrachtet natürlich ein perfektes Staffel- oder Serienfinale gewesen, wenn diese Geschehnisse im Rahmen der Folge wieder abgeschlossen worden wären. Da die Autoren von dieser alternativen Realität aber so begeistert scheinen und die Handlung auch in die zweite Staffelhälfte übernehmen, hätte ich es besser gefunden, wenn die komplette Handlung in den Märchenwald verlegt worden wäre, genauso wie bei der Umsetzung von Isaacs Werk "Helden und Schurken". Zwar sind scheinbar alle Charaktere auch in der Wunschwelt zu sehen, aber dass nun eine weitere Parallelwelt eingeführt wird, die sich neben den Ereignissen von Storybrooke abspielen, macht die ohnehin schon komplexe Serienstruktur handlungstechnisch noch ein wenig komplizierter. Obwohl ich von der Idee, eine alternative und fluchlose Realität zu erzeugen, mehr als begeistert bin, finde ich die Umsetzung nicht so gelungen. Das liegt daran, dass wir wieder vor der Ausgangssituation stehen, dass Emma und Regina in einer anderen Welt gefangen und von ihren Liebsten getrennt sind. Nun muss wieder ein Weg zurück nach Storybrooke gefunden worden und dieser Handlungsstrang aus Staffel 2 wiederholt sich nun erneut. Der einzige Unterschied ist, dass statt Snow diesmal Regina an Emmas Seite ist und dass es sich bei dem Ort nicht um den nicht-verfluchten Teil des Zauberwalds handelt, sondern um den Zauberwald in einer Wunschwelt.

Was mir in dieser Wunschwelt überhaupt nicht gefallen hat, war Emmas Rolle, die mit ihrer eigentlichen Persönlichkeit überhaupt nichts mehr zu tun hatte. Statt einer selbstbewussten Kämpfernatur wurde uns ein weinerliches Prinzesschen präsentiert, die die Melodie aus "Dornröschen" singend auf der Wiese Blumen sammelt und sich sogar hinter ihrem Kind versteckte. Da uns Prinz Charming und Snow White stets als die mutigsten und tollkühnsten Helden des Zauberwaldes präsentiert wurden, passt es aus meinen Augen überhaupt nicht, dass Emma in der fluchlosen Realität scheinbar keine dieser Eigenschaften vererbt bekommen hat. Auch die Umstände, durch die Emma ihre Erinnerungen zurückbekommen hat, sind aus meinen Augen grenzwertig. Normalerweise konnten ein Kuss der wahren Liebe oder Traumfänger verloren gegangene Erinnerungen zurückbringen. Und nun reicht es scheinbar aus, dass Regina Henry nicht attackiert, um bei Emma die Erinnerungen wach zu rufen. Henry, der das Schwert auf Regina geschleudert hat, wurde von seiner Mutter jedoch rechtzeitig "eingefroren", damit Regina nichts passiert und hätte im Rahmen einer Mannequin-Challenge sicherlich den ersten Platz belegt.

Die Szenen in der Wunschwelt stellten eine schöne Hommage an den Piloten der Serie dar. Allerdings schien es so, als wenn Snow und David die einzigen Bewohner des Zauberwaldes waren, die gealtert sind. Fand Snow bestimmt nicht witzig, dass selbst Regina noch nicht grau im Haar war, aber das ist eine andere Sache. Auch wenn die Welt nicht real ist, gab es trotzdem die ersten Todesfälle. Denn um Emmas Erinnerungen wachzurufen, tötete Regina Snow und David, was für mich jetzt kein besonders tragischer Verlust ist.

"Not another step ladies! This is a robbery!"

Wie ich bereits vermutet habe, gibt es im Winterfinale ein Wiedersehen mitRobin Hood. Damit die Überraschung auch gelingt, wurde Sean Maguire zu Beginn der Episode nicht mal in den Credits aufgelistet. Viel gibt es über Robin Hood noch nicht zu sagen. Jedoch ist er der unwissentliche Auslöser dafür, dass Emma und Regina das Portal nach Storybrooke nicht durchschreiten und somit in der Wunschwelt gefangen sind. Da Robin Hood sich nun erneut die Ehre gibt, frage ich mich, welche anderen, eventuell sogar toten, Charaktere in den kommenden Folgen noch zu sehen sind. Ich würde mich ja sehr freuen, wenn wir Sheriff Graham noch einmal zu sehen bekommen würden, doch das bezweifle ich. Ein wenig unverständlich für mich war folgendes: Wenn in der Wunschwelt alle Storybrooke-Ereignisse nie eingetreten sind, warum ist Robin dann noch am Leben und Neal nicht? Denn beide Männer sind in Storybrooke gestorben und müssten demnach noch am Leben sein, da der Fluch niemals eingetreten und Storybrooke somit nie erschaffen wurde. Vielleicht stand Schauspieler Michael Raymond-James gerade nicht zur Verfügung, weshalb seine Figur erneut das Zeitliche segnen musste.

Da Regina Rumpelstilzchen aus seinem Gefängnis befreit hat, konnten die Autoren somit gleich einen Schurken für die kommende Handlung in der alternativen Realität bereitstellen. Ich hoffe bloß, dass die Böse Königin nicht auch noch in dieser Welt auftaucht. Denn somit hätten wir in allen Erzählebenen gleichzeitig drei Reginas herumirren. Einmal Bürgermeisterin Regina, dann die Böse Königin in Storybrooke und zusätzlich die Böse Königin aus der Wunschwelt. Und das wäre selbst in einer Märchenserie zu viel.

"Did you see who was under that hood?"

In meiner letzten Review habe ich ja angemerkt, dass ich schon eine Vermutung hatte, wer sich unter dem Umhang befindet:

"Falls ich Recht habe, werde ich in meiner nächsten Review ausführlich darauf eingehen. Um euch einen kleinen Tipp zu geben sei anzumerken, dass sein Namensvetter in Storybrooke gleichzeitig sein Kind ist…"

Um es kurz zu machen: Ich lag sowas von daneben. Meine Vermutung war, dass sich Robin Hood unter dem Umhang befindet und Emma töten muss, um wieder in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Das wäre natürlich aus Autorensicht eine perfekte Möglichkeit gewesen, um ein großes Drama zu inszenieren, da Regina genau zwischen den Fronten zwischen Robin und Emma gestanden hätte. Robin wurde ja von Hades mit dem Olympischen Kristall getötet, wodurch seine Existenz vollständig vernichtet wurde und somit auch kein Weiterziehen oder die Unterwelt möglich war. Allerdings wurde ja immer noch nicht vollständig geklärt, ob Hades damals überhaupt die Wahrheit über den Olympischen Kristall gesagt hat. Da mittlerweile feststand, dass Sean Maguire zur Märchenserie zurückkehrt, war dies in meinen Augen die einzige Möglichkeit, ihn wieder aktiv ins Seriengeschehen einzubinden. Vor allem weil die Autoren betonten, dass er nicht nur in Flashbacks zu sehen ist und dass die Unterwelt in dieser Staffel nicht weiter thematisiert wird.

Letztendlich ist es jedoch Gideon, der Sohn von Belle und Mr. Gold, der als Emmas zukünftiger Mörder entlarvt wird.

"It was dark and I fought as hard as I could but she took him." - "Who took him?" - "The black fairy."

Das Gideon unter dem Umhang steckte hat bei mir für großer Verwunderung gesorgt. Wenn man bedenkt, dass er erst vor einer Folge geboren wurde, wirft diese Auflösung einen Berg an Fragen auf. Das erste Puzzlestück des Rätsels wurde uns jedoch schon verraten und zwar hat die Schwarze Fee Gideon entführt, kurz nachdem die Blaue Fee ihn in Sicherheit bringen sollte. Da Storybrooke durch all mögliche Schutzzauber geschützt ist, frage ich mich, wie es die Schwarze Fee nach Storybrooke geschafft hat. In Bezug auf Gideon hat sie höchstwahrscheinlich den Alterungszauber, den Mr. Gold bei Belle anwenden wollte, bei Gideon angewendet. Eine andere Möglichkeit wäre, wenn sie ihn in ihr Reich verschleppt hat und dort aufgezogen hat, da die Zeit in dem dunklen Reich anders abläuft. Aber anders wäre die Lage nicht zu erklären.

Des Weiteren frage ich mich, warum Gideon magische Kräfte besitzt. Ist er mit Magie geboren worden und hat er diese durch die Schwarze Fee bekommen? Allerdings freue ich mich, dass wir die Schwarze Fee nun mit großer Sicherheit in der zweiten Staffelhälfte wiedersehen werden und dass ein wenig Licht in ihre Vergangenheit gebracht wird. Dadurch, dass Gideon nun unter dem Umhang befindet, haben die Autoren eine gute Möglichkeit gefunden, Emmas Storyline mit der von Mr. Gold und Belle zu verbinden. Dennoch stell ich mir die Frage: Warum will/muss Gideon Emma töten?

Da Gideon nun der dunklen Seite verfallen scheint, wird dies auch Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Belle und Mr. Gold haben. Die Beiden werden sich angesichts ihrer Lage sicherlich versöhnen, da sie gemeinsam arbeiten müssen, um ihren Sohn zu retten. Somit haben die Autoren doch noch eine Möglichkeit gefunden, Belle und Gold auf ein gemeinsames Happy End zusteuern zu lassen, was angesichts der letzten Folgen undenkbar schien.

Randnotizen:

  • Als Aladdins Geschichte am Anfang der Staffel eingeführt wurde, bin ich fest davon ausgegangen, dass der Handlungsstrang, genau wie bei der Frozen-Storyline, im Winterfinale abgeschlossen wird. So hab ich erwartet, dass Jasmine und Aladdin nach Agrabah zurückkehren und ihr Königreich retten und man die Beiden nun zum letzten Mal sieht. Dies ist auch tatsächlich der Fall, allerdings scheint die Storyline noch nicht abgeschlossen zu sein, da Aladdin bereits verkündet hat, dass sie zurückkehren werden. Zudem interessiert mich sehr, was aus Agrabah geworden ist, da Jasmine zuletzt erzählt hat, dass das Reich vollständig verschwunden sei.
  • Auch in Bezug auf den Schlaffluch, mit dem David und Snow von der Bösen Königin belegt worden sind, gibt es erneut keine weiteren Entwicklungen. Obwohl die Geschichte zu Beginn vielversprechend erschien, ist sie doch ziemlich lahm, was vor allem daran liegt, dass sie von den Autoren fast vollständig ignoriert wird und niemand von den Helden versucht, den Fluch zu brechen. Auch in der Geschichte um Davids Vater herrscht momentan kompletter Stillstand.
  • Als David im Besitz der Wunderlampe war, wünschte er sich, dass die Königin genau das bekommt, was sie verdient. Obwohl der Wunsch zunächst wirkungslos erschien, taucht plötzlich Gideon auf und verwandelt die Königin in eine Schlange. Da die Königin die ganze Zeit so unnahbar schien und niemand sie bezwingen konnte, wirkte es ein wenig komisch, dass sich die Königin ohne Wehr einfach verwandeln ließ. Dabei frage ich mich wieder, welche Rolle Gideon spielt und ob er eventuell sogar mehr Macht als die Böse Königin besitzt. Allerdings bleibt festzuhalten, dass die Königin doch getötet werden kann und zwar mit dem Schwert, welches auch Emma in der Version tötet.


Fazit

Während in den letzten Staffeln die Winterfinale immer dazu dienten, den bisherigen Handlungsstrang zu beenden und einen neuen einzuleiten, trifft dies nicht auf das diesjährige Winterfinale zu. Denn nahezu alle Handlungen werden überraschenderweise in die neue Staffelhälfte übernommen und noch weiter miteinander verflochten. An dieser Stelle möchte ich nun ein kleines Zwischenfazit ziehen. Obwohl es viele gute Ansätze in der sechsten Staffel gab, fällt das Gesamtbild nicht so beeindruckend aus. Denn mit dem Land der unerzählten Geschichte, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Emmas Vision, Aladdin und Jasmine, die Rache der Bösen Königin, Gideon und nun der Wunschwelt hatten wir in der ersten Staffelhälfte sehr viele Handlungsstränge, die die Autoren mit Gewalt unter einen Hut bringen wollten. Somit wurden viele Storylines wieder nur angeschnitten und gleich in der nächsten Folge eine neue Handlung eingeführt, ohne das Potenzial der einzelnen Geschichten zu nutzen und in die Tiefe zu gehen. Persönlich finde ich es sehr schade, dass die Story um das Land der unerzählten Geschichten schon so früh beendet wurde, da hier eine Menge Potenzial vorhanden war, die Geschichten zu erzählen, wo es immer noch offene Fragen gibt. So wäre es aus meiner Sicht besser gewesen, wenn Aladdin erst in der zweiten Staffelhälfte eingeführt worden wäre.

Für die zweite Staffelhälfte bleibt zu hoffen, dass nicht noch mehr Handlungsstränge eingeführt werden, sondern dass sich die Autoren auf die konzentrieren, die bereits thematisiert wurden und ein wenig Pep in die Handlungen einbauen. Obwohl ABC Präsidentin Channing Dungey versprach, dass die Winterpause für "Once Upon a Time "nicht so lange wie üblich ausfällt, müssen wir uns doch wieder bis März gedulden, bis die neuen Folgen im Fernsehen anlaufen.

Marcel F. - myFanbase

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