Bewertung: 7

Review: #4.17 Spiegelfechterei

Foto: Victoria Smurfit, Once Upon a Time - Copyright: 2017 ABC Studios
Victoria Smurfit, Once Upon a Time
© 2017 ABC Studios

In der deutschen Sprache gibt es ein schönes, knackiges Wort, das diese Folge wirklich perfekt auf den Punkt bringt: Ätsch! Wir wurden getäuscht, aber so richtig. Wir wurden nicht nur ein bisschen im Unklaren gelassen, sondern total hinters Licht geführt. Mit der Enthüllung, dass Emma und Hook nicht die echte Marian, sondern eine verwandelte und mitnichten tote Zelena in die Gegenwart gebracht haben, die Reginas Glück mit Robin Hood absichtlich und heimtückisch sabotiert, ist der Serie "Once Upon a Time" einer ihrer größten Überraschungscoups gelungen – und das nur kurz nach der auch durchaus sehr unerwarteten Entwicklung um Snow und Charming. Gäbe es nicht diese vermehrt auftretenden Logikschwächen und uninspirierten Momente in der Handlung, hätte diese zweite Hälfte der vierten Staffel richtiggehend genial sein können.

Unweigerlich fragt man sich nun, ob die Enthüllung, dass Marian in Wahrheit Zelena ist, mit Marians Auftreten und Verhalten in der ersten Staffelhälfte übereinstimmt. Spontan kann ich mich an keinen Moment erinnern, in dem die falsche Marian etwas gesagt hat, dass nur die echte Marian wissen konnte. Zudem ergibt die Tatsache, dass Marian dem Eiszauber zum Opfer gefallen ist, nun viel mehr Sinn. Es war für mich nie ersichtlich, warum Ingrid ausgerechnet und ausschließlich Marian, die eigentlich gar nichts mit der Schneekönigin zu tun hatte, auf diese Weise verzaubert hat, während sie für alle anderen Bewohner von Storybrooke den Spiegelfluch in petto hatte. Möglicherweise konnte Zelena den Zustand irgendwie faken und war überhaupt nie verzaubert. Oder vielleicht gab es eine Vereinbarung zwischen Zelena und Ingrid, dass Ingrid "Marian" schockfrostet. Denkbar wäre auch, dass Ingrid herausgefunden hat, dass Marian in Wahrheit die Böse Hexe des Westens ist und sie daher außer Gefecht setzen wollte, damit sie ihre Pläne nicht ruiniert. Eine konkrete Antwort darauf wäre definitiv sehr begrüßenswert, um hier nicht auch wieder eine erzählerische Lücke zu hinterlassen.

Marian kann man eigentlich nur bemitleiden. Schon in der ersten Hälfte dieser Staffel schien sie zu den größten Pechvögeln in der Geschichte des Unglücks zu gehören, nun wissen wir, dass es ihr noch viel schlimmer ergangen ist als gedacht. Ihre Rettung war zum Greifen nahe, wie aus dem Nichts aufgetauchte Zeitreisende haben sie vor ihrer Hinrichtung bewahrt, sie stand kurz davor, ihre Familie zurückzubekommen und dann ... wurde sie von einer anderen Zeitreisenden ermordet und ihrer Identität beraubt. Das ist in etwa so, als würde man einen Schiffsuntergang überleben, um dann mit dem Rettungsboot abzusaufen. Zugleich bleibt dadurch die Zeitlinie gewahrt. Marian ist beinahe zur selben Zeit gestorben wie in der ursprünglichen Zeitlinie, nur eben nicht durch die Hand der Bösen Königin, sondern durch die der Bösen Hexe des Westens. Schicksal? Lässt sich die Zeit am Ende einfach nicht verändern, zumindest nicht in entscheidenden Punkten?

Man kann jetzt darüber streiten, ob Robin durch diese Enthüllung in einem positiveren Licht erscheint oder nicht. All jenen, die es nicht so sympathisch fanden, wie Robin sich gegenüber Marian verhalten hat und das er Regina gefühlsmäßig klar den Vorzug gibt, kann man nun entgegenhalten, dass es ja gar nicht die echte Marian ist und er das tief im Inneren spürt. Andererseits fällt er im nicht so tiefen Inneren auf Zelena herein. Er kannte Marian am besten, er müsste erkennen, dass sie nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Nun, da er viel mehr Zeit mit ihr verbringt, tut er das vielleicht auch.

Nebenbei bekommen wir noch eine Erklärung dafür geliefert, warum Robin bei seinem ersten Auftritt, als er von Rumpelstilzchen das Heilmittel für die schwangere Marian gestohlen hat, ganz anders aussah: er hat den Anhänger mit dem Kleeblatt aus Oz benutzt, um sein Aussehen zu verändern, damit Rumpelstilzchen ihn nicht erkennt. Na gut, die Tatsache, dass Robin damals schlicht von einem anderen Darsteller gespielt wurde, der später nicht mehr zu Verfügung stand, hätte man nicht mehr unbedingt aufwärmen müssen, da gibt es doch weitaus dringendere Fragen zu beantworten, aber wenn sich so eine Gelegenheit bietet, kann man die ja mal nutzen.

Ein wahrer Experte im Nutzen von Gelegenheiten ist Mr. Gold. Um sich zu retten und sein großes Ziel, ein für ihn annehmbares Happy End, zu erreichen, geht er sogar einen Deal mit Zelena ein, der Frau, die maßgebliche Verantwortung für den Tod seines Sohnes trägt. Dass Mr. Gold als Folge seiner Taten ein schwaches Herz hat, weckt kein Mitleid, es bestätigt nur noch einmal, dass er ein Mann ist, der sich und andere durch Feigheit, Machtgier und Selbstsucht zerstört hat. Regina fasst das in einer einzigen Frage zusammen: "Was ist nur aus dir geworden?". Die knappe Antwort: eine verdammt erbärmliche Gestalt.

Damit wären wir auch schon bei Zelena, die es in vollen Zügen genießt, der Stachel in Reginas Fleisch zu sein und Mr. Gold zu erpressen. Ob sie den Trank, der wunde Herzen heilt, wohl schon mal probiert hat, so als mögliche Lösung für ihre Manie? Ein gebrochenes Herz im klassischen Sinne hat Zelena natürlich nicht, weder trauert sie um einen Menschen, noch sehnt sie sich konkret nach einer geliebten Person. Sie wird geleitet von purem Neid und vollkommener Missgunst. Wenn es dagegen einen Trank gibt, braucht sie ein paar Liter davon.

Stand jetzt hat Zelena die Schlacht gewonnen, hinterrücks und unter falscher Flagge. Ich wüsste da einen russischen Präsidenten, mit dem sie sich eventuell glänzend verstehen würde. Der Krieg ist aber noch nicht beendet. Wenn es Regina und Emma gelingt, ihre Zusammenarbeit auf eine ganz neue Stufe zu stellen und sich quasi füreinander (nicht im romantischen Sinne) zu entscheiden, statt sich in andere Richtungen zerren zu lassen, dann sollte ein Sieg über Zelena, Mr. Gold, Cruella und Maleficent machbar sein.

Im Ganzen lebt diese Folge, in der die meisten Hauptcharaktere nur kurz zu sehen sind, von dieser unerwarteten Enthüllung. Es ist eine Ausnahmefolge, die vom gewohnten Schema abweicht, da sich hier Flashbacks in die nahe Vergangenheit mit Flashbacks in eine weiter entfernte Vergangenheit abwechseln. Das gab es so bisher in "Once Upon a Time" noch nicht.

Maret Hosemann - myFanbase

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