Bewertung: 8

Review: #11.18 Finale (2)

Nach elf Staffeln und der perfekten Episodenzahl von 250 heißt es nun Abschied nehmen von einer Comedyserie, die nicht nur ein breites Publikum, sondern auch die Kritiker über ein Jahrzehnt hinweg unterhalten hat. Natürlich kann man diskutieren, ob "Modern Family" nicht besser vorher schon ein Ende gefunden hätte, da sich sonst viele Entwicklungen bei den Ehepaaren nicht immer wiederholt hätten, aber dem Anlass gemäß soll hier keine akribische Kritik erfolgen, sondern eine Rückschau, die alle Nostalgie zulässt, die man bei dieser runden Abschlussfolge auch nur empfinden kann.

Zwar fand ich es ein wenig schade, dass zum Serienende für alle so große Einschnitte erfolgen musste, denn es wirkte ein bisschen so, dass nun nichts mehr zu erzählen war, da alle auseinandergehen, aber gleichzeitig wurde auch viel Selbstreflexion bewiesen. Die Episode begann nicht nur mit Einspielungen aus der ersten Staffel und endete mit Neuinterpretationen aus der Jetztzeit, sondern es wurde auch auf die Stärken gesetzt, die sich über elf Staffeln hinweg unfraglich herauskristallisiert haben. Die Wichtigste davon ist wohl, dass Familie für den Abschluss wieder zusammen war. Zwar gab es zwischendurch auch getrennte Wege, aber im Großen wurde auf die Gesamtfamilie gesetzt, was schon immer bestens funktioniert hat, denn so sind das Chaos und die Gagdichte besonders groß.

Über allem stand natürlich der Abschied, denn nicht nur wir Zuschauer müssen uns von geliebten Serienfiguren trennen, sondern auch die Figuren müssen sich aus unterschiedlichsten Gründen untereinander trennen. Claire und Phil müssen sich gleich von allen drei Kindern trennen, aber auch die Geschwister untereinander gehen auseinander. Mit der vorangegangenen Episode #11.17 Finale (1) und dieser letzten Episode nun wurde noch einmal unterstrichen, warum die Dunphys immer das Herzstück der Serie waren. Alleine durch die Familienmitgliederanzahl war hier immer das meiste Potenzial und in den unterschiedlichsten Konstellationen, oft aber auch komplett zusammen, konnten viele tolle Geschichten erzählt werden. Haley, Alex und Luke haben sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Persönlichkeiten oft genug in den Haaren gehabt, aber sie wird immer ein unsichtbares Band verknüpfen, was ihnen überdeutlich bewusst wird. Für Claire und Phil wird ein gänzlich anderes Kapitel aufgeschlagen und es war lustig, dass ausgerechnet sie mehr am Weggang der Kinder zu knabbern hat, während Phil sich an vorsichtigem Optimismus wagt. Aber Showrunner Steve Levitan hat vollkommen Recht, dass man aus dem Ehepaar Dunphy auf Tour durch die USA locker ein eigenes Spin-Off machen könnte.

Claire muss auch noch von ihrem Bruder Mitchell Abschied nehmen. Auch hier haben wir wieder den Aspekt, dass die beiden unterschiedlicher nicht sein könnten, aber immer zusammengehalten haben. Es war hier ein cleverer Schachzug zum Abschied auf ihre gemeinsame Karriere als Eiskunstläufer im Paarlauf zu blicken, denn dieses eher ungewöhnliche Hobby (gerade für L. A.!) werde ich für immer mit dem Geschwisterduo in Verbindung bringen. Sie dann noch einmal kurz auf dem Eis zu erleben, war definitiv ein Highlight der Episode.

Etwas holprig verlief dagegen der Abschied von Gloriaund Cam. Die beiden waren unfraglich ein dynamisches Duo dieser Serie, da sie menschlich auf einer Wellenlänge lagen und zu jeder Schandtat bereit waren. Doch offenbar hat dies Cam immer mehr bedeutet als ihr, denn sie wirkt seltsam unbeteiligt angesichts seines Abschiedsbriefs. Es wurde zwar damit begründet, dass ihr logischerweise der bevorstehende Abschied von Manny mehr zusetzt, aber dennoch hätte es diese Abwertung nicht gebraucht. Manny und Gloria haben die intensive Mutter-Kind-Beziehung dieser Serie gehabt, daher war der Raum für ihren Abschied nur logisch. Zudem war es passend, dass sie diesen mit seinem Mittel der Wahl, nämlich mit Worten, getätigt hat, um dann aber wieder mit Taten zu reagieren, indem sie ihn fesselt. Es war noch einmal der perfekte Moment, um die Beziehung der beiden darzustellen.

Auch abseits des Abschieds gab es noch die besonderen Momente. Jay springt nach elf Jahren über seinen Schatten und lernt Spanisch, um Gloria und Joe nach Kolumbien zu begleiten. Wer hätte das gedacht und das auch noch im hohen Alter? Es zeigt aber auch die Entwicklung von Jay auf, der sich gerade nach seinem Karriereende auch auf andere Dinge im Leben konzentrieren konnte. Es war auch wunderbar, dass seine besondere Beziehung zu seinen Schwiegersöhnen noch einmal aufgegriffen wurde. Cam und Phil haben immer nach seiner Anerkennung gegiert. Oft genug kam Jay ihnen dann doch entgegen, aber 100% Liebe war es dennoch nie. Cam bekommt nun diesmal die Bezeichnung "Sohn" verpasst und Phil darf mit Jay in alter Tradition einen peinlichen Moment verbringen, aber statt schnell auseinanderzugehen und die Situation zu überspielen, gibt Jay Phil einen wichtigen Rat. Auch hier haben wir also noch einmal eine Weiterentwicklung gesehen.

Durch diese ganzen vorbereitenden nostalgischen Momente brachen die Dämme bei mir natürlich in der finalen Abschiedsszene. Man hat hier deutlich gemerkt, dass es auch für die Schauspieler der letzte Drehtag war, denn hier wurden die Emotionen nicht gespielt, sondern sie waren echt und diese Authentizität des Moments hat mich sehr ergriffen gemacht. Es wurden vielleicht ein paar zu klischeehafte Phrasen eingeworfen, aber das Gesamtgefühl stimmte und das war für mich der entscheidende Punkt.

Auch das Abschlussbild mit dem angelassenen Verandalicht für die Rückkehrer war perfekt gewählt. Es ist nicht nur für die Figuren in der Serie konkret gemeint, sondern auch allgemein für die Situation. Denn mit "Modern Family" wird es sicherlich kein Abschied für immer sein. Entweder sei es der nächste Rerun dank Netflix oder gesammelter DVDs, oder sei es ein Spin-Off, das immer mal wieder bei ABC im Gespräch war oder sei es ein Reboot in 10 bis 20 Jahren, man weiß ja nie.

Fazit

"Modern Family" hat sich in seinem Serienfinale noch einmal auf seine Stärken besonnen und viele Kreise geschlossen. Dadurch ist in dieser Episode eine Stimmung kreiert worden, die auch abseits von kleinen Mängeln mitten ins Herz ging. Auf ein Wiedersehen, liebe Pritchetts, Dunphys und Pritchett-Tuckers!

Lena Donth – myFanbase

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