Bewertung: 7

Review: #1.04 Unclaimed Baggage

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Die vierte Episode bleibt dem bisherigen Prinzip treu. Es geht wieder um eine Person von Flug 828, es gibt wieder Visionen und der Alltag der Hauptcharaktere wird auch nicht einfacher. Weiterhin ist auch letzteres die bisherige Stärke der Serie. Aber der Reihe nach.

"I need to tell them its my fault"

Michaela Stone darf bei einem wichtigen Einsatz dabei sein und wird ausgerechnet Jared Vasquez zugewiesen, sodass diese Stunden zusammen im Auto verbringen müssen. Hierbei wurde wieder deutlich, dass Jared immer noch Gefühle für Michaela hat, auch wenn er sich selbst noch nicht richtig traut, das zuzulassen. Das spielte aber erst mal gar keine so große Rolle. Entscheidend war, dass Michaela plötzlich eine Vision hatte und deswegen die Operation beendete, was verheerende Auswirkungen hatte, weil jahrelange Arbeit zunichte gemacht wurde. Das war schon ein heftiger Fauxpas. Und trotzdem kann ich Jared verstehen. Michaela hatte zuletzt nun mal mit ihrer Intuition richtig gelegen und es war in der Lage einfacher, jemanden zu retten, der keine Rettung benötigte, statt einen Verlust zu erleiden. Trotzdem sieht es für Jared nicht gut aus. Doch er hält weiter zu Michaela und hält seinen Kopf hin. Große Geste und sehr mutig. Und dann wird einem eben doch wieder bewusst, wie viel Jared noch für Michaela übrig hat. Seine Reaktion ist wirklich toll. Er will für sie da sein und bittet sie, sich an jemanden zu wenden, wenn sie sich ihm gegenüber nicht öffnen kann. Er scheint sie wirklich gut zu kennen. Ich hoffe sehr, dass ihm diese edle Haltung nicht irgendwann zum Verhängnis wird. Im Moment sieht es aber auch eher so aus, als wird zwischen ihm, Michaela und Lourdes noch einiges passieren.

"I got the calling wrong"

Michaela wendet sich dann an Saanvi Bahl und schlägt damit die Brücke zum Passagier der Woche. Sehr eindeutig ging es um die Flugbegleiterin Bethany Collins, die einen blinden Passagier an Bord hatte, dem die Visionen galten. Der Grund, nämlich Verfolgung Homosexueller in Thomas' Heimatland, nahm leider gar nicht so viel Raum ein. Solche politischen Statements werden zu häufig nebenbei abgehandelt. Letztlich passt es in dieser Serie aber auch nicht, eine große Moralkeule zu schwingen. Insofern ist diese Konstruktion inhaltlich auch nicht wahnsinnig spannend, auch wenn die Verfolgung der NSA diese erzeugen sollte. Viel interessanter war dann doch die Vision und das Drumherum dazu. Zum einen hat Saanvi heraus gefunden, dass eine erhöhte Gehirnaktivität eventuell mit den Visionen zu tun haben könnte. Die Andeutung, dass Schizophrenie ähnliche Areale beansprucht, ist interessant und könnte ein kleiner Ausblick sein, was passieren könnte, wenn die Visionen zunehmen. Ansonsten bleiben weiterhin viele Fragen offen. Wieso haben dieses Mal Saanvi und Michaela die Visionen? Kann sie jeder vom Flug bekommen? Spielen die Sitzplätze eine Rolle? Das Alter? Genetische Bedingungen? Wieso sind die Visionen so missverständlich? Die Rettung war mehr eine Schnitzeljagd und erforderte doch einige glückliche Einfälle, um Thomas zu retten. Das ist alles noch sehr vage, aber man ist doch sehr neugierig, was sich die Autoren für Antworten auf diese Fragen überlegen bzw. überlegt haben. Ben Stone stellt erneut in Frage, ob die Visionen wirklich gut sind, auch wenn sie Menschen helfen. Er ist da eher skeptisch. Michaela sieht den Fehler bei sich, zeigt sich am Ende der Episode aber auch verzweifelt. Die Neugier bleibt, obwohl man sich in dieser Episode eher von Antworten weiter entfernt als angenähert hat.

"You always make everything better"

Eher abseits des ganzen Mysteriums gibt es noch ganz hervorragende Vater - Tochter - Szenen zwischen Ben und Olive Stone. Sie hatte kurzentschlossen versucht eine Lippenstift zu klauen und dann Danny angerufen, sodass Ben, der sich ebenfalls auf den Weg machte, auf Danny traf. Es war durchaus überraschend, dass es schon jetzt passiert, die Szene war aber ein gelungener Auslöser für alles, was darauf folgte. Ben, der es gerade erst geschafft hatte, Grace Stone näher zu kommen, muss das erst mal verarbeiten, reagiert aber phantastisch. Obwohl es ihn tief schmerzt, dass seine Tochter sich lieber an Danny wendet, schafft er es, mit den passenden Worten näher zu kommen, ihr Vertrauen zu gewinnen und so etwas wie eine Beziehung aufzubauen. Und Olive hatte sogar eine gute Begründung für den Anruf bei Danny, weil sie Ben eben nicht enttäuschen will, weil dieser sie immer noch wie die zehnjährige Tochter sieht, die sie für ihn vor ein paar Wochen noch war. Das ist sehr nachvollziehbar und die Rückblicksszenen haben das schön untermalt. Nur leider macht Grace den Erfolg von Ben rüde zunichte. Es war schon ziemlich hart, ihm vorzuwerfen, dass er nicht mit ihr zusammen agieren würde und das vermeintliche Vertrauen nur ein geschickter Schachzug einer 15-Jährigen sei, um einer Strafe zu entgehen. Vielleicht hat sie sogar recht, aber Ben hat eh schon mit der Situation zu kämpfen. Danny getroffen zu haben, ging ihm natürlich nahe, auch wenn er souverän agieren wollte. Das war irgendwie nicht fair von Grace. Natürlich sympathisiere ich mit Ben mehr als mit Danny und Grace. Für diese beiden ist das auch nicht einfach. Insbesondere Danny wurde auch vor vollendete Tatsachen gestellt, dabei ist ihm die Familie sehr wichtig. Auch das muss man mitbedenken. Ben wird wohl akzeptieren müssen, dass Danny noch ein Teil des Lebens von Grace und Olive ist. Es bleibt spannend zu beobachten, wie hier alle mit den Verletzungen und Unsicherheiten umgehen werden.

Übrigens war das Ansprechen der finanziellen Schwierigkeiten auch ein interessanter, kleiner Aspekt in dieser Episode. Die Lebensversicherung für Ben wurde ausgezahlt und in Anspruch genommen. Jetzt wollen sie das Geld zurück. Wie sind da eigentlich die rechtlichen Vorgaben? Ein Grund für eine Lebensversicherung ist ja die Nachsorge für die Hinterbliebenen und dafür wurde das Geld auch verwendet. Darf man das wirklich zurückfordern? Grace entschuldigt sich jedenfalls viel zu oft. Es ist doch offensichtlich, dass sie das Geld brauchte und entsprechend ausgegeben hat. Auch hier hat Ben richtig agiert und die Schuld vollkommen von Graces Schultern genommen. Aber so müsste jeder mit gesundem Menschenverstand agieren. Es bleibt zu beobachten, welche Folgen das Thema noch haben wird.

Fazit

Rund um die Visionen gibt es noch zu viele Fragen, der rote Faden über die Geschichte eines bestimmten Passagiers (arbeitet man die jetzt bis zum Staffelfinale ab oder hebt man sich noch was für eine mögliche nächste Staffel auf?) ist auch in dieser Episode nicht mitreißend. Dafür sind die emotionalen, zwischenmenschlichen Szenen herausragend, sodass man guten Gewissens wieder sieben Punkte geben kann. Es ist wohl nurn och eine Frage der Zeit, bis es für acht oder neun Punkte reicht.

Emil Groth - myFanbase

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