Bewertung: 4

Review: #2.03 Verwandte Seelen

Oje. Was ist nur mit "Heroes" los?

Ja, ihr seht richtig: 4 von 9 Punkten. Die niedrigste Punktzahl, die ich der Serie bislang vergeben habe. Ich weiß gar nicht genau, in wie vielen Aspekten #2.03 Verwandte Seelen einfach nicht funktionierte. Die Charaktere handelten teilweise völlig abstrus, die Dialoge waren seicht, die Storylines drehten sich im Kreis und ich hatte etwa alle fünf Minuten einen "Das kann doch nicht wahr sein!"-Moment, in dem ich mich ernsthaft fragte, ob ich hier tatsächlich "Heroes" vor Augen habe. Nicht mal Milo ohne T-Shirt konnte da was retten: #2.03 war schwach.

"I lost my memory, I'm not an idiot."

Sorry, Peter, aber in dieser Episode warst du ein Idiot. Beginnen wir doch mal mit der Tatsache, dass die Identitätsbox vor deiner Nase liegt und du keinerlei Anstalten machst, es zumindest zu versuchen, sie mit irgendeiner Fähigkeit an dich zu nehmen. Dann sagst du den irischen Wachmännern vor Pinky's Sportsbook, dass du deine 200 Dollar zurückhaben willst. Doch zum Glück bist du ja in guter Gesellschaft: auch deine irischen Gangsterfreunde benehmen sich recht idiotisch. Sie maskieren sich nicht etwa, um einen Raubüberfall abzuwickeln und starren dem Wachmann erstmal minutenlang ins Gesicht, bevor sie sich dazu entscheiden, ihn niederzuschlagen.

Ich weiß nicht warum, aber Peter in Irland gefällt mir immer weniger. Die Geschichte dümpelt vor sich hin und wird mit jeder Episode unlogischer. Die DKDNWS-Momente häufen sich. Und als Peter dann nach getaner Arbeit mit einem Tattoo in den Ricky-Clan aufgenommen wird und alle auf Familie machen und Peter völlig vergessen hat, dass er vor 24 Stunden von diesen Männern noch halb tot geschlagen wurde, konnte ich einfach nur die Augen verdrehen. Genauso wie bei folgender Szene:

Caitlin: "This is it – your box, your life! You gonna open it or what?"
Peter: "What if it's a life I don't want?"
Ich im Hintergrund: "Ahhhh! Öffne sie doch endlich!"


Die einzige Sequenz in Irland, die mir in dieser Folge gefallen hat, war Wills Verrat und die folgenden Ereignisse: Will erschießt Peter, möchte von Ricky das Geld und wird plötzlich von dem wieder auferstandenen Peter an die Wand genagelt. Milos Gesichtsausdruck in diesem Moment war angsteinflößend. Was für eine fantastische Szene! Sie erinnerte sehr stark an den Moment in #1.16, in dem Peter in Isaacs Galerie wütete, nachdem Isaac ihn verraten hatte. Und sie erinnerte sehr stark an Sylar...

"You really are extraordinary... just like me."

Kommen wir also zum (einzigen) Höhepunkt dieser Episode: Sylar Moon ist zurück und besser denn je! Es ist einfach bemerkenswert, wie Zachary Quinto den Serienkiller in all seinen Facetten darstellt – die Verwirrung, die Erkenntnis, die Rage und schließlich wieder die Kaltblütigkeit, die Sylar zu dem macht, was er ist.

Die Kombination Candice/Michelle und Sylar war äußerst interessant zu beobachten: Candice/Michelle brachte eine gewisse Faszination für Sylar auf und diese wurde ihr schließlich zum Verhängnis. Sylar erschlägt sie mit einer "Have A Nice Day"-Kaffeetasse und wir bekommen ihr wahres Erscheinungsbild zu sehen. Ein netter Verweis auf die Online Graphic Novels #39 bis #42, in denen Candices/Michelles tatsächliches Aussehen bereits angedeutet wurde.

Es hat mir gefallen, wie die Produzenten das Problem mit der ursprünglichen Darstellerin Missy Peregrym gelöst haben, was bei einem Charakter wie Candice allerdings auch nicht so schwer ist: Da Peregrym nach der ersten Staffel nicht mehr verfügbar war – sie musste an ihrer neuen Serie "Reaper" arbeiten –, castete man einfach Rachel Kimsey für die Rolle und Rachel machte ihre Sache richtig gut. In einigen Momenten wirkte sie tatsächlich wie die rothaarige Version von Missy – beeindruckend!

"We're Murderers."

Weniger beeindruckend war die Fortsetzung der Geschichte von Maya und Alejandro, die wie eine Dauerschleife so ziemlich dasselbe erzählte, wie auch schon in #2.01 und #2.02: Alejandro versichert seiner Schwester, sich immer um sie zu kümmern und Maya jammert vor sich hin. Oje.

Hinzu kommt, dass Alejandro dieses Mal für einen fast schon amüsanten DKDNWS-Moment sorgte, als er doch tatsächlich auf offener Straße am hellichten Tag auf die wohl auffälligste Weise ein Auto zu stehlen versucht – wer aufgepasst hat, wird festgestellt haben, dass Alejandro sich noch Sekunden vor der Tat umgesehen hat und dabei wohl den Polizisten drei (!) Meter weiter übersehen haben muss. Damit schafft er es in die Top 3 der dümmsten Aktionen, die je ein Charakter in "Heroes" unternommen hat.

Es folgt eine recht unspektakuläre Verfolgungsjagd, ähnlich wie in #2.01, wobei Alejandro allerdings geschnappt wird. Maya geht ins Gefängnis, um ihn mit 14 US-Dollar freizukaufen (eine brillante Idee!) und mutiert dann plötzlich zu einer Killerin, als sie sich willentlich provozieren lässt, um ihre Fähigkeiten einsetzen zu können. Man sieht in dieser Szene, dass Maya also durchaus dazu bereit ist, das Leben anderer aufs Spiel zu setzen, wenn es darum geht, ihren Bruder zu retten. Die Zwillinge fliehen schließlich zusammen mit einem anderen Kerl in einem – Achtung! – Nissan Rogue mit einem Logo der Conquistadors darauf: Claires Auto! Ein nettes Detail und mal wieder eine nette Werbung für Nissan.

"I want you to admit you're different!"

Tatsache Nr. 1: West ist wirklich ein Vollidiot. Tatsache Nr. 2: Claire kann wirklich nicht gut lügen. Tatsache Nr. 3: Die Flugszene war wirklich cool. Doch das Gesamtpaket der ganzen Claire/West-Geschichte ist trotzdem nicht so toll, wie es vielleicht sein könnte.

Fangen wir mal damit an, dass Claires Versuch, West davon zu überzeugen, dass sie sich nur ihre Fußnägel lackiert hat, einfach schlecht geschrieben war. Weiterhin waren Wests Anspielungen auf ein "Eidechsenkind" nicht nur lächerlich, sondern auch gemein. Als Claire dann auch noch aus dem Unterricht stürmte, machte das den DKDNWS-Moment perfekt: auf diese Weise wird sie sicherlich nicht mehr den Titel "unauffälligstes High-School-Girl" gewinnen.

Natürlich war Claires Rede darüber, dass sie ein Freak sei, bewegend. Natürlich war es romantisch und überraschend auf einmal, als West einfach nur "Claire, shut up" sagte, sie in die Arme nahm und gen Himmel flog (man beachte, dass Claire und West bei dieser Aktion in Sichtweite von etwa 25 Klassenzimmern standen). Doch irgendwie war die Art, wie man Claire und West zusammenführte, nicht besonders überzeugend, war West doch den Großteil der Zeit über eigentlich ziemlich gemein und nervig gegenüber Claire.

Nichtsdestotrotz kommt dank Mr. Bennet eine gewisse Dynamik in diese Geschichte: West war also eines der Versuchskaninchen, das Hornbrille für die Organisation beschafft hat. Wird West etwa ein Streitpunkt zwischen Tochter und Vater sein? Und: Wird Hornbrille wirklich sterben, während Claire jemanden (West?) im Hintergrund küsst? Oder kommt doch wieder alles anders?

"Ando, I write you from the greatest adventure of my life."

Auch Hiros Geschichte kam in dieser Folge nicht wirklich vorwärts. Wieso man die Ereignisse der letzten zwei Episoden in einer Montage mit Hiro als Erzähler nochmals zeigen wollte, ist mir schleierhaft – es war langatmig, langweilig und unnötig. Selbst Hiro war unspektakulär und wiederholte sich einfach nur immer wieder selbst. Einziger Lichtblick: David Anders aka Sark aka Takezo Kensei, der seinen Part ganz großartig spielte und der in dieser Episode der Einzige zu sein schien, der eine glaubwürdige Charakterentwicklung durchgemacht hat.

Mir gefiel die Idee, dass Hiro Kensei einen Crashkurs in Sachen Heldensein gab und ihn einfach vor die 90 Hungrigen Ronin teleportierte – doch leider machten zwei Dinge auch diese Idee zunichte: zum einen die ungewohnt schlechte Animation. So toll die Flugszene und auch die Maui-Illusion gewesen sein mochten, die Szene mit Hiro und Kensei und den heranlaufenden Ronin war einfach nur billig. Die Berge sahen unecht aus. Der Tempel sah unecht aus. Die Krieger sahen unecht aus. Zum anderen fand ich es enttäuschend, dass man Kensei überhaupt nicht kämpfen sah. Er soll einer der größten Krieger aller Zeiten sein? Wieso sehen wir ihn dann nicht mal, wie er schwertschwingend irgendwelche hungrige Ronin bezwingt?

"We're a family."

Neben Sylar kehren in dieser Folge auch die Sanders zurück, allerdings ohne D.L. – dieser hat die Ereignisse in #1.22 oder etwas anderes, was in den letzten vier Monaten passiert ist, nicht überlebt. Komischerweise kümmert mich das trotz der rührenden Grabinschrift – "Husband, Father, Hero" – nicht wirklich. Zu oberflächlich nur hatten wir D.L. in der ersten Staffel kennen gelernt.

Leider haben Niki und Micah nicht besonders viel Spielzeit, doch dafür sind die Ereignisse ziemlich interessant: Micah wird bei "Star Trek"-Legende Uhura aka Nichelle Nichols untergebracht und Niki nimmt Kontakt zur Organisation auf und ersucht sie um Hilfe. Will sie endlich ihr Alter Ego Jessica ganz unter Kontrolle bringen oder ist es etwas anderes, weswegen sie Hilfe braucht?

Ebenfalls in komplizierte Familienangelegenheiten verstrickt ist Familie M³: Mohinder, Matt und Molly. Auch diese Storyline wird nur leicht angeschnitten, zeigte aber dafür einen kleinen Einblick, wie sich die Drei zusammenraufen.

Oje

Was bleibt noch zu sagen? Eigentlich nicht mehr, als dass ich von #2.03 Verwandte Seelen enttäuscht bin. Die einzige Storyline, die diese Folge noch in den Durchschnittsbereich hob, war die mit Sylar, dazu die Endszene mit Mr. Bennet, Wests Flugshow und ein paar ordentliche Szenen mit Kensei. Doch wo ist unser gewohnt geniales "Heroes"? Während der letzten paar Folgen ist die Show von absolut fantastisch (#1.23) zu gut (#2.01) zu okay (#2.02) und schließlich zu ziemlich schwach (#2.03) gesunken. Kurz und bündig war dies die bislang schwächste Episode der Serie. Hoffentlich haben wir bald wieder einen Aufwärtstrend.

Maria Gruber - myFanbase

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