Bewertung: 7

Review: #2.04 Der Trost von Fremden

Na also, es geht doch!

Nach einer kleinen Flaute kehren mit #2.04 Der Trost von Fremden endlich wieder einige der starken Elemente zurück, die "Heroes" in der ersten Staffel auszeichneten: überraschende Wendungen, gute Dialoge, fantastische Schauspielleistungen, tolle Effekte. Und diese überwogen so sehr, dass wir gut und gerne über ein paar kleine Mängel hinwegsehen können. Willkommen zurück, "Heroes"!

"I know him. It's my father."

Fangen wir gleich mal mit einer der interessantesten Storylines an: Matts Vater war also einer der zwölf Gründer der Organisation und noch dazu ein ziemlicher Gauner. Eine Wendung, die einen Haufen Fragen aufwirft und mir sehr gut gefällt, nicht zuletzt, da sie der Rolle des Matt Parkman endlich mehr Bedeutung zutraut. Es ist großartig, dass mit Bezug auf die erste Staffel wieder Charaktere wie Linderman oder Charles Deveaux erwähnt werden, was der Gesamtstory eine interessante Komplexität gibt.

Langsam, aber sicher wird klar, warum der zweite Teil der Saga "Generations" lautet: neben Linderman und Deveaux Senior waren auch Parkman Senior, Petrelli Senior, Mama Petrelli, Nakamura Senior und Bob Teelöffel Mitglieder der Zwölf. Sie alle gehören der vorherigen Generation von Heroes an und haben wohl mehr Leichen im Keller, als Hiro in seinem Leben "Yatta!" gerufen hat. Aber was genau steckt hinter diesen zwölf Leuten, den Gründern der Firma? Ist Matts Dad tatsächlich der Killer? Warum genau sinnt er nach Rache?

Der Fall rund um den Mord an Nakamura Senior und das angebliche Geständnis von Mama Petrelli führt auch zwei Charaktere zusammen, die ich in ihrer Kombination gerne sehe: Matt und Nathan. Sowohl die Szene, als Matt Nathan im Gang des Krankenhauses mit den Tatsachen konfrontiert als auch die, in der sie beide nach dem Foto suchen, sind sehr intensiv, gut konzipiert und toll umgesetzt worden. Zwischen beiden Charakteren besteht eine eigenartige Mischung aus Abstand und Vertrautheit und sie haben mehr gemeinsam, als man auf der ersten Blick meint: beide haben Eheprobleme, beide hatten Vaterprobleme und beide sind auf der Suche nach Antworten.

Diese Antworten versucht Matt mithilfe von Molly zu bekommen und sorgt damit für den "Das kann doch nicht wahr sein"-Moment der Episode: er will, dass Molly ihre Albträume konfrontiert, selbst als Mohinder ihm den cleveren Vorschlag unterbreitet, seinen Vater über Bob Teelöffel zu finden. Hallo, Matt?! Dieses Mädchen hat vor ein paar Monaten ihre Eltern eingefroren und skalpiert am Küchentisch gesehen, von HRG eine Pistole an den Kopf gehalten bekommen und war zwischendurch mal totkrank.

Aber nein. Als die tapfere Molly sich schließlich dazu bereit erklärt, ihm zu helfen, reicht es Matt nicht, dass Molly das Apartmentgebäude findet, er will auch noch die Etage und die Apartmentnummer. Was haben wir jetzt? Molly liegt im Koma. Toll gemacht, Matt.

"Just because you shaved doesn't mean you’re clean and sober."

Hightlight der Folge: Nathan hat sich rasiert!

Ach ja, was für eine großartige Charakterentwicklung. Erinnern wir uns daran zurück, wie Nathan zu Beginn der Serie ein egozentrischer Politiker war, der zwischen der richtigen und der profitablen Entscheidung stets hin- und hergerissen war und schlussendlich uneigennützig und nach seinem Gewissen handelte. Was auch immer vor vier Monaten nach der Katastrophe geschehen sein mochte, so dass er zu einem unrasierten Alkoholiker geworden ist und seine Frau ihn verlassen hat, das ist jetzt vorbei. Nathan besucht seine Söhne in Washington (!) und verspricht ihnen, alles wieder hinzubiegen. Eine unglaublich tolle, von Adrian Pasdar makellos gespielte Szene.

Wie auch in #2.01 stellt sich die Frage, was es mit dem vernarbten Spiegelbild von Nathan auf sich hat. Ist es nur Nathans Einbildung, eine Visualisierung seiner Gefühle? Oder steckt mehr dahinter?

"Gabriel… just like the angel."

Ein Nissan Rogue ist also auch gut für Wüstenterrain geeignet. Außerdem: der Kerl aus dem Gefängnis heißt Derek. Müssen wir uns aber nicht merken, denn er gibt innerhalb kürzester Zeit den Löffel ab.

Maya, Alejandro und Derek finden also Sylar, Sylar findet einen Ziegelstein und der Ziegelstein landet auf Dereks Kopf. Es ist schon ein sehr großer Zufall, dass Sylar von der Organisation anscheinend irgendwo in den mexikanischen Dschungel verfrachtet worden war und Sylar genau auf der Straße landet, auf der Maya, Alejandro und Derek gerade mit ihrem Rogue hinunterbrausen. Aber gut, das ist nun mal "Heroes".

Die Zwillinge zeigen gegenüber Sylar/Gabriel interessanterweise recht unterschiedliche Reaktionen: während Maya unaufhörlich wie ein Honigkuchenpferd grinst und völlig begeistert davon ist, dass Sylar/Gabriel doch tatsächlich Doktor Suresh kennt, ist Alejandro eher skeptisch und das zu Recht. Zugegebenermaßen nervt mich Maya immer mehr, da sie einfach unverständlich naiv ist und sich irgendwie immer noch nicht so richtig profiliert hat. Anders Alejandro, der für mich als fürsorglicher Bruder viel authentischer wirkt.

Wer diese Sequenz jedoch trägt, ist Zachary Quinto und zwar Zachary Quinto ganz allein. Neben ihm wirken Dania Ramirez und Shalim Ortiz blass. Er wechselt perfekt zwischen den beiden Persönlichkeiten Gabriel Gray und Sylar hin und her, lässt uns Zuschauer immer wieder verwirrt mit der Frage zurück, wer er nun ist. Fantastisch!

"I never wanna see you hurt."

West vollzieht in dieser Folge eine 180-Grad-Drehung vom Idioten zum absolut süßesten Typen, dem Claire über den Weg laufen könnte und die beiden haben ein Date auf dem Hollywood-Schriftzug. War diese Szene cool? Oh, JA! War diese Szene kitschig? Das wohl auch, aber sie war in so ziemlich jeder Hinsicht toll gemacht. Die CGI-Effekte waren absolut beeindruckend, die Dialoge zwischen Claire und West waren endlich einmal nicht plump und gekünstelt und das Gesamtpaket hat einfach gestimmt. Ja, es war überflüssig, dass Claire sich in die Tiefe stürzt, aber was soll's?

Zusätzlich interessant wird Claires und Wests neue Beziehung natürlich durch Hornbrille, der durch Isaacs Bild, das seinen Tod voraussagt, ein totaler Dating-Gegner geworden ist. Verständlich. So haben wir wieder eine ähnliche Vater-Tochter-Beziehung wie in Staffel 1, nämlich eine, die geprägt ist von Geheimnissen. Claire verheimlicht ihrem Dad die Sache mit West, Hornbrille verheimlicht Claire die Tatsache, dass er wohl bald sterben wird, während sie sich mit einem Jungen vergnügt. Einerseits ist es schade, dass beide Charaktere anscheinend nichts aus ihren Fehlern gelernt haben und in ihre alten Verhaltensmuster zurückfallen, anstatt sich zu vertrauen. Aber andererseits wäre das ja auch langweilig.

"How am I going to be pregnant wearing this outfit two shifts a day?"

Darf ich vorstellen, Neuzugang #3 in dieser Season: Monica Dawson aka Micahs Cousine aka Dana Davis. Zunächst ein Kompliment dafür, dass Dana es schaffte, dem Charakter innerhalb einer Episode ein Profil zu geben und ihn in die Serie zu integrieren. Monica ist ein erfrischend spritziger Charakter, der einen guten Ausgleich zu den sonst eher düsteren Charakteren der Serie schafft. Sie ist authentisch und, na ja, sollte das mit dem Singen vielleicht erstmal lassen.

Monica in das vom Hurrikan Katrina verwüstete New Orleans zu setzen, ist eine gute Idee, mir persönlich allerdings viel zu dick aufgetragen. Die Montage, die sich in Monicas Kopf abspielt, nachdem sie erfährt, dass sie den Test nicht bestanden hat, mag den Amerikanern gut und gerne gefallen, ich fand sie aber einfach nur überflüssig. Denn auch ohne diese Montage wäre es bereits gut rüberkommen, dass Monica durch den Sturm viel verloren hat.

Auf alle Fälle erwähnenswert: Monicas Fähigkeit. Es scheint, dass sie Tätigkeiten imitieren kann, nachdem sie sie einmal gesehen hat und so verwandelt sie nicht nur die Tomate zu einer Rose, sondern setzt den Räuber mit einem gekonnten 619-Wrestlermove außer Gefecht. Nicht schlecht!

Und Micah? Der kleine Kerl zeigt mal wieder, wie absolut clever er ist und repariert für seinen Cousin Damon den Fernseher, damit dieser ihn am nächsten Morgen vielleicht nicht mit einem Eimer Wasser begrüßt. Ausgesprochen gut gefällt mir zudem die Chemie zwischen Micah und Monica, die sofort auf den Zuschauer übersprang.

Fazit: Es geht wieder aufwärts

Nachdem die Serie in der letzten Woche ihren ersten Tiefpunkt erreicht hatte, geht es mit #2.04 Der Trost von Fremden endlich wieder aufwärts. Die Episode war solide und unterhaltsam und das, obwohl – oder gerade weil – Peter und Hiro durch ihre Abwesenheit glänzten. 7 von 9 Punkten.

Maria Gruber - myFanbase

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