Bewertung: 8

Review: #8.02 Ein Ritter der sieben Königslande

Foto: Gwendoline Christie, Game of Thrones - Copyright: HBO/Helen Sloan
Gwendoline Christie, Game of Thrones
© HBO/Helen Sloan

Das Ende rückt immer näher und während "Game of Thrones" erneut einige Wiedersehen feiert, ist dieses Gefühl so deutlich wie nie zuvor. Es ist eine langsame Folge, in der man in jeder Szene den Eindruck hat, dass man gerade Abschied nimmt, denn eines ist sicher: in der großen Schlacht werden wir uns von so manchem liebgewonnenen Charakter verabschieden müssen. Daher stimmt es einen glücklich und traurig zugleich, dass jedem von ihnen noch einmal Tribut gezollt wird, bevor sie sich in der kommenden Woche dem Tod stellen müssen.

"That's what death is isn't it? Forgetting. Being forgotten."

In den letzten Jahren durften wir den Wandel vieler Figuren verfolgen. Sie haben sich vom offenkundigen Bösewicht Schritt für Schritt verändert, wiesen nicht länger die charakteristischen Züge des Widersachers auf und wurden immer mehr zu einem Stück der Geschichte, das man durch eben diesen Werdegang lieben gelernt hat. Das Paradebeispiel für diese Entwicklung ist Jaime, der in dieser Episode für einige grandiose Momente sorgen kann. Sein Empfang in Winterfell ist ebenso frostig, wie es die kalten Böen aus dem Norden sind und darüber, dass es sich bei Jaime um keinen willkommenen Gast handelt, sind sich sogar Sansa und Daenerys einig, obwohl zwischen ihnen weiterhin eisige Stille herrscht. Doch Jaime ist nicht mehr der Mann, den er und Tyrion von ihrem ersten Besuch in Winterfell noch immer klar vor Augen haben und um dies zu bezeugen, eignet sich wohl niemand besser als Brienne. Sie ist es, durch die Jaimes Reise vom Antihelden zum Publikumsliebling maßgeblich beeinflusst wurde und dass man der besonderen Beziehung der beiden nun endlich noch einmal Raum gibt sich zu entfalten – nachdem ihr Wiedersehen in #7.07 Der Drache und der Wolf viel zu kurz ausgefallen ist – ist zutiefst ergreifend. Man nutzt Briennes Eintreten für Jaime dabei nicht nur, um die Verbundenheit zwischen den beiden aufzuzeigen, auch Briennes Gefühlsleben wird dadurch wieder einmal durcheinandergewirbelt – gleichzeitig sorgt es zu einer weiteren Entfernung zwischen Daenerys und Sansa. Was Brienne und Jaime angeht, so gab es in dieser Episode eine ganze Reihe von eindrücklichen Szenen. Dem Gespräch in der großen Halle folgte eine Unterhaltung auf dem baldigen Schlachtfeld, in der Jaime versucht, Brienne für ihre Worte zu danken. Man merkt Brienne ganz deutlich an, dass sie etwas für Jaime empfindet, dies aber nicht einzuordnen weiß, umso irritierter ist sie davon, dass Jaime ihr nun mit dem größten Respekt begegnet. Er spricht nicht mit der scharfen Zunge, mit der er ihr früher begegnet ist, stattdessen bittet er, in ihrem Regiment kämpfen zu dürfen. Durch diese Geste versucht er, sich bei Brienne zu revanchieren, was die Gefühle der großen Frau noch mehr aus dem Gleichgewicht bringt. Es ist wunderbar, dass Jaime bei seinem Versuch, Brienne Respekt zu zollen, nicht lockerlässt und so gipfeln Jaimes Bemühungen schlussendlich im Ritterschlag. Mit Tränen in den Augen sieht man nun, wie sich Briennes größter Wunsch erfüllt und es könnte nicht epischer sein, dass ausgerechnet Jaime sie zum Ritter macht. Ihr Lächeln darüber kommt genau so sehr von Herzen, wie der Applaus der Beobachter.

Das Zusammensitzen vor dem Feuer funktioniert auch sonst ganz wunderbar als Abschied von der Wärme und der Sicherheit der Heimat, denn durch das Lied, das Podrick singt, schürt man das Gefühl von dem bevorstehenden traurigen Ende. In seiner Stimme schwingt eine Note der Hoffnungslosigkeit mit, die so kurz vor dem Kampf, der aussichtslos scheint, die Herzen der Zuschauer schwer werden lässt. Wer die letzten Stunden vor der Schlacht mit wem verbringt, ruft jedes Mal ein kleines Lächeln hervor. So verliert Arya ihre Jungfräulichkeit an Gendry, was nach der gemeinsamen Vergangenheit der beiden durchaus passend ist. Zwar hätte ich mir für sie eine romantischere Nacht gewünscht, doch man betont mit dieser Szene ganz eindeutig, dass aus der kleinen Arya, die uns im Staffelauftakt noch einmal deutlich ins Gedächtnis gerufen wurde, nun eine Frau geworden ist. Sansa und Theon so eng beieinander zu sehen, war ebenfalls wohltuend, obwohl auch sein Auftauchen die Kluft zwischen ihr und Daenerys größer werden ließ. Am wohl eindrücklichsten war jedoch die Szene zwischen Daenerys und Jon, die sich an eben jenem Ort abspielte, an dem Jon erfuhr, wer er wirklich ist. Für beide ist es ein großer Brocken, der nun verdaut werden muss. Dass Jon Daenerys' Kosenamen benutzt, scheint dabei wie ein schlechtes Omen, nachdem sie den letzten Targaryen, der sie Dany nannte, töten lies. Auch dass Daenerys nicht zuerst daran denkt, dass sie mit ihrem Neffen geschlafen hat, sondern nur an den Anspruch auf den eisernen Thron, erscheint nicht sonderlich erbaulich. Für den Moment werden die beiden sicher weiterhin an einem Strang ziehen, doch nach dem Kampf gegen den Nachtkönig wird dies sicher anders aussehen – wenn man davon ausgeht, dass die beiden lebend aus der Schlacht herausgehen.

Für Daenerys war dies allgemein keine einfache Episode, denn die kühle Stimmung in Winterfell ihr gegenüber ist noch nicht abgeebbt. Es sind weiterhin die Augen Sansas, die dieser Empfindung Kraft verleihen. Sowohl bei der Entscheidung darüber, Jaime trotz seiner Taten in Winterfell willkommen zu heißen, als auch durch die herzliche Umarmung Theons wirkte Daenerys im Norden so unsicher und befangen wie noch nie. Wäre Sansa nicht Jons Schwester, hätte sie ihr sicher bereits Einhalt geboten, doch durch ihre Gefühle für Jon will Daenerys sich mit seiner Familie gut stellen. Dass sie das Gespräch mit Sansa sucht, ist die richtige Entscheidung, auch wenn die Situation zuerst sehr ungelenk erscheint. Die kurze Annäherung zwischen Sansa und Daenerys ist gefolgt von einer umso größeren Distanz und es gefällt mir gut, dass man nicht durch die Bank Einigkeit zwischen den Charakteren herrschen lässt, um die Spannung weiterhin aufrecht zu erhalten. Außerdem muss man den Figuren trotz des baldigen Finales noch die Möglichkeit lassen, über den eigenen Schatten zu springen.

Randnotizen

  • Man gewährte uns einen kurzen Einblick in die Strategie, die Winterfell in der großen Schlacht verfolgen wird. Dass man Bran zum Wehrholzbaum bringen wird, erscheint passend. Sein Treffen mit Jaime verlief überraschend ruhig, beinahe schon ereignislos.
  • Es war schön Geist wiederzusehen.
  • Das Auftauchen von Bronn spart man sich dann wohl für später auf.
  • Jorah hatte ein paar wirklich schöne Szenen. Sowohl seine Sorge um Lyanna, als auch der Rat an Daenerys und der Moment mit Sam haben auch bei ihm alles auf Abschied einstimmen lassen.
  • Ich würde es Grauer Wurm und Missandei gönnen, dass sie gemeinsam in ihre Heimat reisen, denke aber nicht, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird.
  • Als Brienne zwischen Jaime auf der einen und Tormund auf der anderen Seite saß, konnte man einfach nur grinsen. Es ist so erheiternd, wie Tormund sich um sie bemüht.
  • Hätte Daenerys nach dem gemeinsamen Ritt auf den Drachen nicht ahnen müssen, dass Jon ein Targaryen ist?
  • Sehr schön, wie Tyrion über seinen eigenen kleinen Scherz, dass er nach seinem Tod auferstehen und Cersei töten wird, schmunzeln muss.
  • Das Lied, das Podrick gesungen hat, durfte im Abspann von "Florence + The Machine" ein zweites Mal für wunderbare Gänsehaut sorgen.
  • Jon betrachtet dieses Mal nicht die Statue von Eddard, sondern die von Lyanna.
  • Ist die Krypte der beste Ort, um dort die Bevölkerung unterzubringen? Könnten dort nicht so einige Tote auferstehen? Und werden wir nächste Woche unter den Wiedergängern vielleicht einige bekannte Gesichter aus den letzten Staffeln wiedersehen, die im Norden gestorben sind und sich bereits der Armee des Nachtkönigs angeschlossen haben? Vielleicht Stannis? Oder vielleicht ist Benjen nun ein einer von ihnen?


Fazit

Zu Beginn der Episode überlegt man noch, ob dies eine gefühls- oder actiongeladene Folge werden wird. Mit jeder Minute, die verstreicht, erkennt man, dass man die große Schlacht noch ein kleines Stück aufschiebt und kurz flackert Enttäuschung auf, da man denkt, dass wie im Staffelauftakt nicht viel geschehen wird. Doch diese Episode lebt dafür von den vielen kleinen potentiellen Abschieden, die man feiert und damit jeder Figur noch einmal die Chance gibt zu glänzen und dem Zuschauer zu zeigen, warum wir sie so ins Herz geschlossen haben. Auch wenn einige Figuren in der nächsten Episode sterben werden, werden sie bestimmt nie vergessen sein.

Marie Florschütz - myFanbase

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