Bewertung: 6

Review: #8.03 Die lange Nacht

Schon in #1.01 Der Winter naht stellte man die Weichen für diesen Kampf, in dem die Armee von Wiedergängern droht, sämtliches Leben zu zerstören. Seit dem Staffelauftakt wartet man nun fieberhaft darauf, dass es endlich soweit ist, denn die letzten bedächtigen Episoden waren ganz klar die Ruhe vor dem Sturm. Doch wie es nun einmal so ist mit langersehnten Konfrontationen, so können sie nur selten an die Erwartungen heranreichen.

"Valar morghulis"

Mit 82 Minuten Laufzeit ist #8.03 Schlacht um Winterfell die größte Kriegs-Episode, die "Game of Thrones" uns bisher geliefert hat und genau das stellt den Schwachpunkt des großen Gemetzels dar. Wir kennen aus den vorangegangenen Staffeln bereits fantastische Schlachtszenen und sowohl #2.09 Schwarzwasser, #4.09 Die Wächter auf der Mauer, #5.08 Hartheim als auch #6.09 Die Schlacht der Bastarde haben uns gezeigt, dass man Action auf der einen Seite und eine wohldurchdachte Handlung auf der anderen Seite gut miteinander verknüpfen kann. Auch dieses Mal kann man in Sachen Kinematographie, Editing und musikalische Unterlegung auf ganzer Linie punkten. Es ist überhaupt keine Frage, dass Regisseur Miguel Sapochnik ganze Arbeit geleistet hat. Von der ersten Sekunde an ist die Stimmung zum zerreißen gespannt. Hoffnungslosigkeit liegt in der Luft, Unsicherheit umgibt die Charaktere, die Dunkelheit umhüllt sie alle auf bedrückende Art und Weise. Man beginnt die Folge mit einem Silberstreifen am Horizont in Form von Melisandre, die die Arakhs der Dothraki entzündet, wodurch der kurze Verdacht aufkommt, dass sie gegen den Feind tatsächlich eine Chance haben. Doch aus der Ferne sehen wir, wie das Feuer eines nach dem anderen verlischt, so als wären es nur Kerzen, die mit einem kleinen Windhauch ausgeblasen werden. Dass sich der Feind so lange in der Dunkelheit versteckt hält, ist der blanke Nervenkitzel und funktioniert für den Moment sehr gut. Aber die Schlacht ist lang und je häufiger man sieht, wie der schier endlose Strom von Wiedergänger in Richtung Winterfell rennt, desto mehr ebbt das Gefühl des Bangens ab. Immer weniger starr hängt der Blick am Fernseher, denn während eine Kampfszene die nächste jagt, ermüden nicht nur die Schwertarme der Kämpfenden, sondern auch die Augen der Zuschauer. Man konzentriert sich mit Voranschreiten der Episode krampfhaft auf die alles umhüllende Dunkelheit und ist dankbar für jedes aufblitzende Feuer oder einen Aufstieg über die Wolken, damit man besser erkennen kann, wer nun eigentlich lebt und wer stirbt, welcher Drache im Kampf nun überlegen ist. Durch die fast farblos gehaltenen Eindrücke ist es schwer, die kleinen Details zu erkennen, die doch eigentlich so wichtig sind. Natürlich gibt man sich große Mühe und versucht den Kampf so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, indem man zwischen den vielen keinen Schlachtfeldern wechselt. Mal sehen wir Brienne, Podrick und Jaime Seite an Seite, dann den ringenden Sam, es folgt ein kurzer Blick auf Jon, Daenerys und die Drachen, dann die wild kämpfende Arya oder der still ausharrende Bran. Während man eine Stunde lang den Feind bekämpft und kleine Hoffnungsschimmer wie Melisandres neu entzündetes Feuer oder die feuerspeienden Drachen immer seltener werden, fragt man sich, wie dieser Kampf denn nun enden soll. Eine Niederlage auf ganzer Linie erscheint genau so unwahrscheinlich wie ein Sieg, doch welchen Mittelweg wird man gehen?

"Not today"

Nach weiteren Szenen, in denen man die Überlegenheit des Nachtkönigs demonstriert – ich denke hier an den Sturz aus dem Himmel von Viserions Rücken oder dass er selbst durch Drachenfeuer nicht getötet werden kann – wünscht man sich nichts sehnlicher als einen epischen Endkampf zwischen ihm und einem unserer Lieblingscharaktere. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich überrascht davon war, dass schließlich Arya ausgewählt wurde, um dem Nachtkönig ein Ende zu bereiten. Rückblickend erscheint dies vielleicht weniger unvorhersehbar, als ich es in diesem Moment empfunden habe, denn es sprechen so einige Dinge für Arya und dieses sorgfältig ausgewählte Ende für den Nachtkönig:

  • Sie ist eine gelernte Assassinin, die während der Szenen in den Gemäuern Winterfells noch einmal genau zeigen konnte, wie lautlos sie sich im Training von Syrio Forel zu bewegen gelernt hat.
  • Bran gab ihr in Staffel 7 den geschichtsträchtigen Dolch, der ihn in Staffel 1 töten sollte. Da Bran die Zukunft gesehen hat, scheint er auch bei der Übergabe des Dolches schon seinen Zweck gekannt zu haben.
  • Melisandre prophezeite Arya in #3.06 Der Aufstieg, dass sie viele Menschen töten wird und gibt ihr den Wink, dass einer mit blauen Augen der Nächste auf ihrer Liste ist.
  • Als Arya den Nachtkönig von hinten überrascht, tötet sie ihn mit einer Bewegung, die wir bereits in Staffel 7 im Kampf mit Brienne gesehen haben. Zudem rammt sie ihm den Dolch als valyrischem Stahl genau dort in die Eingeweide, wo er auch von dem Drachenglas getroffen wurde, das ihn zu einem weißen Wanderer machte.


Obwohl man durch die vielen kleinen Verknüpfungen so einiges richtig macht, erschien mir der plötzliche Tod des Nachtkönigs dann doch etwas antiklimaktisch. Umringt von Dutzenden Wiedergänger schleicht Arya sich ungesehen an, während man gleichzeitig immer wieder zu Jon überblendet, der durch Viserion in Schach gehalten wird. Ich habe eher in Jon den großen Helden der Stunde gesehen, weshalb mich Aryas unerwartetes Auftauchen im Götterhain nicht richtig abholen konnte. Auch die anschließenden Szenen, in denen der letzte Hauch von Leben aus den Untoten weicht, kommen sehr ruckartig. Man überlegt noch, wie Arya dieser Hieb gelungen ist, während überall das Kampfgeschrei verstummt. Zu lange hat diese Episode auf eben jenen Punkt hingearbeitet, nur um den Nachtkönig dann auf diese Weise aus dem Verkehr zu ziehen. Sein Tod wirkt überhastet und hatte rein gar nichts episches an sich. Es mag sein, dass das Ableben des Nachtkönig mich so kalt lässt, weil er die ganze Zeit über eine vollkommen eindimensionale Figur blieb, zudem hatte ich mir noch eine tiefgründigere Szene zwischen ihm und Bran erhofft, weshalb ich ehrlich gesagt etwas ernüchtert bin.

Kleine Momente

Neben dem Kampfgetümmel fand man zum Glück noch Platz für ein paar kleine Szenen, die emotional berühren konnten.

  • Tyrion und Sansa reichen sich in der Krypte die Hand.
  • Sandor Clegane schluckt seine Angst vor dem Feuer herunter, als er Arya um ihr Leben kämpfen sieht.
  • Scene-stealer Lyanna Mormont bekommt einen würdigen Abschied aus dem Leben.
  • Theon opfert sich für Bran und rennt dem sicheren Tod entgegen.
  • Jorah stirbt in den Armen von Daenerys.
  • Melisandre erkennt, dass sie in Arya Azor Ahai gefunden hat und nachdem dieses Werk getan ist und die Welt vor der Dunkelheit gerettet wurde, verabschiedet sie sich bereitwillig aus dem Leben.



Es gab jedoch auch einige kleine Ungereimtheiten, die so nicht hätten sein müssen.

  • In der Krypte stehen in der zweiten Kampfrunde die toten Starks auf, was bereits absehbar war.
  • Auch wenn es der ursprüngliche Plan war, auf das Auftauchen des Nachtkönigs zu warten, erscheint es sinnlos, die Armee der Lebenden gegen die Wiedergänger in den Kampf zu schicken, wenn man ihnen zuerst die Drachen hätte entgegensetzen können.
  • Die letzten beiden Episoden bereiteten den Zuschauer darauf vor, dass man von einigen Charakteren Abschied nehmen muss. Zwar bin ich froh, dass weniger Figuren gestorben sind, als ich erwartet hatte, dennoch bin ich davon ausgegangen, dass zumindest eine zentrale Figur ihr Leben lassen muss. Die Starks, Lannisters und Targaryens bilden für mich das Herzstück der Serie, doch von ihnen wurde keinem auch nur ein Haar gekrümmt. Der Rest, ihre Freunde, Berater und Beschützer, sind dann doch eher zierendes Beiwerk, auf das man durchaus verzichten kann. Dass daher "nur" Beric, Lyanna, Theon, der Nachtkönig, Jorah und Melisandre gestorben sind, ist nach den traurigen Abschiedstönen der letzten beiden Folgen etwas enttäuschend.
  • Ich hätte es erbaulich gefunden, wenn das Ende des Nachtkönigs noch einmal ausdrücklich mit einer der Prophezeiungen, die bereits lange mit der Geschichte mitschwingen, verknüpft worden wäre. Man belässt es allerdings bei den Worten Melisandres an Arya, die wohl niemand mehr im Sinn hatte.


Fazit

Was die große Schlacht angeht, konnte diese Episode ohne Zweifel abliefern und bildgewaltige Momente feiern, doch rundherum fehlte der Zauber. Dass Arya den Nachtkönig beseitigt hat, hat den netten Beieffekt, dass man diese Wendung nicht kommen sah, aber eigentlich dreht sich die Geschichte doch um Feuer und Eis, weshalb es auf einen Showdown aus dem Nachtkönig auf der einen und Jon und Daenerys auf der anderen Seite hätte hinauslaufen sollen. Trotz dieses Twists bleibt der Sieg über den Nachtkönig etwas ernüchternd und somit kann der große Kampf um Winterfell in meinen Augen leider nicht mit den vorangegangenen Schlachten mithalten.

Marie Florschütz - myFanbase

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