Bewertung: 8
Bill Condon

Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)

Mein Leben als Mensch war vorbei. Doch ich fühlte mich lebendiger, als je zuvor... denn ich war der geborene Vampir.

Foto: Copyright: 2012 Concorde Filmverleih GmbH
© 2012 Concorde Filmverleih GmbH

Inhalt

Die Verwandlung ist geglückt: Bella (Kristen Stewart) und ihr Baby Renesmee haben die Geburt gut überstanden. Mehr oder weniger. Denn Bella konnte nur durch Vampirgift gerettet werden und ist nun selbst einer. Daran gilt es sich zunächst zu gewöhnen. Neben etlichen neuen Stärken hat sie auch eine weitere Schwäche gewonnen: Blut. Doch Bella lernt mit beidem umzugehen. Derweil wächst Renesmee heran und das viel schneller, als man erwarten würde. Schnell erwacht in den Volturi ein böser Verdacht: Bella und Edward haben ein Kind verwandelt. Das wäre eine unverzeihliche Tat, die tödliche Konsequenzen hätte. Die Volturi rücken an, um den Zirkel für sein vermeintliches Vergehen zu bestrafen. Bella und Edward (Robert Pattinson) brauchen dringend Zeugen, die ihnen helfen, den Volturi zu beweisen, dass Renesmee ihr Kind ist.

Kritik

Dass kein Teil der "Twilight"-Saga rein filmisch jemals in den großen Kanon aufgenommen wird, steht nicht zur Debatte. Dennoch ist auch von diesem Teil zu erwarten, dass er die Kinokassen füllen wird. Wie niemand leugnen wird, kann weder die technische noch die erzählerische Raffinesse dafür verantwortlich gemacht werden. Doch was ist es dann, das diese Filme so erfolgreich macht?

Die Antwort liegt auf der Hand: Die Geschichte, die so viele bewegt hat, bekommt ein Gesicht. Um einen Film-Buch-Vergleich soll es hier nicht gehen, denn in den meisten Fällen kann ein Film nicht vermitteln und auslösen, was ein Buch zu bewirken vermag. Dennoch hat Stephenie Meyers Geschichte rund um eine unsterbliche Liebe in einer Mythenwelt viele Leser tief berührt und unterhalten. Der Film lehnt stark an den Büchern an und malt quasi das vorhandene Schwarz-Weiß-Gerüst eines jeden Lesers aus.

Der zweite Teil von "Breaking Dawn" setzt da an, wo der andere aufgehört hat: Bella schlägt die Augen auf und plötzlich ist alles anders. Viele solcher Elemente sind toll umgesetzt, die Bilder wirken stark auf den Zuschauer ein. Immer wieder überzeugend ist die Arbeit der Maskenbildner, und auch Montagen und szenische Übergänge sind durchdacht, ästhetisch astrein umgesetzt und können mitreißen. Genauso hat der Film aber auch seine Schwächen in diesem Bereich. Diese sehe ich insbesondere in der Umsetzung der Special Effects. Diese wirken oft billig, oder werden sogar durch bewusste Schnitte zu umgehen versucht. Warum eine schwierige Szene umsetzen, wenn man genauso gut einen Cut machen kann und der Zuschauer selbst denken muss? Doch ein Film mit solch einem Budget sollte da mehr leisten. Viele Effekte werden auch unnötig zerstört. Ein kleines Beispiel: Vampire können hoch springen, aber wer sagt, dass sie schweben können? Dummerweise wird kurz vor einem Absprung nicht einmal eine Sprungbewegung gezeigt, was den Anschein hat, als würde der ein oder andere Vampir plötzlich das Fliegen erlernen. Solche kleinen Mankos zerstören einfach ohne jeden Grund die Logik und verfälschen bekannte Fakten. Auch sehen einige Kampfszenen sehr unbeholfen aus. Hier kann man nach dem Stand der Technik ganz klar mehr und das sollte man auch umsetzen.

Ein ähnlicher Spagat zeigt sich in der schauspielerischen Leistung. Während Kristen Stewart, wie in so vielen Rollen, auch in dieser absolut überzeugt und mitreißt, so gleicht Maggie Grace in der Rolle der Irina nahezu in jeder Szene einem Huhn, das kurz über dem Kochtopf hängt. Aber bei der Menge der Schauspieler und der sehr gespaltenen Leistung ließe sich hier nur eine unfruchtbare Diskussion eröffnen.

Wer das Buch kennt, weiß, dass Visionen und telepathische Erzählungen einen großen Teil der Geschichte tragen. Selten jedoch wird solch eine Vision filmisch umgesetzt. Das wirkt häufig so, als wollte sich auch hier der Film das Geld bei der technischen Umsetzung sparen, das ganz offensichtlich in den teuren Cast investiert wurde. Doch der erste Eindruck täuscht. Denn mit diesem Stilmittel hält der Film letztlich einen ganz unglaublichen Überraschungsmoment bereit, der das komplette Kino aufstöhnen lässt. Ich möchte nicht zu viel verraten - wessen Interesse nun geweckt werden konnte, der sollte sich den Film einfach selbst ansehen. Besonders gelungen sind in diesem Teil vor allem die komödiantischen Momente. Während in vielen anderen Filmen der Reihe dafür entweder kein Platz war oder die kleinen Gags total deplatziert wirkten, schafft es dieser Teil wirklich, das ein oder andere herzhafte Lachen zu entlocken. Das Gleiche gilt aber auch für spannende und emotionale Szenen. Wenn man sich auf die Handlung einlässt, kann dieser Film durchaus bewegen.

Insgesamt ist "Breaking Dawn - Bis(s) zum Ende der Nacht (Teil 2)" den anderen Teilen sehr ähnlich. Er zeigt Stärken wie Schwächen, wie diese empfunden werden ist subjektiv und hängt sicherlich auch damit zusammen, ob man der Geschichte um diese ungewöhnliche Liebe verfallen ist oder nicht. Daher möchte ich an dieser Stelle noch etwas zur Bewertung loswerden. Ich persönlich fand die Bücher der "Twilight"-Saga grandios und freue mich, meine Romanhelden auf der großen Leinwand sehen zu dürfen. Wegen einiger filmischer Schwächen muss selbst ich einen Punkteabzug machen. Einen Punkt gewinnt der Film aber ganz eindeutig dank der zauberhaften Renesmee zurück, die größtenteils sehr gut von Mackenzie Foy gespielt wurde, aber auch als Baby und Kleinkind Herzen schmelzen lassen kann. Über die Bewertung eines solchen Films lässt sich sicher streiten. Ich bewerte hier rein subjektiv als Twilight-Liebhaber. Daher keine sieben, sondern eben acht Punkte von mir für den letzten Teil der Saga.

Fazit

Um einen Rahmen zu bilden, möchte ich an dieser Stelle doch noch einmal auf die Adaptionsdiskussion zurückkommen. In dem überaus gelungenen Abspann wird sowohl auf bildlicher wie auch auf textlicher Ebene auf die Romanvorlage rekurriert. Für Filmliebhaber mag dies eine Unart sein, für "Twilight"-Fans aber genau das Richtige. Denn so werden sie zurückgeworfen in die Welt, die sie letztlich ins Kino geschickt hat, die Welt, die Stephenie Meyer für sie kreiert hat. Und so schließt das letzte Kapitel der "Twilight"-Saga mit wunderschönen letzten Worten "für immer".

Janina Funk - myFanbase
19.11.2012

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