Bewertung

Review: #4.05 Ausbruchpläne

Foto: Yvette Nicole Brown - Copyright: Mitch Haaseth/Sony Pictures Television Photo
Yvette Nicole Brown
© Mitch Haaseth/Sony Pictures Television Photo

Na also, es geht doch. Nach den beiden desaströsen Episoden #4.03 Conventions of Space and Time und #4.04 Alternative History of the German Invasion, die wirklich zum schlechtesten zählen, was "Community" je fabriziert hat, schimmert bei #4.05 Cooperative Escapism in Familial Relations zumindest wieder ein bisschen der für die Serie typische Charme durch. Die Charaktere sind wieder mehr sie selbst, die Dynamik in der Gruppe hat sich wieder etwas eingerenkt und auch die Stories können sich diesmal durchaus sehen lassen und sind von außergewöhnlicher Ernsthaftigkeit geprägt.

Schon als die Anfangsszene das altbekannte Lernzimmer zeigt und sich ein klassischer Schlagabtausch zwischen unseren sieben Protagonisten andeutet, ist klar, dass es in dieser Episode aufwärts gehen könnte. Das war endlich mal wieder ein Intro, das in Sachen Pointiertheit und Witz zumindest in die Richtung dessen ging, was wir eigentlich von der Serie gewohnt sind. Annies Nacherzählung ihrer schrecklichen Thanksgiving-Dinner mit der Famile ("Are those [boobs] real?"), Jeffs Enthüllung, dass er den Feiertag mit seinem Vater verbringen will, und nicht zuletzt Britta und der Ghettoblaster (!) sorgen für sehr witzige Momente. Hätte man nun nicht so viel Story in die nächsten 20 Minuten hineinquetschen wollen, wäre aus dieser Episode vielleicht sogar eine richtig gute geworden. Doch indem man zwei verschiedene Schauplätze kreiert, geht die dramaturgische Kohärenz leider etwas flöten.

Das große Event der Folge ist natürlich das Wiedersehen von Jeff und seinem Vater William Winger in Form von James Brolin. Britta – von einer großartig aufspielenden Gillian Jacobs dargestellt – begleitet Jeff als moralische Unterstützung und ist in dieser Funktion die meiste Zeit über für so manch herrliche Sprüche verantwortlich ("Why don't we use some dinner rolls to do some roleplay?"). So funktioniert die Chemie zwischen Jeff und Britta, wie schon in der Halloween-Episode, ziemlich gut und spielt gekonnt sowohl mit der freundschaftlichen als auch romantischen Dynamik, die zwischen den beiden existiert ("Look, you're probably feeling a very strong urge to sleep with me right now and that's normal."). Absolut nervenstrapazierend ist hingegen Jeffs Halbbruder Willy Jr., der einfach völlig überzogen ist und den sonst guten Eindruck dieses Wiedersehens etwas schmälert.

Denn das Zusammentreffen zwischen Jeff und William ist sonst ziemlich gelungen. Schon beim Anblick von Williams Mercedes (mit dem WINGINIT Kennzeichen) ist klar, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt und William quasi die alte Version von Jeff ist. Als die zwei Männer dann emotionale Grundregeln festlegen, sieht man sofort, wie ähnlich sich Vater und Sohn sind, und dies wird auch glaubwürdig rübergebracht, manchmal sogar mit einer erfrischenden Portion Humor, als beispielsweise William zu einer obligatorischen Winger-Rede ausholen will und Jeff ihn unterbricht ("The universe is a constantly expanding..." – "Stop. I get the impulse, but that's not gonna work here."). Jeffs Winger-Ansprache darüber, wie sehr er darunter gelitten hat, dass sein Vater ihn verlassen hat, ist dann zwar etwas kitschig geraten, dennoch aber ein wichtiger und schöner Moment für diesen Charakter.

Abed, Troy, Annie und Pierce sind derweil bei Shirleys Thanksgiving-Dinner gefangen, aus dem sich unerwartet eine Art Hommage an "Die Verurteilten" bzw. "Prison Break" entwickelt. Etwas irritierend ist es hier, wie in der einen Szene die Gruppe bei Shirley ankommt und in der Folgeszene sich plötzlich alle in der Garage verstecken. Ein wenig mehr Kontext hätte der Story an dieser Stelle ganz gut getan, doch wie gesagt, ist diese Episode eh schon so vollgestopft mit Inhalt, dass für solch eine Zwischenszene wohl leider kein Platz mehr war. Insgesamt funktioniert diese Story mit Abeds Voiceover aber recht gut, sieht man mal von dem unglaublich nervigen Pierce oder so absurden Elementen wie der zwei Jahre alten Soßenpackung ab. Doch stellenweise wird man an die gute alte Zeit erinnert, zum Beispiel an die tolle Dynamik zwischen Annie, Troy und Abed (herrlich: "Why did I have to go third?") oder auch an gelungene Metareferenzen, die die Serie bringen kann (wie der Gebäudeplan von Shirleys Haus auf Abeds Bauch). Dass Shirley dann am Ende die Stimme der Vernunft ist und sie den Fluchtplan von Abed, Annie und Troy zugunsten ihrer Familie ablehnt, rundet die Geschichte gelungen ab.

Es geht also doch. #4.05 ist keine perfekte Episode und sie versprüht auch noch lange nicht den typischen "Community"-Charme, doch zumindest bekommen wir hier eine Folge, in der die Protagonisten wieder sie selbst zu sein scheinen und der Plot nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Wenn die Serie in diese Richtung weitermacht, dann gibt es demnächst hoffentlich bald wieder Punktezahlen im oberen Viertel.

Maria Gruber - myFanbase

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