Bewertung: 8

Review: #7.18 Lines

Vanessa Rojas ist unser Neuzugang dieser Staffel, doch im Verhältnis ist sie in dieser Staffel noch etwas kurz gekommen. Nach ihrem furiosen Einstieg in "Chicago P.D." mit einem Undercovereinsatz in #7.02 Assets, ihren anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten in der Intelligence Unit und ihrer Soloepisode #7.14 Center Mass ist es dennoch nicht gerade einfach, ihre Eigenschaften mit wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen. Bis auf ihre Vergangenheit als Pflegekind erleben wir sie nur, wie sie als Polizistin agiert, aber es gibt so viele Aspekte mehr, die eine Persönlichkeit prägen. Daher gut, dass sie in dieser verkürzten Staffel 7 noch einmal zum Zug gekommen ist.

Es gibt manchmal diese Episode, wo man recht schnell merkt: "Die werden was!" So ging es mir mit der aktuellen Folge, die mich bereits mit ihrer Eingangssequenz in einen Bann ziehen konnte, denn Leichenteile, die halb in Säure aufgelöst sind, sind für einen Thriller-Fan täglich Brot. Der Rest der Episode hatte zwar wenig mit dieser gerade beschriebenen Stimmung zu tun und trotzdem war es inhaltlich ebenso einnehmend und überzeugend. Das liegt vordergründig daran, dass der Kriminalfall zugunsten von persönlichen Verwicklungen in den Hintergrund gedrängt wurde. Wenn schon der zentrale kriminelle Kopf, um den es geht, keine dominante Rolle einnimmt, dann merkt man schnell, hier zählt weniger die eigentliche Polizeiarbeit, sondern welche Auswirkungen hat es auf die Einheit und ihre Beziehungen untereinander.

Auch wenn ich im Eingangsabschnitt geäußerte habe, dass es eine auf Vanessa zugeschnittene Episode war, so muss ich diese Aussage doch relativieren, denn es ging auch viel um ihre Freundschaft zu Hailey Upton. Freundschaften in "Chicago P.D." sind sehr männlich geprägt, sei es Hank Voight und Alvin Olinskyoder Adam Ruzek und Kevin Atwater. Auch bei den weiblichen Teammitgliedern hat es Versuche gegeben, doch weder Erin Lindsay und Kim Burgess noch Kim und Hailey haben wirklich Konstanz zeigen dürfen. Bei Vanessa und Hailey habe ich inzwischen ein gutes Gefühl, denn es gibt immer wieder kleine eingestreute Momente, die unterstreichen, dass die beiden nicht nur Mitbewohnerinnen sind, sondern auch zunehmend Vertraute, aber sicherlich auch stets Mentorin und Schützling. Daher fand ich es bezeichnend, dass Hailey in einer für Vanessa sehr persönlichen Episode eine wichtige Rolle eingenommen hat.

Nun kommen wir vom Vorgeplänkel aber zum tatsächlichen Inhalt. Von Vanessas Pflegekindvergangenheit wussten wir schon, nun lernen wir auch die ihr wichtigste Person mit Luis Reyes kennen. Sie sind gemeinsam im Pflegesystem aufgewachsen, sind oft auseinandergerissen wurden, um sich aber immer wiederzufinden. Sie sind gemeinsam zusammengezogen, sobald es gesetzlich möglich war und sie haben gemeinsam Autos geklaut, um über die Runden zu kommen. Das ist eine gemeinsame Vergangenheit, die zusammenschweißt und dieses Gefühl ist wunderbar transportiert worden. Vanessa und Luis hatten eine tolle Chemie miteinander und selbst unter dem übertrieben oberflächlichen Geflirte hat man gemerkt, dass die beiden etwas viel Innigeres haben. Mit Luis-Darsteller Manny Ureña hat man auch den perfekten Cast gefunden, selbst als er die Drogenpäckchen geliefert hat, hatte er noch etwas durch und durch Sympathisches. Es ist immer erfrischend, wenn Kriminalität nicht nur schwarz und weiß ist.

Die gemeinsamen Begegnungen von Vanessa und Luis wurden immer intensiver, von Mal zu Mal wurde dem Zuschauer bewusst, wie viel für diese Beziehung auf dem Spiel steht. Natürlich entstand bei mir automatisch die Sorge, ob wir nun auch um Luis‘ Leben bangen müssen, denn seien wir ehrlich, "Chicago P.D." ist nicht zimperlich, Verwandte und Bekannte der Unit abkratzen zu lassen. Aber es ging gar nicht um einen Schicksalsschlag, sondern um Vanessas moralisches Dilemma. Auf der einen Seite hat sie ihren engsten Vertrauten, mit dem sie den Umständen geschuldet einen kriminellen Weg einschlagen musste. Nun ist sie auf die andere Seite des Gesetzes getrennt und dort gelten gewisse Regeln. Diesen inneren Kampf mitzuerleben hat an den Bildschirm gefesselt und Lisseth Chavez hat einen ganz tollen Job abgeliefert. Das ist jetzt die erste Episode gewesen, nach der ich den Eindruck habe, dass sie für dieses Team eine sinnvolle Ergänzung ist.

Aber Vanessa und Luis waren so süß zusammen, dass auch Hailey nicht einfach wegschauen konnte. Zunächst hat sie sicherlich die Grenzen des Gesetzes gedehnt, weil sie wie erwähnt in Bezug auf Vanessa ein weiches Herz hat, aber als sie dann Luis selbst kennengelernt hat und den Beweis erlebt hat, dass er innen drin wirklich einer mit Herz ist, hat sie es auch für ihn und vor allem für das Verhältnis der beiden untereinander getan. Dennoch fand ich es am Ende nicht ganz nachvollziehbar, warum der Schwerpunkt der Handlung sich gänzlich auf Hailey verlagern musste. Vanessa und Luis waren für mich der emotionale Mittelpunkt der Episode, doch sie wurden am Ende gar nicht mehr erwähnt. Stattdessen ging es eben um Hailey, die erneut gefährlich nah am Abgrund auf einem Seil balanciert. Schon in #7.12 The Devil You Know hat sie den Tod von Darius Walker quasi in Auftrag gegeben, nun also platziert sie gefälschte Beweise. Hier wird also noch einmal betont, dass solche Entscheidungen bei Hailey keine Eintagsfliege sind. Schön und gut, zumal es ja eine charakterliche Entwicklung ist, die zu allen Seiten Potenzial hat, aber in dieser Episode hatte sie nichts zu suchen.

Dennoch muss ich anerkennen, dass die abschließende Interaktion von Hank und Hailey schauspielerisch ein Genuss war. Es war die logische Steigerung zu ihrer Auseinandersetzung aus der eben genannten Episode. Während er dort noch appelliert hat, ist es diesmal Wut, denn offensichtlich hat Hailey seine Worte nicht beherzigt. Richtig einprägsam und unter die Haut gefahren, sind mir da seine Worte: "I don’t need you to be me. I need you to be you." Zur "Strafe" muss sie nun also nach New York, um einen Gastauftritt bei "FBI" zu absolvieren. Ich bin sehr gespannt, wie das werden wird. Denn immerhin ist sie dort nur zu Gast und es ist zu bezweifeln, ob sie wirklich genug Screentime eingeräumt bekommt, damit es als logische Fortsetzung dieser Handlung wirkt.

Fazit

"Chicago P.D." liefert in dieser Woche eine Episode, durch die es bei mir und Vanessa endlich klick gemacht hat. Die ihr zugeschriebene Geschichte mit ihrem engsten Vertrauten Luis war berührend und schön erzählt. Auch die Freundschaft zu Hailey war ein Herzstück der Episode. Nur schade, dass es am Ende deren Festspielen werden mussten, denn es war eigentlich Vanessas Bühne.

Lena Donth – myFanbase

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