Bewertung: 7

Review: #1.19 Ein falscher Hund

So, also die zweite nächtliche Folge. Nicht ganz so wachbleibwürdig wie die letzte, aber nicht schlecht. Besonders drei Dinge springen einem, neben der eher unterdurchschnittlichen CotW, ins Auge: die Bewegung, die sich in Lillys Fall endlich wieder ergibt (wurde auch langsam Zeit, immerhin haben wir nach dieser Folge nur noch drei in der Staffel – das Finale muss ja langsam vorbereitet werden), der Charakter Aaron Echolls, der ja so lang brach lag und der Fakt, dass der Kuss zwischen Veronica und Logan kein stressbedingter Einzelfall war.

Kriech den Berg hinauf!

Langsam, ganz langsam bewegen wir uns in dieser Folge Richtung Finale – aber nicht wie man es erwarten würde, es werden nicht Vermutungen verdichtet und Beweise für eine bestimmte Antwort gefunden, sondern es wird immer mehr Seiteninformation angehäuft. Lillys Leben und ihr Tod werden immer mehr undurchsichtig. Nun tritt auch Weevil ins Rampenlicht und seine Beziehung zu Lilly gewinnt mehr an Bedeutung, denn auch diese scheint nun direkt mit dem Mord verwoben zu sein. Ich glaube, es wird offensichtlich, dass uns Rob Thomas hier keine simple, offensichtliche Lösung anbieten wird. Jep, wir werden wohl bis zur letzten Szene warten müssen um herauszufinden, wer Lillys wahrer Mörder ist.

Nun stellt sich dem Zuschauer die Frage, was Weevil unbedingt verheimlichen will – was es ihm wert ist in das Haus der Kanes einzubrechen und so nicht nur aller Wahrscheinlichkeit nach für Einbruch ins Gefängnis zu gehen, sondern auch den Verdacht in Lillys Fall auf sich zu lenken. Die nächsten Folgen könnten durchaus mit einigen Überraschungen aufwarten.

"Father knows best"

Aaron Echolls. Auch er tritt hier nach einiger Zeit wieder in die Serie hinein. Aus allerlei vergangenen Folgen wissen wir, dass er zur Aggressivität, ja zur Brutalität neigt. Hier wird uns nun nicht nur ein Wink mit dem Zaunpfahl gegeben, der uns daran erinnern soll, sondern uns wird ein ganzer Baumstamm über den Schädel gezogen.

Egal, wie nobel seine Beweggründe auch gewesen sein mögen: er neigt dazu, Menschen nach allen Formen der Kunst zu vermöbeln. Er misshandelt seinen Sohn und schlägt nun einen Kerl dafür zusammen, einen Finger an seine Tochter gelegt zu haben. Es könnte sein, dass er sich tatsächlich verändert, dass er einsieht, dass für ihn seine Familie alles sein muss, aber vielleicht richtet er seine aggressive Energie auch nur um. Egal wie es in ihm aussieht – er ist der unsympathischste Charakter, den Veronica Mars momentan zu bieten hat.

Aber in dieser Folge zeigt sich in ihm, meiner Ansicht nach, eine Parallele zu Logan. Auch Logan tritt in dieser Folge sehr protektiv auf. Er will Trinas Freund vermöbeln, egal wie wenig sie ihm auch bedeutet. Wie schon letzte Woche, als er sofort Veronica zur Hilfe kam, sehen wir hier, dass Logan im Herzen ein Beschützer ist. Ein Mann, der vielleicht nicht immer die richtigen Mittel wählt, der aber des Öfteren noble Motive verfolgt. Wer hätte das am Anfang der Serie gedacht?

Mit einem weiteren Vater gibt es ebenfalls Probleme: mit Keith. Celestes Auftritt bei Mars Investigations wirbelt einiges an Staub auf. Nicht nur, dass erstmals aus dem Mund eines Kanes die Möglichkeit eingeräumt wird, dass Jake Kane Veronicas Vater sein könnte, sondern Celeste gesteht zudem offensichtlich Veronicas Mutter vertrieben zu haben und somit mindestens an einem Teil der Schuld dafür zu tragen, dass die Mars Familie auseinander fiel. Keith scheint durch dieses Geständnis ebenso mitgenommen zu sein wie Veronica selbst, denn letztlich ist er es, der einen Vaterschaftstest (ohne Veronicas Wissen) veranlasst. Sie hatte ja bereits einen machen lassen, sich dann aber entschieden, dass Blutsverwandtschaft nicht halb so wichtig ist wie der Bund zwischen den beiden. Ob er die gleiche Einsicht und Charakterstärke aufweist bleibt abzuwarten.

Nun gibt es eine weitere Sache, für die Celeste Veronica hasst. Sie glaubt, dass V Schuld am verschwinden ihres Sohnes hat und fordert daher, dass sie ihn wiederfindet.

Einmalig?

Jaja, in dieser Folge zeigt sich nun, dass die Anziehungskraft, welche zwischen Veronica und Logan herrscht nicht einfach abgetan werden kann. Der Kuss der letzten Woche bleibt kein einmaliger Vorfall, sondern scheint der Anfang von etwas zu werden. Beiden ist durchaus bewusst, dass sie nicht wirklich wissen, was sie da tun; Veronica stellt ganz klar, dass sie mehr als verwirrt ist, wenn es um Liebesdinge geht. Sie ist sich soweit unklar, dass sie nichts von dem veröffentlichen möchte, was da zwischen den beiden läuft, aber ist dennoch soviel bewusst, dass sie bereit ist eine gut laufende Beziehung zu Leo aufzukündigen um sich über ihre Gefühle klar zu werden.

Es ist ja offensichtlich, dass sie in den letzten Monaten nicht das beste Händchen für Männer hatte – aber ich glaube, dass ihre vorgeschobenen Argumente Leo gegenüber nicht alles sind. Sie empfindet für Logan und er für sie. Nun ist die Frage, wie lange sich diese Geheimnis wird halten lassen und was passiert, wenn an die Öffentlichkeit dringt, dass die beiden eine "Beziehung" (wenn man das hier überhaupt schon so nennen kann) haben.

Achtung, der folgende Absatz greift schon auf Ereignisse bis einschließlich Folge #3.01 vor, die Logan und Veronica betreffen. Wer in dieser Hinsicht unverspoilert bleiben will, liest einfach ab dem nächsten Absatz weiter.

*** Auch wenn hier bereits ganz klar wird, was sich später zwischen den beiden immer wieder als Problem herausstellen wird: er scheint bereits hier bereit zu sein sie uneingeschränkt zu lieben. So wie er Lilly uneingeschränkt liebte. Und das Problem, dass seine Beziehung zu Lilly hatte, wird ihn auch in seiner Beziehung zu Veronica irgendwann noch einmal in leicht abgeänderter Form in den Arsch beißen. Während er scheinbar bereit ist, bedingungslos zu lieben, so war Lilly und ist Veronica einfach nicht bereit dazu. Bei Lilly waren die Motive ganz klar die Rebellion gegen ihre Eltern, ihr ausgeprägter Sexualtrieb und der Fakt, dass sie sich für ein Geschenk an die Männer dieser Welt hielt. Bei Veronica scheint es ein wenig komplexer. Die hier von ihr angesprochenen Probleme, die sie bei der Auswahl ihrer Männer hat, sind nur ein kleiner Teil des Grundes, warum sie Logan niemals so liebt wie er sie. Sie ist einfach nicht in der Lage anderen Menschen so sehr zu vertrauen, dass sie bereit dazu wäre, sich ihnen gänzlich hinzugeben. Diese ablehnende und introvertierte Haltung ist ihrerseits bedingt durch den Verlust und den Betrug, den sie (auch und besonders seitens ihrer Mutter) erleiden musste. Diese Haltung ist aber auch in sich selbst ein Grund für etwas anderes: nämlich das Gesicht der toughness und der cleverness, die wir an Veronica so schätzen. Diese Veronica Mars ist für sie ein Schutzwall, hinter dem sie sich versteckt und auch immer verstecken wird, wodurch sie nicht in der Lage ist Logan bedingungslos zu lieben – wodurch letztlich ihre Beziehung zu ihm und zu jedem anderen Mann, der nicht in der Lage ist diese Wand einzureißen, scheitern wird. ***

Aber schon vor der hormonellen Explosion zum Ende der Folge hin gibt es einige sehr schöne Szenen zwischen den beiden. Wie er sich mit Problemen sofort an sie wendet, ist ein wirklich eindeutiges Zeichen. Die Szene zwischen den beiden im Gang war auch wunderbar – wie beide krampfhaft versuchen das bestimmte Thema zu vermeiden – hab’ ich gelacht.

Fazit

Langsam arbeitet sich diese Folge zum Finale hin – viele Dinge werden dafür gesagt und getan, nur die CotW mag nicht zu überzeugen.

Ja, da sind wir auch schon am Hauptschwachpunkt dieser Folge. Die CotW kostet hier einiges an Boden – sie ist nicht spannend, nicht mitreißend und die "Außenseiter steh für dich selbst ein" Nummer ist sogar mir zu abgedroschen. Der Rest der Folge (vor allem die Geschichtenentwicklung um Veronica und Logan) konnten mich wirklich fesseln. 7 / 9 .

Martin Schultze - myFanbase

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