Bewertung

Review: #1.06 Die Rückkehr des Kane

Diese Woche also wieder eine Folge Veronica Mars, die sich gleichzeitig mit vielen Sachen beschäftigt und so viel für die Spannung der einzelnen Folge aber auch des gesamten Seasonarches tut. Alle drei Hauptaspekte dieser Folge gehen über den Rand ihrer Selbst hinaus und vertiefen so die gesamte Konstellation der Serie, geben ihr neuen Schwung.

Klassenkampf

Die Wahl zum Schülervertreter wird in dieser Folge zum Klassenkampf der Schule und so zum Symbol der gesamten sozialen Struktur Neptunes. Wanda repräsentiert die entmachtete Minderheit, die sich gegen elitäre Regelungen und das Regime einer Minderheit mit dem Hauptanteil der Macht wehren möchte. Duncan Kane, ungeachtet seiner anfänglichen Unfreiwilligkeit, steht während des Wahlkampfes für den Status Quo – die Macht in der Hand der wenigen Habenden.

Und so entwickelt sich schnell ein Spiegelbild unserer gesamten Gesellschaft: die träge Masse lechzt nach einem Anführer, der ihnen die ihn zustehenden Macht gibt. In Wanda glaubt sie diesen gefunden zu haben und stellt sich hinter sie. Beinahe ein historischer Fakt, dass bei dieser Wahl "Entmachtete vs. Mächtige" betrogen wird. Ebenfalls typisch, dass sich keiner engagiert um diesen Wahlausgang zu hinterfragen, dass sogar Lehrer sich in Ignoranz üben. Nur Veronica, als ewige Querulantin und Wahrheitssuchende begibt sich in die Offensive und kann letztlich die Wahrheit ans Licht bringen. Schön gemacht, dass hier, schon einige Zeit in die Serie hinein, noch mal offengelegt wird, wie sehr die sozialen und politischen Zustände Neptunes im Argen liegen.

Familienangelegenheiten

Was ich als besten Aspekt dieser Folge empfinde, ist wie die Dynamik innerhalb der Echolls dargestellt wird. Ein beinahe tyrannischer Vater, der zu aggressiven Durchbrüchen neigt und seinen beinahe volljährigen Sohn schlägt. Nicht nur, dass so eine dunkle Seite auftaucht, wo man sie so wenig erwartet hätte, dass man sie eigentlich erwarten musste, sondern es werden dazu Logan erstmals Hintergründe/Menschlichkeit zugestanden.

Er mag von Natur aus nicht der netteste Kerl sein, aber man erfährt in dieser Folge, dass er keinesfalls ein perfektes Leben führt, dass ihn aus Langeweile zu seinen idiotischen und ignoranten Aktionen treibt. Es ist dann nur logisch, dass er sich gegen seinen Vater zur Wehr setzt um als Sieger aus dem Streit zwischen den Beiden hervorzugehen. Schon beinahe ein Charakterzug, dieses Streben nach der Siegerseite, der an Veronica erinnert. So verschieden scheinen die beiden nicht zu sein, denn er hat offensichtlich ein chaotisches Zuhause, in welchem er nicht an erster Stelle kommt – auch er muss sich mit Familienproblemen herumschlagen, die man nicht geschenkt haben möchte, die aber weit häufiger vorkommen, als es uns lieb wäre. Das Erschreckendste an der Szene, in der Logan von seinem Vater mit einem Gürtel geschlagen wird, ist die fehlende Reaktion, die Resignation, die seine Mutter ausstrahlt. Man sieht ihr an, dass ihre Familie schon seit einiger Zeit diese Probleme hat. Nur eine Frage der Zeit, bis sie zerfällt.

Unschuld

Abel Koontz wurde angeschmiert. Eine weitere, sehr wichtige Erkenntnis dieser Folge, denn sie liefert den Beweis, dass er nicht der wirkliche Täter sein kann. Der Fall um Lilly nimmt Fahrt auf und es steht jeder außer dem Verurteilten als möglicher Täter da. Offen bleibt die Frage, warum er gestand, warum er seinen Anwalt feuerte und warum er bereit ist für ein Verbrechen zu sterben, dass er gar nicht begangen haben kann.

Verschwörungstheorien sind nun Tür und Tor geöffnet, denn es liegt auf der Hand, dass hier jemand seine eigene Schuld verbergen wollte. Die wichtigen Fragen bleiben: wer ist der Schuldige und warum ist Abel Koontz bereit für ihn zu sterben?

"The Reign of Kane"

Duncan setzt seine Achterbahnfahrt fort. Unter Antidepressivaentzug war er aktiv und eindeutig an Veronica interessiert. Nun, wieder unter dem Einfluss der Medikamente, treibt er auf hoher See vor sich hin, lässt sich sogar ohne Widerworte in den Klassenkampf einspannen, als Zugpferde der Reichen und Mächtigen. Dass er sich jedoch nicht wehrte, ist offensichtlich. Das Glück seines Vaters ist eng an seines geknüpft – er wollte seinen Vater nicht weiter durch seine Apathie entmutigen. Er sieht, dass sein Vater etwas braucht, an dem er sich selbst aufmuntern kann, dass sein Vater ein glückliches Kind braucht um nicht auch selbst aufzuhören zu leben.

So lässt Duncan es passieren. Wie Veronica feststellte, ist er auch hier zu Beginn Treibholz, ein Spielball derer, die etwas erreichen wollen. Erst als er sieht, dass er wirklich etwas tun kann, dass er nicht der antriebslose ewig Trauernde sein muss, ist er bereit, etwas zu tun. In diesem Fall ist es, denen eins auszuwischen, die ihn als Spielball für sich selbst benutzen wollten. Bereits in den Flashbacks wurde deutlich, dass Duncan ein ausgeprägtes Gefühl für Fairness besitzt und dies stellt er auch hier unter Beweis – seine Aktion ist meiner Ansicht nach allerdings nur teilweise der Fairness wegen, zum anderen Teil ist es wie oben erwähnt.

Schnipsel

- Veronica fand Beweise, die den Fall um Lilly Kane am Leben erhielten, und ist bereit ihren Vater einzuweihen. Man sieht hier, dass Keith bereit war, es hinzunehmen wie es war, aber seine Tochter eröffnet ihm hier die Möglichkeit die Wahrheit ans Licht zu bringen und sich selbst im Prozess wieder herzustellen. Schön, dass auch er die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hat.
- Veronica muss es langsam gewohnt sein, dass die Menschen, denen sie zu helfen versucht, des Öfteren dazu neigen, sie hinterrücks zu verraten. Sie zieht es vor dabei als Sieger hervorzugehen und sich nicht im Klagen zu ergeben – wie schon letzte Woche.

Fazit

Eine Folge, die viel für das Gesamtgefüge der Serie tut und dabei auch für sich allein durchaus zu überzeugen weiß.

Auch wenn die Folge nicht mit der spannendsten CotW aufwartet, so bin ich doch fasziniert davon, dass sie soviel auf einmal tut. Sie stellt die Missstände Neptunes dar, gibt Logan Facetten und treibt den Fall um Lilly voran. Alles in Allem nicht perfekt, aber wirklich gut. 7 Punkte.

Martin Schultze - myFanbase

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