Bewertung: 3

Review: #8.08 Kampf um die Zukunft

Foto: Chandler Riggs & Danai Gurira, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Chandler Riggs & Danai Gurira, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

Midseason-Finale. Der große Showdown. Ein Wendepunkt! Es wird Opfer geben… Was wurde wieder die Werbetrommel gerührt im Vorfeld der Episode. Doch die Serie krankt im Moment. Die Quoten fallen und viele Fans sind der unlogischen, undurchdachten Geschichte überdrüssig, die hier erzählt wird.

In den Comics nimmt der Handlungsstrang um Negan einen großen Spielraum ein. Negan ist ein vielschichtiger, interessanter und ruchloser Charakter und selbst der erste Auftritt in der Serie war vielversprechend. Doch leider schaffen es die Serienmacher nicht, die Comic-Version für die Leinwand zu adaptieren. Man scheiterte schon daran, den Gouverneur in der 3. Staffel zu einem ernstzunehmenden, gefährlichen Gegner zu machen und bei Negan ist man noch weiter davon entfernt, sein Comic-Alter-Ego wirklich zu erfassen. Negan ist ein selbstverliebter Psychopath, der hin und wieder mal durchscheinen lässt, welch perverses Schwein er ist, doch eigentlich redet er die meiste Zeit. Er schwadroniert über Macht, er palavert über Konsequenzen, er sinniert über die Notwendigkeit, im richtigen Moment Stärke zu zeigen. Er tut jedoch nichts, um seine Worte zu untermauern. Noch immer ist mir nicht klar, wie er es schafft, so viele Menschen zu unterjochen, ihnen seinen Willen aufzuzwingen, sie gefügig zu machen. Er hat Charisma, sicher. Jeffrey Dean Morgan hat eine wahnsinnige Präsenz auf der Leinwand. Negan jedoch, er ist langweilig. Und Langeweile ist das große Wort, das über der 8. Staffel thront.

Das größte Problem der Serie in der 8. Staffel ist Zeit. Es gab ein großes Ereignis im Staffelauftakt und ein großes, sehr ähnliches im Midseason-Finale. Die Zeit dazwischen war gekennzeichnet durch etliche, in die Länge gezogene Momente, zahlreiche Close-Ups und eine Menge nichtssagendem Nonsense. Es ist repetitiv. Es ist eintönig. Es ist langweilig.

Aber zurück zur Episode: Daryls großartiger Plan geht (natürlich) nach hinten los. Negan und die Saviours schaffen es nach draußen. Im Nullkommanix haben sie Autos organisiert und sind nach Alexandria gereist, um dort Rache zu üben. Hier könnte man mal wieder über die mangelnde Kohärenz von Zeit und Ort jammern, aber ich bin der Sache überdrüssig. Es ist ja selbst den Serienmachern wurscht – wie die Saviours rausgekommen sind? Sie haben es halt irgendwie geschafft, sagt Simon auf Maggies Frage, wie sei rausgekommen sind. Die tagelange Belagerung hat nicht dazu geführt, dass sie nicht binnen kürzester Zeit einen Gegenschlag planen und durchführen können. Eugene sagt Dwight, als Daryl ihn fragt, wie sie sich retten konnte. Eine sinnvolle Erklärung gibt es nicht. Warum auch soll man sich mit solchen Nichtigkeiten herumplagen. Die Action ist es, die zählt. Und davon gibt es reichlich.

Es fällt Alexandria. Es fällt auch das Kingdom. Ezekiel findet seine Stärke zurück, die er kurz zuvor verloren hatte und opfert sich, damit seine Leute leben können. Er verhilft ihnen zur Flucht und begibt sich in die Hände von Gavin, der ihn kurz schlagen lässt, darüber sinniert, was Negan mit ihm vor hat und dann verschwindet. Und Ezekiel grinst. Er ist mit sich im Reinen. Maggie verliert einen ihrer Leute und tötet eine ihrer Geiseln, und schickt sie in einem Sarg zu Negan, um ihm und den Saviours zu zeigen, dass sie nicht aufgeben. Sie wappnen sich für die letzte Schlacht. Sie ist bereit zu kämpfen.

Enids und Aarons Trip dient dazu, sie zu den Oceanside-Frauen zu bringen, in der Hoffnung, dass sie sich ihnen anschließen. Nachdem sie ihnen die Waffen genommen hat, werden sie bestimmt erpicht darauf sein, ihnen zu helfen. Vor allem jetzt, nachdem Enid Grandma getötet hat.

Die Scavangers – so plötzlich die Oceansider aufgetaucht sind, so schnell verschwindet Jadis mit ihren Leuten, als Rick am Sanctuary auf Gegenwehr stößt und war danach nicht mehr gesehen.

So viele kleine Geschichten und keine vermag wirklich zu überzeugen, kann den Zuschauer packen und an den Rand des Sofas bringen. Obwohl. Einen kleinen Lichtblick gibt es: Carl. Nicht nur hat er einen Plan, er bekommt auch noch die Gelegenheit für eine tief emotionale Rede, die selbst Negan zu beeindrucken scheint und er hat den großen Moment am Ende der Episode, als klar wird, dass er gebissen wurde. Es kursieren ja interessante Theorien darüber, dass Carl gar nicht dem Tod geweiht ist, da man nicht gesehen hat, wie er gebissen wurde, der Biss also nicht von einem Beißer stammt. Natürlich ist das weit her geholt, aber hey… nichts ist unmöglich bei "The Walking Dead". Es wäre natürlich ein starkes Stück. Carl ist einer der wenigen Charaktere, die seit Anbeginn der Serie bei uns sind. Sein Tod sollte den Zuschauer emotional erschüttern. Doch merkwürdigerweise tut es das nicht wirklich. Warum auch? Carl ist nicht zentraler Bestandteil der Serie. Er hatte in der 8. Staffel bislang gefühlt genauso wenig Screentime wie Judith oder das Redshirt, das in Maggies Wagen getötet wurde.

Und wenn selbst der Tod eines Hauptcharakters der ersten Stunde nicht mehr wirklich ins Gewicht fällt, wenn man emotional nicht mehr involviert ist, dann läuft etwas gewaltig schief. Und ob man noch einmal in der Lage sein wird, das Ruder herum zu reißen, das wage ich zu bezweifeln. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Melanie Wolff - myFanbase


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