Bewertung: 3

Review: #10.10 Hinterhalt

Foto: Norman Reedus, The Walking Dead - Copyright: Jace Downs/AMC
Norman Reedus, The Walking Dead
© Jace Downs/AMC

Nach der letzten Episode dachte ich eigentlich, dass es nicht noch schlimmer kommen kann, doch da habe ich mich getäuscht. Die Autoren haben es geschafft, gleich noch eine vollkommen haarsträubende Episode zu kreieren, die nur einen Lichtblick hatte.

"Schmerz hat mich erschaffen und er erschuf auch dich."

Nachdem Daryl Carol letztlich deutlich Vorwürfe gemacht hat, dass sie nur aus Rachegedanken alle in Gefahr gebracht hat, verhält er sich nun genauso dämlich. Immerhin bringt er damit erst mal niemand anderes direkt in Gefahr, aber wieso er jetzt plötzlich denkt, im Alleingang im gegnerischen Feindesland Alpha angreifen zu können und dabei nicht zu sterben, erschließt sich mir nicht. Aber vielleicht wollte er auch sterben, was nur allem widerspricht, was er zuletzt Carol gegenüber geäußert hat. Seine Aktion ist also absolut hirnrissig und dämlich. Aber Alpha und ihre Leute haben die Weisheit auch nicht für sich gepachtet. Sie fühlten sich offenbar in absoluter Sicherheit und haben noch nicht mitbekommen, dass unsere Gruppe die Höhle verlassen konnte. Das ist ok, aber etwas naiv, zumal immer noch nicht klar ist, warum man sie überhaupt hat leben lassen nach ihrem verbotenen Eindringen. Jedenfalls kann Daryl tatsächlich angreifen, bekommt aber so viel Gegenwehr, dass man fortan quasi dabei zusehen darf, wie Daryl und Alpha langsam abnippeln. Beide sind total am Ende und man fragt sich nur, warum sie nicht endlich sterben. Dass dies nicht passiert, ist insofern zu erwarten gewesen, weil es zu diesem Zeitpunkt, auf diese Art und Weise ziemlich unbefriedigend gewesen wäre, zwei so wichtige Charaktere sterben zu lassen. Und immerhin hat diese seltsame Storyline noch einen positiven Aspekt gehabt.

"Sie sind menschlich, nicht perfekt, nur menschlich. Das war alles, was ich wollte und was du mir nie gegeben hast."

Lydia darf nämlich in diese skurrile Szenerie einsteigen und mit ihrer Mutter im Delirium reden. Das Gespräch ist relativ emotional, aber erst mal noch nicht so wahnsinnig bewegend, der Output daraus aber schon. Nicht nur, dass Lydia Daryl rettet, sie richtet auch eine eindeutige Botschaft an ihre Mutter. Dass sich Lydia nun doch so stark von ihrer Mutter emanzipiert und nun wie eine neue Hoffnung auf eine bessere Welt daher kommt, gefällt mir sehr gut. Ich habe Lydia irgendwie schon immer gemocht und kann mir gut vorstellen, dass sie eine noch bedeutendere Rolle für Alexandria und eben im Kampf gegen die Whisperer spielen wird. Diese haben sich ja am Ende noch mal deutlich als Ende der Welt deklariert, Alpha hat nun also ihre Tochter wohl abgehakt. Insofern kann mich dieses Ende ein bisschen für die vorherigen 35 Minuten entschädigen und ich bleibe hoffnungsvoll, dass die Autoren auch noch gute Ideen haben, um diese Staffel voran zu bringen.

"Dieser Ort ist anders als sie behauptet hat. Sie hat gelogen."

Die Autoren dachten sich wohl, wenn Daryl einen Alleingang wagt, dann kann man Beta auch mal in Aktion treten lassen. Dieser ebenso eigentlich zum Scheitern verurteilte Alleingang, den Dante mit einer kleinen Buddelaktion mit vorbereitet hatte (natürlich hat das niemand bemerkt), gelingt eigentlich nur deswegen, weil alle Alexandriner alles falsch machen, was sie nur falsch machen können. Zunächst lassen sie sich ablenken, was noch realistisch ist. Dass Beta dann die Idiotentruppe um Lydias Peiniger killt, hatte noch was Befriedigendes, aber der Zeitaspekt bis zur Transformation zum Beißer muss wieder mal außer acht gelassen werden (kann es sein, dass das immer schneller geht?). Danach wird es dumm. Beta sucht die übergelaufene Gamma auf und die Wache glaubt, ihn mit einem Speer zehn bis zwanzig Minuten in Schach halten zu können. Entschuldigung, da dringt ein sichtbar zu erkennender Whisperer in Alexandria ein und sie bedroht ihn alleine. So viel Selbstüberschätzung verdient nur den Tod. Ich hätte da direkt den Speer in den Oberschenken gebohrt und mit einem Messer nachgeholfen oder gleich in den Hals. Die Bedrohung war offensichtlich und Selbstschutz sollte immer noch an erster Stelle stehen. Judith hat da zurecht keine Skrupel, aber statt noch eine zweite Kugel in den Kopf hinterher zu setzen, rennen sie lieber weg. Das hat sich schon immer bezahlt gemacht und geht natürlich auch hier schief. Insofern muss Gamma hier sich selbst opfern, um Rosita zu retten. Das war immerhin eine starke Aktion. Und da Beta dann auf dem Heimweg zufällig Gabriel und Co. in die Arme läuft, kann man Gamma sogar retten und eventuell endgültig aufnehmen. Ich finde das am Ende dann immerhin schlüssig und hoffe sehr, dass Gamma vertrauenswürdig ist und nicht schon wieder ein falsches Spiel gespielt wird. Beta konnte diese ganze Aktion dann tatsächlich überleben. Da ist er jetzt aber auch einigen Menschen etwas schuldig…

Fazit

Auch diese Episode war alles andere als ein Meisterstück sondern nur ein sinnfreies Angreifen und dann doch leben lassen, was den Großteil der Episode ad absurdum führte. Immerhin kann man die Konsequenzen aus diesen Storylines als Hoffnungsschimmer betrachten (oder als Klammern an einen der letzten Strohhalme). Manchmal heiligt der Zweck auch die Mittel, aber dafür waren die Mittel einfach viel zu unlogisch.

Emil Groth - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier oder in unserem Forum mit anderen Fans von "The Walking Dead" über die Folge #10.10 Hinterhalt diskutieren.