Bewertung: 5

Review: #7.09 Die Last der Ringe

Foto: David Eigenberg & Sarah Jessica Parker, And Just Like That... - Copyright: Craig Blankenhorn/HBO Max
David Eigenberg & Sarah Jessica Parker, And Just Like That...
© Craig Blankenhorn/HBO Max

Es ist mir ein Rätsel, was sich die Autoren gedacht haben, als sie die Handlung rund um Miranda entworfen haben. Gerade erst hat sie ihre Ehe in den Wind geschossen und jetzt mutiert sie zu einem unsicheren Teenager? Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass man bei ihr eine ungewöhnliche Schiene fährt, aber warum muss die Geschichte auch noch so unausgereift und unglaubwürdig erzählt sein? Zum Glück gibt es daneben noch Carrie und Charlotte, die nach dem eher nebensächlichen Geplänkel der letzten Episode nun dafür sorgen können, dass man diese Episode ertragen kann.

"Who am I? Meg fuckin' Ryan?"

Da brauste Miranda – nachdem sie Steve off-screen von Che erzählt hatte – in der letzten Episode mal eben nach Cleveland und berichtete Che – ebenfalls off-screen – von ihrer Trennung, damit sie sich nun in dem unkonventionellen Gebilde wiederfindet, das von Che keinesfalls in eine Schublade gesteckt werden möchte, obwohl die beiden sich doch so sehr lieben. Tut mir leid, aber was soll der Mist? Liebe – ja. Beziehung – nein. Sex – ja. Daten – nein. Sich kennenlernen – ja. Bei "I was craving me some Che." bin ich beinahe selbst zu Professor Puke geworden. Ich habe keine Ahnung, was die Autoren hier versuchen. Che als nette Person darzustellen und sich gleichzeitig alle Türen offenzuhalten, da ein Freigeist wie Che sich niemals binden würde? Miranda zu einem kichernden Mädchen mutieren zu lassen, dessen graue Perücke schlecht sitzt? Und wo wir gerade bei Miranda sind – gibt es bei ihr überhaupt keine Konsequenzen für ihr rücksichtsloses Verhalten gegenüber Steve? Wohnen sie tatsächlich noch zusammen und auch Brady hat nichts daran auszusetzen, dass die Ehe seiner Eltern sich gerade in Luft aufgelöst hat? Empfindet es noch jemand als sehr unnormal, dass Steve und Brady zum Malern beim Frauenhaus auftauchen, kurz nachdem Miranda ihre Ehe mit Steve freudestrahlend torpediert hat? Das alles macht überhaupt keinen Sinn und ich frage mich, weshalb "And Just Like That…", das doch ach so korrekt sein möchte, es dann so aussehen lässt, es wäre leicht, seine Ehe zu beenden. Die Geschichte ist ähnlich unausgereift wie die mit Mirandas Alkoholproblem, das innerhalb von Minuten abhakt werden konnte. Ich finde es erschreckend, dass alle bitteren Konsequenzen bei Miranda außer Acht gelassen werden. Eigentlich möchte ich nicht, dass liebgewonnenen Figuren leiden müssen, aber so ein sorgloses Leben ist einfach nicht glaubwürdig.

Smug Charlotte & Strike 2

Was für eine Erleichterung bieten dagegen die Szenen mit Charlotte und Carrie. Wie bereits in der vorangegangenen Episode hat Charlotte mit ihrer Tochter alle Hände voll zu tun. Alles rund um Tampons, Menstruation, Wechseljahre und das Dixieklo war einfach zum Grölen und hat der Episode wunderbar heitere Momente gebracht. Dass Lilly ein absoluter Mini-Me von Charlotte ist und Charlotte in ihrer Art sogar noch zu übertreffen wusste, war wahnsinnig witzig. Dazu noch die Momente mit Harry und Anthony – ein Genuss.

Für den ernsten Ton sorgte in dieser Woche Carrie. Ich bin sehr erleichtert, dass Peter aka. Professor Puke nicht totgeschwiegen wird. Carries Zweifel daran, bereit für ein zweites Date zu sein, waren sehr authentisch und es wirkte stimmig, dass sie Peter erst einmal auf Abstand hielt. Sehr gut gefallen hat mir auch, wie verständnisvoll Peter mit Carries Korb umgegangen ist und dass auch er versicherte, noch an seiner Frau zu hängen. Umso schöner war es, dass Carrie am Ende der Folge nun doch bereit scheint, für einen dritten Anlauf mit Peter. Ich bin gespannt, was das Finale diesbezüglich bringen wird.

Noch wichtiger als Carries Szenen mit Peter waren für mich jedoch die mit Steve. Während man bei Miranda vollkommen versäumt, Steves Sicht der Dinge zu zeigen, empfand ich es als eine Wohltat, dass seine Gefühle im Gespräch mit Carrie nicht ignoriert wurden. Ganz sanft und ohne zu bohren fragt er Carrie nach Miranda und ihren Beweggründen aus. Sowohl Steves Worte als auch Carrie Reaktion waren ganz und gar im Reinen mit den Charakteren, die wir aus "Sex and the City" kennen. Auch wenn die Unterhaltung sehr traurig war, hat sie sich dennoch sehr gut angefühlt.

Randnotizen

  • Möchte man Seema als Samantha 2.0 verkaufen – erfolgreich, ungebunden, Alphatier, sehr offene Einstellung zu Sex? Irgendwie empfand ich sie in dieser Episode als übertrieben selbstgefällig. Und was sollte der Flirt mit dem Clubbesitzer? Das erschien auch sehr aus der Luft gegriffen.
  • Lisas Outfit war phänomenal und ungefähr so passend wie Carries Schuhwahl.
  • Autsch. Während Nya zufrieden mit dem Thema Kinder abgeschlossen hat, kann man von Andre genau das Gegenteil sagen.

Fazit

In der vorletzten Episode von "And Just Like That…" halten sich die guten und die schlechten Dinge die Waage. Alles rund um Miranda entspricht überhaupt nicht ihrem Charakter, was sehr schade ist. Ich bin gespannt, wie man das neue Kapitel von "Sex and the City" nächste Woche beenden wird, habe allerdings keine große Hoffnung, dass man zufrieden sein wird.

Marie Müller - myFanbase

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