Stateless - Review des Piloten

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Die erste Folge der von Cate Blanchett ("Elizabeth Das goldene Königreich", "Tagebuch eines Skandals") produzierten Miniserie "Stateless" feierte bei der Berlinale 2020 Premiere seit dem 8. Juli 2020 ist die komplette sechsteilige Serie auf Netflix zu sehen. "Stateless" beginnt damit, dem Zuschauer die Hauptcharaktere vorzustellen und in die komplexe Geschichte der Miniserie einzuführen. Es wird nichts erklärt, es gibt weder eine zeitliche Einordnung noch eine umfassende Vorstellung der Handlungsorte oder der Thematik. Was auf den ersten Anschein vielleicht zerstreut oder unfokussiert wirkt, ist letzten Endes ein filmisches Mittel, das den Zuschauer zur Aufmerksamkeit zwingt. Durch diese fragmentierte Einleitung in die Handlung von "Stateless" und um einen ersten Überblick zu schaffen, geben wir euch ein kurzes Intro zu den Hauptcharakteren, die in der ersten Folge vorgestellt werden.

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Thematisch beschäftigt sich die Serie mit den sogenannten "Mandatory Detention Centers" in Australien, in denen erst einmal jeder untergebracht wird, der als Flüchtling im Land Obhut sucht. Diese Center werden kontinuierlich kritisiert, da die Bedingungen teilweise nicht als menschenwürdig beschrieben werden. Die Thematik hat Filmstar Cate Blanchett, selber in Australien geboren, so sehr bewegt, dass "Stateless" entstanden ist. Während der Dreharbeiten haben die Darsteller und Produzenten dabei immer wieder auch mit Menschen gesprochen, die selber in diesen "Mandatory Detention Centers" waren, um die Situation akkurat darstellen zu können.

Foto: Stateless - Copyright: Courtesy of Netflix
Stateless
© Courtesy of Netflix

Der Afghane Ahmad Ameer (Fayssal Bazzi) versucht von Pakistan aus mit seiner Familie ein Flüchtlingsboot nach Australien zu nehmen. Diese Route wird immer wieder genutzt, um ins Land zu kommen nicht selten sterben Menschen bei der Überfahrt. Das Risiko, welches Ameer und seine Familie eingehen wollen, bezahlen sie zudem teuer; ein Schmuggler verspricht ihnen eine sichere Überfahrt. Als es endlich so weit ist und das Klopfen an der Tür signalisiert, dass sie jetzt die "Reise" nach Australien antreten, geht es der jüngsten Tochter bereits gesundheitlich schlecht. Nicht alle schaffen es ins Boot - die Familie wird getrennt - es ist ungewiss, ob die Familie je wieder zusammenfinden wird. "Stateless" erzählt die Geschichte anhand von Berichten der Menschen, die diesen Weg der Flucht bereits hinter sich gebracht haben. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass man die Menschlichkeit und Emotionen durchweg mitfühlen kann und mitunter vergisst, dass es keine Dokumentation, sondern eine gespielte Szene ist. Ameer kommt am Ende der ersten Folge im Mandatory Detention Center in Australien an wo seine Familie ist, sieht der Zuschauer nicht.

Foto: Yvonne Strahovski & Jai Courtney, Stateless - Copyright: Ben King/Netflix
Yvonne Strahovski & Jai Courtney, Stateless
© Ben King/Netflix

Ameer trifft im Center auf Cam Sandford (Jai Courtney), der ihn und andere Flüchtlinge an seinem ersten Arbeitstag als Aufseher sehr freundlich begrüßt. Cam stellt die andere Seite der Geschichte dar. Er hat von einem schlecht bezahlten Job ins Mandatory Detention Center gewechselt, um besser für seine Familie sorgen zu können, da er dort dreimal so viel verdient wie zuvor. Die Entscheidung ist ihm nicht leichtgefallen: Cams Schwester besucht regelmäßig die Flüchtlinge und kümmert sich um sie. In der ersten Folge von "Stateless" erfährt man im Vergleich mit den anderen Hauptcharakteren verhältnismäßig wenig über Cam, weshalb es mitunter schwerfällt, sich mit der Figur zu identifizieren. Seine Arbeit im Center ist jedoch dafür prädestiniert, dass seine Rolle noch stärker ausgebaut wird.

Hat man sich mit der Thematik von "Stateless" vor Beginn der Serie etwas auseinandergesetzt, weiß man mit Sophie (Yvonne Strahovski, "Dexter") nicht so recht etwas anzufangen. Sie ist eine Australierin, Stewardess und nicht ganz im reinen mit ihrer Familie. Sie lebt ihr Leben anderes, als ihre Verwandten es gerne hätten, und scheint zunehmend daran zu verzweifeln. In einer zunächst harmlos wirkenden Gruppe namens GOPA (Growing One's Own Potential Archivement) findet sie Anschluss und wirkt glücklicher. Als Zuschauer kommt man recht schnell ins Zweifeln, dass GOPA "nur ein Tanzstudio" ist und soll am Ende Recht behalten. Yvonne Strahovskis schauspielerisches Talent strahlt bei jeder Szene und ihre Wandelbarkeit wird in voller Breite dargestellt etwas was jeden Fan von "Chuck" Jahre nach der Absetzung der Serie sehr freuen wird. Die Szenen, in denen Sophie die einzelnen Ebenen und Schritte ihres Auf- und Abstiegs erlebt, prägen sich ein; und doch fehlt lange Zeit der Zusammenhang zum großen Ganzen von "Stateless". In der letzten Einstellung der ersten Folge wird der Zuschauer jedoch mit einem starken, aber sehr unvorhersehbaren Moment zurückgelassen, der die Geschichten der Hauptcharaktere zusammenführt.

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Fazit

"Stateless" lässt den Zuschauer nach einer Folge noch etwas in der Luft hängend zurück. Es ist nicht so richtig klar, wo und wie die einzelnen Geschichten der Figuren zusammenpassen und wo die Geschichten eigentlich hingehen soll. Was sich einprägt sind schauspielerisch überproportional gute Darstellungen neben Yvonne Strahovski ("The Handmaid's Tale - Der Report der Magd"), Jai Courtney und Fayssal Bazzi, trumpfen auch Cate Blanchett und Dominic West ("The Wire", "300", "The Hour") auf. Insgesamt ist die erste Folge von "Stateless" solide und wird zur Einführung der Charaktere gut genutzt. Dank Netflix kann direkt weitergeschaut werden denn in der zweiten Folge beginnt die Handlung wirklich Fahrt aufzunehmen.

Jeanne Plaumann - myFanbase

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