The Wire

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Die US-amerikanische Stadt Baltimore im Bundesstaat Maryland gilt als eine der Städte in den USA mit den meisten Verbrechen. Allein 2006 gab es 276 Morde, was für eine Stadt mit gerade einmal gut 600.000 Einwohnern eine beträchtliche Zahl ist. Damit ist die Mordrate siebenmal so hoch wie im nationalen Durchschnitt und sechs- bzw. dreimal so hoch wie in Metropolen wie New York City und Los Angeles. David Simon, ein ehemaliger Polizeireporter für die Tageszeitung "The Baltimore Sun", wollte "seine" Stadt nicht nur in Form einer TV-Serie darstellen, sondern vor allem auf die Missstände aufmerksam machen, die dazu führten, dass Baltimore die Stadt mit den zweitmeisten Verbrechen in den USA geworden ist.

Dazu konzipierte er für den US-amerikanischen Pay-TV Sender HBO eine Serie, die ihren Ausgangspunkt in der täglichen Arbeit einer Polizeieinheit gegen den Drogenhandel in den Sozialwohnungen des Westens von Baltimore hat. Daraus entwickelt sich ein breit angelegtes Sittenbild der Stadt Baltimore, von ihren schwarzen Ghettos bis zur politischen Führungsschicht. Dabei wird nicht nur der Drogenhandel thematisiert, sondern ebenso der Niedergang der amerikanischen Arbeiterklasse, das marode Erziehungssystem oder die Rolle der Massenmedien in all dem. Es wird nicht nur den Drogendealern oder Polizisten eine Stimme gegeben, sondern auch den Junkies, Schülern, Politikern, Lehrern oder Journalisten Baltimores, so dass aus "The Wire" eine Serie wurde, die gleichwohl die wohl realistischste Darstellung des städtischen Lebens ist, als auch allein von der unbeschreiblichen Anzahl an Charakteren und ihren Handlungssträngen auch die komplexeste. Der Anspruch David Simons war daher auch nie, "nur" eine gute Serie abzuliefern, sondern auch zu erklären, warum manche Dinge eben so sind wie sie sind und weswegen sie nicht von heute auf morgen geändert werden können. Allein diese Haltung macht "The Wire" zur wohl ambitioniertesten Serie, die je entwickelt wurde.

Daher wird, wenn bei Kritikern nach der besten TV-Serie, die je gemacht wurde, gefragt wird, neben den üblichen Verdächtigen ("Die Sopranos", "Buffy - Im Bann der Dämonen", "The West Wing") vor allem immer wieder "The Wire" genannt und das obwohl man kommerziell nie sonderlich großen Erfolg hatte oder eine Unmenge an Awards gewann (es gab gerade einmal zwei Nominierungen für den Emmy). Selbst HBO, das "The Wire" in den USA ausstrahlte, stand zeitweise kurz vor der Absetzung der Serie, da sie im Vergleich zu den damaligen Flaggschiffen "The Sopranos" und "Sex and the City" deutlich weniger Zuschauer anziehen konnte. Doch das überschwängliche Lob aus den Feuilletons ist auch HBO nicht entgangen, so dass die öffentliche Meinung über die vierte Staffel der Serie, die gemeinhin als beste Serienstaffel, die je produziert wurde, gilt, Genugtuung genug sein wird für die Serie, die zwischen 2002 und 2008 gesendet wurde.

Was die internationale Vermarktung angeht, tat sich "The Wire" vor allem am Anfang schwer und wurde bis zum Ende der Serie kaum überhaupt irgendwo ausgestrahlt. Mittlerweile scheint sich das Urteil zu ändern, insbesondere nachdem man auch beispielsweise in deutschen Tageszeitungen und Onlinemagazinen voll des Lobes über sie ist.


Serienmacher: David Simon
US-Ausstrahlung: 02.06.2002 - 09.03.2008 auf HBO
D-Pay-TV-Ausstrahlung: 09.09.2008 - 09.07.2010 auf FOX Channel
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Der Großteil des wohl umfangreichsten Casts einer Dramaserie in der TV-Geschichte war vor dem Einstieg in die Serie unbekannt. Dominic West hat hierbei allerdings bereits vor "The Wire" mit der einen oder anderen Kinorolle auf sich aufmerksam machen können. Die meisten Darsteller konnten aber im Laufe der Serie bzw. nach Ende ihrer Rolle so manchen namhaften Posten bekleiden... mehr

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Andreas meint: "The Wire" ist nicht weniger als die beste Serie, die je im Fernsehen gezeigt wurde. Das beweisen nicht nur die unzähligen nationalen und internationalen Stimmen, das erfährt man auch am eigenen Leibe, wenn man sich diese Serie ansieht. Nie war etwas, das man im TV gesehen hat, realistischer und komplexer, nie wurden Menschen mehrdimensionaler und echter dargestellt... mehr

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