DVD-Rezension: Scandal, Staffel 3

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Die dritte Staffel "Scandal" steht ganz unter dem Zeichen Guilty-Pleasure und fokussiert nicht so stark auf Fälle der Woche für Olivia Pope (Kerry Washington) und ihr Team, sondern heizt die Stimmung gewaltig an, indem man Olivias Eltern ins Spiel bringt und sehr viel Wert auf ihre Beziehungen legt.

Inhalt

Foto: Kerry Washington, Scandal - Copyright: ABC/Eric McCandless
Kerry Washington, Scandal
© ABC/Eric McCandless

Ganz zu Beginn stellt sich natürlich die Frage, wie Fitz (Tony Goldwyn) und Olivia damit umgehen, dass ihre Affäre bekannt geworden ist. Schnell finden die beiden dafür jedoch ein Hintertürchen und sorgen dafür, dass sich an der Situation nichts ändert. Stattdessen tritt Olivias Familienleben in den Vordergrund und nicht nur der charismatische Eli Pope (Joe Morton) spielt eine große Rolle, sondern auch Olivias tot geglaubte Mutter Maya (Khandi Alexander). Die Situation zwischen den Familienmitgliedern ist von Beginn an angespannt, da Eli der Chef von B613 und Maya eine weltbekannte Terroristin ist. Die Konsequenzen dieser Entdeckung sorgen auch für eine Entfremdung zwischen Olivia und Fitz, da sie beim Graben in der Vergangenheit über ein gut gehütetes Geheimnis stolpert.

Auch Fitz beschäftigt sich in dieser Staffel viel mit seiner Familie, die er an seiner Seite braucht, um die Wiederwahlen zum Präsidenten zu gewinnen. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass dieses Mal nicht manipuliert wird, weshalb er sich natürlich umso größere Sorgen macht, dass er unter normalen Umständen keine Chance hat, zu gewinnen. Aufgepeppt wird der Wahlkampf durch das Mitmischen von Olivia und Sally Langston (Kate Burton).

Rezension

Foto: Joe Morton, Scandal - Copyright: ABC/Kelsey McNeal
Joe Morton, Scandal
© ABC/Kelsey McNeal

Bereits zuvor war "Scandal" immer eine Achterbahnfahrt der Gefühle, doch in dieser Staffel schaltet man noch einmal einen Gang hoch. Immer wieder wurden zuvor Fakten enthüllt, die das Liebespaar Olivia und Fitz einander näher gebracht haben und sie kurz darauf wieder entzweiten. Ganz ähnlich sieht es dieses Mal auch aus, aber die Messlatte liegt viel weiter oben und man sieht teilweise keinen Weg mehr, wie die beiden wieder zu einander finden können, obwohl man es sich selbst doch so sehr wünscht und es den beiden auch gönnt, endlich mit einander glücklich zu werden. Man macht uns allerdings einen fetten Strich durch die Rechnung, als die Wahrheit über Operation Remington ans Licht kommt. Dass Fitz Olivias Mutter auf dem Gewissen haben soll, scheint das Ende der Beziehung zu sein und es ist sehr fesselnd inszeniert, wie sich die Kluft zwischen den beiden immer weiter vergrößert. In diesem Zusammenhang kann man natürlich auch die brodelnden Gefühle zwischen Olivia und Jake (Scott Foley) nicht außen vor lassen. Die beiden wurden uns neben Olivia und Fitz als nicht weniger interessantes Paar präsentiert, was natürlich für einigen Wirbel sorgt, da man uns neben Jakes Liebe für Olivia in dieser Staffel auch seine blutrünstige und eiskalte Seite zeigt. Der Schock, dass Olivia am Ende der Staffel mit Jake das Land verlässt, obwohl eine Versöhnung mit Fitz zum greifen nahe ist, hätte daher nicht größer sein können.

Ebenso genial ist die Tatsache, dass Shonda Rhimes und ihre Team es immer wieder schaffen, den Spieß umzudrehen, dabei aber viel Wert darauf legen, dass dennoch alle noch so winzigen Details zu einander passen. Denn als man enthüllt, dass Maya noch lebt, dass Eli sie eingesperrt hielt und dass sie tatsächlich eine Terroristin ist, weiß man wirklich nicht, wem man noch trauen kann. Hinter jedem Lächeln verbirgt sich plötzlich ein blutrünstiges Monster und man sieht nicht kommen, an welcher Stelle man als nächstes mit offenen Mund zurückgelassen wird.

Foto: Kate Burton, Scandal - Copyright: ABC/Eric McCandless
Kate Burton, Scandal
© ABC/Eric McCandless

Ein ähnlich gruseliges und doch prickelndes Gefühl hatte ich bei der Storyline rund um Sally. Ich verbinde sie mit einer Art Hassliebe. Sally hat mit ihren Aussagen zwar fast immer Recht und trifft den Nagel auf den Kopf, das Problem dabei ist aber, dass es die Lieblinge der Serie sind, denen sie mit ihrem Wissen auf die Füße tritt. Es macht daher Spaß, sie nach der Macht greifen zu sehen, dennoch bangt man aber darum, wie sich ihre Taten auf die restlichen Charaktere auswirken werden. Umso unvorhergesehener war für mich daher die Ermordung ihres Mannes Daniel Douglas (Jack Coleman). Dieser Mord kam so plötzlich um die Ecke und auch die Zusammenarbeit mit Cyrus (Jeff Perry) ist etwas, womit man nicht gerechnet hätte. Häufig werden die unterschiedlichsten Figuren in der Serie dazu gezwungen, mit einander zu kooperieren und verschaffen einen damit einen großen Nervenkitzel, da man weiß, dass ihre Geheimnisse irgendwann ans Licht kommen werden und man ihnen einen Strick daraus dreht.

Ein Geheimnis, das ans Licht gekommen ist, ist die manipulierte letzte Wahl, was Cyrus' Mann James (Dan Bucatinsky) nun enthüllt hat. Die beiden geben ein so unterschiedliches Paar ab und schaffen es dennoch zu harmonieren, dass man ihnen einfach nur gratulieren kann. In diesem Zusammenhang waren zwei Szenen besonders ergreifend. Zum einen die Konfrontation der beiden, in der sie sich nackt anschreien und James verlangt, dass Cyrus ihm endlich die Wahrheit sagt. Schauspielerisch gesehen war dies ein wahres Meisterwerk, da beide so authentisch aus ihrer Haut gefahren sind. Zum anderen gehört natürlich des Tod von James dazu, denn die kaltblütige Ermordung durch Jake war eine der verstörendsten Szenen der Staffel. Auch wie der gebrochene Cyrus anschließend die Presse über James' Tod in Kenntnis setzt, war herzzerreißend.

Foto: Scott Foley, Scandal - Copyright: ABC/Richard Cartwright
Scott Foley, Scandal
© ABC/Richard Cartwright

Neben den zentralen Figuren stehen die Mitarbeiter von Olivia etwas weniger im Fokus, obwohl man sich dennoch bemüht, auch sie in die Handlung zu integrieren. Besonders bei Quinn (Katie Lowes) schlägt man in dieser düsteren Staffel einen unerwarteten Weg ein, da sie sich von Olivia abwendet und zu B613 geht. Als Charlie (George Newbern) ihr die Kunst der Folter beibrachte, habe ich eine ganz trockene Kehle bekommen, da schnell offensichtlich wurde, dass Quinn scheinbar wie gemacht für diesen Job ist. Auch die anschließende Konfrontation mit Huck (Guillermo Diaz) war nicht weniger schockierend, da jener unbedingt verhindern wollte, dass Quinn auf diese Schiene abrutscht. Zu sehen, wie Huck Quinn foltert, war äußerst erschreckend, dennoch passte die Handlung wunderbar zum Konzept der Serie.

Bisher stand Mellie (Bellamy Young) immer unwillentlich im Schatten ihres Mannes und hat im Leben nach etwas Glück gesucht. Diese Staffel war für sie sehr emotional, da man uns erzählte, wie es zur Zeugung ihres ersten Kindes Jerry (Dylan Minnette) kam. Eine Vergewaltigung im Kreis der eigenen Familie ist etwas Furchtbares und genau so hat man uns die Geschichte auch erzählt. Ab und an war es bisher schwer, sich in die störrische Mellie hinein zu versetzen, doch nun zieht man alle Register, um uns zu erzählen, wie sie von einer heiteren jungen Frau zu der unnahbaren Person geworden ist, die wir nun vor uns haben. Das man in diesem Zusammenhang den Bogen zu Andrew (Jon Tenney), Fitz' neuem Vizepräsidenten, schlägt und man uns zeigt, dass er schon damals viel für Mellie empfand, war daher umso schöner, da es endlich jemanden zu geben scheint, der Mellie uneingeschränkt liebt. Die sich entwickelnde Affäre mit ihm passte daher sehr gut ins Konzept.

Foto: Tony Goldwyn, Scandal - Copyright: ABC/Eric McCandless
Tony Goldwyn, Scandal
© ABC/Eric McCandless

Showdown der Staffel war die sich zuspitzende Präsidentschaftswahl, in der zum Schluss Sally und Fitz gegen einander antraten. Ich vermute, dass jeder wollte, dass Fitz gewinnt und dennoch konnte man nicht umhin, zuzugeben, dass Sally sich ebenfalls nicht schlecht in dem Posten machen würden. Die gesponnenen Intrigen heizen die Stimmung zum Finale hin immer weiter an und man wurde bereits beim Gedanken an den Ausgang ganz zappelig. Die Autoren spielten in diesem Zusammenhang ganz wunderbar mit unseren Gefühlen und wussten genau, welche Knöpfe sie drücken mussten. Durch die Explosion konnte sich Sally profilieren und man nahm schon fassungslos an, dass die Wahl für Fitz nun verloren ist. Doch dabei haben es die Autoren nicht belassen und ein Ass aus dem Ärmel gezogen, das so makaber und dennoch effektiv ist, dass mir die Worte fehlen. Mellies und Fitz' Sohn Jerry umzubringen und nicht nur die gesamte Welt dabei zusehen zu lassen, sondern ihn auch noch in der Armen seiner Eltern sterben zu lassen, war ein Griff in die unterste Schublade an Hinterlist. Das Entsetzen über Elis Tat könnte nicht größer sein und dennoch muss man ihm gratulieren, da er dadurch dafür gesorgt hat, dass Fitz nun doch im Amt bleiben kann. Dies war eine Meisterleistung, die ich nicht kommen sah. Das Entsetzen, das Mitleid und die Furcht vor Eli Pope, die uns die Autoren damit beigebracht haben, war grandios.

Specials

Foto: Copyright: 2016 ABC Studios
© 2016 ABC Studios

  • D.C. in L.A.
  • Jeff Perry: Im Hier und Jetzt
  • Pannen vom Dreh
  • Zusätzliche Szenen
  • Erweiterte Episode 18


In den Specials überrascht man uns mit der Offenbarung, dass keine der so offensichtlich in Washington D.C. spielenden Szenen dort gedreht wurde. Gekonnt werden die Aufnahmen nach dem Filmen mit den entsprechenden Hintergründen versehen und vermitteln uns den authentischen Eindruck, dass wir uns in der Hauptstadt der USA befinden. Außerdem zeigt man uns einen Lobgesang auf die Schauspielkünste von Jeff Perry als Cyrus Beene. Neben den üblichen zusätzlichen Szenen und witzigen Pannen vom Dreh hält die DVD-Box außerdem eine verlängerte Finalepisode für uns bereit.

Technische Details

Erscheinungstermin: 14. April 2016
FSK: 16
Laufzeit: 738 Minuten (in 18 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 1.78:1
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Niederländisch

Fazit

"Scandal" macht seinem Namen in dieser Staffel alle Ehre. Drama pur ist angesagt und eine Enthüllung jagt die nächste. Dabei verliert man die Figuren allerdings nicht aus den Augen und sorgt dafür, dass man stets mit ihnen mitfiebert und man sich ein Happyend wünscht, das immer wieder in unerreichbare Ferne zu rücken scheint. Genau dieses Konzept macht "Scandal" so spannend und ich wünsche mir, dass diese Glanzleistung auch in Staffel 4 fortgesetzt wird.

Marie Florschütz - myFanbase

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